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Der Israelit · 1933-02-09 · Heft 6 (9.2.1933) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 6 (9.2.1933)
Date
1933-02-09
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Nr. 6 Der Israelit 9. Februar 1933 zeugt, nicht nlitgeteilt. nicht von außen erworben, nicht aus Büchern erlernt. Cr war in ihm und ist mit ihm gewachsen, von dem Moment an, da er ans jüdischer Begeisterung und menschlichem Gefühl heraus sich in den Dienst der Ingendbildnng stellen will. Denn dieser Wann hatte, bei all seinem Geist, und ob er es auch durch Sarkasmus zu verdecken suchte, ein Herz, das allen Eindrücken des Lebens aufgeschlossen war, und allem Weuschlicheu und Jüdischen heiß entgegenschlug. In seinen Gedichten konnte er es nicht verbergen. Und das war das Dritte, was seine Persönlichkeit kennzeichnete: Sein glühender Glaube an die Crstgeburt des jüdischen Volkes. Cs war ihm nicht das einzige, nur das erste Volk, das über die Offenbarung seinen Weg zu G'tt nehmen sollte. Aber er betrachtete das Judentum allen anderen Religionen gegenüber als unmittelbar g'ttlich, und trug es allen Philosophemen und Weltanschauungen gegenüber als einzigen Waßstab für den Gang durch Geschichte -und Natur lief im Herzen. Seine Hasthoraus legen davon beredtes Zeugnis ab. Wie die „Zwölf kleinen Propheten",- so bilden die Haftbocaus ein herrliches Denkmal seines Geistes und für die Wirkung eines Vaters auf seinen Sohn. Die Grundlinien seines Denkens sind so klar erfaßt, so gründlich durchdacht, so souverän formuliert und so tief erlebt, daß man den Vater zu hören meint. Dieser Eindruck steigert sich noch, wenn wir seine Schrift „S. R. Hirsch und die Israelitische Religionsgesellschaft" lesen. Sein auf das Universale und Säkulare gerichteter Sinn hat ihm offenbar den Blick für den Kampf seines vaers um die Gemeinde nur geschärft. Darum konnte und durfte nur er bereits zu Lebzeiten seines Vaters die Leitung der Schulen übernehmen. Denn S. R. Hirschs Denken, vor allen: aber dessen kulturelles Programm, das Uußbaum, einer tieferen Eingebung folgend, unter das Porträt des Sohnes gesetzt hat,H ist nicht von Wendel Hirsch zu trennen. „Tauro in derech erez" hat in ihm einen pädagogischen Annehmer gesunden, wie ihn das Jahrhundert erforderte; einen Wann, der im Namen des Judentums auf den Spuren der Wenschheit die Stimme der Wenschheit sucht, an die wir nie aufhören dürfen zu glauben, für die wir nie aufhören dürfen zu arbeiten, um des g'ttlichen Funkens willen, der in jedem Wenschen lodert, aus allen echten Kulturleistungen zu uns spricht. Und,wo wäre das Jahrhundert, das sagen dürfte, wir brauchen ihn nicht mehr? 4) Das von Jakob Nußbaum gemalte Bild, das der Schule gestiftet wurde, zeigt die Worte: 71« yn ay min. G'tkverlraaen. Von Rabbiner Dr. M. Lewin in Hamburg. Die brausenden Meeresfluten vor sich, den drängenden Feind hinter sich und die Finsternis der Nacht um sich, so glaubt das eben erst erlöste Israel sich von neuem drohendem Verderben und Untergang geweiht. ."7 b« Vtns” va ijryxn -wra •iR-v”i „Da fürchteten sie sich sehr, und Israels Kinder schrieen zu G'tt." man nnais ipsd Sie wählten das Mittel ihrer Väter. — so rühmen unsere Weisen Israels Verhalten. Der spontane Erfolg der plötzlich eingetretenen Gefahr war Selbstbesinnung und Einkehr der von G'tt Erlösten. Die körperlich Befreiten sollten zum Volke G'ttes heranreifen und zur inneren Schau des Herrn als Gestalters ihrer Schicksale gelangen, daß sie sich Ihm verbunden fühlen und standhaft bleiben, wenn auch noch so große Nöte und Sorgen sie bedrücken. Ein tiefsinniges Wort, das unsere Alten da sagen, wipn nsnsi Pharao hatte näherrücken lassen, vi>y ma!> nnynsn a'ipn sm, er war es selber, der sein Schicksal besiegelte, w-,pn .D’awaw irasi> nrr: er war es auch, — der die Herzen von Israels Kindern unfern: Vater im Himmel näher brachte . . . Glückliches Israel, wenn es die Zeichen der Zeit begreift, wenn die Not es beten lehrt und ifym den Schlüssel zur Pforte des g'ttlichen Erbarmens reicht! Wochenrundschau. Eid und Erklärung. Umnittelbar nach seiner Ernennung zum Reichskanzler bat Adolf Hitler und haben mit ihm alle feine Kollegen im neuen Kabinett in Gegenwart des Reichspräsidenten v. Hindenburg den T r e u e i b « u f d i e Verfassung geleistet. Zu dieser von der neuen Regierung mit feierlichem Eid in treue Hut genommenen R e i ch s v e r f a s - s u n g gehören aber auch folgende punkte: Alle Deutschen sind vor dem Gesetze gleich. (Artikel 109). Alle Staatsbürger ohne Unterschied sind nach Maßgabe der Gesetze und entsprechend ihrer Befähigung und ihren Leistungen zu den öffentlichen Aemtern zugelassen. Alle Ausnahmebestimmungen werden beseitigt. (Artikel 128). Alle Bewohner des Reiches genießen volle Glaubens¬ und Gewissensfreiheit. Die ungestörte Religionsübung wird, durch die Verfassung gewährleistet und steht unter staatlichem Schutz. Die allgemeinen Staatsgesetze bleiben hiervon unberührt. (Artikel 135). Also das haben die neuen Wänner beschworen und nicht den Parteikodex der R. S. mit all den Interpretationen und Kommentaren, die ihm täglich „Angriff" und „völkischer Beobachter" geben. Daß wir trotzdem keinen Grund haben, uns in einen blinden Optimismus hinein zu wiegen, haben wir vorige Woche an dieser Stelle ausgesprochen. Inzwischen sind noch einige Womente von gravierender Bedeutung hinzugekommen: Auflösung des Reichstages, die uns zu allem anderen noch einen wilden Wahlkampf beschert; eine Regierungserklärung, die zeigt, daß man auch an verantwortlicher Stelle zunächst es vorzieht, statt mit klarem Programm, mit Her altbeltebten, in Anklagen und Heilsversprechungen sich ergehenden Wethodc zu arbeiten und schließlich das Scheitern aller Tolerierungsverhandlungen mit dem Zentrum, wodurch die Diktaturgelüste der neuen Wänner der letzten Kontrolle entzogen werden. Das alles macht die Lage nicht besser und die Aussichten für uns Juden nicht rosiger. vom Ausgange der neuen Wahlen und der Art, wie die Regierung auf diesen Ausgang reagiert, wird auch für uns Juden viel abhängen. Wir bangen, wie wir schon angedeutet haben, um unsere religiösen Belange. Was unsere Stellung als deutsche Bürger betrifft, kann mau indes Ludwig H 0 l - Israels Glauben ist aber noch nicht gefestigt. Darum ist seine Stimmung noch Schwankungen unterworfen, und gar manches Wort des Zweifels und Irrtums, wird in seiner Mitte vernommen, daß Mosche all' seine Klugheit aufbringen muß, die -aufgeregten, auf ihn einstürmenden Massen zu beschwichtigen. ,ismn bx oyn bv ivwi Mosche sprach zum Volke: Fürchtet euch nicht! >avn Dab nvy iv» n nviv' ns irrni iaynn Ermannt euch und sehet die Rettung G'ttes, die er heute an euch tun wird. •a^iy ny iiy onsn!> iD’on rri> a'vt onsn ns amrrn ivrr -o Denn wie ihr sie heute seht, die Aegypter. sollt ihr sie nimmermehr sehn, »rramnn onw c>ai> an!” i, „G'tt wird für euch streiten, und ihr. seid still!" Diese Rede Mosches sagen unsere Lehrer,Viipn nin i'!-y vivo-w!>a, beweist. daß auf ihm G'ttes Geist ruhte. Von solcher Kraft der Üeberzeugung und Innigkeit des Zuspruchs waren Mosches Worte, daß alle Parteien, die bisher einander entgegengesetzte, ganz verschiedene Vorschläge gemacht, nun eines Sinnes wurden und voll Vertrauens auf das erlösende Wort des Herrn warteten: lyan Vsim na nai, „Rede zu Israels Kindern, daß sie aufbrechen", na isa'i nwa'a am zina i-rr-w', Israels Kinder gingen hinein ins Meer — ohne Zaudern und Schwanken — ahnungslos, da hatte es sich zum „Trockenen" gewandelt. Das war der Wunder größtes, das Israel geschaut. Das Meer wich auf Geheiß G'ttes zu Israels Rettung zurück und es ging nach dem Willen des Herrn wieder in fein früheres Bett, zu seinen alten Bahnen, als Mizrajims Mannen nachrückten und nun ihr Grab hier fanden. In dieser Stunde wurde der .Glaube in Israel geboren, der Glaube an das Walten der g'ttlichen Vorsehung im Leben Israels, und das erste Lied brauste durch die Lüfte zu Ehren des, der dieses Wunder der Errettung Israels vollbracht. Dieses Lied, am Meeresgestade zuerst gesungen, aus den l ä n öe r zustimmeu, Her in der C. v.-Zeitung u. a. schreibt: ■ „Auch in dieser Zeit werden die deutschen Juden ihre Ruhe nicht verlieren, die ihnen das Bewußtsein untrennbarer Verbundenheit mit allem wirklich Deutschen gibt. Ihr ' Kampf um Recht und Ehre wird getragen von einem gesteigerten jüdischen Verantwortungsgefühl, das heute jeder einzelne empfinden und betätigen muß. In dieser Gesinnung wissen sich die deutschen Juden nach wie vor einig mit der überwiegenden Wehrheit des deutschen Volkes. Sie vertrauen auf den endlichen Sieg der Wahrheit und der Vernunft." Interessant ist aber, daß wir deutschen Juden bafr was uns heute so brennend interessierst auf dem Umweg über L 0 n do n erfahren. Der Berliner Korrespondent des „Iewifh Ehronicle" hat am letzten Donnerstag bei der Presseabteilung der Reichsreg ie r u n g vorgefprochen und darauf hingewiefen, daß im ganzen Auslande lebhafte Beunruhigung bestehe über das Schicksal der deutschen Juden unter der neuen Regierung. Legationsrat von p u t l i tz ermächtigte den Korrespondenten des „Iewifh Ehronicle", nachdem er sich mit den maßgebenden Regierungsinstanzen eigens in Verbindung gesetzt hatte, zur Veröffentlichung folgender Erklärung der Reichsregierung: „Um die Befürchtungen der ausländischen Juden in Bezug auf das Schicksal der Juden in Deutschland zu beseitigen, erklärt die presseabtcilung der deutschen Regierung, daß das neue deutsche K a b i ne t t den ^frieden und die Ordnung für alle deutscher: Staatsbürger zu sichern s u ch t n n d n i ch t d i e A b s i ch t h a t, sich auf i r g c n ö w e ich e unvernünftigen Experimente ein zulasse n." Ist es auch seltsam genug, daß diese Erklärung einen: ausländischen Blatte gegeben und nicht unmittelbar an die Adresse der deutschen Juden gerichtet worden ist, so wollen wir auch diese Aeußerung als Zeichen dafür nehmen, daß Herr Hitler und feine Kabinettskollegen wohl wissen, was sie beschworen haben. Vereinbarungen und Versprechungen. Einer unserer palästin-amitarbeiter, der dem W i s r a ch i nicht ganz fern steht, schreibt uns aus Jerusalem: Rabbiner B e r m a 1: n , den Leiter des Wisrachi- Schulwefens, ist aus dem Schulöezernat der Iewifh Agency ausgetreten. Grund: die fortgesetzten Schikanen und Benachteiligungen, die die Interessen des Wisrachi erfahren. Tiefen der Volksseele hervorbrechend mit ungeahnter Kraft und Innigkeit, klingt seitdem durch alle Zeiten und Geschlechter fort, ein Sinnbild der Ewigkeit des Volkes Israel und der Unsterblichkeit aller derer, die immer wieder ihren Blick zu den Höhen erheben und singen wie Moses und Israel am Gestade des Meeres gesungen: m« nsa 'a ’-ib n-PE?K, „G'tt will ich singen, wie hoch, wie hoch Er gewesen." nyi a!>y!> 'n# „G'tt wird in alle Ewigkeit hin regieren" ... Solange dieser Sang in unseren Herzen widerklingk und über unsere Lippen dringt, brauchen wir wahrlich nicht zu verzweifeln, mögen auch noch so ernst und trübe die Zeiten sein und voller Sorgen und Kämpfe unsere Widerstandskraft -auf eine harte Probe stellen. Wir haben doch da das Holz, das G'tt Mosche gelehrt in Mara, um das bittere Wasser zu versüßen. Vertrauen und Hoffnung, das sind wunderbare Pflanzen, die auf dem Grunde eines jeden von G'ttesglauben getragenen Herzens aufsprießen und die Bitternis des Lebens unendlich versüßen. Diese Pflanzen gedeihen vollends auf dem Boden des reinen ungetrübten Judentums. Das muß unser aller voller Teil sein, da darf es kein Deuteln und kein Schwanken geben. Die Verzweiflung folgt nur da, wo der Zweifel sich regt. Wo aber die mias Glaube, Vertrauen und Zuversicht walten, da bleiben wir gesichert und geborgen in der Ueberzeugung: aai> an!” 'i, „G'tt kämpft für euch." Dieses Kämpfen G'ttes, das ist sein ewiges Walten, das Vollbringen seiner Pläne und zum Ziel Führen seines Willens. Dieser Gedanke macht uns ruhig und glättet die Wogen unserer Erregung, ansi pv'-mn, daß wir es beherzigen: „Ihr -aber, seid still!" Still in G'tt, das bedeutet nicht etwa, in dumpfe Resignation versinken und tatenlos allem Leid gegenüberstehen. Nicht Trägheit und schlaffe Ruhe predigt dieses Wort, sondern ein Besinnen aus G'ttes Liebe und Weisheit, daß

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