Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 13 (30.3.1933)
- Date
- 1933-03-30
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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/ 30. März 1933. nach acht Tagen dem König berichtet, daß, wenn er noch weitere acht Tage bei Mendelssohn weile, dieser ihn zum Judentum bekehrt haben würde. Natürlich kommt nun unendliches Weh über die Gemeinde, die für alles verantwortlich, gemacht wird. Es ist nun keine Möglichkeit mehr, sich mit Geld loszukausen. Es ist auch gar nicht mehr Geld vorhanden, da man bereite alles den Erpressern gegeben hatte. — Der Flüchtling begibt sich mit Rachel zum Rabbiner, der bei Todesstrafe ihn nicht ausnehmen darf, der aber, nachdem er die Geschichte des ehemaligen Missionars erfahren, nicht das Herz hat, ihn den Feinden auszuliefern. Ueberglücklich sind die Eltern Rachels, bestätigt zu finden, woran sie trotz entgegengesetzter von der Kirche tangierter Gerüchte nie gezweifelt, daß Rachel ihrem Glauben treugeblieben und sich eher hätte töten lassen, als der Taufe zuzuführen. Die ganze Gemeinde weiß., was ihr bevorsteht. Immer näher vernimmt man den Lärm der blutgierigen Menge, die mit Keulen. Messern, Beilen, Hacken bewaffnet, wieder einmal das Ghetto stürmen, ein grausiges Blutbad anrichten und alles noch Werthabende rauben wollen. Alle Mitglieder der Gemeinde wollen wie Heilige sterben. Und fo wie 1171 zu Vlois 31 Glaubsnsbrüder ia'bv singend auf dem Scheiterhaufen ihr unschuldiges Leben aushauchten (Chronik naan pvv Avignon 1496) und wie so oft schon ganze Gemeinden für ihren Glauben den Märtyrertod starben, so ist auch die südische Gemeinde von Ferrara bereit, für ihren Glauben in den Tod zu gehen und sterbend G'tteshymnen anzustimmen. Immer lauter der Lärm der rohen Menge, immer inniger der Gesang des G'ttesvoltes — der Vorhang fallt. Ein schaurig wahres Drama, welches hohes Können des Verfassers verrät, von dem noch manches Meisterwerk zu erwarten sein dürfte. Dr. M. A. Personalien. Dr. Josef Weigl gestorben. Hilpolkstein (Mittelfranken), 27. März. Ein schwarzumrandetes Kärtchen auf unserem Redaktionstisch meldet uns den Tod des Herrn Obermedizinalrat Dr. Josef Weigl. Die Beerdigung ist am 27. März erfolgt. Josef Weigl war einer der ni>ivn nivirr nwn. wie sie unsere Zeit leider kaum noch in dieser Art aufzuweisen hat. Ein Mann von universeller Bildung, ein Mediziner und Wissenschaftler von Ruf, stieß er in reifen Jahren auf das Judentum, seine Wahrheiten und Weisheiten, feine Schönheiten und wegweisenden Grundlehren. Und der Freund der Wahrheit und des Wissens ruhte nicht, als bis er sich Eingang in die Hallen der jüdischen Lehre verschaffte. Und er ruhte nicht eher, als bis er. der Nichtjude, das Resultat seiner Forschung mit hinreißender Wucht in die Welt hinausrief. Daß sein jüngsthin in zweiter verbesserter Auflage erschienenes Werk: „Das Judentum" (Philo-Verlag, Berlin) nicht noch mehr die Geister eroberte und die Herzen sich erzwang, liegt lediglich an der Zeit und an den dunklen Schranken, die diese der Wahrheit entgegensetzt. Keiner aber, der dieses mit glühender Liebe und gründlichem Wissen geschriebenes Buch in die Hand bekommt. könnte sich dem Zauber der Sprache und der Glut der Darstellung, der Gewalt der für sich sprechenden Wahrheit entziehen. Wie dieser von außen Kommende das Judentum sieht, wie er seinen Kultus und seinen Ritus kennt, wie er in die Tiefen seiner Lehre hinabgestiegen ist, um all die ethischen Perlen heraufzuholen l Wie er die Schriften von Rabbiner S. R. Hirsch kennt und die Zitate aus ihnen wie leuchtende Arabesken in fein Werk einbaut! Ein Poet und Meister der Formulierung hat hier seine goldene Feder der Wahrheit geweiht, in einer Zeit, die sich der Wahrheit entgegenstemmt.' Spätere Generationen werden ihn für diese Erkenntnisse und Bekenntnisse einer wirklich schönen Seele segnen. Der Israelit Dr. Josef Weigl wird dem späteren jüdischen Chronisten als Lichtpunkt aus einem düsteren Kapitel jüdischer Geschichte entgegenleuchten. Vürzburg, 27. März. Frau Clara Ullmann, geb. Jfri, in Würzburg, Sofienstraße 14, aus Mergentheim, feierte pn rrn nay in körperlicher und geistiger Frische ihren 8 0. Geburtstag. -v"yi»y Berlin. 27. März. Einen großen und fast unersetzlichen Verlust hat die jüdische Gelehrtenwelt durch den Heimgang von Rabbi I. Braude erlitten. Der Heimgegangene war ein stiller und zurückgezogener alten Stiles, ein Mann, der die beiden Talmud und alle dazugehörigen Kodices voll und ganz beherrschte. Das intensive und fleißige Lernen hat die schönsten Früchte gezeitigt. Rabbi Brande schrieb zu vielen Traktaten des Talmuds sehr scharfsinnige und ausführliche Bemerkungen. Seine Erklärungen, die unter dem Namen "mw oru>, zu nimm ,N3'a ,»»1' vrnva und "mw vnw„ Zu man haben die Aufmerksamkeit der Gelehrtenwelt auf sich gezogen. Diese Geisteswerke sind daher von besonderem Interesse, weil dieselben im russischen Exil entstanden sind. Die russische Regierung hat den privaten Handel verboten. Braude. der früher Kaufmann war, und auch in dieser Leidenschaft als ftoru inia bei den arma des Ostens bekannt und verehrt wurde, suchte nun mit Liebe die stille Gelehrtenstube auf. Hier reiften die schönsten Früchte aus dem tiefen Versenken in den großen Talmudschatz. Fast zum ganzen Talmud sind hier Bemerkungen entstanden. Braude war gezwungen, Moskau zu verlassen. Dabei ging der größte Teil seiner Schriften verloren. Aber die übriggebliebenen Reste, die nur zu einem kleinen Teile in den erwähnten Werken, der Oeffentlichkeit zugänglich gemacht worden sind, bekunden ein solch umfassendes scharfsinniges und tiefes Wissen, daß der Name Braude ehrenvoll und würdevoll neben die Großen des Ostens gestellt werden darf. Die Geistesgröße und die Geistesschärfe, die in den erwähnten Werken aus Schritt und Tritt bemerkbar sind, war nach dem erhabenen Bekenntnis von Braude nicht Veranlassung, neue Bemerkungen zum Talmud der Oeffentlichkeit zu unterbreiten, vielmehr damit Kinder, Enkel und alle Nachkommen die jüdischen Ideale, jüdisches Bestreben, jüdisches Tun und Lassen der Väter und Ahnen schauen. Hochhalten, beherzigen und sich immer vor Augen halten. Die Sephorim des Vaters mögen die Kinder und Nachkommen mahnen, die Wege G'ttes zu gehen und das Heilige der Väter zu schätzen und zu erhalten. *vo mp» armn bis i>rr iv'an „Schauet auf den Felsen, aus dem ihr gehauen, auf die Höhle, aus der ihr gegraben", nreint. Die Ahnen Br. waren große mm rnwb, waren 'nsa pN/ die Kette der großen Vorfahren zieht sich bis hinauf zum vnn ma und «"»->. Viele Führer hat die russische und polnische Judenheit der Familie Braude zu verdanken. Braude kam vor etwa 10 Jahren nach Berlin, besuchte da die Synagoge Goethepark und hat dann in der Klaus Leibnitzerstr. täglich vor einem erlesenen Kreis einen tctv vorgetragen. Ein jeder Zuhörer wußte, welchen« rriv'a ^iia er vor sich hat. -pi-: nisn *pry nmv Die '’iV rief viele mw von Berlin zusammen. Herr Dozent Rabbiner Dr. Weinberg schilderte mit ergreifenden Worten den Verlust, den Israel zu beklagen hat mit dem Hinscheiden dieses Großen des Ostens. Nach ihm ergriff Herr Rabbiner Dr. N e u w i r t h das Wort und mahnte mit eindringlichen Worten die Familie und alle nahestehenden Kreise des Verstorbenen, die Wege dieses Mannes durch vixai mm weiter zu wandeln, denn nur dann wird die für alle Angehörigen ein ivi' vor G'tt sein, dessen die Juden gerade in der jetzigen Zeit so notwendig haben. -rraxm Verantwortlich für den allgemeinen Teil und das Feuilleton S. Schachnowitz, Frankfurt a. M.; Inserate t. V.: S. S ch a chnowitz, ebenda. — Für die pädagogische Beilage: Lehrer L. Kaufmann, in Sprendlingen (Kr. Offenbach). — Verlag oes Israelit und Hermon G. m. b. H., Frankfurt a. M. — Druck Hermon Druckerei, Frankfurt a. M. Nr. 13 Seite 11 §rankfurker Vereinskalender. Verein INekor Lhajim. Samstag morgen nach Schul im Hörsaal: Dinim, Herr R.A. Dr. E. Posen — nachmittags Stunde vor Mincho im Vereinslokal Mikro, Herr Dr. W. Hofmann. — 4 Uhr im Vereinslokal (ebenso Sonntag morg. 8 Uhr) Gemoro, Herr I. Soffer. — 8l/2 Uhr abends "vv', Herr Dr. M. Lange. Sonntag und Mittwoch, m« «ri, Herr S. Schachnowitz. Montag morgen nach Schul (auch Donnerstag): Mischna- Mitgliederlernen, abends 7 Uhr im Vereinslokal (auch Mittwoch) Gemoro Herr Rabb. Dr. I. Breuer, abends 81/4 Uhr im Vereinslokal (auch Donnerstag) Gemoro, Herr R.«A. Dr. C. Posen. Dienstag (auch Freitag) nach Schul: Mischna. Herr N.-A. Dr. E. Posen. Sonntag, Dienstag und Mittwoch abends 8.15 Uhr, im Vereinslokal Schaßlernen. Herr Herz Holpern. Iahrzeilsstiflungen. Schabbos, den 1. April: Helene Apelt geb. Leucht-Stiftung. Schabbos, den 1 April: Ester Swetizki- Stiftung. Sonntag, den 2. April: Ernst Ascher-Stiftung. Dienstag, den 4. April: Salli Frankenthal-Stiftung. Freitag, den 7. April: Schlaumoh Simon Kallmann- Stiftung. Liwjakh Chen. Samstag nach Mincho. Uhr, im Hörsaale Friedberger Anlage, Vortrag des Herrn S. Schachnowitz, „Notzeiten in der Geschichte". Agudas Jisroel-Jugend. und Atädchengruppe. Mit Rücksicht auf die Renovierung und Peßachreinigung des. Heims der Jugendgruppe bleibt dasselbe bis Peßach geschloffen. Sämtliche Veranstaltungen fallen aus. Agudas llisroel-Orksgruppe. Der Schiur des Herrn Rabinatsaffessors Dr. Schlesinger findet Samstag nachmittags von 3.15 — 4.15 Uhr und Donnerstag abends von 8.45—10 Uhr statt. — Es wird rm -0» maa gelernt. Der wird in der Wohnung des Dozenten, Schwanenstr. 12 II, abgehalten. Schiurim des Herrn Herz Halpern: Täglich von 9 — 12 Uhr: Lernen jeglicher Art. 12-1 Uhr:Daf Iomi — Am nav anschließend an Das Jomi agadischer Vortrag. Gebetzeiten. mp») raw Freitag abenb 6.25 Samstag naavn 6.45 Samstag morg. 8.00 Samstag nachm. 1.00 und 4.30 Samstag abend 7.45 Wochengottesdienst: Morgens 6.30 Nachmittags 6.30 Hörsaal 1.15 T efillin-Legen am Morgen 5.05 Wochenkalender. vom 1. - 8. April 1983 , vom 6. - 11. Nissan 5693 nma’ mp’i Samstag 1 5 n Sonnrag;2 6 i Montag — 3 7 T Dienstag ss 4 r n Mittwoch 5 9 .ö Donnerstag 6 10 ' Freitag 7 11 w naipn Samstag 8 12 a' Vvran vav is KOSCHER FOR PESSACH Unentbehrlich heute I nos^-wa wie vor 30 Jahren! —~— TOMOR Mandelmilch-Pflanzenmargarine enthält keine tierischen Fette. Sie ist fleischig wie milchig verwendbar und unter Fleisch ein köstlicher Brotaufstrich. Mit PALMIN koscher werden die Speisen auch für den empfindlichen Magen bekömmlich. Es ist beim Kochen und Braten von großer Ausgiebigkeit! TOMOR UM PALMIN KOSCHER 108 TPK 6-1II