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Der Israelit · 1933-04-21 · Heft 16 (21.4.1933) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 16 (21.4.1933)
Date
1933-04-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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21. April 1933 Frankfurt a. M., den Nr. 16 23. Nissan 569! Gegründet von Dr.- Lehmann in Mainz! rtoonnement av Juli IE DöiMÄlano ILg -Mark monarttcs; Äusc«no: tahrpretfe ten sprechend dem deutschen Inlandspreis zuzüglich Konen des Ttreisbanv-Beifandes) Deutfch-Sfferreich: Schilling 8.—; Amerika 1 Dollar; England 8 sh.; ab 1 Juli Frankreich35 Fr.; Belgien ab 1.7. 27. BelgaL. Holland 3ff.; Italien ab 1.1.38.18Lire; Ingo» slaoien 88 Din.; Litauen 7.50 Lit.; Rumänien ab l. 7. 37. 18V Lei; Polen 4 deutsche Gold, mark zum Tageskurs oder 7 Zloty; Schweiz 3 Fr-! Tschecho-Slowakei 33 Kronen; Ungarn Pengo 6 ab 1. Juli 1827; Dänemark 3.58 Krön.; Norwegen 3.30 Krön.; Schweden 3.60 Krön. ■.Einzelnummer vierzig Goldpfennige. l'' Der Israettk erschetnr jeden Donnersrag. Inserate 50 (Lolüpf. für Me steüeugesp alteae Nonpareille-Zeile. Abamtente« zahlen bei Stellengesuchen und Familieuanzeiaen nur 40 Pf. Die 75 mm breite Reklamezeüe: letzte Tertseite 8.— Mk„ vorletzte Terlsttte 230 Mk.; Thiffregebuhr in Höhe eines dopp. Fernbriefportos. Rabatt nach Tarif. Bei laufenden Inferataufträge« tarifm. Preiserhöhung jeder,. Vorbehalt. Inseratenannabme durch de« Berlag des Israelit G. m. b. H.» Frankfurt a. M., Rechneigrabenstraße 7, Tel. Hansa 21084 sow. durch sämtli Annoncen-Erped. d. In» und Auslands. Alleinige Inferatenann. für Franks. Geschäftsanz.: Jnl. Schmidt, Oftendftraße 83 Tel. 43888. Platzoorfchr. ohne Berbindltchk. Zahlungen direkt an den Berlag auf Postscheckkonto Frankfurt sMain» Nr. — Augeroem an: Poitsparkaife Wien Nr.70603.—Poitiparkaisenaul Budapest Nr. 18434.—Postscheckkonto Sarschau Nr. 19V757. — Postscheckamt Zürich Nr. VIll725t. — Postscheckamt Amsterdam Nr.34889 — Postscheckamt Prag Nr. 79.080 — Rumänische Kreditbank Bukarest und ihre sämtl. Filialen Der'Gerichtsstand für alle aus Abonnements oder aus Inseraten stch ergebenden Zahlungsverpflichtungen ist Frankfurt «r. M. Erneuern Sie sofort beim Postboten die Bestellung auf den „Israelit“ für den Monat Mai Wird dies versäumt, so tritt eine Unterbrechung der Zusendung ein, ohne daß wir selbst Kenntnis davon erhalten. Für verspätete Bestellungen rechnet die Post einen Aufschlag von 20 Pfg. Verlag des Israelit G.m.b.H., Frankfurt a.M. Die Losung der Stunde. Bon Ttechunja. II. peßach, das Fest der Frejhe.it, trifft uns seit zwei (bolus-Jahrtausenden als unerlöste, unfreie Menschen. Cs traf uns deutsche Juden in diesem Jahre mit verstärktem und verschärftem Dolusdruck. Bitternis und Sorge hat sich.in unsre Herzen gesenkt und maßloses Unbegreifen. Und das verscheuchte Bewußtsein keimt langsam hoch von der Aussichtslosigkeit unsrer Gesamtlage. Uur die historisch Beschlagenen wissen, daß derartige trübe geschichtliche Situationen das Judentum schon allzuhäufig betroffen haben. Jedoch enthält diese geschichtliche Feststellung wenig. Tröstliches und Beruhigendes für die chaotische Gegenwart samt ihrem jüdischen Leid. Und doch kam auch in diesem Jahr das peßachfest zu uns mit seinen Erlösungssymbolen, mit Halleljubel und Freiheitsklängen. Auch in diesem Jahr. Was unterscheidet diese Uacht von allpn andern ... Iler Blick schwelst zurück, fast dreieinhalb Jahrtausende zurück, und die wunderbare Erlösung des jüdischen Volkes aus mizrischen Sklavenfesscln wird zum Greifen lebendig vor unserm geschichtlichen Auge. Unwillkürlich vergleichen wir scheinbar zeitlich unüberbrückbare historische Konstellationen miteinander; ,,. .!. der Mensch ist verpflichtet, stch zu betrachten, äls sei e r aus Mizraim erlöst worden". Ts hat nicht -allzuweit zurückliegende Zeiten des deutschen Judentums gegeben, da diese Pflicht uns verzwickt schwer gefallen ist. Hand aufs Herz! Haben nicht manche deutsche Juden in den letzten Tagen und Wochen manchmal an den — Moschia ch gedacht? Ganz zutiefst, in den entlegensten, intimsten Winkelchen der jüdischen Ueschomo, glüht der Funke der messianischen Zukunftshofsnnng, grünt der „Sproß Jischais", sehnt sich die geschundene, verschüttete Golus-Seele nach dem Moschiach. Der Jude soll das Gespräch meiden über die zeitlichen Aussichten der messianischen Erfüllungen, soll das Gespräch meiden, dann wenn es sich um die allcrhciligstcn, allcrkindlichsten Sehnsüchte seines golusbitteren Herzens handelt. Man soll über diese Dinge nicht grnb'eln, nicht streiten, nicht forschen, nicht reden. Aber vergessen darf man ebenso wenig an sie, oder stch gar ihrer schämen, — wie so oft bisher. Ein Hoffnungsstrahl der messianischen Erlösung brächte Beruhigung in die ansgeschreckten Gemüter. Ein Hoffnungsstrahl der Geulo, der niemals Enttäuschung bringen kann, da er eine Massenbewegung zur Teschnwo zur Voraussetzung hat. Wissen muß man — deutlicher als der greise Gaon in Radin, der Ehofez Ehajim, hat's noch feiner gesagt —, daß dieser grausige Strudel unsrer politischen und kulturellen Unentwirrbarkeiten, dieser Hexenkessel von Kämpfen, Krisen und Katastrophen, nichts anderes, sind, als die Geburtswehen des Messias, der die Welt, erlösen wird und mit ihr das jüdische Volk. Wissen muß man ferner, daß die primären Ursachen des deutsch-jüdischen Golusleides; keine soziologischen sind, sondern messianische. Die Hellsichtigen und politisch Aufmerksamen erkennen das bei jeder neuen Wende unsres Schicksals. So gipfelt die lastenschwere, schicksalsträchtige Bedeutung des diesjährigen Pessachfestcs in dem Bewußtsein der höchsten Aktualität der Geulo. Ein verschwiegenes, beglückendes Wissen um das endliche Kommen der Erlösung; der zweitausendsach erprobte, nie enttäuschtemv*?- Optimismus der Sedernächte. Lereitsein, Bereitstellung der jüdischen Volksmassen — ist alles. Tes ch u w o a l s V o l k s b e w c g u n g ist die Losung. Clijohu, der Prophet, er würde kommen, — h e u t e noch, w e n n w i r „hör e n " könnten, um unser Volk zu verjüngen, wachzurütteln, es würdig zu machen für das Erleben der Erlösung. Weit öffnen wir die Tür in der Sedernacht — wird er kommen, Clijohu der Prophet, sein Volk zu 'erziehen, zü führen, Vorbote zu sein der Geulo? Weit öffnen wir die Tür, — doch draußen ist nichts als dunkle,, frostige Rächte Der Schrei nach Teschnwo, der Rettungsschrei des aus tausend offenen Wunden blutenden jüdischen volkskorpers, verhallt bis heute ungehört in der Rächt. Die Verirrten, Wankenden, Schwachen sind achtlos an ihm vorübergegangen. Oder? ... Das deutsche Judentum muß endlich die Unerläßlichke.it einer allgemeinen Umkehr zur Thora erkennen. Muß erkennen, daß es um Sein oder Nichtsein gebt. Denn unsere heutige völlig verfahrene jüdische Situation erhellt blitzartig den bröckelnden Zustand des inneren Verfalls. Warum soll man diese Selbstverständlichkeiten heute nicht ganz robust bei ihrem Namen nennen dürfen. Mischehen, Uebertritte, Geburtenbeschränkung haben das Mark des deutschen Jndentuins angefresscn. Das verbrecherische Spiel skrupelloser Reform„rabbiner" mit der ewigen Gültigkeit der g'ttlichen Ehcgesetze tat ein Uebriges. verfall der Mikwoans war die Folge. Anarchie auf dem Gebiete der ntrnw und der ni^np-Ccteilung waren Begleiterscheinungen. Ausgedehnte Sabbatschändung gab den Rest. Das Bild des Ruins der jüdischen Ideenwelt ans dem Lande vervollständigt diesen Bericht. Und selbst bis hinein in die Kreise der Vrthodoxie drang und dringt das literarische Gift des künstlerisch geschminkten Jezer Hora in tausendfacher Gestalt. Und Haß und Streit selbst ln unfern Reihen. Und sträfliche Unjüdischkeit der Gesellschaftsformen, des Vergnügens, des Luxus, selbst in unfern Gemeinschaften. Schwanken und Zweifeln selbst in unfern Köpfen. Und über allem das Schwert des intellektuellen oder nationaljüdischen 'Abfalls. Was Wunder, daß uns die Erziehung unsrer Kinder so häufig leider nicht gelingen wollte. Was Wunder, wenn unsre Jugend oft scharenweise überlief in andere Lager. 'Assimilation, vorurteilslose Wissenschaft, Bibelkritik, Politisierung der Jugend, Sittenlockerung 6er Geschlechter im gesellschaftlichen Verkehr verdunkeln nur zu oft den Glanz der zahlreich vorhandenen, gern zngcstandenen, Großtaten der deutsch-jüdischen Orthodoxie. Ruin und verfall ringsum.' Rur zwischendurch vereinzelte Lichtpunkte. Was wird werden aus Deutschlands Judenheit? Großes bat der G'tt der Geschichte in Vorbereitung. Deutschlands Juden sind anserschn, voranzugchen den Tcschuwoweg der über den Erdenkreis versprengten Glieder Jisroels. 'Ruf unfern Schultern entlädt sich ein Unwetter von nicht absehbarem Ausmaß. Und wir Träger des sich im Golus offenbarenden geschichtlichen G'tteswillens, wir Träger der g'ttlichen Richterstrenge, wir wollen aufrecht tragen dieses Joch, das G'ttcs Unwillen auf unfern Uacken gedruckt hat. Uur der Jude, der G'ttes Zorn begriffen hat, dem diese Erkenntnis ein zur praktisch-positiven T a t aufpeitschendes Bewußtsein, geworden ist, nur der Jude wird'auch heute noch sicher und still, vornehm, würdig, vertrauend und allseitig tröstend seinen weg gehen, eingehüllt in G'ttes Liebe, umschatt von den Schutzengeln des Vertrauens,

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