Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 7 (16.2.1933)
- Date
- 1933-02-16
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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16. Februar 1933 2 6r Israelit Nr. 7 Seite 11 ANNONCEN-BÜRO JULIUS SCHMIDT FRANKFURTA. M. OSTENOSTS?. 83 TELEFON 45866 Büchecbesprechuuge«. a"W ns ma» iura >1: y t: p V nso rura ''Viin nsoi pspiyaxpa a"nn •‘pyprsTU *>ax «]0V an n nan ion •psBO^s’a Die Zusammenfassung dieser beiden in einem Bande ist nicht nur äußerlich aus die Verwandtschaft der beiden Verfasser zurückzuführen', sie liegt vielmehr innerlich in der Einheitlichkeit der Methode begründet: Während in anderer (besonders aus der letzten Zeit) ii»iw-Stellen nur mehr oder weniger zufällige Ausgangspunkte und Anknüpfungsmöglichksiten für die vorgefaßten, den Verfassern vorschwebenden Gedanken bilden, ist die talmudische Literatur diesen beiden Verfassern Ausgangs- und Zielpunkt zugleich, oder besser gesagt vornehmlich Zielpunkt. Bei der Unmöglichkeit einer den Rahmen einer Rezension sprengenden inhaltlichen Wiedergabe auch nur in den größten Umrissen, sei bezüglich des ersten man nur hervorgehoben, daß es — das Werk eines mt? — besonders für ci'vniV gesianet ist, da es diese im Gegensatz zu anderen, zumeist' gebrauchten, die Quellen unwillkürlich ersetzenden Werken, aus den obigen Gründen zu den Quellen zurückführt, indem es die bei selbständiger Nachprüfung und Erforschung der an sich uneingeschränkt geltenden a’ri auftauchenden Problemen und Schwierigkeiten durch deren Ausweisung in den Quellen und Lösung durch die Quellen zur Beschäftigung mit diesen Quellen zwingt. Die Eigenart des zweiten Ton. das einen in Frankfurt als hervorragenden rnn bekannten n"v zum Verfasser hat, besteht darin, daß es, abgesehen von seiner, über den einzelnen pios hinausgehenden, größere Zusammenhänge Herstellen d's>vis zur nun zur Lösung schwieriger Stellen in rroi>n und Q’snsn auf den chv-7 zurückgreift und hierdurch verblüffende Ergebnisse zeitigt. Es ist nur zu bedauern, daß nur diese dem Umfang nach kleiner Teil der T^aro des Verfassers durch den Schwager veröffentlicht werden konnte; und es wäre zu wünschen, daß der Verkauf dieses °>sv, dessen Mindestpreis Mk. 3.— beträgt und das die Herausgabe auch der übrigen m-m ’®vrn ermöglichen soll, diesen Zweck auch tatsächlich erfüllt. Der Alleinverkauf in Deutschland erfolgt durch die Buchhandlung S. Neumann, Frankfurt a. M., Langestr. 15. Geschichten der Juden in Stadt und Land Salzburg. Bd. I!. Von Oberrabbiner Dr. Adolf A l t m a n n. (Gedruckt bei David D r o l l e r. Frankfurt a. M.) Der zweite Band behandelt die Geschichte der Juden von Salzburg von ihrer Vertreibung 1498 bis zur Errichtung der neuen jüdischen Gemeinde in Salzburg 1911. Altmann hat eine gute Art, zu erzählen. Die Angaben sind gründlich und aktenbelegt, Sprache und Darstellung bleiben ober klar und lebendig. In einer Zeit, da das Fehlen einer umfassenden jüdischen Geschichte in gut jüdischem Sinne imer fühlbarer wird, müssen solche Teilbeträge als wertvolle Bausteine für ein großes Geschichtsbuch begrüßt werden. —tz. Völkische Rassenlehre. Darstellung. Kritik. Folgerungen. Von Dr. Walter C a h n m a n n. Berlin. 1 932. Philo-Verlag. 31 S., Pr. Mk. 0.50. Will man sich im Flug überzeugen, welch ein fast unübersichtliches Tohuwabohu diese ganze „Wissenschaft" mit ihren unklaren Grenzmarken von Rasse) Typ, Schlag usw. bei vielen ihrer Adepten geworden ist. so lese man diese flott geschriebene Darstellung, die sich hauptsächlich mit den Theoremen Günthers auseinandersetzt. Man wird erkennen, wie sehr Tendenz der Forschung schadet. Die Schrift ist besonders denen zu empfehlen, die einer raschen Orientierung in desem Gestrüpp bedürfen. Wir möchten gerne aus der Feder des Verfassers eine ausführliche Darstellung der positiven Seite sehen, vor allen Dingen der Frage, wie weit das Judentum einen romantischen Grundzug 'aufweist, denn dieser scheint ja nach des Verfassers Ausführungen zur Zeit das deutsche Wesen und Wollen zu bestimmen. Die Ausstattung ist geschmackvoll und gut. Mil hacke und Späten. Die Erschließung versunkener Kulturen. Mit 46 Abbildungen und Rissen von C. Leonard Woolley. Leipzig. 19 3 2. F. A. B r o ck h a u s. An dieser Stelle ist vor nicht allzu langer Zeit das sensationell wirkende Werk Woolleys über die vom britischen Museum und der Pennsylvania-Universität in der Heimat Vater Abrahams. Ehaldäa, während der Dauer von 7 Jahren vorgenommenen Ausgrabungen berichtet worden. Dort hatte Woolley nicht nur den exakten Beweis erbracht, daß es wirklich eine Sintflut gegeben hat, sondern auch ihr Wirkungsfeld und ihre Folgen in Wort und Schrift dargestellt. Nun bietet der gleiche erfahrene Archäologe eine Art allgemeine Methodik der Ausgrabungen dar, in der an Hand praktischer Beispiele und instruktiver Abbildungen die Zwecke der Grabungen, die Methoden der ersten Spatenstiche der Ausgrabung von städtischen Gebäuden sowie der Freilegung von Gräbern beschrieben werden und schließlich die schwierige Art und Weise der Auswertung des archäologischen Materials dargestellt wird. Angesichts des außerordentlichen geschichtlichen Interesses, das jeder Freund der Bibel an den Ergebnissen der Ausgrabungen im vorderen Orient hat, ist es von Wichtigkeit, die Methoden, nach denen bei diesen Forschungen verfahren wird, genau kennen zu lernen, sich einerseits von der Sorgfalt und Findigkeit der auf diesem Gebiete tätigen Forscher zu überzeugen andererseits aber einen kritischen Maßstab dafür zu gewinnen, welches Maß von Gewißheit den Ausgrabungsergebnissen innewohnt. Das Buch wird daher auch in Kreisen von Rabbinern, jüdischen Theologen und bibelwissenschaftlich interessierten Laien lebhaftes Interesse finden. Es ist reich illustriert und, wie alle Erzeugnisse des Brockhaus-Verlags. glänzend ausgestattet. Die Paffahseier der Samaritaner. Von Dr. Joachim I e r e m i a s. Gießen. 193 2. Verlag von Alfred T ö p e l m a n n. 109 S. Ein gutes, aufschlußreiches Buch! Mit diesen Worten ist alles gesagt, was über das Buch gesagt werden muß. Ein reichliches Bildermate'rial mit entsprechenden Erklärungen gibt dem Leser im ersten Teil eine anschauliche Vorstellung, wie die Passahfeier der Samaritaner, das einzige noch erhaltene Opferritual der Bibel, vor sich geht. Die Ausnahmen stammen teils vom Verfasser selbst, sind teils ältere. Im zweiten Teil gibt Jeremias eine gründliche wissenschaftliche Untersuchung über die Geschichte der sllmaritanischen Passahfeier. ' behandelt ihre Ableitung aus der Bibel und ihre Entwicklung in der nun schon mehr als zwei Jahrtausende währenden Zeit ihres Bestandes. Der Verfasser ist ein guter Kenner auch des nachbiblischen jüdischen Schrifttums und kommt daher zu exakten Schlüssen. Nur in zwei Punkten können wir nicht mil ihm übereinstimmen. Wenn er in 'Anschluß an Bitterbeck auf S. 77 behauptet, daß die genaue Festlegung der Teilnehmer am Pesachopfer dem A. T. unbekannt sei, so hat er wohl doch Ex. 12, 4b übersehen; denn diese Stelle besagt das Gegenteil. Auch die auf S. 82 vertretene Meinung, daß man bis zum Jahre 30 v. kein Pesachopfer gebracht habe, wenn der 14. Nissan aus einen Sabbat fiel, dürfte sich in Anschluß an Pes. 66a schwer halten lassen. Denn der Talmud erwähnt dort deutlich, daß die entsprechende Halacha in Vergessenheit geraten sei und daß Hillei sie auf Grund der ihm von' seinen babylonischen Lehrern gewordenen Unterweisung wieder in Erinnerung gebracht habe — was auch der Verfasser Anm. 9d z. St. andeutet — wodurch also die Behauptung des Verfassers widerlegt erscheint. Trotz dieser beiden, leicht zu behebenden Schönheitsfehler ist dem Buche unbedingt ein recht großer Leserkreis zu wünschen. A. Die Judengemernde Regensburg im ausgehenden Mittelaller. (Heft 61 der Heidelberger Abhandlungen zur .mittleren und neueren Geschichte.) Von Raphael Straus. Heidelberg. 1 932. Carl W i nt e r s U n i v e r s i t ä t s b u ch h a n d l u n g. 147 Seiten. Mit diesem neuesten Buch zur jüdischen Geschichte im Mittelalter will Straus eine Lücke in der jüdischen Geschichtsschreibung äusfüllen. Denn bisher ist immer nur das beginnende und das hohe Mittelalter behandelt worden, während man die Zeit der schwersten Judenverfolgungen. wohl weil sie kulturell wenig bietet, nur kurz abtat. Straus stellt die jüdische Geschichte dieser Zeit mitten in die Geschichte der Umwelt und gewinnt darum ein klares Bild der tatsächlichen Zusammenhänge. Wir erkennen daß der Judenhaß dieser Zeit ein nur wirtschaftlicher war, der darum auch hauptsächlich von den Zunft- und Handelskreisen getragen wurde, während sich der Klerus und die regierenden Kreise seiner meist nur aus taktischen Gründen bedienten. Das Beispiel Regensburgs und Frankfurts beleuchten diese Auffassung. Daß die Judenverfolgungen, die meist ihre Austreibung zum Ziel hatten, im ausgehenden Mittelalter solchen Umfang annehmen konnten, hängt mit der Ohnmacht der kaiserlichen Gewalt zusammen. Wenn Straus diese allgemeine Darstellung in engster Anlehnung an das Schicksal einer jüdischen Gemeinde, der Regensburger, bringt, so deswegen, weil ihm hier in umfangreichstem Maße noch nicht bearbeitete Urkunden und gute Allgemeindarstellungen zur Verfügung standen. Der Verfasser ist für dieses Werk, dem noch ein zweiter Band folgen soll, nur zu beglückwünschen. und neben der Erwartung einer größtmöolichsten Verbreitung dieses Buches möchten wir der Hoffnung Ausdruck geben, in Bälde noch mehrere solcher Monogamien und eine große Geasmtdarstellung zu erhalten. A. Die Bodenfrage und der jüdische Aufbau in Palästina. Von Dr. A. Sronoüs f y. W i e n. 19 31. Verlag C. V a r t h. 178 Seiten. Das Buch besteht aus folgenden zwei Teilen: 1. Das Bodenproblem und die Siedlungsmöglichkeiten Palästinas. 2. Die Frage der Unangreifbarkeit des Grundbesitzes in Palästina. Der erste Teil wurde durch den Simpson- Bericht. der zweite infolge der Erschwerung der Bodentransaktionen veranlaßt. Die vorliegende ernste wissenschaftliche Arbeit Granovskys wird auch bei jedem Laien spannendes Interesse Hervorrufen, denn sie zeigt, wie englische Politik die Gummiparagraphen der Balfourdeklaration so zu handhaben versteht, daß wenig übrig bleibt. Das von uns Juden wie von den Arabern Palästinas gleichfalls als Heimat betrachtete Ostjordanland — es ist einundeinhalbmal so groß wie das heutige Mandatsgebiet Palästina — hat Diplomatenweisheit für gut gehalten, zu trennen. Es bietet aber auch jetzt bei seiner Armut an Menschen — pro qm V/i gegen 36 in Palästina —‘einen natürlichen Abfluß für etwaige überschüssige Bauernbevölkerung Palästinas. Der Simpfonbericht läßt auch den heute noch Steppen- und Wüstengebiet zu nennenden und fast die halbe Fläche des Landes umfassenden Süden (Beerseba) außerhalb der Erwägungen. Bei dem verbleibenden Rest, für den statistische Zahlen noch fehlen, werden dann die Schätzungen möglichst ungünstig für die jüdische Ansiedlung geknetet. - Es scheint, daß England nur die Bildung einer städtischen jüdischen Bevölkerung begünstigt, die ihr die Verwaltung des Landes bezahlen soll. S. G., T.-A. Das Frauenproblem der Gegenwart. Eine psychologische Bilanz von Dr. Alice R ü h I e - G e r st e l. L e i pzig. 1 9 3 2. S. Hirgel. Eine tiefe Unzufriedenheit mit der historisch bedingten Situation der Frau von heute durchzieht mit starkem Ressentiment das Buch und beeinträchtigt die Sachlichkeit. auf die der Untertitel dvch wohl Anspruch erhebt. Als „eine Bilanz ohne Verschleierung" rechtfertigt die Verfasserin im Vorwort die zeitweilige Schärfe ihrer über 400 Seite umfassenden Broschüre. Diese „psychologische" besser psychoanalytische Bilanz weist aus der nach allen Seiten beleuchteten weiblichen Situation die „Minderwertigkeitsposition" auf, welche die Frau von heute als Angehörige ihres Geschlechts in Ehe, Familie, Staat und Gesellschaft einninnnt. Daran konnte und kann auch die bürgerliche Frauenbewegung mit ihren Teilerfolgen auf dem Gebiet der Berufstätigkeit und staatsbürgerlichen Gleichberechtigung nichts ändern; denn die heutige Gesellschaft ist nach wie vor vom Mann, vom Männerrecht bestimmt und zwingt entweder der Frau eine ihr ungemäße männliche Rolle auf oder Verzicht auf ihre Menschenrechte/ Aus dieser Situation ergibt sich nach den Lehren der Jndividualpsychologie, die der Untersuchung zu Grunde liegen, zwangsläufig der Charakter der Frau und ihre spezifische Haltung auf den (nach Adler) drei Hauptgebieten der Lebensbetätigung: Geschlecht, Beruf, Gesellschaft) An Hand von reichem, gut belegtem Material wird das weitläufig dargestellt. Das Ergebnis: Versagen der Ehe,'mangelnde Synthese von Beruf und Frauentum, Unbeteiligtheit am Staatsleben. Durchgreifende Wandlung kann'nur eine neue Gesellschaftsordnung bringen, die neben anderen Unterdrückungen auch die zweitrangige Stellung der Frau beseitigt. Das die Quintessenz des Buches von Dr. Rühle. Einzelnes ist stark aufgetragen, lieblos verzerrt namentlich die familiäre Situation der Frau und ihre zentrale Rolle darin.- dis Mutterschaft. Man muß ihr keineswegs eine „sentimentale Gloriole" geben, aber mit den unerträglich gehäuften Schlagworten der „Ueberkompensation". der „Verdrängungsvolle" (es fehlt natürlich auch nicht der unvermeidliche „Oedipuskomplex") ist Tatsache und Erlebnis der Mutterschaft eben doch nicht abzutun. Hier sind Imponderabilien gegeben, die jeder psychoanalytischen Deutung zum Trotz nur aus dem g'ttlichen Sinn im All sich erschließen lassen. Die spezifische Situation der jüdischen Frau findet keine Berücksichtigung. Die dürfte nach dem Sinne der Jndividualpsychologie ja noch reichlich negativer ausfallen. als das Ergebnis eines Doppelschicksals.' Frau und Jude. (Vgl. Blätter des Jüd. Frauenbundes Juni/Juli 32, Hugo Rosenthal: „Zur Psychologie jüd. Frauen u. Mädchen".) Es soll gewiß nicht in Abrede gestellt werden, daß die jüdische Frau ihre Problematik hat. die heute auch schon die religiösen Kreise erreichte. (Die Diskussion über sexuelle Not. über das Kinderproblem in den jüdischen Zeitschriften aller Richtungen beweisen das genügsam.) Alleres sind doch so diametrale Gegensätze zwischen der Stiuation hier und dort, daß eine Kritik des Buches im Einzelnen gar nicht in Frage kommt. Dort dis materialistische Geschichtsauffassung, die zwangsläufg aber innerlich sinnlos ihre Rollen Siegern und Besiegten, Unterdrückern und Unterdrückten aufzwingt, hier im religiösen Weltbild die ewige Weisheit, die Schicksal austeilt, Judesein sowohl wie Frausein, nicht als Rang sondern als Ausgabe die zu erfüllen ist, zu tragen „als Krone, nicht als Joch". Marie Antoinelle. Von Stefan Z w e i g. Leipzig. Insel-Verlag. Stefan Zweig hat sich zu einem psychologischen „Menschenbildner" von geradezu dämonischer Meisterschaft entwickelt. Wir sagen mit Absicht „Menschenbildner", denn was er bietet, ist schon gar kein bloßes Abbild der Wirklichkeit mehr, sondern es ist ein Nachschaffen, bei dem die tiefsten Urgründe des Werdens, das Unsichtbare und ewig verborge.» Scheinende ans Licht des Bewußtseins tritt. Diese einzig dastehende Meisterschaft kennzeichnet aus das neueste Werk des großen Dichter?;, der in dem zwischen Gut und Böse, Größe und Niedrigkeit schwankenden Wesen der unglücklichen Französin den geeignetsten Vorwurf für fein Gestalten fand. Wer wahre Dichtergröße aus Herzenstiefe genießen will lese diese?. Buch.