Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 46 (16.11.1933)
- Date
- 1933-11-16
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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o Hl M 5|o||o||MlfÖ|ol|öl H I I Erziehung und Lehre Pädagogische Beilage zum „Israelit" Organ des Bundes gesetzestreuer jüdischer Lehrer Deutschlands foiioMi h Höjöiöii h™-HinHnfri=ni h ii b«— I I i— i Verantwortliche Schriftleitung: L. Kaufmann, Sprendlingen lKreis Ofkenba<ii) Die Mischnah als Lehrstoff im Religionsunterricht. Von Rabbiner Dr. ANchalski in Karlsruhe. Der Wunsch nach vertiefter Quellenkenntnis, die die Mischnah bietet, wird heute vielfach zum Ausdruck gebracht. Die Schwierigkeit des Lesens unpunktierter Texte sucht man auch in den Sprachkursen zu beheben. Sie kann in der Schule gemindert werden, wenn man bei der Wiederholung öurchgenommener wpivv des Pentateuchunterrichts diese im fipn lesen läßt. Eine Uebersichi über den Inhalt der Mischnah und eine Auswahl aus ihm bietet das nivHe? b'b npn, das in allen seinen Teilen sich zur Durchnahme im Unterricht eignet. Es ist in vielen Exemplaren vorhanden, es ist dann ammsiav-Abend nicht fremd. Nicht nur sprachlich und sachlich, sondern auch ethischpädagogisch vermag die Mischnah als Lehrstoff im Religionsunterricht Vieles zu bieten. Der I. p~is aus R»v *) aus einem Mischnahkommentar-) nach dom (Forschungssystem Rabb. S. R. Hirschs i>"27 diene als Beispiel hierfür in nachstehender Präparation. 'k rmn „Sieben Tage vor Iaum hakipurim entfernt man den Hohenpriester aus seinem Hause in die Halle der Beamten und stellt für ihn einen anderen Priester an einer Stelle bereit, vielleicht ereignet's sich bei jenem, daß er untauglich wird. Rabbi Iehudoh-sagt, auch eine andere Frau stellt man für ihn bereit, vielleicht stirbt seine Frau, denn es wurde gesagt: „er sühne für sich und sein Haus", '„sein Haus", das ist feine Frau: man sagte darauf zu.ihm, wenn es so ist. hat die Sache kein Ende." Erklärung: Das Stiftszelt war errichtet. Es harrte feiner Einweihung. Aron war als Priester erwählt. Sieben Tage, so lautet der G'ttesbefehl, (III. B. M. 8 33,32) sollen er und seine Söhne am Eingang des Stiftszeltes verweilen. Tags und Nachts sollen sie in ausharrendem G'ttssgehorsam ihn nicht verlassen. Ungestört sollen sie die Gedanken zu erfassen suchen, die der Anblick des Heiligtums in ihnen wecken will. In Ruhe sollen sie die Eindrücke auf sich einwirken lassen, die der sinnenden Betrachtung vermittelt werden sollen. Vorbereitung des Geistes und des Herzens ist's, ohne die der Dienst der Tat Zweck und Wirkung nicht erzielt. Gehorsam lasse den ersten Priester zum ersten Diener des Zolles werden. Am Eingang hat er des Rufes zu harren, auf den er so lange gewartet. „Hütet den G'ttesauftrag, damit ihr nicht sterbet," so lautet die Warnung. Der Willkür eines Nodow und Awihu will sie Vorbeugen. Jeden Eigenwillen will sie bannen. Auf den unsichtbaren Schöpfer, der am siebenten Tage geruht hat, sei sieben Tage der Blick gerichtet, der Geist gelenkt. Die Schöpfung der sechs Tage, die dem Genuß des Körpers dient, sei der Gsrstesschöpfung, dom G'ttesdiktat auf dem Berge Sinai-!) unterstellt. Wie Er anordnend dies erzielt, hat G'tt weiterhin zu vollziehen geboten, um Sühne für Euch zu erwirken. (III. B. M. 8, 34). Gehorsames Warten, ununterbrochebos Weilen am Eingang ist Vorbereitung für die Weihe des Zeltes und des Priesteramtes. Es ist auch Vorbereitung' für das Verständnis der Bedeutung des Sühnetages. Selbst als rmzvvrr nur, als Hinweis dort aufgefaßt, vermag dies als mne^ nv'-eund w->e) als Absonderung zur Reinheit und Heiligung zu dienen. Vor Heber-Hebung schützt es, zur Demut führt es, ein Angstgefühl der eigenen Unwürdigkeit weckt diese Isolierung?) Fast gleicht der Aufenthaltsort einem Gefängnis, als ein Strafgefangener erscheine er sich, der begangene Sünden zu büßen hat. Eine 7171772 am Pfosten der Tür hat den Zweck, in den Augen des Volkes diesen Eindruck zu mildern?) H Wegen Raummangel in der 'ivn-Nummer zurückgestellt. 2) Vgl. Jhrg. I, 7, 11/12, Jhrg. III, 1/2, 12 der Monatsschrift ’nx ni-m. rr.i' rri>i mnvi> 033’b rn av ’-'en O - z »nv 'zm ''S (3 1» inlnam nmn vi>sni>nv emi mi-p baa insa rrmi i'brz nnr i3i> . -pniorm flvn pinn f.ir n»K ni-e» y> (s -nvn2- Züdische Lehrerzeitung oder Zeitung für jüdische Erziehung? (Zu dem Artikel „Neuer Aufbau der jüdischen Lehrergeitung"). Herr Kollege I. Raphael-Beckum hat in „Erziehung und Lehre", Nr. 33 des „Israelit", feine Meinung dahin.ausgesprochen, daß er mit der bisher üblichen Form des Lehrerblattes als Beiblatt nicht einverstanden sei. Er verlangt ein selbständiges Lehrerblatt. Er fordert die Zeitung für jüdische Erziehung. Wir fühlen uns zu dem unumwundenen Geständnis veranlaßt: Herr Raphael hat recht. In der Zeit, in der wir, die deutsche Judenheit, gezwungen sind, unser Gesamtheitsleben neu auszubauen, sozusagen von vorne anzufangen, sollte es für uns alle, Lehrer und Eltern, Führer und Gemeinden, keine dringlichere Aufgabe geben als die Erziehung unseres jungen Geschlechtes. Denn wir Alten, die wir bereits „erzogen" sind, wir können schwer uns ganz in den neuen Rahmen, der uns unser Lebensraum sein wird, einpassen', wir werden mit einem Fuße immer noch auf dem Boden stehen bleiben, der uns nunmehr verwehrt ist. Unsre Kinder erst werden Bollbürger sein des Lebensbezirkes, innerhalb dessen sie ihr geistiges Dasein aufbauen können. Da wäre in der Tat ein Organ vonnöten, um von hoher Warte aus die Fragen und Notwendigkeiten der Erziehung unserer Jugend, ihre Heranbildung zu gefestigten jüdischen Charakteren, zu Volljuden zu erörtern. Es müßte eine Zeitung für jüdische Erziehung gegründet werden, nicht ein Blatt des jüdischen Lehrers, das Standesinteressen und methodische Fragen des jüdischen Unterrichts behandelt, sondern ein Blatt, das es unternehmen wollte, Männer und Frauen um sich zu sammeln. um Pionierarbeit zu leisten für die Hinführung unsrer Kinder in das geweihte Land der Treue und Hingebung zum Thorajudentum. Wir bezweifelu die Möglichkeit, ein solches Werk zu schaffen, denn wir glauben nicht an die noch vorhandenen Energien, an die jüdische Begeisterung, von denen Kollege Raphael spricht. Wir bilden Kommissionen, Ausschüsse und — schlafen weiter. Unser Haus brennt, es droht über unserem Kopfe einzustürzen, wir jammern und seufzen, zur Tat, zur großen, mitreißenden, Neues schaffenden Tat vermögen wir uns nicht mehr aufzuraffen. Wir sind „alt geworden im Lande", die Assimilation hat unsren Restbestand an jüdischen Kräften absorbiert, unser jüdisches Leben ist ein Dahinschleichen, kein festes und freies Dahinschreiten. Und wir hätten gerade jetzt das Blatt für jüdische Erziehung so sehr nötig, „ein Organ zur Schaffung einer bewußt jüdischen Basis für den Aufbau unsrer neuen Epoche, unsrer neuen Schule!" Der Meister, der die Kraft besäße, „einen Stab von wirklich zuverlässigen und überzeugungstreuen Arbeitern" um sich zu sammeln, der auch imstande wäre, sich das zum großen Werke immer noch notwendige Kapital zu beschaffen, dieser Mann müßte dann Hauptschriftleiter der Zeitung für jüdische Erziehung sein. Wir aber, wir gestehen es in unser Nichts durchbohrendem Gefühle ein, wir sind nur Schriftleiter eines „Blättchens", das als Beiblatt zum „Israelit" erscheint und das das Sprachorgan des Bundes gesetzestreuer jüdischer Lehrer Deutschlands ist. Da ist es selbstverständlich, daß der Schriftleiter als Beauftragter des Bundesvorstandes sich nur innerhalb des Rahmens bewegen kann, der ihm von der Organisation gesteckt ist, in deren Auftrag er arbeitet. Wir bekennen aber freimütig: Es wurde uns seitens des Bundesvorstandes stets freie Hand gelassen und niemals der Versuch gemacht, uns in unsrer redaktionellen Tätigkeit zu beengen und Schranken aufzulegen. Gleiches ist von dem Verhältnis zu sagen, in dem wir zur Redaktion und dem Vorlage des „Israelit" stehen. Wir vermögen uns keines einzigen Falles zu erinnern, der die Abhängigkeit unsres „Blättchens" vom Hauptblatte erweisen könnte. Diese Abhängigkeit ist einfach nicht vorhanden. Die in „Erziehung und Lehre" erscheinenden Arbeiten werden von uns in Druck gegeben, ohne daß Redakteur des „Israelit" und dessen Verleger sie im Manuskript zu Gesicht bekommen. Ebenso müssen wir die Bemerkung des Herrn R. zurückweisen, es sei sogar gelegentlich zu bemerken gewesen, daß lediglich das „Üebriggebliebene" eben gut genug wäre, um als „Artikel" im Lohrerblöttchen zu figurieren. Diese Behauptung war für uns eine große Ueberraschung, weil sie kein Körnlein Wahrheit enthält. Wir haben schon vor Jahren im Vorstande des Bundes uns damit beschäftigt, das Bundesorgan aus seiner Beziehung zum „Israelit", die nur äußerer Natur.ist, zu lösen, wir mußten von der Realisierung dieses Gedankens jedoch Abstand nehmen, weil wir einsahen, daß man zur Herausgabe eines selbständigen Lehrerblattes einer entsprechenden Summe Geldes bedarf, und daran fehlt es dem Bunde nicht erst seit heute. Es fehlt aber auch an den Menschen, die des Willens sind, sich und ihre Feder zur Berfiigung zu stellen. Der Ze-itungsleser durchschnittlichen Formats lieft seine Zeitung, macht vielleicht einige zustimiueiide oder wegwerfende Bemerkungen, und damit ist die Sache für ihn erledigt. Er hält es jedoch unter feiner Würde, auch wenn er das Zeug dazu in sich hat, sich zu positiver Mitarbeit — Herr Raphael möge das . seinen Ohren schrecklich klingende Wort verzeihen — bereit zu finden. Wenn wir unsre redaktionelle Korrespondenzmappe öffneten, kämen ganz interessante Sachen und Sächelcheir zum Vorschein. Da schreibt uns ein verehrter Kollege, der uns eine Arbeit für unser Blatt zugosagt hatte, mit der Zusendung jedoch im Rückstand geblieben war, als wir uns erlaubten, ihm seine Zusage in Erinnerung zu bringen: Nein, er schreibe nicht mehr für das Blatt, das als Beilage zmn „Israelit" erscheine, denn der „Israelit" habe ihm seine Verlobungsanzeige viel höher berechnet als das Hamburger Familienblatt. Ein Pädagoge in führender Stellung stellt uns einen Bericht über die Arbeit der von ihm geleiteten Organisation in Aussicht. Aber naw pni bip pn, der Bericht ist heute nach Monaten noch nicht eingetrosfen. Es sind nur Einzelne vom Schlage des Kollegen Raphael, die es drängt, jüdisches Wollen in Worte zu kleiden und zur Tat werden zu lassen. Und dankbar müssen mir diesen Wenigen sein, die die Kraft und den Mut ausbringen in einer Zeit, die so viele kraftlos verzagen und, von seelischen und leiblichen Röten geplagt, verstummen läßt, zur Erziehung der Erzieher auszurusen. Vielleicht ist das ältere Lehrergeschlecht wirklich nicht, mehr fähig, sich in die Zeitenwende zu finden und ihr Rechnung zu tragen. So mögeü die Jungen hervortreten und die Führung in die Hand nehmen. Wir Alten werden ohne Wehmut die Segel streichen und uns freuen, daß jüngere Kräfte auf dem Plaue erscheinen, uin den Kampf um die jüdische Erziehung und die jüdische Schule aufzunehmen und zum glücklichen Ende zu führen. K. Besuch bei Mordechaj Teikelbaum zu seinem 70. Geburtstag. Bor einigen Monaten hatte ich Gelegenheit, den bekannten hebräischen Schriftsteller Mordechaj Teitel - bäum zu besuchen. Er wohnt seit seiner Uebersiedlung aus Palästina, seit 1926, ans einen) Gut in Polen. Weiteren Kreisen ist er vor mehr als 20 Jahren durch das umfassende Werk Raw mi-Ladhi bekannt geworden. Die größten jüdischen Gelehrten haben ihm herzliche persönliche und öffentliche Anerkennungen gewidmet. Teitelbaum zeigt mir ein großes Bündel von Dankschreiben und überaus günstigen Buchrszenfionen. Namhafteste Gelehrte, internationale Größen haben dieses - Werk reicht allein als Grundlage für chassidistische Studien, sondern darüber hinaus vor allem des vorbildlichen, ausgezeichneten Stiles wegen gerühmt. Das Werk ist nur in Hebräisch verfaßt. Namhafteste jüdische Gelehrte empfahlen die Herausgabe einer deutscher) Uebersetzung. Teitelbaum hat sich jedoch bis heute nicht dazu entschließen können. Ich frage -ihn nach dein Grunde. „Sehen -Sie," antwortet er, „die namhaftesten hebräischen Schriftsteller und Gelehrten rühmen mein Werk vor allem des hebräischen Stiles Ivegen. Ich habe besonderen Wert aus Wohlklang und Melodie gelegt und verwendete die ausgesuchtesten, eigentümlichsten Redewendungen, um dem Werk nicht allen wissenschaftlichen, sondern auch besonderen künstlerischen Wert zu verleihen. Das Werk würde übersetzt kaum viel anders als eine trockene Biographie darstellen, für die nur ein engerer Kreis von Fachgelehrten Interesse hätte. Diese jedoch können mit Leichtigkeit das Werk in Hebräisch lesen. Außerdem ist es aber auch seiner eigentümlichen Sprache halber für weitere Kreise Hebräischknndiger bestimmt." Ganz begreiflich finde ich das. Ich gebe dem Wuilsch Ausdruck, daß Auszüge aus diesem Werk Aufnahme in hebräische Lesebücher und Chrestomathien finden mögen. Dubnow und Poznanski, um nur einige Gelehrt^ von Rang zu nennen, rühmten die Sprache afg dys Klassisch-Hebräisch der alten Schule und zählen T/rH telbaum in die Reihe der größten lebenden hebräischen Schriftsteller. Warum sollte also nicht ein Auszug.'UsiM nähme in eine Chrestomathie finden können? „Dann hat es aber auch noch einen anderen„MMff, weshalb ich das Werk nicht übersetzen will," sagt TKtel-