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Der Israelit · 1933-04-07 · Heft 14-15 (7.4.1933) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 14-15 (7.4.1933)
Date
1933-04-07
Page
– (sequence 13)
Language
German
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. 14/1$ IM ieilai S Von Raymond Tlettez. Juble, Juda, neue Zeiten Steigen auf am Horizont. Daß du tief gebeugt am Boden schmachtend seufzest, Israel, Juble, Juda, neue Zeiten, Datz sich Herz und Seele weiten! Juble, jauchze Israel! — Hoch am Himmel flammt die Sonne, Und der Sterne goldnes Licht Lacht schon in der Zukunft Wonne Und nur Du, — Du freust Dich nicht . . . Stürme kommen Dir's verkünden Und Du kennst nicht ihren Klang, Graßer Flammen heil'ges Zünden, Bald wirst Du Erlösung finden. Juble, jauchze Israel! Goldne Zeiten steh'n am Himmel. Arme strecken sich zu segnen Freude, Freude wird es regnen —, Juble, jauchze Israel! Was die Väter nicht beachtet —: Strahlend wird's den Kindern fern. Das Du heute noch verachtet , Durch Jahrtausende geschmachtet. Groß wird Dein Erwachen sein. Hört Ihr nicht schon die Posaunen Auf den Trümmern alter Zeit, Hört Jhr's nicht aus Wolken raunen Wie die Völker betend staunen Wenn Du jubelst, Israel! Denn auf goldner. Morgenröte Steigt Er' zum Gericht der Welt. Licht aus dem Westen. Erzählung aus der Zeit der Ghettodämmerung. (Fortsetzung.) Cs vergingen ein paar Jahre der Arbeit, der Sorgendes Aufbaus, m steten Ringen, Richten und Schlichten. Jetzt, nachdem den Abgebrannten wieder so weit geholfen war^ fühlte sich Rabbi Mosche nicht mehr an diese Gemeinde gebunden, wo er keine Ieschiwoh besaß, keinen Heller Einkommen mehr: bezog, wo sein still duldendes Matchen den Tisch so arm decken mußte, daß er sich um ihre Gesundheit schwer sorgt.e, wo cc aus einem. alten Buche das weiße Vorderblatt -herausreißen mußte, um seine Briefe zu schreiben^ weil das pärgeld nicht, ausxeichte, Briefbogen zu kaufen. ' ' : _ ' Damals fiel zum^erstenmale das Mort preßbürg in seine Vorstellungswelt..Rabbi-Daniel, der treue Freund und Schüler noch aus der prosnitzer Zeit, der seit Jahren schon in preßburg als Lehrer und Dajan wirkte, war es, der ihm das Mort, von dem er nicht mehr loskommen sollte, zutrug. Im Briefe Rabbi Daniel Prosnitz' war vom Ableben Rabbi Meschulam TusmenitzJ des weltberühmten preßburger Dberrabbiners, die Rede. Und Rabbi Daniel deutete etwas an, was Rabbi Mosche zuerst nicht perstehen, wollte. Die Frage der^ Mieöerbesetzung des Rabbinats sei n.och nicht akut. Man spreche von verschiedenen Kandidaten, aber manche schauten auch nach Mattersdorf aus ..... . Cs würde freilich noch gute Zeit damit haben und vielleicht auch nicht ganz ohne Kampf abgehm, denn von einflußreicher Seite würde Stimmung für einen Cinhermischen, Rabbi Salman Leib, gemacht. Auch an anderen Bewerbern fehle es nicht. Aber er möge für alle Fälle gerüstet sein ... Cr schrieb ihm nur, damit nicht, ganz unvorbereitet die Dinge auf ihn einstürmten. Rur wenige Minuten ließ sich Rabbi Mosche von dieser fernen Aussicht wie von einem leuchtenden Stern blenden, dann aber schrieb er an seinen preßburger Freund: „Ich fühle mich zu gering, zu jung und zu wenig weise und gelehrt, um in einer solchen «tadt und Mutier in Israel als Nachfolger Rabbi Meschulams auch nur in Erwägung gezogen zu werden. Die Andeutung wäre dazu angetan, mich mit dem Hochmut zu erfüllen, gegen den ich stets mit aller Kraft meiner Seele ankämpfe ... Cs wäre Freundschaftsdienst, dafür zu sorgen, daß von keinem mein Name in die Magschalc gegen andere, wirklich würdige Kandidaten geworfen werde." Und um alle Illusionen restlos zu zerstören und dem Spiele mit hohen Plänen ein jähes Ende zu bereiten, verpflichtete er sich noch für volle drei Jahre in Mattersdorf, dessen Menschen im langsamen Aufstiege der stärken führenden Hand noch bitter benötigten. In drei Jahren, dachte er, würde die preßburger Frage gelöst sein, ohne ihn. Aber dieser Zeitraum brachte in preßburg keine Lösung. Mieder schrieb sein Freund, Rabbi Daniel Prosnitz aus preß b u r g. Schon nahezu drei Jahre fei der Rabbinersitz verwaist. Unter den Kandidaten befinde sich auch Rabbi A k i b a Gins - Cge r aus Märkisch Friedland. Auch für den einheimischen Rabbi Salman Leib werde emsig gearbeitet. Aber dje maßgebenden Männer der Gemeinde kämen von dem Ramm Rabbi Mosche aus Mattersdorf, der wieder gefallen ist, nicht mehr los. Seine Hilfsarbeit nach dem Brandunglücke habe größte Bewunderung erregt und feiner Krone noch ein neues Diadem aufgesetzt. Cs würden letzte Morte Rabbi Meschulams auf dem Sterbebette verbreitet und als Vermächtnis gedeutet. Run soll zwischen den Kandidaten das Los entscheiden ... ‘ Das Los! Rabbi Mosche zuckte mit den Achseln. Kann das blinde Los über Gelehrsamkeit, Fähigkeit, bessere Eignung entscheiden?" Und wenn aus dem Glücksrade sein Uame käme, was wäre damit für seine innere Berufung bewiesen? Daß in solchen Augenblicken schwerer Entscheidungen der Lehrer in Frankfurt nicht mehr da war, um ihm den Meg’ zu weisen, hätte ihn beinahe veranlassen können, den Trauerriß an seinem Gewände zu erneuern. Im nächtlichen Traumbilöe sah er den herbeigewünschten Lehrer ganz nahe. Mie ein Cngel G'ttes Zebaoth stand er da, weißumhüllt und lichtumflossen, breitete seine Hände gegen ihn zum Segen aus und sprach nur drei Morte: „Goral, Josua, Sanhedrin!" " -• , , Als er erwachte, rieselte Glücksgesühl durch seine Seele, Fein Auge leuchtete. „Iosuas. Goral im Traktate Sanhedrin!" Cr brauchte i nicht nachzuschlagen, ec wußte auswendig, was dort, über Lose stand. Cs war Antwort, Höhere Messung.' Dort war zu . lesen:- „Und G'tt sprach zu Josua: A ch t e . it i cht .gering das Los, Josua. Durchs Los wirst du das eroberte Land an die Stämme verteilen ..." Rach wenigen Tagen gelangte ins Rabbincrhaus zu Mattersöorf das amtliche Schreiben des Vorstandes in preßburg mitsamt der' in gewundener und gehobener Sprache gehaltenen Berufung. Das Los hatte gesprochen und hatte ihn, Rabbi Mosche aus Mattersdorf, zum ersten Rabbiner der Muttergemeinde in Ungarn, preßburg, bestimmt. Das Schreiben trug das Datum vom Montag, Fasten Geöaljas, 8667 (1806). XX. Erste M u s s a r r e d e. (Es wast an einem trüben Herbstmorgen, einem Donnerstag, .in der großen Schul zu preßburg. Cs herrschte große Erregung in der Gemeinde und in der Schul. Man rüstete zum Cmpfang des neuen Rabbiners, der zu Sabbat in preßburg einziehcn sollte. Die ganze fieberhafte Erregung und Betriebsamkeit der großen Gemeinde schien sich auf den einen Menschen zu konzentrieren, den verantwortlichen ersten Gemeindediener, Barnch Freu k. Cs hatte sich zwar ein Cmpfangskomitee gebildet, aber die ganze Arbeit lastete doch auf den schweren und eckigen Schultern des Schammes. Cin schlanker Mann mit schütterem rötlichem Barte war Laruch Frenk. Der Bart war gewissermaßen Barometer für Stimmung und Fieberhitze der Gemeinde. Hing er schlaff und unbeweglich nach unten, so war Mattigkeit oder Trauer in der Kehilla. Schaukelte er lustig wie ein dünnes Fähnchen im Minde nach vorne, so gab cs ein Creignis, ein freudiges, das die Gemüter bewegte und die Hände zur Arbeit beschwingte. Schon seit Tagen bewegte sich der rötliche Bart Baruchs in der Luft und zeigte wie ein Signal den Stand der Vorbereitungen an. Heute, am Donnerstag vor dem großen Cmpfangssabbat, war er schon lange vor dem G'ttesdienste, ja noch lange bevor die ersten „Thillimsager" aus dem Rebel der Gasse sich hcrausschälten, im G'tteshause. Cr war geschäftig und freudig erregt. Sein plan für heute war fertig. Etwas rascher denn sonst konnte man mit dem G'ttesöienste fertig werden. Dann hatten die Leute, die nicht dazu gehörten, das G'tteshaus zu räumen. Gleich wollte er die Leuchter, Kandelaber und Ständerröhren mit Talgkerzen bestücken wie am Simchas Thora. Draußen im vorraume lagerten die Kränze, Blumen und Guirlanden wie am Schwuausfeste. Dazu die Aufschriften und Transparente mit den farbigen Begrüßungen. Die sollten gleich mit Hilfe der mobillsierten Iugendtrupps an den richtigen Stellen in der Synagoge angebracht werden. Cin malkundiger Bachur batte ein großes Kunstbild in allen Farben angefertigt. Zwei züngelnde Riesenlöwen hielten eine Thorarolle fest. Darüber dreiste ein großer Adler seine Fittiche aus und warf eine große mächtige Feder von sich. Den großen Schreiber, den Soferssohn, vom großen Adler hergebracht, sollte die Allegorie des Bildes öarstellen. Und zur größeren Sicherheit für Menschen, die sich in Bilderallegorien weniger auskennen, war unten des Rätsels Lösung mit vielen Bibelsprüchen angegeben. Dieses ganze Bild stand im Lichte einer Munderlampe, einer Art Laterna mgaica, angcfcrtigt ebenfalls von einem kunstsinnigen und handfertigen Bachur. Cm buntes Licht drehte sich in der Runde und zeigte abwechselnd, immer in anderen grellen Farben, Bibelsprüche und psalmsätze zum Lobe G'ttes, zum Lobe der Thora, zum Lobe der heiligen Gemeinde, zum Lobe ihres neuen Lehrers und Führers . . . Cr wird . schauen, der neue Rabbi, wenn er ntorgen Abend von, öen Vorständen feierlich in den Raum geführt wird. Laruch Frenk schwelgte schon in der Vorfreude dieses Augenblickes, sah schon das überraschte Gesicht des neuen Rabbiners, der in seinem alten,,..rückständigen Mattersdorf sowas, gewiß noch nicht gesehen hatte. Soll mal sehen, was preßburg kann! .... . - ' Sogar an die große Rerchsfahne, die man sonst nur bei großen patriotischen Festen heraushängte, wurde gedacht. Und ein Triumphbogen mit einem riesigen „Laruch haba" stand schon am Eingang des S^nagogenhofes. Hof und Zugang zu demselben werden gleich sauber gefegt, obwohl der Morast draußen halbmeterhoch liegt, mit goldgelbem, trockenem Gand bestreut. Kleine papierMmeu werden dazwischen geworfen. „Aus, Jungen an die Arbeit!" Barnch Frenk, der Schainmes, fühlt sich in seiner Rolle wie ein Kommandeur auf dem Paradeplatz. Die Melt wird sehen, was preßburg kann. Und er, Baruch Frenk, mit dem dünnen, schütteren rötlichen Barte, der fröhlich in die Luft sticht, ist preßburg! Aergerlich nur mit den Säumigen, den Hockern, die, obwohl der G'ttesöicnst längst beendet ist, immer noch nicht den Raum verlassen und bei der Arbeit stören. Da hat der eine noch eine Portion Psalmen herznsagen, der andere ein Gebet für einen bestimmten Anlaß zu verrichten. Wiederum andere waren zu spät gekommen und glauben jetzt, nachsttzen zu müssen und ihn und seine Hilfsmannschaft dauernd

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