Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1933-01-12 · Heft 2 (12.1.1933) · page 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 2 (12.1.1933)
Date
1933-01-12
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2446951-2450756-2450758--79328-2537072
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

9. Jahrgang der fandesorganifotion dev Jlgudas-Jisroel in Deitfeilaad. Berlin, 12. Januar 1933 / 14. Tebet 5693 Schriftleitung: Wolf S. Jacobson in Berlin. Verlagspost an st alt Frankfurt a. M. l Nummer 1 Landesorganisaton der Agudas Israel in Deutschland. Nachdem mehrere aktive Mitglieder des Vorortsvorstandes im letzten Jahr von Hamburg nach Berlin verzogen find, hat der Landesvorstand auf Anregung des bisherigen Vorsitzenden, Herrn Gderrabbincr Dr. Spitzer, Hamburg, beschlossen, die engere Leitung der deutschen Landesorganisation unter Vorbehalt späterer Zustimmung des Delcgiertentages provisorisch nach Berlin zu verlegen. Den Vorsitz der neuen Leitung, die sich aus den in Berlin wohnhaften Mitgliedern des Landesvorstandes unter Hinzuziehung der Herren Dr. Nathan Birnbaum, Rabbiner Dr. Hermann Klein und Rabbiner Dr. Heinrich A. C o h n zusammensetzt, hat Herr Rabbiner Dr. Moses Auerbach übernommen. Neben einem fünfgliedrigen Arbeitsausschuß, bestehend aus den Herren Wolf E. Jacobson, Dr. Kalman Kahan, Rud. L e i b o w i tz, Dr. Mich. Munk und Rechtsanwalt James R o s e n t h a! wurden gleichzeitig einzelne Dezernate für Spezialfragen gebildet, und zwar: für Politik: Rabbiner Dr. (Estct Munk, für Erez Jisrocl-Angelegenheiten: Rabbiner Dr. Moses Auerbach, für Chinuch-Angelegenheiten: Rabbiner Dr. Hermann Klein, für Siedlung und Berufsumschichtung: Dr. Nathan Birnbaum, für Soziale Fragen: Hugo hernemann - Fürth und Dr. Meier Hildesheimer, für Organisation und Finanzen: Wolf S. Jacobson, für wirtschaftssragen: Willy Guggenheim, für Jugendsragen: Dr. Kalman A a h a n , für Prcsseangelegenheiten: Rechtsanwalt Rosent h a!. Bericht über die Tätigkeit der Landesorganisation der Agudas- Jsroel in Deutschland. Erstattet von Wolf S. Jacobson in Berlin, am 24. Dezember 1932. Der letzte Bericht über die Lage innerhalb der deutschen Agndas Iisroel wurde der Plenarsitzung des Landesvorstandes, die am 12. (5lul 5691 in Frankfurt a. 111. erstattet und in den Blättern vom 28. September l 951/28. (EIuI 5691 veröffentlicht. Ich darf an diesen Bericht anschließen, wenn ich Ihnen, sehr geehrte Herren, heute über den Stand der Dinge berichten soll, heute, da Sie geneigt sind, unter dem. Präsidium unseres verehrten Herrn Rabbiner Dr. Auerbachs zunächst interimistisch, die Geschäfte des Vororts zu führen. Bevor ich in den sachlichen Bericht eintrete, gestatten Sie ein wort des Dankes an unseren bisherigen Vorsitzenden, Herrn- Dberrabbiner Dr. Spitzer in Hamburg, der nufere deutsche Landesorganisation seit dem Elul 5687 leitete. Mir, seinem Schüler, steht ein Wort des Rühmens nicht zn, es ist die Sache der Berufeneren, feinen Anteil an der Entwicklung der deutschen A. I. zu würdigen. wort der herzlichsten Erinnerung an den halberstädtec Raw s. Ach der uns und der Gesamtheit in den Sesiratagen dieses Jahres entrissen wurde, gerade als die 21. I. sich anschickte, ihr 20jähriges Bestehen festlich zu begehen. Cr gründete die deutsche Lanöesorganisation und leitete sie anderthalb Jahrzehnte. Das; nun sein verehrter Bruder sein Werk m» G. h. weitersühren wird, möge ihm ein u-aawas nefesch, uns ein Ansporn sein. 1. 'Allgemeines: Cin ehrlicher Bericht zwingt zu der Feststellung, das; 2l. I. leider auch heute noch in weiten Kreisen des gesetzestreuen Judentums, ja selbst ihrer eigenen Anhänger, als „orthodoxe Partei", nicht aber als „das thoratreue Volk" betrachtet wird, das; ferner die Sammlung aller Gesetzestceuen um ihre Fahne noch nicht gelungen ist. Diese für die Gesamtheit geltende Feststellung gilt auch für Deutschland. Daß es, vor allem um unserer Jugend willen, nötig ist, den überparteilichen Charakter der 21. I. bei jeder Gelegenheit zu betonen und das; der neue Vorort hierzu oft Gelegenheit nehmen möge, das ist wohl die erste Hoffnung, die die deutschen Aguöisten hegen. Was die Sammlung aller Ierelm um 21. I. anlangt, so genügt es vielleicht, auf die jeden: von Ihnen bekannte Tatsache hinzuweisen, das; einem Teil der Gesetzcstreuen Deutschlands die 21. I. zu „austrittlen sch" ist, einem ändern Teil wiederum zu „gcmeindeorthodox". Ohne in diesem 2lugenblick zu diesem Tatbestand Stellung zu nehmen, ergibt sich daraus für die 21. I. das traurige Bild des „Kerach mikan umikan." -In einem ist 21. I. in der Well weiier gekommen: Ihr rabbinischer Rat wird von allen politisch nicht gebundenen Kreisen als der berufene Interpret des Thoragesetzes respektiert und oftmals angcrufcn. Seine volle Wirksamkeit kann erst entfalten, wenn eine Besserung der wirtschaftlichen Verhältnisse seinen öfteren Zusammentritt möglich macht. Der deutsche R. R. ist in der Berichtsperiode seitens der L. O. als solcher nicht in Anspruch genommen, ist aber selbstverständlich über alle Vorkommnisse genau orientiert worden, gehören doch seine lllitgliedec laut § 4 unseres Landesstatuts eo ipso unserem Landesvorstand an. 2. Organisation: In: Anschluß an die eingangs erwähnte Plenarsitzung in Frankfurt a. 111. fanden Besprechungen zwischen uns und der Freien Vereinigung statt, um ein Nebeneinander- oder gar ein Gegeneinanderarbeiten unserer Organisationen zu vermeiden, mit dem Resultat, das; die 21. I. vorwiegend die Groß- und llltttelstädte, die Fr. ver. das Land zu bearbeiten habe. Im Dienste der 21. I.-Propaganda standen unsere Grnppcntagnngcnin Hamburg, lllainz und Karlsruhe, eine Tagung in Cmsland - Friesland ist für lllitte Januar beschlossen, alle Veranstaltungen verliefen vorzüglich und habeil wohl zur Vertiefung der Idee viel beigetragen, direkte organisatorische Erfolge, d. h. eine Vermehrung des Rlitgliederbestandes dürsten sie aber nur zu geringem Teil erbracht haben. Die Kattowitzer Crinnerungstage wurden überall in festlicher Weise begangen, sie geldlich auszuulünzen hinderte ebenfalls die Wlrtfchastsnot. Die Frauengruppen der 21. I. entwickeln sich weiter sehr zufriedenstellend. Das vorbildliche Programm der Hamburger Gruppe veröffentlichten wir in den letzten Blakern. Die ln Leipzig vor einiger Zeit neugcgründcte Francngruppc zähll heute schon über J00 INitglieder. Sie hat, uin ihrem Gesaiiitheitsbewußtsein sichtbaren 2lusdruck zu geben, zu Gunsten des k. H. bezw. der B. I.-Organisation eine Legatsversicherung von Ulf. 2000 geschlossen, ein Beispiel, das in anderen Gruppeil Nachahmung finden möge. Unsere Iugendgruppen arbeiten an einzelnen Orten besonders eifrig, fei es durch Durchführung vorbildlicher 2lrbeitsprogramme (z. B. Fürth) sei es durch svstematischc Erziehung des Nachwuchses (Ffnr. und in jüngster Zeit Berlin). Ich möchte auf die Frage des Nachwuchses hier nicht im Einzelnen ein gehen: zur Zeit tagt der Esra, von seinen Beschlüssen wird wohl abhängen, wieweit inan sich allerorts zue Einrichtung von Schülergruppen wird entschließen müssen. Im übrigen ist dies in erster Reibe durch unsere Iugendgruppen selber zu entscheiden, deren Führer in Halberstadi Zusammenkommen. 5. Presse: Die Blätter konnten in letzter Zeit nur in unregelmäßiger Folge erscheinen, ich muß zum dritten lila! aus die Wirtschaftsnot Hinweisen. Denn vielleicht wäre es sonst ein Ehaschad bikscherrm, wenn ich andere Gründe für das geldliche versagen gegenüber dein Vorort vermutete. Erfreulich ist die Uebernahine des Bayerischen Nachrichtenblattes durch die 21IIO., die ersten Nunnncrn zeigen, daß hier ernst und tief mit den unsere Jugend beschäftigenden Problemen gerungen wird. Als ein Symptom jugendlicher Schaffensfreude seien die Fürthcr Iugcndblaltec registriert, wo die Iugcndgruppc mit geringen lllitteln eine sehr hübsch redigierte Illonatszeltuilg herausglbl. 4. C h i n u ch : Die in dieses Gebiet fallenden 'Aufgaben hat die L. I. dem deutschen K. H. abgetreten, das; sie dennoch die Initiative in Händen hat, bewies sie durch die anfangs Januar hier abgehaltene Konferenz zur Beratung über die religiöse Zukunft des oftjüdischen Nachwuchses in Deutschland. 2lblaus und Beschlüsse dieser Konferenz sind in den Blättern vom 2l. Januar d. I. (45. Schwat) ausführlich niedergelegt. Gelänge uns die Durchführung dieser Beschlüsse — kleine Teiiausgaben wurden durch unsere Freunde Findling-Elberfeld und Ostersetzer-Duisburg in Angriff genommen —- dann hätte die L. O. sich große Verdienste um die Zukunft der deutschen Gesetzestreue erworben. Diese Konferenz zeigte, daß viele geistige Probleme ihre Wurzel im Sozialen haben und die bei dieser Konferenz hervorgetretene besondere Sachkunde des Herrn Hugo Hernemann-Fürth, veranlasse den Hamburger Doroii, in Rebereinstimmung mit dem G. 21., Geil an!:ten zum Vorsitzenden der Sozialen Kommission der 2l. I. zu ernennen. 5. Die Soziale 2! r b e i l d e r 21. I. befasste sich mit der Uebersiedlung der Jugend aufs Land — hierbei wurde engste Fühlung mit unserem Herrn Dr. Nathan Birnbamn gehalten, der der Vertreter unserer Organisation gegenüber den Siediungsverbänden ist, ferner mit der Unterbringung voll Großstadtkindern während der Ferien auf dem Laude, mit der Illaranncnfürforgc und in letzter Zeit insbesondere mit Fragen der Ehevermiltlung. Ein ausführliches Rundschreiben, das speziell die Erledigung sozialer Aufgaben den Gruppen ans Herz legte und Einzelausgaben genau umschrieb, versandte die L. O. am Rausch Ehaudejch Elul. 6. E r e z Iisroel: Nachdem die Palästina- Zentrale ihren Sitz in Deutschland hat und.in direkter Fühlungnahme mit allen Gruppen steht, hat die L. O. in dieser Hinsicht wenig zu veranlassen gehabt, deirnoch will es inir scheinen, daß wir in Zukunft zu weit stärkerer Unterstützung der p. Z. bereit stehen müssen und in unserem Vorort ein besonderes Dezernat für' Crez Iisroel errichten müssen. 7. p h ö n i r : von manchen Kreisen in der 21. I. wurde es a!s häßlich empfunden, daß die 21. I. seinerzeit mit dem Phönix, ein 2lbkommen getroffen hatte, durch das die 2i. I. sich bereit erklärte, ihre Presse und geeignete lllenschen dem Phönix zur Verfügung zu stellen. Ohne ein Urteil über die Berechtigung solcher Reklamationen abgcbcn zu wollen, sei festgestellt, daß es in hohem Waste diesem Abkommen mit den: Phönix zu danken ist, wenn die A. I.-Organisation, ganz speziell im Osten, ein festeres Gefüge erhalten konnte. Wir glauben, daß die 21. I. als getreuer Vertragspartner verpflichtet ist, weit mehr als I bisher ihren Apparat dieser 'Arbeit, die unter gegeujwärtigen Verhältnissen für die Organisation lebens- H'oichckg ist, zur Verfügung zu halten. \ 8. D i e B ezie h n n g e n z u d e n v e r s ch i e- | d e n e n a g u d i st i s ch e n G r e in i e n waren in (der ganzen Zeit, da Hamburg die Vorortsgeschäfte! führte, die besten, fast tägliche Fühlungnahme mit

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.