Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 1 (5.1.1933)
- Date
- 1933-01-05
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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-6.JAK.3' £ rn Frankfurt a. M.,den >anu«igzz 7. Debet SSSZ Nr. 1 Ein Centralorgan für das orthodoxe Judentum Begründet oon Dr. Lehmann in Mainz. Abonnement ab Juli 1939: Deutschland 1.30 Mark monatlich; Ausland: Bterteliabrpreise (entsprechend dem deutschen Inlandspreis zuzüglich Kosten des Streifband-Versandes) Dsutsch-Lsterreich: Schilling 8.—; Amerika 1 Dollar; England 6 sh.; ab 1 Juli Frankreich B Fr.; Belgien ab 1.7.37. BelgaS. Holland 3 fl.; Italien ab 1.1.38.18 Lire; Iugoflavien SS Din.; Litauen 7.50 Sit; Rumänien ab 1. 7. 27. ISO Lei; Polen 4 deutsche Gold» mark zum Tageskurs oder 7 Zloty: Schweiz 5 Fr.; Tschecho-Slowaket 88 Kronen; Ungarn Pengo 5 ab 1. Juli 1937; Dänemark 3.80 Krön.; Norwegen 3.50 Krön.; Schweden 3.50 Krön. Einzelnummer vierzig Goldpfennige. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate SO Goldpf. für die fiebengesp altene Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahlen bei Stellengesuchen und Familienanzeigen nur 40 Pf. Die 75 nun breite Reklamezeile: letzte Textseite 3.— Mk., vorletzte Textseite 3.50 Mk.; Thiffregebühr in Höhe eines dopp. Fernbriefportos. Rabatt nach Tarif. Bet laufende« Jnferataufträgen tarifm. Preiserhöhung jederz. Vorbehalt. Jnseratenannahme durch de« Verlag des Israelit G. m. b. H., Frankfurt a. M . Rechneigrabenstraße 7, Tel. Hansa 31084 sow. durch sämtl. Annoncen-Exped. d. In» und Auslands. Alleinige Jnseratenann. für Franks. Geschäftsanz.: Jul. Schmidt, Ostendstraße 83 Tel. 18866. Platzvorschr. ohne Verbindlich!, Zablunaen direkt an den Verlag auf Postscheckkonto Frankfurt (MatNl Nr. 198)3. — Aatzecdem an: Postsparkasse Wien Nc.7960o.—Postsparkassenant Budapest Nr. 18431.—Postscheckkonto Warschau Nr. 190757. — Postscheckamt Zürich Nr. Vlll7351. — Postscheckamt Amsterdam Nr. 31889 — Postscheckamt Prag Nr. 79.060 — Rumänische Kreditbank Bukarest und ihre sämtl. Filiale» Der Gerichtsstand für alle aus Abonnements oder aus Inseraten stch ergebenden Zahlungsverpflichtungen ist Frankfurt a. M. Die Agudas Zisroel und ihre Institutionen im Osten. Aus der pjerländerfahrt des Aeren Hathora.^) Von Oberrabbiner Dr. Joseph tzarlevach in Attona. Agudas Iisroel ist ein Zauberwort» es sagt nur: tfht Bund Israels. Nicht mehr. Cs verspricht keine Schöpfungen» keine Leistungen als nur und allein einen Bund und zwar den Bund von Iisroel. Cs nimmt den Idealnamen unseres Volkes» nicht den nationalen »»Inden". Cs erstrebt nicht vorzugsweise altes Land wie der Zionismus, es verspricht und verheiß keine jüdische Renaissance oder gar eine neue jüdische Kultur. Cs rüttelt nicht an dem inneren moralischen Charakter unserer jüdischen Menschen, ihre passiven Tugenden in aktive zu verwandeln» aus dem Dbjekt der Völkergeschichte ein Subjekt im Ginne der Moderne zu machen. Cs will weiter nichts sein als ein Bund Israels. Cs bejaht damit alles Wertvolle» im Sinne des Iiswelgedankens Erhaltungswürdige, was unser Volk besitzt. Cs bejaht seine geistig-sittliche Kultur in all den Ausprägungen» die sie in verschiedenen Teilen der Crde genommen hat. Cs bejaht jede ernste religiöse Strebung und Gemeinschaftsform» in welcher die einheitliche Tradition unseres Volkes stch im Laufe der Geschichte verzweigt hat. Was gestern und ehegestern bei den ganz im Judentum Verwurzelten als heilig» als Ideal» als fromm und gut gegolten hat» das soll es auch heute und morgen bleiben. Sowohl in 'Crez Iisroel, dem Lande jüdischer Sehnsucht und Liebe»' dessen erste aschkenastsche Pioniere die Schüler des Wilnaer Gaon durch die Schaffung des alten Iischuws in Jerusalem» Safed und Liberias gewesen» dessen erste Kolonien in petach Tikwah und Rechowoth von der Zionsliebe der fronnnen Thowawe Zion und Bilu gegründet wurden» wie auch im weiten Galuth» wo sich die Thora immer neue pflanz- und Heimstätten geschaffen hat. „Cinstens," sagt der Midrasch» »»werden alle Lehr- und Bethäuser des Galuth nach dem heiligen Lande verpflanzt werden» wie Karmel und Tabor dort einverleibt worden sind." Jene sind kein bloßes Provisorium, kein »»Nachtasyl", sie haben und behalten Ewigkeitswert als Inkarnationen» Verkörperungen jüdischer Seele. Was das Galuth geschaffen, „der Talmud Babli" im weitesten Sinne» stellt sich ebenbürtig neben das Größte» das auf den heiligen Bergen seinen Ursprung hat. Wie die Kunst für dasselbe architektonische Problem viele *) Siehe Artikel in Nr. 60 — 52. . gleichwertige» verschiedenen Stilen angehörige» verschiedene Materialien verwendende» aber allesamt klassische Lösungen kennt» so stellen Thasstdismus und Mtsnagdismus, Litauisches und Ungarisches, sephärdisches und aschkonastsches Judentum verschiedene gleichberechtigte klassische Ausprägungen der gleichen G'tteslehre» derselben jüdischen Tradition» desselben Israel dar. Alle bejaht daher Agudas Iisroel. Sie fordert nur eins: ihren Bund. Sie macht dich nicht an dir selbst irre. Sie . verlangt nicht» daß du den alten Juden ausziehest und einen neuen antust» im Gegenteil; sie will dir neues vertrauen in den vollgehalt und die Berechtigung deines alten Ideals» in deine alte jüdische Arbeit in Gemeinde und Gesellschaft» in die Art deines Lernens und Betens» deiner Sabbat- und Festtage geben. Sie will deine Verehrung zu deinen Lehrern und Rabbinen» zu den Aeltesten deiner Generation vertiefen und verstärken. Keine Herausreißung des jüdischen Menschen aus den edelsten und heiligsten Bezirken» in denen er von Jugend auf das Höchste verehrt hat» nur die Cingliederutlg aller dieser getrennten Bezirke in einem umfassenden Organismus! Dieses Wort.»»Agudas Iisroel" war daher ein Zauberwort., Mit neuer Freude und neuem Mut ward stch jeder des Seinen bewußt» mit neuer Liebe umfaßte jeder das Crbguty für das seine leiblichen Väter geblutet und ihn erzogen» mit neuer Liebe hob sich sein Auge zu den ehrwürdigen Führern und Weisern seines religiösen Lebensweges» deren Weisheit ihm die Seele seiner Seele eingehaucht hatte. Denn alles dies ist ja nicht nur ihm und seinem engen Kreis heilig und wert», alles dies gilt überall, wo die Lehre vom Sinai, wo die Geschichte des Judentums gekannt und beherzigt wird. Alit beiden Füßen auf altem sicherem Grunde stehend, konnte jeder die Hand ausstrecken zu den Fernsten im Raum und verschiedenartigsten im Minhag. Sie alle sind ja gleichwertig und schaffen gemeinsam der G'ttheit lebendiges Kleid» das Reich des Messias. Aber der Bund als solcher schafft neue Kräfte, schafft gesunde Entwicklungen. Cr weitet nicht nur den Gesichtskreis» das Urteil» das Herz und die Liebe» er gibt auch Kraft zur Selbstbestimmung und Selbstentwicklung nach der inneren Gesetzlichkeit des eigenen Seins. In diesem Sinne bat Agudas Iisroel grandios gewirkt. Der alte Streit zwischen Chassidim und Wisnagdim, der einst in so häßlichen Formen ausgetragen ward» ist endgültig begraben: das alte Mißtrauen, mit dem jede Gruppe zur anderen binüberblickte, verwandelte sich in vertrauen und Verständnis. In Warschau z. B. sind drei Typen von Ieschiwaus: die alte vom Wolcfchiner Typ» eine solche der Mussarbewegung und eine dritte der Chabader Chassidim. Die Leiter der einen führten uns in die andre und saßen andächtig wie Schüler bei den Vorträgen» die in den Schwesteranstalten gehalten wurden. Das freudigeBewußtsein deseigenen Besitz es niacht doppelt reif zur Würdigung f c e in d brüderlichen S t r e b e n s. Dieser Bund hat auch Sicherheit und Selbstbehauptungswillen allen eingeflößt; jede Gruppe nimmt ihr Schicksal in eigne Hand und läßt sich nicht mehr gegen ihren Willen» unter Mißachtung demokratischen Selbstbeftimmungsrechts von andren vergewaltigen. Ueberall hat das religiöse Judentum sein Haupt stolz gereckt» seinen Racken steif gemacht gegen unberufene Bevormundung» nicht mehr bloß in passiver Resistenz, in der stillen Leidensgeduld und inneren Verkapselung» sondern im Handeln» in Initiative und kraftvoller Selbstdurchsetzung. Sie nehmen ihr ökonomisches und politisches Schicksal, die Gestaltung des öffentlichen und gemeindlichen Lebens selbst in ihre Hand. Tin berzerfreuendes Beispiel hierfür erlebten wir mitten in der großartigen Naturpracht der hohen Tatra» in R a b k a. Dort besitzt die Agudas Iisroel. von Warschau eigne Häuser, in denen sie Crholungsstätten für ihre Cheöerkinder geschaffen hat. Da haben wir ein jüdisches Kinderparadies gesehen, voll fröhlichen Iugendlebens und Treibens» von nicht endenwollendem Sang der Freudigkeit, die alle religiösen Motive kindertümlich zum Leben erweckt, prachtvolle Szenen» wenn Hunderte in ihrer Chasstdimtracht ihre Freiübungen kunstgerecht vollzogen und die Zizis des Lehrers alle turnerischen Bewegungen mitmachtcn, wenn uns die Ausflügler jubelnd umringten und Scholaum Alechem boten! Dieser Geist der selbständigen» nur aus innerem jüdischen Leben sich formenden Neugestaltungen» die unter Leitung eines Warschauer Parlamentariers» des Senators Deuts ch c r» ständen, markierte sich im lebhaften Gegensatz zu einer diesen Häusern gegenüberliegenden jüdischen Kindererholungsstättc» wo kein Sabbat und kein Festtag gilt, wo der Materialismus des Curopäertums das jüdische Kinderherz mechanisiert und um des praktischen willen sich selbst entfremdet. Das beste und erfreulichste Ergebnis aber dieses Zusammenarbeitcns» dieser inneren Fruchtbarkeit des Lundes» das ist die Arbeit des K e reu h a t b o r a in der Bes-Iakob- Bewegung. Sic ist Wahrzeichen und Triumph der durch den Bund aktivierten jüdischen Kräfte. Das Wort Bes Jakob ist Programm geworden, Programm des Zusammenwirkens der Rabbinen und Rebbcim und Baalbattim, der Jugend 'l/\ \ r*-