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Der Israelit · 1933-11-16 · Heft 46 (16.11.1933) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 46 (16.11.1933)
Date
1933-11-16
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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16. November 1933 Der Israelit Nr. 46 Seite 3 übermenschlicher Kraft und Anstrengung bedarfum die Gedanken rein auf den Sabbat zu konzentrieren, daß unser Erwerbsleben im Golus sich kaum rein halten könne von Vergehungen gegen die das Erwerbsleben regelnden Gesetze der Thora, man denke nur an niuixi nm vor denen man sich in den immer mehr sich komplizierenden Verästelungen und Verwicklungen des modernen Wirtschaftslebens kaum schützen kann. Aus diesem Leid gibt es nur einen Ausweg: den Weg der Alijah in die Heimat. Um auf jüdischer Erde Volljude werden zu können, um dort dem nationalen Leben d i e Formung zu geben, die die Idee des Judentums fordert, daß sich dort im privaten und öffentlichen Leben der G'ttesgedanke manifestiere, daß jede Tat das Gepräge der G'ttbejahung trage, das ist die Sehnsucht der 2lulim. Das Golus im Golus zurückzulasssn und es nicht mit sich in die Heimat zu nehmen, dort im g'ttgeweihten Land sich der G'ttesnähe zu erfreuen, G'tt wieder heimzuführcn in die von ihm verlassenen Stätten, das wäre Aufgabe und einzige Aufgabe der Aulim. Und ich glaube, daß sich endlich alle Aulim in der Heimat finden müßten. Es müßten neue fronten in Vci Heimat ersteh e n. Angesichts der geradezu ungeheuren Aufgaben, die der Lösung harren, haben die alten Fronten ihren Sinn und ihre Bedeutung verloren. Ich habe in diesen Tagen in der palästinensischen Presse eine Kritik der zionistischen Leitung aus der Feder meines Freundes, Rabbi W e i r Berlin, des Führers des Msrachi, gelesen, die, wenn sie aus unserem Kreise erfolgt wäre, sicherlich uns den Vorwurf des Verrats eingetragen hätte, und doch erklärt derselbe Führer, ein Zusammengehen mit der Agudoh für unmöglich, so wurde mir in Budapest wenigstens berichtet, wenn dort der Sinn seiner Ausführungen richtig verstanden wurde. Ich glaube, es geht jetzt doch um etwas Größeres als um bloße parteischlagworte. Es bandelt sich doch letzten Endes darum, ob Erez Jisroel jüdisch werde, ob der Zustrom nach dem Lande der Väter zu einer Alijah werde, oder ob dort die Gaulim die Herrschaft an sich reißen sollen, die bas Golus, wie wir und mit uns auch Rabbi Weir Berlin und seine Genossen es verstehen, nur noch vertiefen und verbittern sollen. Soll das Bestreben dahili gehen, nV7a zu verringern, G'ttes Thora ein Winkelchen auf der wollen Welt zu sichern, oder aber einen formalen Rationalismus auf den Thron zu erheben, der den Untergang des ersten jüdischen Reiches herbeiführte, oder aber vielleicht sogar einen Internationalismus einzuführen, einen Mangel an nationaler Gesinnung und nationaler Würde Platz greifen zu lassen, dem das zweite Reich zum Opfer fiel? Den Au lim, die nichts anderes erstreben, als Y? 82' Jvhv daß G'tt in einer jüdischen Heimstätte König und Herrscher sei, und die daruni von Mutter Zion mit den Worten V1V nvbV rm xnn A2 ur>bm begrüßt werden, müßte eg auch gelingen, Aleines Feuilleton. (Zahl und Verkeilung der jüdischen Bevölkerung in Jugoslawen.) Die soeben veröffentlichten staatlichen Statistiken geben Aufschluß über Zahl und Verteilung der Angehörigen der einzelnen Konfessionen in Jugoslawen. Die Juden bilden mit rund 70.000 Seelen 0,5 Proz. der Bevölkerung. In den Städten Jugoslaviens wohnen- N940.000 Menschen, von denen 2,88 Proz. Juden sind. Prozentual am stärksten vertreten sind die Juden in der südserbischen Stadt Bitolj (Monastir), wo 12 Proz. der Einwohner sephardische Juden sind. Die 7.619 Juden der bosnischen Hauptstadt Sarajevo bilden 11 Proz. der dortigen Gesamtbevölkerung. In der Reichshauptstadt Belgrad wohnen 7.905 Juden (3 Proz. der Gesamtbevölkerung). Die größte jüdische Gemeinde besteht in der kroatischen Landeshauptstadt Zagreb. Sie zählt 8.702 Juden, was einem öprozentigen Anteil an der Einwohnerschaft entspricht. In der slavonischen Hauptstadt Ossijek (Essog) leben 2445 Juden (6 Proz. der Einwohnerschaft.) In Subotica wohnen 3758 Juden (3,7 Proz.), in Novisad (Neusatz) 3135 Juden. In der .slawonischen Hauptstadt Ljubljana (Laibach) wurden nur 93 jüdische Seelen gezählt. (Lin Bibelmuseum in Stuttgart.) Die Württembergische Vibelanstalt in Stuttgart hat im Laufe des Sommers in ihrem Hauptgebäude ein Bibölmussum singorichtet, das 2200 historische, 500 moderne Bibelausgaben und 130 Blindenbibelteile enthält. Es ist eine stattliche Sammlung von Bibeln aus aller Welt und in mehr als 100 Sprachen. Dazu kommen noch viele Missionsübersetzungen des 19. Jahrhunderts. Die eigenen Bibelausgaben der Anstalt beginnen mit dem Jahre 1816. den Frieden mit den anderen Bewohnern -des Landes, mit den Arabern herzustellen und zu begründen. Sie sind keiner, imperialistischen Gelüste verdächtig, wie sie ja auch im Golus sich stets des Golus bewußt geblieben sind und niemals danach gestrebt haben, an die Spitze der Völker zu treten, um ihre Geschicke zu formen. Ich habe schon vor ungefähr VA Jahren die bringende Rotwendigkeit betont, daß wahrhaft orthodoxe kreise nach Palästina ziehen sollen, um an der Gestaltung und Formung des jüdischen Lebens dort im Lande der Väter aktiv 2lnte.il zu nehmen, weil ich der Ueberzeugung bin, daß von der Gestaltung des jüdischen Lebens dort in der Heimat das Geschick der Iudenheit in der Diaspora beeinflußt werden wird, daß von dort Ströme der Geistigkeit in die Diaspora fließen werden, die auf Jahrzehnte hinaus dem jüdischen Geistesleben Richtung geben werden. Die neu eintretenden 'Ereignisse im Golus und die stü rmisch ein setzende Einwanderung nach Palästina lassen diesen Wunsch noch dringender erscheinen. Cs dürfen nicht Gaulim hin, sondern es ist Pflicht der Gesamtorchodoxie, dafür zu sorgen, daß auch A u I i m dort Platz finden, die stch ihrer Aufgabe bewußt sind, jüdisches Leben in der jüdischen Heimat zu wecken und zu fördern, ganzes, ungeteiltes jüdisches Leben, kein durch Kompromisse mit dem Golus verkümmertes Thoraleben und pflichterfüllen, sondern volles reiches wahres Judentum, das an sich den Stempel g'ttlicher Wahrhaftigkeit trage, der Ganzheit, der es unserem Thorälebm im Golus mangelte. Die Gaulim freuen sich mit der Zufluchtsstätte im Lande G'ttes, es müssen aber die Aulim die geistige Führung erlangen, mit denen sich G'tt freue, die,Zion mit den Worten grüßt: '*n ww- Wochenrundschau. ,/ ' Frieden und Gteichberechkigung. Volksabstimmung -und Reichstagsmahl am letzten Sonntag haben das erwartete Ergebnis gehabt: die einmütige Billigung der deutschen Außenpolitik durch das ganze deutsche Volk und zugleich nach innen die unerschütterliche Verwurzelung der nationalsozialistischen Herrschaft in dem Gesamtwillen der Ration. Die Bedeutung dieser letzteren Tatsache zu würdigen, ist nicht unsres Amtes. Wohl aber glauben wir dm Sinn des a u ß c npolitischen Votums auch vom jndichen Stand- Die württembergische Landesbibliothek in Stuttgart besitzt ebenfalls wertvolle Bibelschätze, die nach Wert und Umfang — mit mehr als 9000 Bänden in mehr als 100 Sprachen — wohl von nur wenig Sammlungen in der Welt erreicht oder gar übertroffen werden dürste. Ihr Grundstock war im Jahre 1784 durch Herzog Karl Eugen von Württemberg gelegt worden, der bei einer Reise nach Kopenhagen die große 4000 Bände fassende Lorck'sche Bibelsammlung erworben hat und sie der Landesbibliothek einverleibte. Zwei Jahre später kaufte er die 1600 > Bibeln umfassende Sammlung des Nürnberger Pfarrers Panzer. Infolge eines Druckfehlers ist in der Buchanzeige „E'/i hebr. Taschenwörterbuch" in Nr. 45 der Name des Verfassers Georg Herlitz ausgefallen. Der Titel lautet: Kedem-Tafchenwörterbuch. Deutsch-Hebräisch. Von Georg Herlitz. Verlag Kedem 1933. Wochenkalender. vom 18. - 28. Nov. 1833 29. Marcheschwan bis 7. Kislew 6694 »Ol» CJ*7 Vinn P2-I2» jrn5>in Samstag 18 29 Maulsd t ETwUdft ab. “i 6 Uhr 35/iB Min. Sonmag 19 1 n snn wm Montag Nov 20 2 Dienstag 21 3 T Mittwoch 22 4 n Donnerstag 23 5 v Freitag 24 6 ' Samstag 25 7 punkto aus unterstreichen zu sollen. Dieses Votum, zu dem sich alle Gruppen und Schichten des deutschen Volkes e inschIi e ß l i ch -d e r d c u t s ch e n Jude n h e i t zusammengefunden haben, ist vor allem ein Plädoyer s n r d e n F r \ c d e n derwel t, das in dieser Welt gehört werden sollte. Deutschland will den Frieden, und es gibt auf der ganzen Erde keinen Wen schenkreis, dessen geschichtliche Existenz und dessen Wohl und wehe also mit dem F rjede n s g e d a n k e n verknüpft wäre wie das der I ud e n in alten Ländern. Dem Frieden zu dienen, die Giftsaat des gegenseitigen Mißtrauens und des völkerverhetzenden Kriegs- und Boykottgeschreis auszurotten, sollte daher die ureigenste Ausgabe aller jüdischen Gruppen sein, denen irgend ein Einfluß aus den Lauf der politischen Geschehnisse vergönnt ist. 'Aber auch die Forderung der endlichen moralischen Liquidation des Krieges, die Forderung nach Gleichberechtigung unter den Völkern, wie sie das geschlossene Votum des deutschen Volkes am letzten Sonntag erhebt, sollte in jüdischen Herzen mit ihrem ererbten Empfinden für Recht und Billigkeit überall in der Welt ein ebenso lautes Echo finden, wie es in Lloyd Georges, des bibelfesten Freundes der Juden, von biblischen Gedanken-- gängen eingegebenen Worten zum Ausdruck ka-n. Freilich weckt der Gedanke der Gleichberechtigung, sobald man ihn aus der Sphäre der internationalen Beziehungen auf diejenigen Rassen und Völker überträgt, die in den Grenzen eines gemeinsamen Staates miteinander zu leben haben, bei den deutschen Juden kein geringes Gefühl der Bitterkeit. Wird die Wette der Versöhnung und der Solidarität, die von diesem Wahlsiege aus zweifellos immer weitere Kreise des deutschen Volkes wieder zusammenführen und auch innerlich für die nationale Regierung gewinnen wird, wenigstens die eine Folge zeitigen, daß man den ihrer Gleichberechtigung aus cassenpolitischen Gründen entkleideten I u d e n Deutschlands einen bescheidenen aber umfriedeten, von keinem Boykott bedrohten wirtschaftlichen Lcbcnsraum gönnen, daß Mätt ihre Ehre als Juden und Wen scheu vor den 2lnwürfen eines blinden Hasses schützen wird? Geschähe das nicht — wie könnte man es dann den ihrer Existenz beraubten Zehntausenden verübeln, wenn sie blutenden Herzens den Wanderstab ergreifen und das wahrlich bittere Los des Emigranten wählen, um sich und die Ihren vor dem verhungern oder ihre Kinder vor dem Erliegen unter Winderwertigkeitsgesühlen zu schützen? Die große Wehrholl der deutschen Juden wird ausharren — sie wird aus den Tiefen ihrer gütlichen Lehre, aus den Urgründen ihrer vom G'ttesgejst getragenen Golusgeschichte öle sittliche Kraft zu diesem 2lusharren schöpfen und in Stille Mitwirken nach außen u n d i n n e n an dem Sieg der postulate, denen der Wahlakt dieser Woche gegolten bat: dem Frieden und der Gleichberechtigung. Schulfinanzierung und Gewissensfreiheit. vor kurzem hat sich, wie offiziös gemeldet wurde, ein Unterausschuß der jüdischen „Reichsvertretung" in Berlin mit Richtlinien für die neu zu gründenden oder auszugestaltendcn jüdischen Volksschulen beschäftigt, wobei insbesondere der Gesichtspunkt der Einheitlichkeit dieser Richtlinien betont wurde. Schon diese Unterstreichung des veremheitlichnngs- Strebens auf einem Gebiete, das für ehrlich beligiösc Wenschen aufs innigste von den Grundfragen der Weltanschauung bedingt ist, mußte einiges Mßtraucn erwecken. Einige Vorkommnisse, die inzwischen zu unsrer Kenntnis gelangt sind, bestätigen leider die Berechtigung dieses Wißtrauens in hohem Grade. Wan versucht unter Berufung auf Ersparnisrücksichten — deren Berechtigung an sich wir gewiß nicht bestreiten wollen — die Subventionierung bestehender oder zu gründender orthodoxer Volksschulen abhängig zu machen von ihrer Vereinigung mit liberalen Schulen gleicher Gattung, wobei die Gewissensfreiheit und Ueberzeugungstrene durch das faden-

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