Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 5 (2.2.1933)
- Date
- 1933-02-02
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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2. Februar 1933 Der Israelit Nr. 5 Seite 11 Bücherbesprechungen. Der Tempel Salomos. Von Kurt Möhlenbrink. Stuttgart. 1 932. W. K o h l h a in m e r. 160 Seiten. Möhlenbrink will den Salomonischen Tempel in die Sakralarchitektur des alten Orients einordnen und sucht nach Parallelen und Vorlagen. Ausgangspunkt seiner Untersuchung sind die Bauberichte der Bibel wie wir sie in 1. Kg. 5, 27—7, 21 und 2. Ehr. 3, 1—17 finden, die Möhlenbrink mit einigen textkritischen Aenderungen übernimmt. Der Salomonische Tempel lehnt sich nach Möhlenbrink in säst allen Punkten an den assyrischen Tempel an. sowohl was seine Dreiteilung, seine Ostrichtung und seine Nachbarschaft mit dem Königspalast anlangt. Wenn Möhlenbrink in ■ der Ostrichtung die Richtung des „günstigen Windes" erblickt, die für die Anlage des Tempels maßgebend gewesen sein soll, so können wir ihm darin nicht zustimmen. Die von Möhlenbrink für seine Behauptung angeführten Beweise besagen dafür nichts. Die Ostrichtung des Tempels hängt mit dem Sonnenaufgang zusammen. Eben so wenig können wir Möhlenbrink beipflichten, wenn er in der Nachbarschaft von Tempel und Palast Bestrebungen zu einer „Eigenkirche" erblickt. Abgesehen davon, daß derartige Bestrebungen dem Judentum in jeglicher Weise fremd sind, ist es nicht recht verständlich, was dieser dem deutschen Mittelalter entlehnte Begriff hier soll. Diese Nachbarschaft muß auch nicht unbedingt dem assyrischen Vorbild entlehnt sein. Es ist nichts Auffälliges, wenn in einem so theatralischen Staatswesen wie dem israelitischen die innige Verbundenheit zwischen religiöser und weltlicher Macht nach außen sinnfällig zum Ausdruck kam. Und schließlich braucht nicht jede Parallele, wie Möhlenbrink selbst einmal sagt, auf Ableitung zu beruhen. Die Uebereinstimmung mit dem assyrischen Vorbild findet Möhlenbrink auch in den Längen- und Breitenverhältnissen der Jnnenräume. Dies braucht nicht Wunder zu nehmen, denn solche Entlehnungen kommen überall vor. und es kommt nur darauf an, daß der äuße-- ren Angleichung nicht die innere folgt. Daß diese Befürchtung beim Salomonischen Tempel nicht gegeben war, hebt Möhlenbrink in seiner S.chlußbetrachtung besonders hervor. Trotz mancher Abweichungen von unserer Ansicht können wir Möhlenbrink für sein Buch Dank wissen, das namentlich der vergleichenden Religionswissenschaft förderlich sein wird, darüber hinaus auch eine gute Studie über Anlage und Bau des Salomonischen Tempels bildet. A. Ein Sünder fährt in Heiliges Land. Von Ernst v. d. Decken. Dresden. 193 2. Carl Reißner-Berlag. 200 Seiten. Mk. 4.80. Ein skeptisches, unreligiöses Weltkind — nach seinen Papieren Deutscher, Christ, Journalist — macht eine kurze Tour durch Palästina und schildert nun in flüssigem, unterhaltendem Stil seine Eindrücke. Wir in Palästina begegnen auf dem Gebiete der Reise-Literatur jeder Neuerscheinung, die unser Land betrifft, mit Mißtrauen, denn flüchtige Einblicke geben oberflächliche Urteile. Bei dem hier vorliegenden Buch muß anerkannt werden, daß ein geübtes Iournalisten-Auae die Dinge gesehen hat. S. G., T.-A. Textprobe aus „Lin Sünder fährt ins heilige Land". Decken. Seite 151. Das Judenviertel in Hebron: in sich verschachtelt, aufgetürmt, an Hänge angeklebt in unentwirrbarem Durcheinander. Heute fast ausgestorben. Warum? Hier geschah es, daß eine Parole vom Großmufti ausging, die zum Kampf gegen die Juden aufrief . . . Man hatte sich die Orte ausgesucht, wo man die schwächsten, wehrlosesten, orthodoxesten Juden vorzufinden wußte: Safed und Hebron. An die tausend Juden mögen in Hebron gelebt haben. Jetzt sind dreißig zurückgekehrt . . . . . . Die Talmudschüler Hebrons wurden abgeschlachtet wie die Hammel. In die Anglo-Palestinabank hatten sich etwa fünfzig Juden geflüchtet. Man hat ihnen in bestialischer Weise die Hände abgehackt, sie hingeschlachtet, Frauen geschändet, einer Mutter den Sohn absicht-- lich in ihren Armen zerschnitten. In diesem Raunr allein fanden dreiundzwanzig den Tod. Und in Jerusalem übte währenddessen dieenglische Truppe, wie man das Auge gegen einen imaginären Feind über Kimme und Korn verbindet. Ich schreibe das nicht, um hier Greueltaten zu berichten. Ich habe die Berichte anfangs nicht glauben wollen, aber.ich habe es erfahren müssen, daß die Engländer sehr wohl um alle Massakre gewußt haben. Diese Tatsache kann einen verbittern, — jedenfalls hat sie mir die Reife zum Teil zu verekeln vermocht. Man ist durchaus geneigt, zu glauben, daß jeden Tag dieser Aufstand von neuem ausbrechen könnte und die Engländer, erfordert es gerade ihre Kolonialpolitik, genau so Gewehr bei Fuß dastehen würden wie 1929. Das -ft englische Kulturschande im Heiligen Lande, jenseits von jeder Beurteilung der arabischen oder jüdischen Frage. Die Theologie des Judentums nach dem Bericht des Jofesus. Von Prof. D. A. Schlatt er. 19 32. Verlag von L. Bertelswann in Gütersloh. Gleichsam als Angebinde zu seinem 70. Geburtstag hat der bekannte Tübinger Gelehrte der wissenschaftlichen Welt ein neues Werk überreicht, um so seine unverminderte Rüstigkeit und Schaffenskraft darzutun. Ans den verschiedensten Werken des Jofefus find mit ungeheurem Fleiß alle Stellen zusammengetragen, die auf theologische Anschauungen Bezug haben,, und so entsteht ein theologisches Gebäude des Judentums zur Zeit des Untergangs des 2. Tempels. Ein theologisches System für diese Zeit , hat uns bisher gefehlt, und so ist dieses neue, ausgezeichnete Werk dankbar zu begrüßen. Es ist ein wertvoller Beitrag zur Religionsgeschichte des Pharisäismus, und schon darum ist ihm größte Verbreitung zu wünschen. Studien zur systematischen Theologie. Herausgegeben von A. T i t i u s und G. W o b b e r m i n , Heft 8: Lic. H. C. E i s e n h n t h : Der Begriff des irrationalen als philosophisches Problem, ein Beitrag zur existeuzialen Religionsbegründung. G ö t t'i n g e n. 19 31. V a nd e n h o e ck u. R u p r e ch t. kl. 4" ix -j- 274. Die Titius-Wobbermin'sche Schriftenreihe, deren fünfte Nummer (von A. -Heger über Kaftans Grundposition) an dieser Stelle vor einiger Zeit besprochen wurde, bietet mit dem vorliegenden Baude eine weitestgehende Uebersicht über die heutigen Strömungen in der evangelischen' Kirche. In Gesprächen mit evangelischen Geistlichen und Seminardozenten ergab sich der Anschein, daß die Eifenhuth'sche Schrift außerhalb des ganz speziell religionsphilosophisch. interessierten Kreises wenig Aufsehen erregt hat. Oie philosophischen und dadurch auch uns angehenden Teile des Buches enthalten eine Konfrontierung der christlichen Grundlehren mit der Heidegger'schen Metaphysik des Seins, mit der wohl auch' unsere Religionsphilosophen sich allmählich grundlegend auseinanderzusetzen haben werden. Da nun die größte Schwierigkeit der christlichen Stellung zur Seinslehre immer darin zu sehen ist, daß, solange der evangelische Standpunkt Nicht verlassen wird, eine inhaltliche, 'gesetzgeberische Offenbarung nicht anerkannt werden darf, so darf man vermuten, daß dem Bekenner des sinaitischen „Gesetzes G'ttes a n den Menschen" in diesem System seine Position zu finden leichter würde. Denn wenngleich auch wir in den Symbolen und Forderungen der Thora kaum jemals überirdische Geheimnisse entschleiert sehen sollen, so ist doch die Thora uns ein Faktum wie Himmel und Erde", — und diese Seinsweise ist vernunftunabhängig und somit „irrational" genug. Das sei nur als Beweis dafür angeführt, daß Eisenhuths Buch durchaus auch unsere Denkenden angsht. Es verdient deren Anteilnahme um so mehr, als „Das Heilige" von R. Otto sowie Heims und Becks Grnndlehren hier aufs Gründlichste durchdiskutiert sind, und obwohl oder besser weil wir an entscheidenden Punkten das gegenteilige Denkresultat erlangeu würden. B. Cohen. 1. Hysterien und Zwangsneurosen: psychoanalyt. spezielle Neurosenlehre. Von Otto F e m i ch e ll. Wie n. 1931. Int. Psych. Verlag, kl. 4», 193. 2. Perversionen, Psychosen, Charakterstörungen: psychoanalyt. spezielle Neurosenlehre. 1‘9 31. Verfasser und Verlag wie oben. kl. 4", 218. Der jüdisch-gesetzestreue Pädagoge und Rabbiner wird sich mehr und mehr mit den Problemen auseinandersetzen müssen, zu deren Lösung die heutige Psychiatrie sehr oft ähnliche Wege einschlägt wie unsere Ueberlieferuna. In obigen 2 zusammengehörigen Werten führt uns Femichel ganz ohne theoretische Umschweife in die alltägliche Praxis seiner Schule. Da gibt es also wenig zu diskutieren und um so mehr hinzuzulernen. Die Tiefen seelischer Symbolik, — durchaus nich mir in ihren krankhaften Aborten. — werden hier ergründet, und auch auf den scheinbar entlegensten Pfaden Femichelscher Praxis wird der brennende Wunsch laut, daß endlich die lebenswahre psychologische Darstellung der Symbolik des Thoragesetzes von einem seiner Befolger so geschrieben werde, wie sie der Symbolik des Meisters als natürlicher Unterbau dienen könnte. Eine eingehendere Würdigung der Femichelschen Werke aufgrund Echa rabba 1, 15, Berachoth 56a und anderer zweifellos psychoanalytischer Stellen unseres Schrifttums würde hierzu die erste Vorarbeit bilden, aber den Nahmen jeder Buchbesprechung sprengen. Jedenfalls sei den Vorgebildeten das Femichelsche Doppelwerk ZU eingehendster Lektüre empfohlen. E. Die Konsequenzen und Inkonsequenzen des Determinismus. Von Helm. G r o o s. München. 1931. Reinhardt, kl. 4", 156. So radikal und „stahlhart" dieses Schriftchen sich gibt, — es wird wohl bei keiner der heutigen philosophischen und — politischen Richtungen den erhofften Erfolg einheimsen. Man möchte als Motto darüber nicht das 'ibx des Perek, sondern das Reutersche „Kein Hüsung!" setzen; Aufstieg an Kultur und Gesittung ist nach Groos, wenn man es genau nimmt, nur Schimäre. Mensch, G'kk und Unsterblichkeit. Gedanken über den menschlichen Fortschritt. Von I. G. F r a z e r, autorisierte Uebersetzung. Leipzig. 1 932. Hirsch seid. kl. 4», XVI + 360. Frazers Forschung geht ganz eigene Wege. Er ist, teilweise zum Schaden seiner allgemeinen Geltung und Anerkennung, mit seiner religionspsychologischen Arbeit ganz an den Resultaten moderner allgemeiner Psychologie vorbeigegangen. Er macht sich wohl vom entwicklungstheoretischen Schema anderer Religionsforscher los und verwirft „die Mythe vom unvernünftigen oder vorvernünftigen Wilden ruhig in jenes Museum der gelehrten Unsinnigkeiteu und Wechselbülge, zu dessen Bereicherung die 'spekulative Anthropologie ständig beiträgt." Damit ist noch lange nicht die völlige Unabhängigkeit von heutigem Theorieenwust erreicht, ohne die mau keinen Einblick in unser Gesetzesleben erlangt und solchen Mißdeutungen ansgeliesert bleibt, wie sie Frazer 279 zu Ex. 28, 33 darbietet. Frazers Buch empfiehlt sich als- Beispiel dafür, wohin eine Religionsforschung ohne tiefste Psychologie führen muß. Aegypten und der Arabische Orient. Von Siegfried P a \- sarge. Berlin. 1931. Zentrnl-Verl a g. 70 Seiten, 14 Zeichnungen. Die Gelehrten machen leicht ihre besondere Wissenschaft zu einem Prokrustesbett, dem sich alles anpassen soll. Die Geograph Passarge betrachtet den Raum, die Landschaft in ihrem Einfluß aus die Entwicklung der Menschen und Völker Diese Wissenschaft hat sicher ihre weitgehende Berechtigung. Der Leser hat aber das Gefühl. daß die leichthin mit apodiktischer Gewißheit aufgestellten Behauptungen buch nicht immer selbstverständlich und nicht nur aus geographischen Gesichtspunkten zu messen sind. Das gilt hinsichtlich Passarge's Anschauungen über die jüdische Ansiedlung in Palästina. Es fei hier nur bemerkt, daß wir insofern mit Passarge übereinstimmen, als auch wir die Entwicklungsbedingungen der jüdischen Ansiedlung sowohl agrikulturell wie auch industriell für absehbare Zeit als eng begrenzt ansehen. Die Kritik Passaraes on der bisherigen Resultaten der zionistischen Tätigkeit scheint uns der Prüfung wert. Daß mit Einwanderern, die „religionslau bis fanatisch religionsfeindlich" sind, kein jüdisches Volkstum zu schaffen ist, glauben auch wir. Wir Juden sind aber das Volk der Religion: kommt der richtige Mann, dann entfacht er alle noch vorhandenen religiösen Funken zur Flamme. S. G., T.-A. Palästina und feine Sulkur in fünf Jahrtausenden. Von Peter Thomson. Leipzig. 1931. I. C. H i n r i ch s ' s ch e B u ch h a n d l u n g. Preis Mk. 3.50: geb. Mk. 5.50. Thomsen ist nicht nur einer der bekanntesten, sondern auch der anerkanntesten Gelehrten, die sich mit Palästina und seiner Kultur befassen. Das vorliegende Buch er-- scheint in der dritten Auflage, bei der es eine ganz bedeutende Umgestaltung und Erweiterung erfahren hat. Thomsen hat all die reichen Funde, die die Ausgrabungen des letzten Jahrzehnts auf palästinensischem Boden gebracht haben, verwertet. Seine Mitteilungen über diese Funde und besonders die vielen Abbildungen bieten ein äußerst wertvolles Material für die älteste und alte Geschichte Palästinas, das wir aber gerne von jüdischen überlieferungstreuen Forschern gedeutet sehen würden. Lieben. „Israel Baal-Schem und Elia Wilna". Eine geschichtliche Darstellung ihres Lebens und Wirkens. Von Abraham K o h a n e. lii h r. Ostrau (Slvvakei). Verlagsbuchhandlung Dr. R. F ä r b e r. Es ist ein kleineres Werk, das den Anspruch erhebt, das Leben des Vaal-Schem und das System seiner Lehre zu zeichnen und zugleich ein Bild seines Antipoden, des Goon von Wilna, zu entwerfen. Als ganz gelungen kann der Versuch nicht bezeichnet werden. Die Sprache ist stellenweise mangelhaft. Das Beste im Buch ist eine vollkommene und klare UebersichtüberbieWerke des Wilnaer Gaon. Ein anderes Buch in hebräischer Sprache nennt sich 2iv vv'2i um» und stellt sich als eine Sammlung von Aussprüchen und Lehren des Baal-Schem-Tow und auch Erzählungen um den Begründer des Chassidismus. Die Ausführungen greifen zum Teil ins Kabbalistische. Der Verfasser, oder richtiger Sammler, Jehuda Leb A r a h a m aus Ilngvar (gedruckt bei Mordechai Abraham in Keczkemet Ungarn), ist auf alle Fälle mit seinem Werke dem Bedürfnis weiter chassidischer Kreise nach Worten und Lehren des Baal-Schem-Tow in höherem Maße entgegengekommen, als mancher der in Chassidismus machenden modernen Autoren. —tz. Einführung in die hebräische Sprache. Von Joseph . P r i l s. Sechste neu bearbeitete Auflage. Bonn. 1 9 3 2. Peter H a n st e i n, Verlagsbuchhandlung. Preis br. Mk. 4.50. Daß dieses Buch in der 6. Auflage erscheinen kann, ist ja eigentlich die beste Empfehlung, die man sich denken kann. Eine Grammatik liegt vor und doch wieder verschieden von den üblichen Büchern dieser Art. Die jeder Gruppe folgenden zahlreichen Beispiele, die vielen Anmerkungen, die außerordentliche Teilung des ganzen Sprachsystems, die sehr wertvollen Ausführungen zur Syntax heben das Buch hinaus über alle Schriften, die den Aufbau einer Sprache lehren wallen. Dadurch wird der Anstieg leicht gewonnen und vorteilhaft die „Einführung" allmählich weitergebracht. Es ist überflüssig, von der Fülle der Tabellen und von den reichen Belegen und Beispielen zu reden. Prills Buch wird mit großem Nutzen studiert werden, aber es muß studiert, d. h. durchgearbeitet werden, wenn man etwas davon haben und daraus lernen will. S.