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Der Israelit · 1933-04-07 · Heft 14-15 (7.4.1933) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 14-15 (7.4.1933)
Date
1933-04-07
Page
– (sequence 11)
Language
German
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7. April 1933 für den verwöhnten Gaumen des Europäers unangenehmen Geschmack hat. Wir verwöhnten Bewohner des Abendlandes konnten bis heute bei der großen Auswahl der uns andererseits zur Verfügung flehenden Nahrungsmittel auf den Genuß dieses wegen seiner Billigkeit und seines Nährwertes in feiner Heimat geschätzten' Ostgewächses verzichten. Nun ist in letzter Zeit ein Umstand eingetreten, der wohl dazu beitragen wird, die bisher unbeachtete Sojabohne auch bei uns einzubringsn. Von einem ungarischen Nahrungsforscher ist ein Verfahren entdeckt worden mit dessen Hilfe aus der für uns bisher ungenießbar gewesenen Sojabohne das sogenannte Edelsoja hergestellt wrd. Dieses Edelsoja ist trotz der erfolgten Umwandlung noch immer sehr billig und enthält noch in vollem Maße die oben erwähnten Nährstoffe der Sojabohne. Als mehlartiges Pulver kann das Edelsoja allen möglichen Speisen zugesetzt werden, ohne daß der Geschmack wesentlich beeinträchtigt wird, wohl .aber werden durch diesen Zusatz die anderen NahrungsmiUel erkennbar verbessert und nicht unwesentlich verbilligt. Durch die Vermischung mit anderen Nahrungsmitteln, deren harmonische Zusammensetzung wir ruhig der Kochkunst unserer Haussräuen überlassen können, retten wir unsere Körper die zu seinem Aufbau und seiner Erhaltung erforderlichen Zusätze an Eiweiß und Fett, ohne daß wir befürchten müssen, dies Nahrungsmittel' wie seiner Zeit die Kohlrübe s. A. zum Ueberdruß zu genießen. Durch ihre Billigkeit wird sich die veredelte Sojabohne auch bei und der Verarmung entgegengehenden Europäern in naher Zukunft einbürgern. Ich möchte wünschen, daß noch in diesem Frühjahr in unseren jüdischen Siedlungen, Lehrgütern, Ackerbauschulen und landwirtschaftlichen Unternehmungen mit der Kultivierung der veredelten Sojabohne begonnen wird. S. Freudenberger. Würzburg. Anmerkung der Redaktion: Ein medizinischer Sachverständiger aus unserem Freundeskreise, dem wir den Vorschlag vorlegten, schreibt uns u. a.: Die Nährkraft der Sojabohne, vor allem auch ihr Eiweißgehalt sind mir seit langem bekannt. Professor v. N o o r d e n ist seit einer Reihe von Jahren für dieselbe eingetreten und hat sie, meiner Erinnerung nach, vielfach verordnet. Der Geschmack ist nicht besonders. Der Inhalt des Artikels ist wissenschaftlich vertretbar. Allerdings bietet die Sojabohne keinen Ersatz für das Fleisch hinsichtlich des Geschmackes. Will man nach Ersatzmitteln hinsichtlich des Nährwertes des Fleisches sich umschauen, so eignen sich meiner Ansicht nach Fisch, Eier und Käse hierfür weit besser. Die Woche. Schlußfeier in der Samson Raphael Hirsch-Schule. Zur Schlußseier in der Samson Raphael Hirsch- Schule fand sich am Sonntag vormittag ein großes Auditorium in der Aula der Schule ein. Die Feier begann mit einein unter Leitung von Herrn Max Reumann schön vorgetragenen Volkslied des Knaben- und Mädchenchores. Ein Schüler sprach einen Prolog mit dem Refrain „Juda, wanke nicht!" Darauf ergriff Herr Dr. S. E h r>m a n n das Wort für den Vorstand der Israelitischen Religionsgesellschaft. An die Altarweihe im Nissanmonat anknüpsend, zeichnete er die Opfer, die heute von der schulentlassenen jüdischen Jugend verlangt werden: sie soll zeigen, daß ihr all die Stürme der Zeit das Licht nicht nehmen können, sie soll den Namen Jude zu Ehren bringen in 'einer Zeit und in einem Kreise, die den Juden die Ehre absprechen. Für die abgehenden Schüler und Schülerinnen sprach Irmgard Ofsenbacher gut gemeißelte Worte des Glaubens und Vertrauens. Der Glaube an eine bessere Zukunft ist Vorrecht aller Jugend. Wir wollen und werden es schaffen! Wir werden bescheidener und einfacher, und darum glücklicher sein als unsere Großeltern. Wir sind Juden! Das klingt heute wie ein Schwur. Alles innere Ringen des jungen jüdischen Menschen führt zu G'tt, der aus den Dingen und Geschehnissen spricht. Wir tragen das Judentum nicht als Schicksal, sondern als höhere Sendung! Sie schließt mit Dankesworten im Namen der Absolventen und Absolventinnen an die Lehrer, vorab den Herrn Direktor, für die geistige Heimat, die die Schule ihrer Kindheit und ersten Jugend geboten hat. Herr Direktor Dr. Elias betonte in seiner Abschiedsrede, daß er in seiner ganzen Praxis noch nie in solch kritischer Zeit Kinder in die Welt entlassen hatte. Aber einziger Trost und Lichtpunkt sind gerade diese Kinder, die Träger einer besseren Zukunft. In einer schweren Zeit hatten die Kinder wenigstens innerhalb dieser Schulräume eine Heimat, und von hier wird sicherlich auch jetzt noch die Brücke zur Welt gefunden werden. Man hatte im deutschen Judentum vielleicht zu wenig Geschichte gelernt, darum kamen die Dinge so überraschend. Unser Schicksalswort ist mp^rr d? nnu ’s •Vsim djm Not war immer noch ein Mittel zur Gesundung. Kinder der heutigen Generation haben schon viel erlebt. Aber gerade heute haben sie es gelernt und erlebt, wie wenig der Abfall nützt. Jetzt gilt es, Anschluß an die eigene Der Israelit jüdische Fahne zu suchen und zu finden. Die Schule hat den Weg dazu gezeigt. Mit einem kräftigen mVynn i’sr, vom Kinderchor und zwei Solosängern (M. Kurz und Kehler) flott und sauber vorgetragen. nahm die ernste und würdige Feier ihr Ende. Schulwerk der Israelitischen Religionsgesellschaft. Aus Elternkreisen gehen uns folgende Ausführungen zu: „Unter dem Drucke der politischen Ereignisse der letzten Wochen sind zahlreiche jüdische Kinder aus den höheren Schulen ausgewiesen worden und es ist begreiflich, daß dieser Vorgang mit all seinen Begleitumständen, die von Kindern und Eltern nicht so leicht vergessen werden dürften, ganz abgesehen von der angekündigten Prozentnorm, den Wunsch zahlreicher Eltern verstärkt hat, ihre Kinder fortan in jüdische Schulen zu schicken. Es gibt in Deutschland bisher leider nur 7 höhere jüdische Schulen. Es müßte also dafür gesorgt werden, daß diese nicht nur für die am Orte Wohnenden, sondern auch für die vom Lande hinzukommenden Schüler großzügige Aufnahmebedingungen und Erleichterungen schaffen und auch Einrichtungen treffen, die es den Kindern bei Abweichungen des Lehrplans insbesondere im Hebräischen ermöglichen, den Anschluß zu finden und mitzukommen" Wir können zu dieser Zuschrift nur bemerken, daß, soweit die Schulen der «ynagogengemeinde „Israelitische Religionsgesellschaft" in Betracht kommen, also Volksschule. Realschule und Lyzeum, alle Vorbedingungen für die Aufnahme und sorgfältige Ausbildung neu hinzukommender Schüler und Schülerinnen vorliegen. Den Schulen ist zwar kein Internat angegliedert, aber Familienerziehung ist der Jnternatserzie'hung vorzuziehen, und an Familien, die für ein billiges Pensionsgeld Schüler und Schülerinnen aufnehmen würden, mangelt es gerade heute nicht. Was den Religionsunterricht anbetrifft. so besteht die Möglichkeit für die ungenügend Vorgebildeten einen besonderen Kurs einzurichten. Für die Oberstufe sollen evtl, private Unterrichtszirkel eingerichtet werden. Anfragen sind für die Volksschule an Herrn Rektor Ochsenmann, für die'hö Heren Schulen an Herrn Studiendirektor Dr. Elias zu richten. Zum Jahresberichte in der Generalversammlung der Israelitischen Religionsgesellschaft. Durch ein bedauerliches Versehen wurden im Berichte über die Generalversammlung der Israelitischen Religionsgesellschaft unter den Namen der im Jahresberichte mit ehrenden Worten aufgeführten Heinigegangenen einige weggelassen. Es wurden außer den Genannten noch ehrend gewürdigt: Heinemann B i r n b au m, als Mitglied des Synagogenkomitees und der Verwaltung des Rothschild'schen Hospitals; Dr. Herbert Brinkmann als Mitglied des Gemeinderates; Aaron Levis als Mann großer, tätiger Menschenliebe und die Gattin unseres Dajan W, Frau Mirjam Posen. Aulim-Fonds. Wir bitten sämtliche Orts-, Jugend-, Frauen- und Mädchengruppen der Agudas Jisroel, sowie die Herren Rabbinen, Lehrer und Vorstände, während der Sfirazeit, beginnend am Chaul hamaued, Sammlungen zu Gunsten unseres n'bv.i pp (Aulim - Fonds) zu veranstalten. Zuwendungen erbitten wir auf unser Postscheckkonto 53 900 Frankfurt a. M. Mit Rücksicht auf die Kostenersparnis haben wir von einer Versendung einer Sondermitteilung hierüber abgesehen. Haggadah-Vorträge im Verein Mekor Ehajim E. V. Auch in diesem Jahre hat der Verein „Mekor Chajim" zwei Haggadah-Vorträge vorgesehen. Es sprechen im Rahmen dieser Veranstaltungen am Schabbos Hagodaul, eine Stunde vor Nacht m Hörsaal, Friedberger Anlage, Herr Rabbiner Hermann Mayer über „Die Nacht der sich besinnenden Nation" (Eine Haggadah- Betrachtung), und am 1. Tag Pessach zur gleichen Zeit im Hörsaal, Herr Redakteur S. S ch a ch n o w i tz über „Ein Kapitel aus der Pessach-Haggadah". Gleichzeitig wird auf das an anderer Stelle veröffentlichte Pessach-Programm des Vereins hingewiesen, das wiederum eine Reihe interessanter Vorträge in der Pessach-Woche vorsieht. Gäste sind zu allen Veranstaltungen herzlich willkommen! Mitgliederversammlung der Agudas Jisroel-Jugendgrnppe <5. V. Der Vorstand der Agudas Jisroel-Jugend- und Mädchengruppe lädt hiermit die Mitglieder zu der am Sonntag. den 23. April, 20.45 Uhr präzise im Heim (Schwanen'straße 12) stattfindenden ordentlichen Mitgliederversammlung ein. Tagesordnung: Jahres- und Kassenbericht des Vorstandes, Entlastung des Vorstandes, Neuwahl. Es haben nur Mitglieder der Jugend- und Mädchengruppe Zutritt. Erholungsheim für israelilifche Frauen Baden-Baden Verwallungssih Frankfurt a. M. Am 26. März fand die Mitgliederversammlung sowie eine Sitzung des Verwaltungsausschusses statt. Das Heim, das vor nunmehr 20 Jahren von Freifrau Matilde von Rothschild, dahier, und zwar auf besondere Anregung des hochverdienten Herrn Michael M. Mainz f. A. errichtet wurde, konnte im vergangenen Jahr nahezu 150 Erholungsbedürftige aufnehmen und Ihnen eine er¬ Nr. 14/15 Seite 11 folgreiche Kur darbieten. Der Jahresbericht und Kaffenabschluh wurden genehmigt. Der Vorstand setzt sich wie bisher zusammen: von Frankfurter Herren gehören dem Vorstand an: Rechtsanwalt Hvrvvitz Dr. med. Fromm, Julius F. G o l d s ch m i d t, Willy D r e y - s u s und Albert Mainz. Auch verschiedene der auswärtigen Mitglieder und Vorstandsmitglieder waren erschienen. — Besonderer Dank wurde der Ehrendame Frau C oh n , die mit Frau I s a a c s o h n die Leitung des Heims auch im vorigen Jahr übernommen hatte, ausgesprochen. Die besonderen Schwierigkeiten, die die Führung des Heims sowohl nach der finanziellen wie nach der Verköstigungsseite in diesem Jahr haben wird, wurden besprochen. Die Zahl derer, die sich an das Heim wenden, wächst von Jahr zu Jahr, und so wollte man in keinem Falle auf die Wohltaten verzichten, die das Heim darbieten kann. Das Heim wird in diesem Jahr Ende April eröffnet. Die Verpflegungskosten für einen vierwöchentlichen Aufenthalt betragen im Normalsall Mk. 95.—. Die Aufnahme in dem ersten Vierwochen-Turnus kann mit einer Verbilligung geschehen. Meldungen sind zu richten an Frau R. Cohn, Frankfurt a. M., Friedberger Anlage 14. Mitglieüsanmeldungen und Spenden werden an Herrn Willy Dreyfus in Firma I. Dreyfus u. Co. Frankfurt a. M. erbeten. Mitgliederversammlung des Israelitischen Frauenheims in Bad Rauheim. In der Versammlung am 22. März erstattete der Vorsitzende einen Bericht über den Kurbetrieb des Heimes im Jahre 1932. Das Heim wurde von nahezu 150 Kurbedürftigen besucht und war der Erfolg der Kuren durchweg ein günstiger. Infolge der schlechten Wirtschaftslage war die Besucherzahl des Heimes wohl geringer, jedoch wirkte die Anstalt nach wie vor, da die Verhältnisse es nicht mehr jedem gestatten, ein Hotel in Bad Nauheim auszusuchen, äußerst wohltätig. Der Schatzmeister erstattet den Kassenbericht und ist der Fehlbetrag leider immer noch recht hoch und beziffert sich am Ende des Jahres auf rund Mk. 4000.—. In den Schlußworten hob der Vorsitzende hervor, daß trotz der ungünstigen Aussichten für das Jahr 1933 der Kurbetrieb des Heimes am 27. April ausgenommen wird. Cr gibt der Hoffnung Ausdruck, daß recht weite Kreise von der Institution des Heimes Gebrauch machen. Schaumre Schabbos Stellenvermittlung. Die Schaumre Schabbos Stellenvermittlung, Schwanenstraße 12, richtet an alle Firmen (Kaufleute und Handwerker), die sabbatfreis Stellen zu vergeben haben, die dringende Bitte um Aufgabe derselben. Vewerber(innen) sowie Lehrlinge können jederzeit empfohlen werden. Persönliche Anfragen an Frau Jeanette Kaufmann, Obermainanlage 22, Tel. 44472 und Frau Jenny D. Strauß, Palmstr. 9, Anruf 44773. Druckfehlerberichligung. In die in der vorgen Nummer erschienene Besprechung des Dramas La Genouflexion d'Alenou, Seite 10, hat sich ein sinnstörender Druckfehler eingeschlichen. Es muß heißen: „ihn n i m in ermehr begeistere" und nicht: „ihn immer mehr begeistere". Familienuachrichken. Darmizwoh: Walter, Sohn des Herrn Meier Goldschmidt, Am Tiergarten 42, 'd 7 nae?. Synagoge Friedberger Anlage. Herr Tierarzt Dr. S t r a u ch (siehe Inserat) ist Mitglied des R. j. F. Aranksutier oereu skatender. Verein Mekor Ehajim. Pehach-Programm 5693. Samstag, den 8. April (Vnan ror) 1 Stunde vor Nacht im Hörsaal, Friedberger Anlage, „Die Nacht der sich besinnenden Nation" (Hagada-Betrachtung), Herr Rabb. Hermann Mayer. 1. Tag nos abends 1 Stunde vor Nacht im Hörsaal: „Ein Kapitel aus der Peßachhagadah", Herr Red. S. Schachnowitz. 2. Tag nvv abends 1 Stunde vor Nacht im Hörsaal: „Oeffentliche und nichtöffentliche Wunder", Herr Herz Halpern. nos lyinn Vin nnc? morgens nach Schluß der Synagoge : Illhrzeitsstistungslernrn: Auguste Bier-Stiftung.'Herr Rabb.-Ass. Dr. Elieser Posen. — nachm. % Stunde vor Mincho im Vereinslokal: „nos-Gedanken", Herr I. Lewin. — nachm, im Anschluß an Mincho im Hörsaal: „ctw.i ->'v", Herr Dozent Julius Ehrentreu. 7. Tag nos abends 1 Stunde vor Nacht im Hörsaal: „Gedanken zur,tv>e>", Herr Rabb.-Ass. Dr. Schlesinger. In der Woche vor und nach Pessach: Samstag morgen nach Schul im Hörsaal.- Dinim, Herr R.A. Dr. E. Posen — nachmittags 3k Stunde vor Mincho im Vereinslokal Mikro, Herr Dr. W. Hofmann. — 4 Uhr im Vereinslokal (ebenso Sonntag morg. 8 Uhr) Gemoro, Herr I. Soffer. Sonntag und Mittwoch, ns "0, Herr S. Schachnowitz. Montag morgen nach Schul (auch Donnerstag): Mischna- Mitgliederlernen, abends 7 Uhr im Vereinslokal (auch Mittwoch) Gemoro Herr Rabb. Dr. I. Breuer, abends 81/4 Uhr im Vereinslokal (auch Donnerstag) Gemoro. Herr R.-A. Dr- E. Posen.

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