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Der Israelit · 1933-01-12 · Heft 2 (12.1.1933) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 2 (12.1.1933)
Date
1933-01-12
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 2 Nr. 1 D e r I s t a e l i t B I St te r , 12. Januar 1933 dem Vorsitzenden des West- G. A., persönliche Verbindung mit der AIIO., rege Korrespondenz mit dem Vorsitzenden der p. Z. sorgten dafür, daß die verschiedenen agudistischen Stellen in ständigem Konnex blieben. y. Die in n er e Lage in Deutschland haben wir bereits einleitend gestreift. Rechts und links von uns stehen Kreise, deren Mitarbeit Agudas Iisroel braucht. M. (E. sollte der neue Vorort eine Kommission maßgeblicher Männer zusammenstellcn, die die Fragen, die hiermit im Zusammenhang stehen, prüft. Cs handelt sich dabei ebenso uni die Gewinnung Einzelner für die freudige Mitarbeit als um die Prüfung, ob durch engeren oder loseren Zusammenschluß der gesinnungsgenüssischen deutschen Organisationen die Stoßkraft und das Ansehen der Orthodoxie in Deutschland gehoben werden kann. Vielleicht darf in diesem Zusammenhang auf die wackere Arbeit der hiesigen Zeire Agudas Iisrocl hingewicscn werden, die für die Gewinnung hiesiger ostjüdischcr Kreise unermüdlich arbeiten, aber auf verlorenem Posten stehen, wenn wir sie nicht viel stärker als bisher unterstützen. Ich möchte vorschlagen, daß sich aus unserem Kreise heute Abend der neue vorortsvorstand' bildet und dann die Arbeit in eine Reihe von Dezernaten auflöst. Ls -wird nicht zwingend sein, daß in diese Dezernate nur Mitglieder des offiziellen Vorortsvorstandes hineingehen, es stehen uns doch dafür auch die hiesigen Z. R.-Mitglieder zur Verfügung. Und da das Ganze zunächst provisorischen Charakter tragen soll, brauchen wir uns vielleicht nicht so sehr ans Formale zu halten. Reben der Bestellung der Vorortsmitglieder käme wohl zunächst die Besetzung der Dezernate für Politik, für Lhinuch (Keren Hatorah) für Lrez Iisroel für Soziale Fragen, für die Organisation und Finanzen, für Jugendarbeit in Betracht, während es sich empfehlen dürfte, sogleich eine 2lrbeitskommisston einzusetzen, die den verschiedenen Dezernaten zur Durchführung technischer Dinge uns zur Verfügung steht. Die HalberstSdker Zugendkagung. 1. 2luf klassischem Boden, im Bes Hamidrofch der Halberstäötec Klaus, fand die Gruppcnvertretertagung unserer Jugendorganisation statt. In den Schränken an den wänden ringsherum die Scforim, aus denen Halberftaöts Klausrabbonim Lebenssinn und Dafeinsfreude schöpften, jene Männer, deren Enkel — geistige Enkel alle, leibliche viele der versammelten — sich zusammengefunden, zu raten und zu taten, was unserer Jugend frommt. Enggedrängt saßen diese jungen Menschen um den Beth- Dintisch, an welchem Halberstadts Rabbonim Recht gesprochen, jüdisches Recht, das unbeugsame Festigkeit mit mcnschengewinnender Milde paart. Und über den versammelten schwebte der Geist des letzten Halberstädtcr Raw, der diese Jugend segnete, da sie an dem Werk weiterbaut, zu dem er den Grund mitgelegt. Und wenn der Freitagabend und der Schabbos diese Jugend in dem gastfreundlichen- Haus in der Spiegelstraße vereinigte, von dem seit 17 Jahren der Strom des Segens für die von 2lgudas Iisrocl betreuten Waisen sich ergießt, und wenn wir wieder und wieder „unter den weiden" gingen, wo die Harfe hing, die das Hohe Lied der 2lgudas Iisrocl anderthalb Jahrzehnte so meisterlich spielte, dann wurden in uns viele „Kinderträume" lebendig, denen wir nach saunen, da 2lgudas Iisrocl zu werden begann. 2. Diese Jugend aber, die sich hier versamuielte, sie weiß von diesen Träumen nichts, sie ist solchem Sinnen und Sinnieren vielleicht überhaupt abhold, sie steht im Hellen Schein des bleute, int Bann der schaffenden Wirklichkeit. Daß der Tag und die Wirklichkeit ihr aber keine hinzunehmendcn Gegebenheiten sind, sondern Aufgaben, die sie zu lösen, Probleme, mit denen sie zu ringen hat, das bewies der 2lblauf dieser Tagung. 2lllc diese jungen Menschen, die hier zusammengekommen waren — aus Halberstadt und Hamburg, aus Berlin, Frankfurt und Rürnberg, aus Breslau und Fürth, aus Leipzig und Hannover — sie fühlen sich als lebendige Glieder „des durch die Tauroh konstituierten jüdischen Volkes", sie sind gewillt, all die schweren Aufgaben, die die drückende Zeit ihnen stellt,! „im Geiste der Tauroh" zu lösyr, also^ das Zeitliche' am Ewigen zu messen. Sie alle,verschieöen in Temperament und- Auftreten,glühend sind sie vog dev Idee des Agudismus - beseelt, sie glauben an Gegenwart und Zukunft derl'Agudüs- Iisroel. . 5. Die Sorge um den rechten Rachwuchs, : um das Erbe der Väter, die Tauroh, um das Land der Väter, Erez Iisroel, um die Rot im jüdischen Kreis, im engeren und im weiteren, '• : ‘ : um diese vierfache Sorge handelte es sich. was zum Beschluß erhoben wurde, war das Ergebnis gründlicher Diskussion und sorgfältigster Ueberlcgung. Man wußte, daß wir eine geschlossene Front der Jugend brauchen und daß jede Majoristerung von Rebel ist. 2llle Beschlüsse von einigermaßen grundsätzlicher Bedeutung konnten einstimmig gefaßt werden. Der einheitliche Wille aller Anwesenden steht hinter ihnen und wird zu ihrer Verwirklichung beitragen helfen. Und noch Eines darf festgehalten werden: der eigene Wille diktierte. Man sah, was 5cm eignen Hause nottut und schielte nicht in Rachbars Garten. Darum vermied man alles, was wie Kampf und Demonstration üusfah, zum-Fenster-hinaus-politik gehörte nicht zum Programm dieser Tagung, alles kraftmeierifche Gehaben lehnte man ab. Feststellungen und Folgerungen daraus, — nur dies bestimmte den Gang der Dinge. 4. Man stellte fest: die Erziehung durch den Esra sichert uns nicht unter allen Umständen den Rachwuchs und folgerte: Einrichtung von pirche Agudas Iisroel ist dort, wo die örtlichen Verhältnisse es gestatten, notwendig. Man stellte fest: Reutrale Erziehung der Jugend muß nicht, kann aber oft zu einem Ausweichen von aguöistischec Weltanschauung führen und folgerte: Bewußte Erziehung im Sinne der agudistischen Ideologie ist vonnöten. Man stellte fest: daß es neben der wahren agudistischen Politik, die die uneingeschränkte Verwirklichung des g'ttlichen willens im Leben des taurohtreuen Volkes anstrebt, und die darum religiös e Pflicht ist, noch eine Politik der Gasse, des egoistischen Sonderinteresses gibt, und folgerte, daß ans sittlichen und erzieherischen Gründen eine Politisierung unserer Jugend in diesem Sinne unbedingt vermieden werden müsse, denn sie führt zur Verhetzung und zur Ueberheblichkeit. Man stellte fest: die 2lrbeit des Limuöamtes des Esra ist von hohem Segen und folgerte, daß dieses Tätigkeitsgebiet des Esra, wie bisher so auch in Zukunft, von allen agudistischen Iugendgruppen tatkräftig zu fördern ist. Man stellte fest, daß die-genau vor 14 Jahren in Kassel verkündete These: „Bereitstellung des jüdischen Volkes und des jüdischen Landes für den G'ttesstaat" heute, zumal für unsere Jugend, noch völlig aktuell ist und folgerte, daß die Angliederung eines Erez Iisroelamtes an die Organisationsleitung schnellstens geschehen müsse. Man stelle fest, daß auf sozialem Gebiete seitens der Jugend noch außerordentlich viel geleistet werden muß — Heinemanns sachlich kühles Referat, dessen Richtlinien wir in diesen Blättern veröffentlichen, — fand heiße Zustimmung und folgerte, daß die Einrichtung besonderer Dezernate für soziale 2lrbeit in allen Iugendgruppen ein zwingendes Gebot fei. Feststellung und Folgerung, eines ergab sich aus dem andern, und aus allem zusammen formte sich der feste Wille dieser Jugend zur 2lrbeit, die frei ist von Phrase und Ekstase, aber zielbewußt und selbstsicher. 5. Die neue Leitung der Jugendorganisation wurde nach Berlin verlegt, tatkräftige junge Menschen — unter ihnen in unserer agudistischen Arbeit bewährte Esräcr — werden sich in die Arbeit teilen und jeder Förderung durch die Landesorganisation sicher sein, die zu gleicher Zeit, zunächst interimistisch, ihren Vorort ebenfalls nach Berlin verlegt hat. Mit den: Dank an Siegfried Heckscher und Berthold Lohn in Hamburg, die zwei Jahre die Organisationsleitung innehatten und ihres Amtes mit wenig Geräusch, aber mit viel.Hingabe walteten, verbinden wir den innigen Wunsch, daß die neue Leitung mit G'ttes Hilfe ihr ernstes und aufrichtiges wollen erfolgreich verwirklichen möge. w. S. I. Programm für die soziale Arbeit in den Agudogruppen. 2ll Ste M e n v e r mit t l u n g. 1. Annahme der Meldung von Vakanzen 2. Annahme der Meldung von Stellensuchenöen (und weiterleiung an die amtl. zugelassenen. Sch. Sch.-Stellenvermittlungen.) 3. Arbeitsvermittlung durch die amtlich zugelassenen Schaumre Schabbos-Stellenvermittl. ^Berufsberatung. I. für die aus der Schule.Austretenden. 1. durch Feststellung der Eignung a) körperlich (unter Zuhilfenahme des-!- Hausarztes) b) geistig (durch Intelligenzprüfungen) e) sittlich (durch Beobachtung und Auskünfte bei der Schulleitung über den Ratsuchenden) - 2. durch Ermittlung des Berufswunsches und seiner Gründe a) durch Befragen des Ratsuchenden b) durch Befragen seiner Angehörigen 3. durch Aufklärung durch den Berater untev Berücksichtigung von 1 und 2. II. für erwerbsbehinderte und fürsorgebedürftige- Iugendliche - III. für Erwachsene, die schon beruflich tätig waren 1. durch Berufsumlcitung 2. durch Berufsumschulung E. R e ch t s b e r a t u n g. 1. auf dem Gebiet des Arbeitsrechts 2. auf dem Gebiet des verstcherungsrechts D. M i t t e l st a n d s h i l f e. 1. durch Einrichtung eines verbilligten Mittagstisches für Angestellte 2. durch Vermittlung von Gratisunterricht für verarmte Mittelstandskinder 5. durch Beschaffung von Krediten für Kleingewerbetreibende 4. durch Beschaffung verbilligter Lebensmittel und Gebrauchsgcgcnftände E. K r a n k e n h i l f e. 1. durch Beschaffung von Hilfspersonen für alleinstehende mittellose 2lrme 2. durch Krankenbesuch in den Krankenhäusern 5. durch Bereitstellung von Geldern zur Bestreitung von Krankengeldern 4. durch Ausbildung eines permanenten Ausschuffes von Hausgehilfinnen für die Haushaltführung in Krankheitsfällen F. Erz i e h u n g s h i l f e. 1. durch Errichtung von Kindergärten und Iugendhorten 2. durch Rcberwachung der Erziehung im Haufe von Kindern, welche von Haus aus verwahrlost sind 5. durch Schlichtung familiärer Gegensätze, welche aus irgendwelchen Röten heraus geboren sind. G. Erwerbslosen Hilfe. I. durch Beschaffung von Rebcnverdiensten 2/ durch Sorge für Verbilligung ihres Lebensbedarfs (Volksküche) 5. durch Errichtung von Kursen zur Weiterbildung und Ausbildung 4. durch Schaffung von 2lufenthaltsräumen mit ernster Beschäftigung 5. durch 2lussprache mit ihnen über Kommunismus, jüdischen Sozialismus, Bitochaun usw. H. Freiwilliger Arbeitsdienst. 1. Bereitstellung von Arbeiten für den Träger der Arbeit 2. Bereitstellung von Personen für den Träger des Dienstes 3. Verhandlung mit den Vorsitzenden der Arbeits- und Wohlfahrtsämter. Hugo Heine m a n n - Fürth, Vorsitzender der Sozialen Kommission der deutschen Agudas Iisroel

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