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Der Israelit · 1933-02-23 · Heft 8 (23.2.1933) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 8 (23.2.1933)
Date
1933-02-23
Page
– (sequence 11)
Language
German
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23. Februar 1933 Der Israelit Nr. 8 Seite 11 Uinderecke. Kchabbos Schekolim. Von Heinrich Einstädter. Des Winters Fröste sind gewichen. Glicht mehr aus Ost und Bord strömen rauhe Stürme und bannen Flüsse und Teiche in Fesseln aus Tis. Taufte Lüfte fliehen von Süd und West her. Sie bewegen die Aeste und Zweige der Bäume, an denen sich schon die futoj'peit verdicken. Am Haselstrauch baumeln die Kätzchen bin und her, die ersten Blüten, zwar noch unscheinbar und duftlos, aber doch mit deutlicher Sprache küüdend, daß das Tote wieder zum Leben erweckt wird. Tin blauer Himmel wölbt sich hoch über unserm Haupte, während wir an einem Bachmittage nach dem naben Walde wandern. Bock vor einigen Wochen warum diese Stunde die Sonne bereits untcrgegangen. Heute leuchtet ihre große rote Scheibe zwischen den schlankeir Stämmen hindurch und begrüßt das sprießende Leben mit ihrem milden Lichte.. Gerade sie, die Bachmittagssonne, ist es, die den Zauber des Vorfrühlings enthüllt, indem sie wieder Farben dorthin wirft, wo bisher einförmiges weih und Grau uns frieren lieh. Das Eichhörnchen blinzelt ihr entgegen und wagt einen lustigen Sprung. Die Schwarzamsel hüpft munterer als bisher auf dem Boden dahin und wendet die verwesenden Blätter, unter deren wärmenden Hülle sich neues Leben regt. Tin frischer Trdgeruch entquillt dem Boden und mischt sich mit dein würzigen Duft der Badcln von Tannen und Fichten. Lange betrachten wir sinnend das werdende Wunder. Da summt einer eine Melodie. Cine Weise, wie sie nicht passender zu dem lieblichen Bilde, aus Hoffnung und Zuversicht gemalt, zu finden ist, und jetzt vernehmen wir auch die zugehörigen Worte: „Aur ponecho — Das Licht Deines Angesichts, o Herr, last uns wiederum leuchten! Wie gern will ick meinen Schekel Dir bringen als L ö s e g e l d f ü r meine Seele nach den Worten Deiner Satzung! Belebe auch u n s w i e d e r und schütze uirs und erquicke uns und nimm uns wohlgefällig auf!"- wiIlko m men, d u Sckabbos der Hoffnung! Das Zählen der Sinder Israel. Bann — werdet Ihr denken, wenn Ihr Tuch diese Geschichte anseht — das ist ja eine ganz schrecklich lange Rechenaufgabe! Heute wollen wir doch nicht rechnen, das müssen wir die Woche über schon viel zu viel! Ba, aber diese Rechenaufgabe ist dafür doch wenigstens schon gelöst, und daß sie richtig gerechnet ist, darauf könnt Ihr Tuch verlassen, denn sic stammt aus dem Midrasch und ist schon vor Hunderten von Jahren ausgerechnet worden. Und dieser Midrasch heißt so: Ts sprach der Heilige, gelobt sei Tr, zu Mosche: „Gehe hin und zähle die Kinder Israel!" Da erschrak Mosche sehr und rief: „Heer der Welt, wie sollte ich das können? Du selbst hast doch zu Abraham gesagt, dast seine Bachkommen so zahllos sein werden wie der Staub der Erde! wie der Sand des Meeres sollen sie werden an Menge und nun befiehlst Du mir, dies Volk zu zählen. Ich bin nicht imstande, das zu tun!" Da erwiderte G'tt: „Ts ist nicht so schwer wie du meinst, Mosche, was ich dir aufgetragen habe. Wenn du die Zahl der Kinder Israel erfahren willst, so nimm den Anfangsbuchstaben jedes Stammes, zähle den wert zusammen und du wirst die Tausende der Kinder Israel errechnen können. Bur den Stamm Levi darfst du nicht mit ihnen rechnen, für ihn gilt besondere Zählung und Musterung." Und Mosche zählte, wie ihm gcheistcn ward: das von 200 000 - das "2" von 50 000 das von 500 000 das "•Ul von min-’ u. von idwut u. von zus. o0 000 das "T" von p^-QT 7 000 das "1" von P 4 000 das "2" von 12 5 000 das "2" von o 000 das "K" von 1 000 Tr gibt die S! uiiimc: 597 000 Bun haben wir aber doch gelernt, daß beim zug ans Mizraim die Zahl der Kinder Israel 600 000 betragen hat. Jedoch bei der Versündigung beim goldenen Kalbe fielen 5000 Menschen aus dem Volke, so dast cs zur Zeit der Musterung 697 000 Männer waren und dies ist also die Zahl, die Mosche sich errecknet batte. Der Schekel. Batürlich wißt Ihr alle schon, was ein Schekel ist, aber heute wollen wir ihn mal ein wenig genauer betrachten. Ihr wißt wohl, dast man in ganz frühen Zeiten nicht schon richtige Münzen hatte, mit denen inan bezahlte, wie heute mit Mark oder Schilling. Früher, wenn man überhaupt etwas mit Gold oder Silber bezahlte, so w o g man die Metalle. Ursprünglich war nun auch der Schekel einfach ein bestimmtes Gewicht. Das seht Ihr z. B. ganz deutlich bei 'Abraham, der dem Tphron für die Höhle Machpela 400 Schekel Silbers „zuwiegt". Auch bei Haman heißt es: ich will abwiegrn, aber cs ist nicht sicher, ob das Wort nicht damals schon die Bedeutung „bezahlen" hat. Vielleicht hat Haman aber auch die 10 000 üikar Silbers noch wirklich gewogen, kennt Ihr eigentlich die schöne Erklärung zu dieser Stelle, die auf den Zusammenhang hinweist zwischen den Siibci'schelolim, die einst Israel auf G'ttes Gebeist entrichtete und dem Silberschatz, den Haman bot? Das Verdienst des halben Schekels stand Israel in dieser Bot bei, piru qvsn das Geld nämlich, das sie Dir, o G'tt, einst gegeben haben! Als Mosche den. Auftrag erhielt, den halben Schekel von den Kindern Israel zu erheben, da hatte er wobl noch keine Münze solcher Art gesehen. Cr kannte nur die allgemein übliche Art, das Silber zu wiegen. Da zeigte ihm G'tt eine vx hw eine feurige Münze. Au diesem Vorbild lernte Mosche, wie man es anfangcn konnte, Silberstücke in gleicher Form und Größe herzustellen, die dem Gewicht des tfnipn entsprachen. Back dieser Münze wog und formte man dann den halben Schekel Silbers, den Israel bei der Musterung zu entrichten hatte. Daneben aber war in dieser Zeit der Schekel immer noch ein Gewichtsmast, nach dem z. B. die Gewürze für das heilige Salböl gewogen wurden. Späterhin aber spielt der Schekel nur noch als Geldeinheit eine Rolle. Crinnert Ihr Tuch an die Prophezeiung des Tlischa während der Belagerung des Königs von Svrien, dast am nächsten Tage man für einen Schekel 2 Mast Gerste kaufen werde, während vorher ein Tselskopf 80 Schekolim gekostet hatte! Auch die umgebenden Länder rechneten damals nach dem Schekel, nur war das Gewicht der verschiedenen Sckekolim nicht ganz übereinstimmend. Back dem babylonischen Exil galt in Palästina der babylonische Schekel, der um etliches schwerer wog als der ursprüngliche vnpn ‘ppv- Daher bestimmte Bechemiah, nach der Crrichtung des zweiten Tempels, dast nur mehr ein Drittel Schekel gebracht werden mußte. Späterhin dagegen war der viel leichtere persische Schekel in Palästina im Verkehr, so dast unsre Weisen anordneten, daß ein ganzer Schekel gegeben werde.. 2lbcr auch außerhalb der Verwendung für heilige Zwecke blieb der Schekel als Währung in Gültigkeit, solange ein jüdischer Staat bestand. Wenn Ihr die Geschichte der Hasmonäer einmal weitecgelcsen habt und Tuch dafür interessiertet, was sich nach der Reinigung und Heiligung des Tempels ereignet hat, so kennt Ihr auch den Barnen von Simon, dem letzten Heldensohn Mathisjahus. Simon gelang cs, Judäa ganz vom syrischen Joche zu befreien und es zu einem vollständig unabhängigen und selbständigen Staar zu erheben. Das glückliche und dankbare Volk übertrug ihm die erbliche Hohcpriesierwürde und setzte ihn feierlich zum Fürsten ein. Der svrische König erkannte ihn als Fürsten an und verlieh ihni das Recht, Münzen zu prägen. Ts war wohl das erste Mal, dast von einem Fürsten judäische Münzen geprägt wurden, Silbermünzen, ganze und halbe Schekel. Und da man einige Exemplare dieser über 2000 Jahre alten Schekolim bei Ausgrabungen in Palästina gefunden hat, kann ich Tuch auch beschreiben, wie sie ungefähr aussahen: - Die Münzen geben aus der einen Seite den Wert an mit der Inschrift ■’xn oder auf der Kehrseite tragen sie die InsckriftNL?mpn np^un-p. Ferner zeigt die eine Seite einen blühenden Zweig, als Zeichen Ölbarons und die Kehrseite eine Schale, ein Gefäß und darüber, abgekürzt, die Jahreszahl. Und zwar die Zahl der Rcgierungsjahrc Simons, also (niw)'üsw. Die Schristzügc dieser Münzen zeigen die althebräische, nicht die damals längst übliche Ouadratschrift. Der Bame Simons ist auf den Münzen nicht' genannt, weder als Fürst noch als Hoherpriester wollte er in seiner Bescheidenheit namentlich hervortreten, nur die Tatsache, dast Jerusalem wieder heilig sei und nickt mehr entweiht von fremden Machthabern: rwnpn das liest er auf die silbernen Schekolim prägen! Auch aus späteren Jahrhunderten, auch ans den Zeiten Lar-Kochbas sind uns noch Sckckelmünzen erhalten. 'Aber von deinen erzähle ick Euch dann lieber ein andermal, heute wollten wir mal nur von den ältesten Sckekolim sprechen. Die Auflösung des Rätsel in 7fr. 4. Infolge eines kleinen Irrtums sind immer noch nicht alle Namen der richtigen Löser veröffentlicht worden. Außer den Einsendern, die schon in der letzten Kinderecke genannt waren, fanden die richtige Lösung noch: Jakob Eisemann, Jakob Freimann, Helene Lldzharskl, Frankfurt a. M.: Zerline Earlebach, Baden b. Wien; Herbert Rosemann, Berlin; Harry Loew, Leipzig; Nahe! Fraenkel. Kiel; Leo und Marianne Sichel. Nürnberg; Selma Feist, Eaubonne b. Paris; A. Davidsohn, Rastenburg; Lili Goldstein, Lunczaara; Rafael Fisch, Bratislava. Heute kommt ein Tteues Räkfel. das uns Henni Hasenkopf (11 Jahre) einsanüte. (Dieses gilt aber nicht als das zweite in der Reihe der Preisrätsel!) Aus den Silben: ar — ba — blu — che — i — i — jar — kar — li — mel — inen — non — saak sollen sechs Wörter gebildet werden, dessen Anfangsbuchstaben uvn oben nach unten gelesen, einen berühmten hebräischen Schriftsteller ergeben: 1. Zierpflanzen, 2. Biblischer Männername, 3. Gegenstand zur Zeit der Sintflut, 4. Gebirge im Nordosten Palästinas, 5. Indischer Monat, 6. Berg in Palästina. Papeterie H. OPPENHEIM Inhaber BEHHHRRD RUBIHSTEIH FRANKFURT 0. M., OBERMflIHSIfiflSSE 181 Fernsprecher 48005 gegründet 1864 SPEZIALITÄT: —— Besuchskarten, Dankkarten in Lithographie, Buchdruck u. Steindruck und sämtliche Familienanzeigen Auf telefonischen Anruf komme sofort mit Muster ins Haus Gleichzeitig Annahmestelle von sämtlichen Familien- Anzeigen für sämtliche Zeitungen speziell Frankfurter Zeitung zu Originalpreisen Verantwortlich für den allgemeinen Teil und das Feuilleton S. Schachnowitz, Frankfurt a. M.; Inserate i. 58.: S. Schachn o w i tz, ebenda. - Für die pädagogische Beilage: Lehrer L. Kaufmann, in Sprendlingen (Kr. Offenbach). — Berlaa des Israelit und Hermon ffi. m. b. H., Frankfurt a. M. - Druck Hermon Druckerei. Frankfurt a. M.

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