Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 14-15 (7.4.1933)
- Date
- 1933-04-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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b Ar«.. 7. April 1933 Nr. 14-15 Frankfurt a. M., den n, Mssan ZssZ flU]| ÜnCentralorgaii IQr das orthodoxe Judentum jlfSSf L * JHBBEtiflNSfli mit ffiearünöpf nrm 31r. Ppfnmnm In Main». oll £ Begründe! von Dr. Lehmann in Main-. & CÜ Abonnement ab Juli 1933: Deutschland ISO Mark monatlich; Ausland: Bterteljahrpretse (entsprechend dem deutschen Inlandspreis zuzüglich Kosten des Streifband-Versandes) Deutsch-Österreich: Schilling 8.—; Amerika 1 Dollar; England 6 fh.; ab 1 Juli Frankreich25 Fr.; Belgien ab 1.7.27. Belgaö. Holland 3fl.; Italien ab 1.1.28.18Site; Ingo» slavie« 65 Dt«.; Litauen 7.60 Sit.; Rumänien ab 1. 7. 27. 160 Set; Polen 4 deutsche Gold» mark zum Tageskurs oder 7 Zloty; Schweiz 6 Fr.; Tschecho-Slowakei 26 Kronen; Ungarn Pengo 6 ab 1. Juli 1927; Dänemark 3.50 Krön.; Norwegen 3.50 Krön.; Schweden 3.50 Krön. Einzelnummer vierzig Goldpfennige. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 50 Goldpf. für die stebengesp altene Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahlen bei Stellengesuchen und Familienanzeige« nur 40 Pf. Die 75-IUN breite Reklamezetle: letzte Textfeite 2.— Mk., vorletzte Textsette 150 SRI.; Thtffregebühr in Höhe eines dopp. Fernbrtefportos. Rabatt nach Tarif. Bei laufenden Platzoorfchr. ohne Verbindlich!. Jul. Schmidt. Ostendftratze 83 Tel. 45888 Geschaftsanz ____direkt an den Verlag auf Postscheckkonto Frankfurt (Warn) Pc. WdJiä. — Aatzecvem an: Pattsparkasse Wien Nr. 79 605.— Postsparkassenant Budapest Nr, 18424.—Postsheckkonto tarschau Nr. 180767. — Postscheckamt Zürich Nr. VIU7254, — Postscheckamt Amsterdam Nr. 14889 — Postscheckamt Prag Nr. 7S.0S0 — Rumänische Kreditbank Bukarest und ihre sämtl. Filialen Der Gerichtsstand für alle aus Abonnements oder aus Inseraten stch ergebenden Zahlungsverpflichtungen ist Frankfurt a. M. Ein offenes Wort im Namen der Religion. Der Rationalsozialismns ist die Selbstbesinnung des deutschen Menschen aus die deutsche Nation als geschichtlichen Ursprung seines ganzen Wesens und als geschichtlichen Ginn seines ganzen Daseins. Aus diese Selbstbesinnung gründet sich die nationalsozialistische Forderung, daß die Verbundenheit des deutschen Menschen mit der deutschen Nation stark genug sein müsse, um alle Gegensätze der Klassen, der Stände, der Berufe, der Konfessionen, der Landsmannschaften, die unter den Volksgenossen bestehen, innerlich, gewissermaßen seelisch, zu überwinden und objektiv, in der nationalen Gemeinschasl, nach den Grundsätzen eines aus der Nation selber quellenden Rechtes sozialer Gerechtigkeit auszugleichen. Im Nationalsozialismus ist die Nation das geschichtlich Gewordene, ist der Sozialismus das geschichtlich vorwärts Treibende: die Einheit beider Elemente ist die .Idee der ewig sich erneuernden Nation. Es hieße die Bedeutung des jüdischen Menschen auf deutschem Loden, seiner zahlenmäßigen Geringfügigkeit ungeachtet, falsch einschätzen, wollte man verkennen, daß die nationalsozialistische Idee der ewig stch erneuernden Nation die Iuöensrage, in Deutschland niemals ganz verstummt, zwangsläufig zu einer brennenden machen mußte. Was aber nicht zwangsläufig war, was vielmehr der Erklärung bedarf, das ist die Antwort des Nationalsozialisnrus auf die Iudenfrage: seine unbedingte, seine Leidenschaftliche Ablehnung des deutschen Judentums .überhaupt. Man wird dem deutschen Menschen Widerwillen oder gar Haß gegen das Fremde als solches/ unmöglich zum Vorwurf machen können. In unvergleichlicher Weise haben etwa deutsche Kunst und.deutsche Philosophie Erzeugnisse fremder Nationen mühelos in sich ausgenommen und zu. Werken überraschender Eigenart verarbeitet. Wenn daher der Nationalsozialismus sich zur Begründung feines Standpunktes gegenüber den Inden auf ihre unverdauliche Raffe-' fremdherH beruft, so kann dies schwerlich .den A n s - g ang seiner auf. die Juden gerichteten 'Selbstbesinnung gebildet haben, dürfte vielmehr lediglich als ihr auf eine gemeinverständliche und handliche Formel gebrachtes Ergebnis zu werten sein. Alan wird in der Annahme nicht fehl gehen, daß der Nationalsozialismus die deutschen Juden nicht deshalb ablchnt, weil sie raffefremd seien, sondern daß er sie als raffefreind bezeichnet, weil er sie — ablchnt.. Der jüdische Wen sch auf deutschem Boden ist dem Auge des Deutschen fast immer erkennbar, seinem seelischen Tastvermögen fast immer spürbar. Gemäß der nationalsozialistischen Forderung, sich ganz in seinen nationalen Ursprung versenkend und am Leitfaden der nationalsozialistischen Idee die treibenden Kräfte innerhalb des Volksganzen gewissenhaft überprüfend, fragt der Deutsche nach dem'geschichtlichen Sinn des jüdischen Menschen, den ec als Eigenart sieht und als Eigenart spürt und — findet keine Antwort. Weder der Zionismus mit seinem die jüdische Diaspora und damit den gegenwärtigen jüdischen Menschen als einen ungeheuerlichen Fehlgriff der Geschichte brandmarkenden Zukunftsideal, noch die religiös 1 indifferente Betonung ' eines abstrakten deutschen StaatsbürAertums können sie ihm geben. So wird ihm der Jude die Verkörperung gcschichilicher Heimatlosigkeit, erdentbundener Scelenhaltung, und der Widerwille, der in ihm, aus der Unmöglichkeit der Einfühlung, emporsteigt, wandelt Fehler in verbrechen, Untugenden in Laster. Nur wo Menschen stch nicht verstehen, Haffen sich die — Raffen. Mehr und mehr stellt es sich als ein wahrhaft tragisches Verhängnis heraus, daß der Nationalsoziaiismus offenbar bisher bei der Prüfung seiner Beziehungen zürn deutschen Judentum überhaupt noch nicht auf die h i st o r i s ch e j ü d i s dvc Religion und deren Repräsentanten, die deutsch-jüdische Orthodoxie, gestoßen ist. Der g >e s ch i ch t l i ch e Sinn des j ü d i s ch e u 211 c n s ch c n d e r ö e u t s ch cn Gegenwart k a n n a b e r n u r von der h i st o r i s ch e n j ü d i s ch e n IX eIi - g i o n her e r s a ß t und gedeutet w erde n. An der geschichtlichen Tatsache ist schlechterdings nicht zu zweifeln, daß nur wegen seiner alle Lebensverbältrliffe unmittelbar mit G'tt in Verbindung scizenden Religion der jüdische Mensch das furchtbare Martyrium einer zweitausendjährigen Selbstbehauptung auf sich geuommeu hat. Löst sich der jüdische Mensch von der historischen jüdischen Religion, für die die Väter in den vergangenen Jahrhunderten freudig Entbehrung und Schmach, Not. und Tod erlitten, wandelt man das Spstem ihrer schweren und umfassenden Verpflichtungen in den bequemen „Glauben" an einen blutlosen Monotheismus um, setzt man an ihre Stelle einen traditionsfrcmden, weil areligiösen Nationalismus: daun freilich ist das jüdische Phänomen der Gegenwart nichts als ein — Raffenphänomcn. Soll wirklich das erwachte deutsche Volk für einen Menschenkreis kein Verständnis mehr haben, der keinen höheren Wunsch kennt, als feinem G'tte und den Geboten feines G'ttes bis irr den Tod die Treue zu wahren? Niemals hat die deutsch-jüdische Orthodoxie, vom ersten Tag der deutschen Iudenemanzipation an, einen Zweifel darüber gelassen, daß ihr hoch über allen Errungenschaften der Emanzipation das kostbare Kleinod ihrer überlieferten Religion stehe. In demütigem Dank an G'tt Hai sie diese Errungenschaften hingenommen, ohne sie mit Untreue gegen G'ttes Gesetz zu erkaufen oder zu mehren, entschlossen, wie einst im Leid, so erst recht im Glück dem wohle des Landes zu dienen, das der überlieferten Religion eine Freistatt gewährte, von der Möglichkeit, ihren Kindern neben der unumgänglichen genauen Kenntnis des geoffenbarten Gesetzes Mosis auch deutsche Kulturgüter zuzuführen, hat sie in ihren mit unsäglichen Opfern unterhaltenen Schulen, unter verständnisvoller 'Aufsicht namentlich des preußischen Hohenzollernstaates, entschlossen Gebrauch gemacht, und es sind ihr Männer erwachsen, die, wie der unvergeßliche Rabbiner der Frankfurter Israelitischen Religionsgesellschast, Samson Raphael Hirsch seligen Angedenkens, innigstes Verständnis für deutsche Kulturgüter mit aitjüdischer Gesetzes!reue iu Schriften von Ewigkeitswert und vor allem in ihrer ganzen Persönlichkeit in solch vollendeter Harmonie zur Darstellung zu bringen verstanden, daß eine spezifische deutsch-jüdische Frömmigkeit zu einem Weckruf und einem Programm für die ganze jüdische Diaspora gedieh.