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Der Israelit · 1933-01-12 · Heft 2 (12.1.1933) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 2 (12.1.1933)
Date
1933-01-12
Page
– (sequence 11)
Language
German
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12. Januar 1933 Der Israelit Nr. 2 Seite 11 Ainderecke. Von den alten ägyptischen Grabstätten. Die Ausgrabungen der Gelehrten in Mesopotamien, Palästina und Aegypten habe gerade in unseren Tagen zu ganz ungeheuer interessanten Entdeckungen geführt. So glaubt man in Sichern das „haus Abrahams", d. h. ein Haus aus der Zeit des Staminvatecs ausgefunden zu haben. In Aegypten, wo man seit. Jahrzehnten daran arbeitet, die Grabkammern der Könige und Fürsten zu öffnen, fand man Reliefbildcr, welche kananitische Kornkäufer, die nach Llegypten kommen, darstellen oder semitische Sklaven beim Lau der Pyramiden. Ganz seltsam nahe kommen uns dadurch die Berichte der Libel, die plötzlich nicht nur durch ihre Worte, sondern auch durch Dinge zu cms mußte er sie hier begraben, im Sand am Wege — an der Straße nach Label, damit sie ihre Kinder trösten kann, wenn sie hier vorbeiziehen, in die Gefangenschaft, in die Verbannung. Die große alte Straße! Wer wandcrte wohl alles auf ihr nach Süden und Verden, wie mancher trat wohl leise hin zum Grabe Lache!«, der Schmerzliä:-- bewcinten? Und nun stehen wir hier und schauen den Grt mit unfern eigenen 'Augen, wie ein Traum ist es, aus dem man nicht in die Wirklichkeit zurückkehren niöchte. Doch das rasselnde- Geräusch des Aufschließens bringt uns wieder in die Gegenwart. Der Schames ans Jerusalem, dem der Schlüssel zum Grabe Rachels anvertrant ist, öffnet uns die Türe der kleinen Kuppelhalle, die Moses Montefiore errichten ließ. Das große weißgetünchte Denkinal erhebt sich in der Mitte. An den Wänden Teppiche, gestickte mms und kleine Lämpchen, iras I?m!? T>an “w steht über ihnen. Inmitten des freien Vorraumes hängt der große Gelleuchter, den der Schames jetzt entzündet. Wie feierlich ist einem zu Mute. Leise erzählt der Schames von all den Wundern, diehier geschehen. Aus zwölf Alabasterstcinen bestand früher das Grabmal; elf standen aufrecht und der zwölfte lag über ihnen. Da holten des Nachts fremde Priester den zwölften Stein für sprechen, welche die Iahrransenoe überdauerten.ihren Götzenaltar, doch siebe, am N'torgen war bw tja! man zum Lei spiel die Statue einer wunderschönen: 0fCju ru jeder an die Stelle zurückgekehrt, von der man Königstochter gefunden, bei der man unwillkürlich an geraubt hatte. — Und weiter erzäblt der Schames Mojes Pflegemutter denkt. Wer hat nicht von eem ÜOIt ^cu ^iplensrbeii, die zum Kewer Rachel pil- Grab des Königs Tutanchamon gehört, das nicht nur fcc)-omScrs im 211onßt Elnl. All ihre Sorgen und die unversehrte Aluinie eines Königs aus der seit jhreii Kummer klagen sie der Klutter Rachel, die etwa nach Moses barg, sondern auch kostbare Illöbd, Xlitt6evtt beisteben soll. Und Rachel teilt den Thronsessel, Galawagen, ja sogar Schifssmoeel-e!' Achinerz all ihrer Kinder, sie meint bitterlich mit ihnen poit den Mumien wisten wir schon aus den berichten jhx [‘cib und G'ttes Larmherzigkeit wird sie für über Jakobs und Josephs Einbalsamierung. viele, anflehen. Uiid siehe — getröstet entläßt sie die, Wochen wurden die Leichen mit Essenzen beljatttclt trauernd zu ihr famen: „palte deine Stimme und mit getränkten Linden umwickelt, urn sie gegen | r>om Weinen zurück" und vergieße keine Träne inehr, Verwesung zu schützen, wir wissen, daß das in ganz ^nn __ -,n,nn^ nij?n — es gibt eine poffnung wunderbarer Weise gelang und daß wir solche Alu-Ankunft! mlen, noch heute nach mehr als 5000 Jahren fast un-! ^it solch boffnungsvollen Gedanken verlassen auck versehrt vorfinden. Diese seltsamen Künste der Lal-! Grabstätte Rachels. Wir treten aus dem palbsanüerung, deren Geheimnis wir heute nicht mal ganz kennen, hingen eng zusaminen mit der Religion de Aegypter und ihrer Vorstellung voin Leben nach dein Tode. Sie glaubten, daß die Seele des Menschen nur wcttcrlebc, wenn der Körper erhallen bliebe und daß sie mn so glücklicher sei, je mehr Kostbarkeiten und Bequemlichkeiten sie in ihrer künftigen Wohnung, ihrer Grabstätte, vorfinde. Darum also haben sich die ägyptischen Könige diese „ewigen päuser" gebaut, die.steinernen Pyramiden, weiche an Ausmaß und Dauerhaftigkeit alle Schlösser und Lauten weit überragen, die sich die Könige der Erde sonst irgendwo haben errichten lassen. Darum gab man den Toten Waffen und Schmuck, ja selbst Trank und Speise mit, als ob jenes Leben dein diesseitigen ganz gleich sei mit seinen Bedürfnissen und seinen Unterschieden zwischen arm und reich, zwischen Sklave und König. Diese Vorstellungen widersprachen natürlich dem Empfinden unserer Stammväter. Zwischen der schlichten pöble in pcbron und den steinernen Riesen der Pyramiden besteht ein unendlich großer Unterschied. Damm, so sagt es der Midrasch an einer Stelle, wollen Jakob und Joseph auch in Aegypten nicht begraben werden. 11m heidnischen Totenkult von seiner Grabstätte fernzuhalten, fleht Jakob Joseph an, ihn in der pöble Machpela zu begraben, beschwört er ihn nochmals und fordert von allen Söhnen ein heiliges versprechen, ibn nach Kanaan zu bringen. L. F. dunkel der Palle, draußen leuchtet glühend die Sonne und strahlt liebevoll auf den kleinen Kuppelbau. Das Grab Rachels. Run liegt es vor uns, einsam an der alten Straße von Jerusalem nach pcbron; leuchtend von der Sonne beschienen und zarte Blumen wachsen rings hemm: Rachels Grab. In der Ferne schimmern die päuser des Städtchens Bethlehem und es ist uns, als hörten wir die traurige Stimme unsres Vaters Jakob: „Und Ich, als ich kam von padan Aram, da starb mir Rachel lm Lande Kanaan auf 6cm Wege nach Efrat, das ist Leih Lechem-— So einsam liegt sie hier, unsre Mutter Rachel. -Wie gerne hätte Jakob sie nach pebron geführt, um sie dort zur Ruhe zu bringen. Aber auf G'ttes Geheiß Vom lieben G'lt. Bon £. §. Wieder saß der kleine Joseph, wie jeden Tag, bei seinem Vater und lernte seine Stunde Tauroh. Und fragte. Fragte wie so oft nach dem lieben G'tt. Ob mau ihn denn gar nicht sehen könne? Ob er da ganz oben wäre, hinter den Wolken, da immer weiter hinauf, droben im Himmel . . .? Plötzlich sagte er: „Könnte man sich da nicht eine Lanze, eine lange, lange Lanze machen, eine bis ganz hinauf und dann nach dem lieben G'tt . . .? Würde ich da den lieben G'tt erreichen?" „Kind," antwortete der Vater, „der liebe G'tt ist überall. Er zeigt weder Arme noch Beine, weder Kops noch Leib und ist einfach überall: in den Wolken, Blumen, Tieren, Menschen." Da horcht er auf. „In jedem Ding? Auch in diesein Glas also? Und wenn das nun zu Boden fällt, zerbricht, ist dann der liebe G'tt weg?" „G'tt lebt ewig," erwiderte der Vater. „Er heißt ein lebendiger G'tt." „Und wenn ein Tier geschlachtet wird, geht er dann schnell zur Seite?" Da sagte sein Vater: „Lieber Junge! Du begreifst nicht, wieso G'tt überall gleichzeitig sein kann, wieso er ewig lebt, möchtest wissen, wie er aussieht. Vielleicht möchtest du noch mehr von ihm erfuhren." Da erzählte ihm der Vater die Geschichte vom König Pharao, der auch nicht begreifen konnte und verstehen wollte, daß es einen ewigen, allmächtigen und allwissenden G'tt gibt. Damals, als 'Moses und Aharon zu Pharao tarnen unbjagten, „der Ewige, der G'tt der Israeliten, hat uns zu dir geschickt," fragte der König: „Wer ist der Ewige, daß ich auf ihn hören sollte?" Er begab sich, so erzählen unsere Weisen, in sein Museum, in dem die Götzen ausgestellt waren,'er rief die Namen der ausgestellten Figuren und schließlich blätterte er in dem Bilderbuch, in dem man alle Götter abgebildet und mit ihrem Nnmen ausgezeichnet hatch. Natürlich fand er den Namen des Ewigen nicht. Frech spricht er zu Moses und Aharon: „Ich kenne den Ewigen nicht!" Da sagten die beiden Männer zu ihm: „Du benimmst dich wie der Knecht, dessen Herr ein ein Priester, war. Als der Knecht nämlich einmal seinen Herrn suchte, begab er sich auch dahin, wo ein Priester gar nicht hingehen darf — ins n-na-n m-. auf den Friedhof. Da sagten die Leute, die ihn dort sahen: Du Narr, suchst du' einen auf dem Friedhof? So geht es dir, Pharao. Du suchst unseren lebenden G'tt, den ewigen G'tt, zwischen deinen toten Götzen? Unser G'tt ist ein G'tt des Lebens, er ist der König der Welt. Der törichte. Pharao aber fragte: „Ist er ein Jüngling? Ist er ein alter Mann? Wie alt ist er denn? Wieviel Städte hat er erobert? Wieviel Länder besetzt? Seit mann regiert er eigentlich?"„Seine Kraft und seine Stärke füllen die ganze Welt, er war da, bevor die Welt erschaffen touvbe, er wird sein am Ende der Welt," sagten die beiden Gesandten. „Er hat auch dich gebildet und dir Hauch des Lebens eingegeben." „Und welche sind seine Werke?" forschte hochmütig der ägyptische König. „Er hat den Hinnnel ausgespannt, die Erde begründet, er zerbröckelt Berge und zerschmettert Felsen, er läßt Blitze leuchten, den Rege» sallen, er schafft Meere, Pflanzen, Tiere." Stolz fuhr Pharao auf: „Mein ist der Nil. ich habe ihn mir gemacht. Eueren G'tt aber kenne ich nicht, ich weiß nicht mn wer er ist." Da aber ließ ihm. G'tt sagen: «m.i ->b< sagst du, Böse wicht! Mit '» (d. h. mit v 10 und - — 10) mit 50 Plagen sollst du gezüchtigt werden." Und manche unserer Weisen sagen, G'tt habe ihr» verkünden lassen: —- w d. h. am Meer sollst du den Ewigen kennen lernen." Pharao hat schließlich G'tt kennen lernen müssen, so, daß er selbst bekannte: „Ich habe gegen den Ewigen gesündigt, der Ewige ist der Gerechte."- Aufmerksam hatte Joseph seinein Vater zugehört. Aber eine Frage quälte den Jungen doch noch: „Vater," meinte er, „warum läßt sich denn der liebe G'tt nicht niehr sehen? Warum kommt er nicht heute noch zu uns, wie er früher zu den Menschen kam? Ich habe doch gekernt, G'tt erschien dein Abraham, Jizchok, Jakob und Hoch anderen Menschen?" Da erzählte der Vater feinem Kinde folgende Geschichte: „Es lebte einmal ein reicher und kluger Mann. Er besaß alles, was man sich nur wünschen konnte, richtete sich alles ein, wie es ihm gefiel und bequem war. Da schuf er sich einen großen, großen Garten, schmückte ihn mir den herrlichsten'Blumen, pflanzte Bäume, von denen er die edelsten Früchte erwarten konnte, legte Springbrnnnen an, kurz: er ließ es an nichts fehlen. Das schöne Stückchen Erde wurde gehegt und.gepflegt und es gedieh auch vortrefflich. Jedes Bäumchen wurde rechtzeitig beschnitten und gestützt, daß es gerade wuchs; es bekam ein Täfelchen init seinem Familiennamen, daß inan es van anderen Bäumen unterscheiden konnte und erhielt sonst alles, was eben so ein Bäumchen fraucht. So liebevoll wurden die Blumen, die Beete, die Wege und alles im Garten behandelt. Und alle, die den Garten sahen, die Gärtner, die Diener, die Nachbarn, die Spaziergänger, härte man sagen: ja, so mit dein Garten llmzugehe'n, versteht eben nur unser kluger Herr Liebevoll (so war sein Name); man siehts an jedem Grashalm: es ist eben Herrn Liebevoll's Werk! Wie alles aufs beste eingerichtet war, sprach der Meister zu seinen Kindern: „Jetzt, Kinder, arbeitet ihr selbst am Garten weiter! Ihr habt ineine Arbeit lange Jahre beobachtet und wißt, wie ich das Stück Land behandelt hoben will. Ich übergebe es euch. Behandelt es nach meinem Vorbild und ineinem Wunsch, so wird es euch Freude und Nutzen bringen! Und der Vater zog sich zurück. Nur selten kam er noch, den Kindern vielleicht einen Rat zu erteilen oder auch sie wegen eines Fehlers zurechtzuweisen. Bald war das Kommen des Vaters nicht mehr nötig. Am geraden Wuchs des Bäumchens, anr munteren Plätschern des Bächleins, am fröhlichen Gesang der Vögel, für die der Vater Nistkästen anlegte, am herrlichen Dust der Blumen, fast an jedem Ding im Garten erkannten die Kinder den Willen ihres Vaters, die Klugheit ihres Meisters. Sie sahen den Vater gleichsam vor sich, er war stets um sie imö bei ihnen — obgleich er längst den Garten nicht mehr betreten hatte. „Nun sielp Joseph," sprach der Vater, „der reiche und kluge Meister ist der liebe G'tt. Er schuf den schönen, großen Garten, von dem er sagen konnte, „daß er sehr gut war," nämlich die Erde. Es fehlte nichts auf ihr. Bäume und Blumen waren da, die Sonne für den Tag, der Mond für die Nacht, Vögel, die fliegen konnten, Fische zum Schwimmen eingerichtet. Tiere aller Art und Menschen. Alles mit großer Klugheit geschaffen, jedes Ding, jedes Lebewesen für sich ein Wunder. Da übergab G'tt die Erde, diesen schönen Garten, den Menschen. „Füllet sie. bezwinget sie, herrschet über sie!" Und oft kam noch der liebe G'tt selbst. Er erschien dem Abraham, dem Jizchok, dem Jakob, früher schon dem Adam. Nauach, später anderen Menschen und auch den Propheten. Manchmal kain er, weil die Menschen einen Rat brauchten. z. B. beim Manna, bei dem Holz, das das Wasser versüßte, bei dem Felsen, der Wasser geben sollte: manchmal kam er, weil er die Menschenkinder zurechtweisen mußte, z. B. bei der Sintflut, beim Sterben bei den Lustgräbern, bei Kaurach und noch mehr Gelegenheiten. Allmählich aber wußten die Menschen, die G'tt folgen wollten, allein, was gut für sie und den schönen Garten sei. G'tt brauchte nicht mehr so oft zu koinmen. Und jeder, der denkt und denken will, fand und findet G'tt, sei es bei der Betrachtung einer einfachen Blute, bei der Beobachtung eines winzigen Insekts, im mächtigen Rauschen des Meeres, im Säuseln des Windes, in jedem Ding, das uns umgibt, erkennt man die Klugheit, die Weisheit und das Dasein G'ttes. So danken wir täglich G'tt „für die Wunder, für die Gute, die er uns jeder Feit erweist: abends, morgens und mittags." Gute Menschen, fromme Menschen sehen G'tt, er ist' ständig bei ihnen."'

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