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Der Israelit · 1933-11-16 · Heft 46 (16.11.1933) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 46 (16.11.1933)
Date
1933-11-16
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 Nr. 46 16. November 1933 3);« t Israelit England. Strenge Maßnahmen gegen „illegale Touristeneinwanderung" nach Palästina. . London, 9. Nov. In der am 9. November abgehaltenen Sitzung des Unterhauses gab der Minister sür die Kolonien, Sir Philip C u n l i s s e - L i st e r, in Beantwortung der aus seine Aussorderung vom Abgeordneten Captain Peter M a c - donald nochmals schriftlich eingebrachten Anfrage über die illegale Einwanderung nach P a l ä st i n a eine bedeutsame Erklärung ab, in der er strenge Maßnahmen gegen die illegale Einwanderung ankündigte. U. a. werden künftighin Personen, die bloß Nansen- Pässe oder gleichartige Personaldokumente haben, nur in Ausnahmefällen Visa erhalten. Landesversammlung der englischen Agudas Jisroel. London, 6. Nov. Die Landesversammlung der Agndas Jisroel in England hat in ihrer am 5. üs. Mts. stattgehabten Jahrestagung folgende Resolutionen angenommen: 1. Die Konferenz gibt ihrem Vertrauen zu der Hilfsk o n f e r e n z für die deutsche Judenheit Ausdruck, an welcher Führer der agudiftifchen Weltbewegung teilnehmen. Die Konferenz fordert, daß alle Organisainnerhalb und außerhalb Deutschlands, die gebildet worden sind, um sich mit der Hilfe für die deutsche Judenheit zu befassen, die ihnen anvertrauten Gelder mit vollkommener Unparteiischkeit verwalten und daß die orthodox-jüdischen Organisationen im vollen Umfang Unterstützung finden. 2. Die Konferenz gibt ihrem Bedauern Ausdruck über die Art, in denen der Judenheit in Deutschland begegnet wird und ihrer Bewunderung für den Mut, mit dem die jüdischen Gemeinden dieses Landes der Prüfung, der sie unterworfen worden sind, standhalten. Sie betrachtet es als heilige Pflicht der Weltjudenheit, ihr Aeußerstes zu tun, um das jüdisch-religiöse Gemeinschaftsleben in Deutschland zu stärken. 3. Die Konferenz nimmt Kenntnis von der auf der Welthilfskonferenz erzielten Verständigung darüber, daß bei dem für die deutschen Juden begonnenen Hilfswerk in und für Palästina volle Gleichberechtigung gewährt wird denjenigen, die aus religiösen Gründen der Jewish Agency nicht angehören und daß die a gud i st i s ch e Arbeit in Palästina in gleicher Weise wie diejenige anderer Organisaton unterstützt werden soll. 4. Die Konferenz gibt dem Gefühl tiefer Wertschätzung Ausdruck für die unermüdlichen Anstrengungen Mr. Otto Schiffs und des jüdischen Flüchtlingskomitees im Intereste der jüdischen Emigranten aus Deutschland. Es appelliert an das Flüchtlingskomitee, mit Sympathie die gerechtfertigte Forderung zu beachten auf gleichzeitige Behandlung desjenigen Teiles der Flüchtlinge, die nicht deutscher Nationalität, jedoch Opfer dieser Tragödie sind. Sie fordert das Komitee auf, insbesondere seine Anstrengungen fortzusetzen in der Richtung der B e r u f s e r - Ziehung für diejenigen, die nach Palästina oder anderen Ländern auswandern wollen. 5. Die Konferenz gibt ihrem vollen Vertrauen Ausdruck für die Leiter der Welt-Agudo, denen sie ihre absolute Treue und Mitarbeit zugesichert, in ihren übermenschlichen Anstrengungen, das Banner der Thora aufrecht zu erhalten. 6. Die Konferenz gibt ihrer Wertschätzung Ausdruck für die Leiter der polnischen orthodoxen Judenheit und bekundet Dankbarkeit den Herren I. M. Lew in und M ü n z b e r g für ihre unermüdlichen Anstrengungen im Interesse der Orthodoxie in Polen. Sie dankt für die Anrxesenheit eines Vertreters der polnischen Gesandtschaft bei der Konferenz und für die freundlichen Beziehungen zwischen der polnischen Regierung und der Agudas Jisroel. 7. Die Konferenz appelliert an die Weltjudenheit, sich der tragischen Lage der Juden in Sowjetrußland zu erinnern. Drei Millionen unserer Brüder sind zum ökonomischen und geistigen Untergang verurteilt. Ihre Notrufe bleiben heute unerhört und unbeachtet, die Rabbiner und Religionsbeamte gehen dem Tode und der moralischen Degradation entgegen ausschließlich wegen ihrer religiösen Ueberzeugung. Die Konferenz appelliert an die Sowjetregierung, die Auswanderung nach Palästina für diejenigen Nabbitten zu erleichtern, für welche die Palästina-Regierung Visa gewährt hat. Die Konferenz bittet die' Exekutive der Welt-Agudo, Verhandlungen zu diesem Zwecke zu beginnen. 8. Die Konferenz appelliert an die e n g l i s ch - j ü - dische O r t h ö do x i e / sich um das Banner der Agudas Jisroel zu sammeln und mitzuhelfen am Aufbau einer starken und blühenden orthodox-jüdischen Organisation in diesem Lande und die Jugend um dieses Banner zu sammeln. Die Konferenz lenkt die Aufmerksamkeit der englischen Judenheit auf den Vertrag zwischen der Agudas Jisroel und der Eagle Insurance C y., der den Keren Hathora und den Keren Hajischuw in den Stand setzen soll, die Erziehungsinstitutionen in der Diaspora und im heiligen Land kräftiger zu unterstützen. 9. Die Konferenz bittet nach Anhörung einer Deputation des Rates für die Verbesserung der gesetzlichen Lage der Jüdinnen den Großen Rabbinischen Rat die Anregungen zu würdigen, welche diese Körperschaft unterbreitet. 10. Die Konferenz entbietet ihre herzliches Grüße der agudiftifchen Organisation von E r e. z Jisroel, der agudiftifchen Jugend und der agudiftifchen Arbeiterbewegung im heiligen Land. Sie grüßt den geistigen Leiter der Orthodoxie, Oberrabbiner Dusch i n s k i, und bringt ihm ihre ehrfurchtsvolle Hoffnung auf eine glückliche und erfolgreiche Laufbahn im heiligen Lande zum Ausdruck. 11. Die Konferenz vertraut, daß der Friede wieder hergestellt werden wird unter der Bevölkerung Palästinas. Sie ist überzeugt, daß jüdische Arbeit unter Zustrom jüdischen. Kapitals nicht nur unschädlich ist für die arabische Bevölkerung in Palästina,■ sondern Beträchtliches beitragen kann zur Verbesserung der Lage aller Einwohner des Landes. Die Konferenz appelliert an Seine Majestät Regieung, die Tore des heiligen Landes seinen zurückkehrenden Söhnen in weiterem Umfange zu öffnen. Sie fordert, daß die Verteilung von Zertifikaten in absoluter unparteiischer Weise vor sich geht. Sie erinnert an ihre Verurteilung der bisher unternommenen Versuche, die Tore des heiligen Landes für orthodoxe Aulim zu verschließen. Die Konferenz appelliert an die Agudas Jisroel-Welt-Exekutive, nichts unversucht zu lassen, um die Möglichkeit zu sichern, daß Tausenden orthodoxer Chaluzim die Einwanderung nach Palästina möglich werde. Die Konferenz bedauert, daß der Völkerbund und die Mandatarmacht noch immer der orthodoxen jüdischen Gemeinschaft von Jerusalem keine volle Rechtsgleichheit gewährt haben. Die Religion ist der eigentliche Inbegriff der jüdischen Nation, des jüdischen Landes und der jüdischen Gemeinschaft. Wenn Gewissensfreiheit gewährt wird, wird es den verschiedenen Gemeinschaften erstrecht möglich sein, in wirtschaftlichen und politischen Angelegenheiten zusammenzuarbeiten und einen repräsentativen Körper sür das ganze Land zu bilden. Die Konferenz appelliert an d'en Völkerbund, den orthodoxen jüdischen- Gemeinschaften im heiligen Lande volle Gleich heit zu gewähren. Die Konferenz begrüßt die Tendenz der orthodoxen jüdischen Jugend, sich in Palästina anzusiedeln und fordert die Exekutive Ms, Ausbildungsstätten (Hachscha - ras) in Großbritannien zu errichten. 12. Die Konferenz appelliert an die englische Judenheit, den Keren Hajischuw zum Zwecke der Stärkung der religiösen Erziehungsinstitutionen im heiligen Lande und zum Zwecke der Unterstützung religiöser Arbeiterorganisationen unter Förderung der orthodoxen Organisationen zu unterstützen. Die Konferenz empfiehlt der Exekutive, in Palästina eine Kolonie zu gründen, die dem Gedächtnis des C h o f e z C h a j i m gewidmet ist. 13. Die Konferenz erachtet, daß eine fundamentale Lösung für das Problem der jüdischen Erziehung die Errichtung von jüdischen Tagesschulen ist. Infolgedessen unterstützt sie aufs wärmste den Vorschlag, in London eine orthodox-jüdische Elementarschule auf den Namen des C h o f e z Chajim zu errichten. 14. Die Konferenz appelliert an die englische Judenheit, Beth Jacob zu unterstützen, jene Bewegung der jüdischen Mädchen in Ost- und Zentraleuropa, in deren Rahmen 35.000 jüdische Mädchen herangebildet und erzogen werden. Sie erachtet, daß die Zukunft des traditionell-jüdischen Lebens in diesen Ländern nicht in kleinem Maße von der Ausdehnung Und Stärkung dieser Bewegung abhängt, sie fordert Unterstützung für dieexistierende Beth Jacob-Schule in Ost-London und glaubt, daß ähnliche Schulen durch das ganze Land hindurch: im Interesse der englisch-jüdischen Mädchenwelt gegründet werden müßten. 15. Die Konferenz verpflichtet die englische Judenheit, ihr Aeußerstes zu tun zur Unterstützung der Jeschiwaus und glaubt, daß der Keren Hathora, der Welt-Fond, der zu. diesem Zweck gegründet worden ist, gefördert und ausgestaltet werden müßte. 1 16. Die Konferenz erachtet, daß der größte Feind des englischen jüdischen Lebens die Unwissenheit in den jüdischen Wissenschaften und die Gleichgültigkeit gegenüber jüdischen Fragen ist. Sie begrüßt die vorhandenen Studienzirkel für die Jugend und befürwortet die Errichtung solcher Zirkel in jeder Jugendgemeinschaft im Lande, wo jüdisches Gesetz und jüdische Wissenschaft studiert werden. Sie empfiehlt, daß die Exekutive Lehrer anstellen soll, welche solche Zirkel in jedem Distrikt Londons und in den Provinzen, wo sie noch nicht vorhanden sind, führen sollen. Gründuny einer „Bes Iaakauw-Schule" in Tel-Awiw. Tel - Awiui, 6. Nov. Dank den Bemühungen des Herrn Dr. Leo D en ts chl ä n d e r aus Wien ist hier in Verbindung mit der „Histadruth hacharedim" eine zunächst dreiklassige Bes I a a k a u w - S ch u l e eröffnet worden. Bei der Eröffnung hielten die Herren Dr. Deutschländer, Wien und Josef Vetter, Tel-Awiw Ansprachen, die auf die Bedeutung des begonnenen Werkes für die Orthodoxie hinwiesen. Personalien. Hanau, 12. Nov. Am Sabbatausgang hauchte Benjamin Lang feine reine Seele aus. Großgezogen i-vwrimi nimn'212, hat er fein ganzes Leben hindurch die Traditionen seiner Ahnen treu gehütet. In den letzten Jahren seines Lebens verfaßte er zur Veranschaulichung des i"2n-Unterrichtes eine Landkarte über i>rr->r?' die allgemeinen Anklang gefunden hat. Durch sein bescheidenes, anspruchsloses Auftreten und sein streng korrektes Verhalten erfreute er sich in allen Kreisen großer Beliebtheit. Er 'gehörte in seiner Gemeinde zu den regelmäßigen Besuchern des 2^202 und verliert die Gemeinde mit ihm ein treues Mstglied. — Herr Provinzialrabbiner Dr. G r a d e n w i tz gedachte bei der ">i^> in warmen Worten dieses seltenen Mannes und zeichnete ein getreues Charakterbild des lieben Menschen und echten,, frommen Jehudi. . v"2xm. Bad Homburg, 13. Nov. Herr Lehrer G 0 ld sch m iö t, der vor kurzem in selten geistiger Frische seinen 70. Geburtstag beging, konnte dieser Tage auch auf eine 50jährige Tätigkeit als Beamter zurückblicken. Hervorgegangen aus dem Kölner Lehrerseminar, wirkte er zunächst fast drei Jahrzehnte in verschiedenen Gemeinden Süddeutschlands, und folgte im Jahre 1911-einem Rufe der Bad Hamburger Gemeinde als Lehrer und zweiter Kantor. Herrn Lehrer Goldschmidt, der sich weit über den jüdischen Gemeindekreis größten Ansehens erfreut, ei auch von dieser Stelle aus für die fernere Zukunft alles Gute gewünscht. -tue? Dnipy-i nxa iy Rotenburg a. d. Aulda. 11. Nov. Am 22. November begeht die Schneidermeisterin Frl. Jettchen Gans, dahier, Inhaberin der Firma I. S. Gans, das 100jährige Bestehen des handwerklichen Geschäftes, das am 22. November 1833 von ihrem Großvater Salomon Gans begründet und von ihrem Vater Jsak Gans und dann von ihr bis heute fortgeführt wurde. Neidenstein b. Heidelberg, 10. Nov. Ein echter und >chlichter Jehudi alten Schlages ist durch das Ableben von I. H. Mayer von uns gegangen. Sein Ruf ging nicht weit über die Grenzen seiner kleinen Heimat. Doch um so mehr war er im Kreise seiner Familie-und im ganzen Ort beliebt und geschätzt. Man kannte ihn als den gehämmerten Jehudi, der sich durch sein p>nfn auszeichnete. Bewunderungswürdig war feine unerchütterlichs Konsequenz, mit der er im abgelegenen' einsamen Ort alle mxa aufs Peinlichste erfüllte. Wenn er auch kein Amt und keine Würde suchte, eine Tätigkeit ließ er sich nicht .nehmen: Er war 25 Jahre lang Mitglied des örtlichen Synagogenrates und konnte kraft feines energischen Eintretens verhindern, daß irgendeine Neuerung auf synagogalem Gebiete Einlaß fand. — Nun ist er, fast 75 Jahre alt, von uns gegangen. ifvor

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