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Der Israelit · 1933-03-16 · Heft 11 (16.3.1933) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 11 (16.3.1933)
Date
1933-03-16
Page
– (sequence 11)
Language
German
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16. März 1933 £> e r 3 s r q e I i 1 Nr. 11 Seite 11 des Tempels gebeten, freilich in der vorsichtig latenten Form, wie es ihm in diesem Falle geboten schien. Er bat um ein Heilmittel für Rabbi Za d d o k. Woher stammte die Krankheit des Rabbi Zaddok? Er hatte fahrzehntelang, in Voraussetzung der Tempelzerstörung, gefastet. Das wußte der Kaiser, und er hätte antworten können: „die Heilung ist gewährt, der Tempel soll stehen bleiben und Rabbi Zaddok braucht nicht mehr zu trauern und zu fasten." Das wäre die sicherste Genesung gewesen. Leider siel die Antwort nicht so aus. Einen Arzt wollte er ihm schicken. Auf das Grundübel, auf die Quelle der Krankheit, ging er nicht ein. Damit hatte er die Maximalsforderung in der gleich verblümten Weise a b g e l e h n t wie sie von Rabbi Jochanan gestellt war. Benet i>"Xl hat gesagt, die Schrift des v"n ist eine nbiro zu V'VV flKV". Nach einer Veranstaltung Der Agudah-Jugend waren — so erzählte man — einige Jungens in eine Bar gegangen. R. Josef horte davon. Tags daraus verkündete ein Plakat, daß er am kommenden p"v in der Jugendgruppe sprechen werde. An dreihundert Menschen — die Jugend weitaus überwiegend — füllten den Saal, als R. Josef eine Stunde vor Nacht — es dämmerte schon — zu reden begann. Er erzählte von p'ts.i tior- Ringsum wurde es dunkler und dunkler, es war längst Nacht geworden: aber in diesen jungen jüdischen Menschen tagte es; in den Herzen dieser prachtvollen Aaudahjugend war ein Licht entfacht worden, das zu Flammen aufloderte, ein Licht der mv, ein Licht der Reinheit. Worte des Gedenkens an Rabbi 3ofef Bsumgarten Vst* Von einem Talmid. Was wir feit Monaten befürchteten, was seit Wochen Hunderte hofften, durch tägliche Einschaltung in ihr Gebet abwenden zu können, ist eingetreten: Rabbi Josef Baumgarten, der Dajan der Wiener Schissschul, wurde uns entrissen. Eine Persönlichkeit von eigenartiger Prägung war „Reb Jossef", unter welchem Namen er weit über die Grenzen Wiens und Oesterreichs bekannt war. Aeußerlich unansehnlich: schmächtig; in der Kleidung kaum von der großen Masse unterschieden, bescheiden zurückhaltend, selten ungefragt sprechend,, fehlten ihm alle äußerlichen Voraussetzungen des Führers. Und doch war er der unbestrittene Führer der geistigen und religiösen Elite innerhalb der Wiener Orthodoxie; den Sekenim: Autorität; der mittleren Generation: letzte Instanz in allen Zweifelsfragen des Lebens; der Jugend: Ideal. Eine abgerundete in sich vollkommen abgeschlossene Persönlichkeit, bis ins Kleinste in der Ideenwelt des Chassam Sauser wurzelnd, begnadet mit einem klaren, praktischen, nüchternen Denkvermögen; das Wesentliche jeder Frage erfassend und hervorkehrend, dabei mit einem zarten Gefühl für Kleinigkeiten und Kleinlichkeiten der Welt, für Schwächen der Menschen, war R. Josef Ratgeber Vieler für Probleme der Allgemeinheit,, in Fragen der Familie und der Erziehung und in den Sorgen des Alltags. Nur selten und gezwungen trat er an die Oefsentlichkeit, aber sein Geist erfüllte jede jüdische Beratung: Schüler und Verehrer verkündeten seine Ansicht und kämpften wenn Nötig für sie. Unvergeßlich bleibt es wohl jedem, der das Glück hatte, R. "Josef, zur Wand gekehrt, v'bv nwaia oren zu sehen, oder ihn an den Q’tma m»', an und nijmir nach dem Ausbleiben als ergreifenden t-xa vorbeten zu hören, sein Leienen am nun nraip und seine r-mnp nbian; der seine nixa bv nrmv als Vm» und sein vvaa nn-oa bei bbn unb bei ben mspn miterleben durfte. Seine Liebe zur nnn und ihren Trägern, sein Respekt vor B'»3n waren grenzenlos. Sein Eindringen in jedes Wort unserer crasr, sein Bemühen, auch ihre nwv s'pnn in ihrer ganzen Tiefe zu erfassen, atmete nemp- Besonders pan und naio on.; beherrschte er, bis auf jedes Wort, fast jeden Buchstaben. An ihn gelangende Probleme und Fragen' wußte er immer durch analoge Fälle oder zumindest in Anlehnung an ein Wort im onn zu lösen. Einer seiner Schüler, der mehrere Jahre in Wien gelebt hatte und dann in eine an nsTvmin weniger reiche Stadt übersiedelt war, besuchte ihn in Wien. Nach der Begrüßung sagte ihm R. Josef s. A.: „Ich fürchte, daß du in deinem neuen Domizil zu den Besten zählst und dir deshalb niemand Musiar sagt; Mussar ist aber zur Selbstbesinnung unumgänglich nötig; diese aber eine Voraussetzung für arrm. Darum sollst du jetzt Vvm fusm halten." Dann gab er ihm eine handschriftliche des "fiiD arm. ,;ßies sie, denn R. Mordechaj Lautlose Stille herrschte, nur zeitweilig unterbrochen durch verhaltene Seufzer, durch nicht ganz unterdrücktes Schluchzen; R, Joses sprach über Reinheit. Sittlichkeit. Was er gesagt, kann man nicht wiedergeben; nur wer die Worte gehört hat rnnani ntpnpa Vna *aa d’kxv kann »erstehen, wieso der Verblichene eine solche Macht über Jung und Alt besaß. Bezeichnend für die Wertschätzung, deren sich der Dahingeschiedene bei den Gedaulim erfreute, mag Folgendes sein:! Kurz nach dem Kriege war ich bei dem vor fünf Jahren dahingeschiedenen Belser Rebbe s. l. Wir sprachen auch kurz über die Agudah, die damals noch in ihren in die Agudah; sie braucht mich nicht und ich kann Kinderschuhen steckte. Der Belser sagten „Ich gehe nicht ihr nichts geben; aber auch ich brauche sie nicht; mag sein, daß auch ich und meine Stube (mein Kreis) sie einmal brauchen werden; ich hoffe, daß es nicht dazu . kommt. Keinesfalls werde ich je gegen die Agudah! auftreten; denn wenn ich sie auch nicht genau kenne, so -weiß ich doch: Reb Jossele in Wien hat sich der Agudah; keinesfalls angeschlossen, beoor er über die ideologische! Grundlage und die interne Organisation völlige Klarheit; hatte." | Für Wien bedeutet das Hinscheiden von R. Josef Baumgarten b"i euren kaum ersetzbaren Verlust. Sein Rat wird der Gesamtheit und vielen Einzelnen fehlen. I Sein Haus, seine Anwesenheit bildete eine Brücke für die verschiedensten Gegensätze. Er war die Sonne, deren Strahlen Ost und West, Chassidim und Misnagdim ineinander schmelzen ließen, zu einer Einheit 'n I Den Armen, besonders den hrr-ie?' pnrr "av fehlt seine j väterliche Fürsorge. Was er besonders an diskreter npix j und an diskreten Darlehen vermittelte, wissen bloß die Empfänger, und die Geber, die nicht wußten wofür sic geben. Tausende gingen durch seine Hände, zu einer Zelt, da in s e i n e ttt Hause Not und Enge herrschten. Es bleibt ein Rätsel: Wenn seine Verehrer ihm eine Freude bereiten wollten, stellten sie ihm Geld und — in Kriegs¬ und Nachkriegszeit — Lebensmittel für andere zur Verfügung; an ihn selbst vergaß man.- An einem nvn nrwv Nachmittag batte sich ein größerer Kreis in seinem Hause eingefunden. In gehobener Stimmung wurde die Tafel beendet und zu a’->ya gerüstet. R. Josef sprach einige Worte zum Abschied. „Wir haben in diesen Tagen oft gebetet: Zuerst Z'2iva i2'p2L> TWtf’a n’natm unb erst dann i'N2vb 122b *mvi. Unser ganzes Sehnen und Streben ist, dem Allmächtigen mit ganzem Herzen und voller Hingabe dienen zu können. Für uns persönlich sollen wir nichts verlangen. Aber — Tränen quollen aus seinen Augen — wir sind nur Menschen und wenn Sorgen uns bedrücken, ist es nicht zu vermeiden, daß wir bei der nl>sr> auch an den wrimr v'w an uns denken, daß wir bei Erfüllung der nixa Lohn erhoffen und erwünschen. Deshalb flehen wiri->2iaai2'S2v zuerst, damit dann unser Herz frei und rein sei naxa “p2sn> Möge bas mst von *]or> '■> Baumgarten b"\ seiner Familie, seiner nimp seinen D’-paVn beistehen, nasa m -navS Line neuartige Geschichtsinterprekaklon Alexander S t e g m a n n, ein bisher unbekannter Historiker, gibt in französischer und deutscher Sprache ein geschichtliches Werk über die Elemente religiöser Bewegungen heraus. Insbesondere findet der Chassidismus eine ganz neue Behandlung und Beleuchtung. Der Verfasser selbst äußert sich über die Grundideen seines Werkes wie folgt: Die zünftige jüdische Geschichtsschreibung pflegt in der bedeutendsten unserer religiösen Bewegung, dem Chassidismus, etwas Einmaliges zu sehen, den Ausfluß einer ganz bestimmten historischen Konstellation und die Wirkung einer einzelnen Persönlichkeit, des Vaters aller Chassidim. des Baal-Schem-Tow. Was vor seinem Erscheinen an jüdischer Historie sich abgespielt hat, wird, je nach der Einstellung des Geschichtsschreibers, als ein Entmicklungsoblauf von religiösen, nationalen oder sozialen Ideen betrachtet. Meiner Meinung nach reicht aber solche Einstellung zum vollen Verständnis jüdischer Geschichte tmd unserer Aufgabe in der Welt nicht aus. Ich glaube, daß Strömungen, die man als Chassidismus im weiteren Sinne bezeichnen kann, schon von Anbeginn des jüdischen Volkes her und bis in unsere Zeit hinein wirksam gewesen sind, und daß von diesem Gesichtspunkt gesehen allein das Verständnis der Einzelerscheinung des Baal-Schem-Tow und der Gesamterfchoinung jüdischen Geschichtsablanss möglich ist. Diese einheitlichen Momente, die durch alle Zeiten im jüdischen Volke an der Gestaltung unserer Geistesgeschichte beteiligt gewesen sind, galt es für mich, aufzuspüren. Diese Momente gruppieren sich lim die Grundidee des Judentums, die Ausgabe und das Ziel jüdischen Schicksals: die Entmaterialisierung alles Irdischen. Bon dieser Hrundthese ausgehend, uerfuche ich. Die einzelnen Epochen jüdischer Geschichte, die großen historischen Ereignisse, zu beleuchten. Daß die Idee der Entmaterialisierung schon von Anfang her wirksam war, glaube ich mit bem Sinn der Schöpfungsgeschichte, der Gestalt Abrahams, in der Offenbarnng am Sinai, belegen zu können. Die Propheten, die Mlschnatehrer. die Talmudfürsten — alle stehen sie tm Dienste dieser einen Ausgabe, zu der Israel die Verpflichtung am Sinai übernahm. Die Bibeldeuter, die Religionsphilosophen, die Gesetzeslehrer des Mittelalters arbeiten daran, diese Aufgabe wahrzumachen, ja auch die Kabbalah wird uns ernst, wenn mau diese ihre Zielsetzung kennt, in ihrem wirklichen Wesen verständlich. Organisch wirkt der Pro-! zeß dann fort im Gründer der chassidischen Bewegung, im Baal-Schem-Tvw. Er macht diese ständig vorhanden gewesenen Ideen, unl die alle vor ihm sich gemüht haben, — die Entmaterialisierung des Individuum und alles Irdischen — den Massen der Judenheit wieder zugänglich. Unter solchem Gesichtswinkel erfährt auch die Nachfolge des Baal-Schem, das Gesamt der heute lebenden Chassidimrabbis. eine, wie mir scheinen will, wesensgemäße Beleuchtung. Diese Nachfolge tut nichts, als daß sie das Baal-Schem-Tow-Werk, — die einzelnen Glieder der jüdischen Masse, in den Dienst unserer zentralen Aufgabe zu stellen — verwirklicht. Hat man das, hat man die Grundelemente, die im jüdischen Leben wirksam werden, erkannt, dann können auch Wege aufgewiesen werden, die zu einer Wiederbelebung unserer geistigen Fruchtbarkeit führen können. Außerdem aber scheint mir. daß diese Darstellung, gerade weil sie sich bei ihrer umfassenden Themastellung natürlich mit vielen herrschenden Strömungen und zahlreichen religionsphilosophischen Problemen auseinandersetzen muß, geeignet ist, mehr zu sein, als bloßer Bericht über historisches Geschehen, nämlich Mittel zur Gewinnung eines neuen Blickpunktes für unsere Vergangenheit und unsere Gegenwart. KOSCHER FÜR PESSACH Unentbehrlich heute | noa^-wa wie vor 30 Jahren! ———1- TOMOR Mandelmilch-Pflanzenmargarine enthält keine tierischen Fette. Sie ist fleischig wie milchig verwendbar und unter Fleisch ein köstiicherBrotaufstrich. Mit PALMIN koscher werden die Speisen auch für den empfindlichen Magen bekömmlich. Es ist beim Kochen und Braten von großer Ausgiebigkeit! TOMOR tw PALMIN KOSCHER

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