Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 6 (9.2.1933)
- Date
- 1933-02-09
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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9. Februar 1933 Der Israelit Nr. 6 Seite 7 Mitglieder der Eisernen Garde veranstalteten Massenkundgebungen auch in Czernowitz, Kischinew, Klausenburg (Cluj) und in B r a i l a, wo es aber zu einem Angriff auf Juden nicht kam. Schlimmer verlief eine Kundgebung antisemitischer Studenten und Mitglieder der Eisernen Garde in G r o ß w a r d e i n (Oradea Mare), die als Sympathie-Kundgebung für die Bukarester Studenten gedacht war. Die ausgegebenen Losungen waren antisemitisch. Erst dem Einsätze einer ganzen Kompanie Polizisten gelang es, die demonstrierenden Studenten auseinanderzutreiben. Mehrere Studenten wurden zur Ausweisleistung nach dem Polizeikommando gebracht. PsLüstins. Jüdische Siedlung in Transjordanien. 3 e r u | a I m, 1. Febr Die transjordam'fche Regierung hat der P a l e st i n e Pvtash Company, einem jüdischen Unternehmen, ein umfangreiches Bodenareal in der Nähe des Toten Meeres zur Verfügung gestellt, knüpfte aber hieran die Bedingung, daß der Boden nur zu geschäftlichen Zwecken und nicht für jüdische Kolonisation verwendet werden solle. John D. Nockeseller, jun., hat der Palästinaregierung mitgeteilt, daß er die zweite Millioiienratck zur Vollendung und Ausstattung der Archäologischen Museums in Jerusalem nicht mehr entrichten werde, weil die Regierung den Bau nicht in der ausbedungenen Zeit, nämlich bis zum 1. Januar 1931, fcrtiggestellt hat. Kein Frauenwablrecht zu den Stadtverwaltungen in Palästina? Jerusalem, 29. Jan. Hier verlautet, daß die neue Verordnung über die Munizipalitäten in Palästina den Frauen weder das aktive noch das passive Wahlrecht zuerkennt. Eingeweihte Kreise nehmen an, daß der High Eommissioner, der laut der neuen Palestine Municipal Ordinance über das Wahlrecht der Frauen nach Gutdünken zu entscheiden haben wird, es wird vermeiden wollen, daß eilt Unterschied zwischen den Rechten jüdischer und arabischer Frauen gemacht wird, und, da arabische Frauen nach moslemitischer Tradition an öffentlichen Angelegenheiten nicht teilhaben dürfen, auch jüdischen Frauen das Wahlrecht vorenthalten wird. Die I. T. A. weiß zu berichten, daß unter den jüdischen Frauen Palästinas im Zusammenhang mit diesen Mitteilungen eine energische Kampagne für Wahrung der politischen Rechte der Frauen eingcleitet wurde, die vom gesamten Jischuw gefördert, werde. Wer die Verhältnisse in Palästina nur einigermaßen kennt, weiß, daß dieses nur bei einem kleinen Teil zutreffen kann. Die jüdischen Frauen des alten Jischuw wie in den alten Kolonien am Franenwahlrecht nicht im mindesten interessiert, sondern betrachtet es als religionswidrig. Ein Arbeitslosen-Fonds im Lande ohne Arbeitslosigkeit. Je r,n ) al e m, 29. Jan. Die Allgemeine Jüdische Arbeitersöderation Palästinas (Histadruth) hat eine Kampagne zur S ch.a ffüng eines A r b e i t s l o s e n - F o n d s eingeleitet, ber nach den bisherigen Eingängen ein guter Erfolg beschieden zu sein scheint. Histadruth geht von dem Grundsatz aus, daß die Arbeiterschaft Palästinas, die heute unter Arbeitslosigkeit nicht zu leiden hat, die Pflicht. hat, ■ für alle Eventualitäten gerüstet zu sein. Pinchas Ruthenberg. der Leiter der Palestine Electric Eorperation, übergab der Histadruth einen? Scheck über 100 Pfund gleichzeitig mit einem Schreiben, in dem er es billigt, daß man sich in den „fetten" Jahren für „magere" Jahre. rüstete Zollautonomie für Palästina. . ' : I e ru.sa l e m, ,1. Febr. , ..'-'.Gemäß dep Mandatsbestlmmungen muß Palästina die.-Mnfuhr aus, alten. Staaten, die Mitglied .des Völkerbundes sind, gleichmäßig behandeln. Damit ist Palästina verhindert/ Gegenseitigkeits- oder Präserenzverträge . abzuschließ^n. Eine Tagung, der jüdischen Bauern Palästinas hat nun beschlossen, Grotzbritanien und den Völkerbund, zu ersuchen, Palästina volle Zollautonomie zu gewähren, um' mit' Großbritanien einen Handelsvertrag abschließen zu können, der' britischen Erzeugnissen eine Vorzugsbehandlung gewährt gegen eine Erleichterung für die Einfuhr von Orangen nach England. Falls Palästina Vorzugsbehandlung innerhalb des britischen Reichs genösse, könnte die Palästina-Orange den Platz der spanischen auf dem englischen Markt einnehmen. Auch England würde davon Nutzen haben; denn heute stammen von den etwa sieben Millionen Pfund Waren, die nach Palästina jährlich eingeführt werden, nur etwa anderthalb Millionen Pfund aus England. Aufschwung in Haifa. Hais a, 6. Febr. Nach Mitteilung der Haisaer Jüdischen Handelskammer war im Verlaus des Jahres 1932 in Haiia kein einziger Fall von Insolvenz zu verzeichnen. Die Zahl der Wechselproteste war von 1605 i. I. 1931 ans 657 i. I. 1932 gesunken. Im Verlauf des Jahres 1932 hat sich die Zahl der von Juden erbauten Häuser in Haifa verdoppelt. Die von Lord Meiste' lontrollie.te Imperial Chemical I n d u st r i e in Haifa konnten ihren Umsatz im Verlaus des Jahres um 40 Proz. erhöhen und gute Gewinne erzielen. Aehnlich ist die Lage zahlreicher anderer jüdischer Fabriken und Handelsunternehmungcn in Haifa. Personalien. Berlin, 5. Februar. Einen schweren Verlust haben die „Adaß Jisroel" und darüber hinaus die Gesetzestrenen Berlins durch den Heimgang von Felir Koref i>"irr> erlitten. Als Sohn vom früheren Hanauer 21, Rabbiner Dr. M. Kores^n. saugte er gleichsain mit der Muttermilch schon das ewig junge und ewig frische Judentum ein. Die große Siebe zum Lernen zeigte der Entschlafene, bis zuletzt. Er konnte ein Blatt rrorn, allein lernen und auch in den Poskim zeigte er eine gewisse Routine. Trotz der späten Nachtarbeit gehörte er zu den pünktlichen Schulgchern des Beth Hamidrasch Hcidereuterstraße. Da fand der Heimgegangene täglich neue geistige Nahrung, neue frische Kraft. An dieser Stätte wurde auch das unerschütterliche Bifachann aus die Güte E'ttes täglich erneuert. Dies Bitachaun auf Gt't und diese Ergebenheit in die Schickung von Haschem erleichterte dem Verstorbenen, noch im vorgerückten Alter seinen früheren Be>- ruf zu wechseln. Und in dem neuen Berus zeigte er eine solche Erfahrenheit und eine solche tiefe Sachkenntnis, daß er bis zuletzt ein viel gesuchter und viel geliebter Mann war. Bei der Beerdigung sprachen Herr Rabbiner Dr. E. Munk und im Namen der Familie, 'Herr Rabbiner Dr. A. Nenwirth. Beide Redner schilderten die große Liebe des Verstorbenen zur Familie, seine Freundlichkeit zu seinem großen Kreise und seine treue Anhänglichkeit zur Thauro und allem, was jüdisch bedeutet. Donnerstag abend sprach im Tranerhause Herr Rabbiner Dr. Freimann ' schöne Worte der Erinnerung an das viele Schöne und Wertvolle, das uns genommen wurde. Er bemerkte noch, daß F. Koref sein Judentum nicht nur von seinen großen Vätern erworben, sondern selbst erkämpft und erarbeitet hat. -n"3x:in Hamburg, 2. Februar. Am 31. Januar verschied nach vollendetem 89. Lebensjahr Aron Baruch E11 l i n g e r. der letzte Sproß des bekannten Mtonaer Oberrabbiners Jacob Eitlinger b"zr> Verfasser der berühmten Werke pa und ’jy rw3o« Der Heimgegangene war zeitlebens bemüht, im Sinne und Geiste seines großen Vaters . zu leben. Er wohnte zuerst in Altona, dann vorübergehend in Budapest und Fiume, und die letzteil Jahrzehnte in Hamburg. Hebend! bewährte er sich als rvnsas pnpnv» und hat als Kaufmami jede freie Zeit sich dem Limnd hatauroh gewidmet. Noch im hohen Alter beschäftigte er sich mit der Herstellung eines Registers für die Quellenangaben im „Oruch. lner" und hat auch einen Teil des „Minchas Oni" übersetzt. Zu seinem 80. Geburtstag am 29. Teweth verbat er sich jede Festlichkeit und Ehrung. Bei der Ueberführung widmete ihm sein langjähriger Freund und Lehrer Rabbiner Duckesz, Altona, im .Hause tiefempfundene Worte des Abschiedes wie auch den Dank 'ür seine ^Mühewaltung als- Vorsteher der Altochner Klans. Auf Wunsch' wurde der Heimgegangene aus dem Altonacr Friedhofe, ans dem auch seine Mutter ruht, beigesetzt. Oberrabbiner' Dr. Earlebach, der mit dem Vorstande der Altonaer Gemeinde erschienen wat, entwarf dort in einer großangelegten Trauerrede ein treffendest Lebensbild des Heimgegangenen. Er hob'besonders hervordaß der Entschlafene. den Glanz des Vaterhauses im sich ansnahm Und selbst aNch äüssträylte. denn seine tiefe; Bescheidenheit und sein edles, sanftes Wesen' wie auch sein gttttzes Aussehen erinnerte.it lebhaft 'air seinen -Vater. Glcüchzeitig dankte erini Aufträge der Kielortallee-Synagoge, Hambürg, wo der -Heimgegangene betete und jahrelang als Ehoschuw -scheb'ekühol geachtet 'lodr. Rabbiner Dr. Jacob Horooitz, Frankfurt a. M:;- 'sstrach -als Reffe -im Ranken der Familie' ergreifende Worte des Abschiedes und kennzeichnete ebenfalls das Wesen des Verstorbenen als Verkörperung des Stammhauses Ettlinger. Zum Schlüsse sprach der Sohns des Heimgegangenen, Dr. Ja cob Ett- ANNONCEN-BÜRO JULIUS SCHMIDT FRANKFURT A. M. OSTENDSTR.83 TELEFON 45866 listiger. Worte des Dantes und erwähnte, wie ruhig und gefaßt sein Vater der letzten Stande entgegengesehen hatte. Am Abend sprach Rabbiner Dr. Jacob H o r v v i tz nochmals im Trauerhause der Familie Worte des Trostes und des treuen Gedenkens. -rraxjn TiepijteUe Levy Paris, 7. Februar. Rach kurzer Krankheit ist Rephtelie L'e v y im Patriarchenaller von 85 Jahren abbernfcn worden. Ein Greis, dem es beschieden war,, über die Grenze des Heldenalters hinaus ein gesegnetes Leben zu genießen und segenstreuend in Familie und Gemeinschaft zu wirken. «ein Heimgang trifft aber sein-.' Gemeinde und den ganzen orthodoren Kreis in der französischen Hauptstadt so hart, als hätte er sie auf der Höhe des Lebens verlassen. Lange Jahrzehnte war 9t. Levy die Seele der orthodoxen GemeLido d’bt m? m Paris und zusammen mit dem ehrwürdigen Radbiner Weißkopf mit dem ihn langjährige Freundschaft aufs engste verband, arbeitete er mit Energie, Aufopferung und levnndernswertem Führcrtalent an der Ausgestaltung seiner Gemenide und seiner Synagoge zu einem Mittel- und E-ammelpunkte echter treuer Jüdischkeit mitten in der Kulturwüste der von Licht und Leben durchrauschten Weltstadt. Wer von auswärts und vom Ausland, besonders von Frankfurt, nach Paris kam und in der Lichtstadt Nahrung für seine jüdische Seele ans heimische Art suchte, der ging in die Synagoge rue Cadet, besuchte ihren Parnes R. Levy, und er fand eine Insel von rmn'i riom, Heimatboden in der räumlichen und geistigen Ferne. Die Patriarcheiigestalt Levys wirkte erzieherisch und mustergebend, sein Wort hatte Gewicht, seine Meinung wurde gehört und beachtet. Wußte man doch, daß die Belange, für die er in seiner Gemeinde tnif FsinnTon eintrat, die Belange seines Herzens waren, die auch in seinem Privatleben, in seinem Hause, in seiner Familiebeispielhaft zur Geltung kamen. Er gehörte zu denen im Stamme Levi, von denen die Schrift bezeugt: -o stlnim I’dsb»nnnrnr zn-wrr,„Ske haben — für sich — gehütet Dein Wort und Deinen Bund betreut, darum dürfen sie den Weg zum Rechten weisen in Jacob, zur Lehre in Israel." Ein viixva ptpiv, seltener Art war der Heimgegangene bis zuletzt, sein Hans machte er mit Hilfe der gkeichgearteten, vor 12 Jahren ihm in den Tod vorangcgangenen Gattin zu einem ir, jra Q’KDnV in schönstem Sinne. Die Armen wußten, wo sie ihren Freund finde» konnten, in seiner Schul, in seinem Hause, und sie _ gingen nie mit leeren Händen, nie ohne Rat und Hilfe von dannen. Wenn es sich irgendwo bestätigt hat, daß die Eltern in ihren Kindern fortleben, so ist dies hier edr Fall. Fünf Söhne und drei Töchter (ein blühender Sohn wurde Opfer des Weltkrieges) legen Zeugnis vom Geiste des Elternhauses ab und hüten treulich diese Traditionen mit gleicher unerbittlicher Kraft und Liebe in ihren eigenen Häusern fort. Daß fei» Geist in den Kindern fortleben und zum Segen für die Gemeinschaft, nicht zuletzt'für seine Gemeinde, sortwirken wird, das ist es, was uns bei diesem schweren Verluste Trost zu bieten vermag. •rraxin vermischtes. Berlin, 7. Februar. Der Esra Berlin, veranstaltet am Purim ein Matinee zu Gunsten des Limmud-Amtes und der Talmud-Tauro, die, wie in voriger Nummer berichtet, in Berlin neu gegründet wurde. Näheres zu dieser Veranstaltung wird in den nächsten 'Wochen an dieser . Stelle bekannt gegeben werden. Halberstadt, 2. Februar. Herr H. Silberberg, in Firma: Boeck n. Co. schreibt uns: -Ein mir gänzlich unbekannter „Herr Guttmann", hat sich in einer Druckerei Briefbogen meiner Firma „Böcck u. Co., Bankgeschäft, Halberstadt" Herstellen lassen, bic: daran zu erkennen sind, daß sich für das Datum hinter der Ortsangabe'„Halberstadt, den" eine punktierte Linie befindet, die auf den von meiner Firma benützten Briefbogen fehlt.'-'In einem längeren, mit Schreibmaschine hergestellten - und mit meiner gefälschten Unterschrift verleh'enen Brief führt er eine grüße Anzahl von Adressen aus. an die ich ihn zum Zwecke der Unterstützung empfehle. Ich bitte, den Schwindler anzühalien und ihm den Brief abzunehmen.'