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Der Israelit · 1932-12-29 · Heft 53 (29.12.1932) · page 16

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 53 (29.12.1932)
Date
1932-12-29
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Sette 4 Nr..52 Versuch einer Sphärenkheörie. Von EwaldW asm uth. B e r l i n. 19 31. Lanib. S ch n e i-der. kl. ^321. „Das Ganze ist keine Herde". Diesen Leibniz'schen Satz, den auch Wasmuth 168 zitiert, darf man vielleicht als das Leitmotiv des ganzen Wasmuth'fchen Werkes ansehen. Dieses Werk ist, wie seine frühere „Kritik des mechanistischen Weltbildes" eins der g'ttlob nicht mehr vereinzelten Systeme unserer'Zeit, die mit dem Spezialistentum in der Philosophie, aber auch in der Wissenschaft überhaupt gründlich abrechnen. Vor Allem geschieht dies in der Erkenntnislehre. W. nimmt weder von der Kant'schen Unterscheidung zwischen a priori und seinem Gegenteil, noch von psychologischen Details seinen Ausgang, sondern von der Tatsache des' Erkenntnisaktes, die erst alle jene Pforten der Unterscheidung auftut. Vor dem Erkenntnisakt ist die Welt nicht ein Chaos, sondern ein Samenkorn, das Punkte des Ansatzes aller Weltkontraste enthält. Das ist kein zeitliches, sondern rein logisches Vorher. Das sperrt den Bereich der Erkenntnis nur gegen die Ursache aller Ursachen, die bei W. ähnlich wie im jüdischen Denkerkreise auhenbleibt, auf den er auch, im Schluhkapitel Bezug nimmt. Das gleiche Prinzip der Einheit des Alls wird nun auch auf Physik und neueste Mathematik von W. angewendet. Hier steigert sich nun (mit Weyl) die Vorliebe für das Continuum zu Einwänden gegen die Leibniz'sche Infinitesimalrechnung und zu einer Starre des Bildes der jeweils „gegenwärtigen" Welt, die ein Werden überhaupt nicht mehr gelten läßt (218ff). Die für unsere jüdische Stellungnahme entscheidende Anwendung des All-Einheitsprinzips geschieht auf dem Gebiete der Ethik: Auch hier sei das „Ganze" allein zu beachten. 299: „Mit dem gestaltenden Wort ist echte Gegenwart, Zeitlosigkeit der Gestaltung, kein Wollen, sondern die echte Macht der Führung". Die Wasmuth'sche Schrift erleidet hier trotz allen ausgesprochenen Widerwillens gegen theologische (auch protestatnische) Dogmatik die Tragik, der auch Schestow verfiel, dessen „Hiobs Wage" an dieser Stelle vor Jahresfrist besprochen wurde: Wasmuth wie Schestow rühren und rütteln nicht am christlichen Erbsünden- und Gnadendogma. Sie gelangen nach vinlen philosophischen Umwegen ebenso zu ihr zurück wie es Kant getan, dem es nach Schopenhauers Worten hierin erging wie einem Ehemann, der nach langem Tanze und nach der Demaskierung in seiner Tänzerin seine — Gattin wiedererkannt hat. — Es sei jedoch anerkannt. daß Wasmuth über jüdisch-kabbalistische Begriffe jüdische Quellen (Gabirol nach Neumark, W. Seite 307) zu befragen sich bemüht. Daß er dennoch zu so entlegenen Konsequenzen in seiner Ethik gelangt, mag auf der zweithändigen Natur seiner Gewährsquellen beruhen. Wer sich die Mühe nehmen will, zugleich bei Lektüre des Wasmuth'fchen Buches die Betrachtungen über Allheit, Einheit und Identität Vergleichend nachzulesen, die in W. Munks „Einführung in die Philosophie der Bibel" direkt anhand kabbalistischer Quellen angestellt sind, kann auch aus Wasmuths Werk vieles, das im jüdischen Sinne notwendig und zugleich grundstürzend ist. entnehmen. Die Stellung des Buches zu anderen Erscheinungen der Gegenwart erhellt am besten aus seiner vielseitigen, wenngleich in der Kritik nicht immer gründlichen und vorurteilsfreien Eingehen auf Freud. Jung, Kahner und vor allem Unger-Goldberg. — Die Sprache ist bei aller kühnen Wortbildung auch für den Ungeschulten stellenweise leicht leslich. Untersuchungen zur Phänomenologie der Erkenntnis. Von Hans L i p p s, Privatdozent in Göttingen. Das Ding und feine Eigenschaften. Bonn. 19 2 7. Fr. Cohen, kl. 4° 105. Eine spezifisch erkenntniskritische Schrift kann in unserer immer noch empiristischen Zeit nur durch ein zunächst induktives Eingehen auf alle Gegebenheiten des Erkenntnisvorgangs zur Geltung gelangen, wenn sie sich fo kühner Konzeption wie Wasmuth nicht von vornherein verschreibt. Die Lipps'sche Schrift enthält eine durchaus allseitige und vor allem für den religiösen Menschen wichtige Würdigung der Kant'schen Kritik am ontologischen G'ttesbeweise. Leider bleiben moderne, ontologisch eingestellte Schulen außerhalb des Blickfeldes. Diese Lücke kommt jedoch der Geschlossenheit und Uebersichtlichkeit des Ganzen zugute, so daß auch diese Schrift dem Gefestigten, aber 'Ungeschulten zur Lektüre empfohlen sei. imrt — xnn ^rvonmyn ^r>i2n vsV» Tel - Awiw. Verlag Tel-Am iw. POB. 373. Die vorliegende recht zeitgemäße Sammlung enthält eine Uebersicht über die mit der Klagemauer in Zusammenhang stehenden Vorkommnisse der letzten Jahre. Zunächst werden die Sitzungen der Völkerbundkommission behandelt, das jüdische Memorandum, der Urteilsspruch und alsdann die als Ergebnis der Untersuchung veröffentlichte königl. Verordnung. Das ganze Material ist auf 163 Seiten in übersichtlicher Weise zusammengestellt. Eine Reihe von Bildern beleben die Darstellung. Voran ich glaube. Von Galkung zur Persönlichkeit. Von Schalom Asch. Berlin — Wien — Leipzig (Zsolnay). 193 2. kl. 8° 78. rnm» a"n is'vv iiiv» Diesen Satz aus der Dienstordnung der Leviten hat man einmal frei übersetzt: Ein Poet, der sich auf das Gebiet der Hypothesen begibt Ovrapn), spricht sich damit leicht ein Todesurteil. Ein solches wollen wir nicht über den großen Dichter fällen, der in vorliegendem Bande ein Bekenntnisbuch äußerlich amerikanischen Duodezformats und amerikanischer Naivität.und Sorglosigkeit beschert. Es greift uns erheblich tiefer ans Herz als Vrods deutsch-gründlich-langatmiges Bekenntnis-Panorama. Aber nach Afchs Romanen dieses live - mlnutes -Heft? — Es ist ein käl- D e r I s r a e l i t- I terer Strahl'noch als näH^'Ärod^ „Heidentum" /üsw.! dessen „Halbes Herz"'. — Hier ist wirklich. N. Birnbaums zorniges Wort, über die summarische „Iüdlsch-Sprechung" des Christentumsgründers''ünd7,anderer aus dem Judentum hlnausgewächsener Persönlichkeiten am Plätze. Hier wird von der landläufig deszendenztheoretischen Vor-, stellung.eines' sprach- Und kulturlosen „Urmenschen", die von der'Anthropologie längst ins Museum geschickt "worden, ein gräder Weg zum Horeb gesucht, und von da ein ebenso grader zum N. T., zu R. Nachman von Brazlav, zur katholischen heiligen Therese. Galilei und Shakespeare. Innerlich mag auch diesem „Drama in Prosa" Aschs viel Kampf und Sieg zugrundeliegen, zumal er mit Bejahung jüdisch-religiöser und zum-Teil auch religionsgesetzlicher Werte ausklingt, wenigstens insoweit diese Werte durch den Buber'schen Kreis anerkannt werden; doch verstehen wir im freundlichen wie im feindlichen Sinne Asch aus der Bühne deutlicher, und nur mit der einen tröstlichen Gewißheit legen wir das Buch aus der Hand, nämlich mit der, daß Asch, wenn er bessere Wegweiser hätte, zu den Quellen finden und an ihnen über den Sinn des größten Dramas der Schöpfung Klarheit gewinnen würde, — den Sinn der Geschichte der Thorahefolgerschaft. Bon A: R. M a l achi. Herausgegeben von Samuel Miller, N e w y o r k. Selbstverlag. Es ist ein schönes Buch in amerikanischer Aufmachung, sozusagen ein Bilderbuch aus der Zeit der Haskälah in Briefen. Kenner und Gönner der hebräischen Sprache und Literatur in ihrer Entwicklung seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts werden Freude an diesen Briefen von Smolenski, Dolinski, David Gordon. Lilienblum haben. Es sind zumeist menschliche Dokumente, aber von kulturhistorischer Bedeutung. Geschichte der führenden Völker. Herausgegeben von Heinrich F i s ch l, Hermann Junker, Gustav Schnürer. 30 Bände. Bisher Bd. I, II u. IV, qr. 8°. I. Band: Sinn der Geschichte. Bon Dr. Joseph Bernhard. — Urgeschichte der Menschheit. Bon Dr. Hugo Obermaier, Professor an der. Universität Madrid. Mit 14 Bildern im Text und 6 Tafeln (XIV u. 348 S.) 10 Mk.: in Leinwand 12 Mk.; in Halbfranz 14.50. 1931. Herder, Freiburg im Breisgau. Hat die Weltgeschichte einen Sinn? Dieses Problem an die Spitze eines großen Werkes über die Geschichte der führenden Völker gestellt, ist wohl die richtigste Ein-, leitung. Bernhard bespricht alle Versuche, diese Frage zu beantworten, kommt seinem positiv-religiösen allerdings christlichen Standpunkte gemäß hierzu, die Frage umzugießen in die Formel: Was ist der geschichtliche Sinn der Bibel, was ist der biblische Sinn der Geschichte? Und die endgültige Antwort lautet präzise formuliert: die Geschichte ist das Reich der menschlichen Anteilfchaft und Schuldnerschaft im Reiche G'ttes in der Zeit. Wenn dies ihr Wesen ist, hat sie auch nicht weit zum Sinne — der Ehre G'ttes. Und diesen-Sinn erfüllt, annehmend oder nicht, die Menschheit auf ihrer Wanderschaft im Staube der Geschichte. Und wie der.überlieferungstreue jüdische Leser diesen Versuch über den Sinn der Weltgeschichte bei aller Anerkennung seines Positivismus nur im Vorbehalt wird anerkennen können, weil seine jüdische Weltanschauung doch vielfach sich von der christlichen des Autors scheidet, so wird er auch den eigentlichen Anhang der Geschichte, Obermaiers Urgeschichte der Menschheit nicht vorbehaltlos anehmen können. Wohl verdient sie in formaler Weise alle Anerkennung, sie bemüht sich ihrem Vorwort gemäß in rein wissenschaftlichster Form der Gebildetenwelt eine allgemeine Einführung in die Urgeschichte der Menschheit zu geben, aber für uns bibelgläubige Juden ist die Urgeschichte mit ihren Zehntausenden von Jahren ein Problem, das nicht so leicht in unsere jüdische Weltaufsassung und die biblische Schöpfungslehre sich einreihen läßt. L. Aakuc und Gesellschaft. Von Dr. Carl Fries. Berlin - Charlottenburg. 1931. Verlag Gebr. H o ffm an n. Eine Zeit gabs, da waren Kriegsbücher modern. Man konnte sich kaum dagegen wehren. Heute ist über uns eine neue Mode hereingebrochen: die Judenfrage. Man kann sich kaum dagegen wehren. Dicke Sammelwerke werden ausgetischt. Die Verlage wittern Konjunktur. Und Zeitschriften, die etwas auf sich halten, veranstalten die sehr beliebten „Rundfragen" zum Thema Juda. Kurzerhand hat man hier „die deutsche Frage" entdeckt. Moden vergehen. Der Begriff „modern" kann auch einen entscheidenden Ton für die e r st e Silbe erhalten. Bedenklich wird die ganze Angelegenheit, wenn sie philosophisch untermauert, in einer sogenannten hochwissenschaftlichen Abhandlung — gewissermaßen als Teilproblem eines ganzen großen geistesgefchichtlichen Komplexes — uns nahe gebracht werden soll. Zum Cxempel im Rahmen einer sonst recht bemerkenswerten Schrift. Die Schrift, die sämtliche Seiten des politischen und privaten Lebens berührt, ist mit Unterstützung des preußischen Kultusministers herausgekommen. Sie verdient Beachtung. Sie verdient unsere besondere Beachtung in ihren Abschnitten über „die Juden". Der Vrefasser dürfte in dieser bizarren Gegenwart in puncto puncti nicht schweigen. Das heißt: lieber „Juden" wird fast nichts gesagt. Schnappt man heute nämlich diesen Begriff auf, dann meint man eben: Antisemitismus. Judenhaß war und ist deswegen, weil die Juden die Bibel und den Monotheismus der Menschheit gegeben haben, — sagt sofort einleitend Dr. Carl Fries. Und man ist gespannt, welches 22, Dezember.1932 I'gewichtigeWörj der'"gelehrte ÄrMerl gegen dis bru-i talen Ausmaße, des -völlig unreligiösen JMenhqsses der' Gegenwärf findet. Statt Hessen ..erteilter'' folgendeRatschlüge.:/;$s gibt ein Mittel,' den. Haß aus der Welt zu. schaffen., -Der Jude'.braucht siür/.mik. gutem, Beispiel, der kapitalistischeü Abrüstung "voranzügehen,/..und. man Mird - ihn/ hochachten!, (Seihe 156,)> Diese -Abrüstung, Herr Verfasser, ist'(seitdem Sie Ihre Ratschlage in aller Beschaulichkeit niedergeschrieben haben) , restlos erfolgt. Der jüdische Mittelstand, der in Deutschland immer das Gros der Judenheit gebildet hat, ist aufgerieben worden; die paar „jüdischen" Kapitalisten (die einen wirklich positiven Kontakt mit dem, was Sik Judentum nennen, zu keiner Zeit gehabt habenbezw. haben wollen!) werden vom „Judenhaß"- gär' nicht berührt. Der widerliche Boykott trifft sie nicht. Aber die verarmte-jüdische Masse, der Sie einen recht billigen' ünd:-sabelhast -primitiven Rat erteilen (und der wirkt, wie blutigster Hohn!), diese Masse der Verelendeten allein kriegt die ganze Wut der Antisemiten zu spüren! ' , > . . Statt für dieses Elends das nur ein wirtschaftlich heruntergekommener Jude zu erfassen vermag, auch nur eine Ahnung von Verständnis aufzubringen, wird in der erwähnten Schrift weiterhin pathetisch ausgerusen: „Werdet arm. Entsaget euren Kapitalien. Werdet des Unwerts eurer irdischen Güter inne! Lasset ab/vom eitlen Mammon. Ihr' sollt nicht Bettler sein, aber auch nicht Krösus." — Ist alles schon geschehen. Man ist sogar zu Bettlern geworden. Der Haß wächst im Quadrat der jüdischen Verelendung. In dieser Theorie des gelehrten Verfassers (Anklänge an eine Zeit der spanischen Jnquisitionsmethoden glaubt man herauszuhören . . Nicht aber prophetische Erfülltheit!) steckt eben ein großer Fehler. Im übrigen schüren die Matadoren des antisemitischen Kampfes den Haß mit der dem Herrn. Verfasser genau entgegengerichteten Behauptung: die Juden seien die Erfinder des antikapitalistischen Marxismus und Sozialismus! Dr. Fries hat aber noch, mehr Ratschläge für die Juden übrig: „Seid nicht des Glaubens, Jnnehaltung eurer Gebräuche sichere euch die Seligkeit. Nicht was ihr glaubt, entscheidet, soltdern was ihr seid und was ihr tut. — Ihr leidet an Inzucht. Das' germanische, das indogermanische Mädchen werde eures Herdes Hüterin. Gesundet durch Blutauffrischung. Liebet alle." Auch das ist besorgt worden. Gerade von jenen „jüdischen" Kapitalisten, die dem Herrn Verfasser besonders schwer im Magen liegen. Herr Hitler und seine Anhänger sind zudem (hier zählen wir auch zu seinen Anhängern!) sehr gegen eine solche „Blutauffrischung". Die Mahnung ist also an die verkehrte Adresse gerichtet. Dr. Fries soll sich mal die Statistiken der Mischehen („Blütauffrischung" genannt) durchsetzen. Er wird erschreckende Feststellungen machen — dieselben, die wir machen: die Mischehen nehmen unheimlich zu. Dr. Fries wird damit nichts anzufangen wissen. Nach seiner Berechnung müßte der „Judenhaß" infolgedessen abnehmen. Wieder ein Loch in der Theorie. Die Schrift des Dr. Fries zeigt, mit welchen Oberflächlichkeiten selbst die „wissenschaftlichen" . Kreise arbeiten, sobald sie freiwillig oder (in Anbetracht der modernen Zeitströmungen . . .) gezwungenermaßen an der Station „Judensrage" grübelnd angelangt sind. I. Raphael. Der Bevölkerungsrückgang der deutschen Juden. Von Stefan Vehr, Dr. jur. utr. und phil. 1932. I. Kauffmann. Frankfurt ä. M. Mit der Neuerscheinung Stefan Äehrs „Der Bevölkerungsrückgang der deutschen Juden" ist seit Jahren — etwa seit Theilhabers „Untergang der deutschen Juden", 1921 (2. Auflage) — zum ersten Male wieder, eine umfassender^ Arbeit Aber das infragestehende Thema erschienen. Gerade die in letzter Zeit so kritisch sich gestalteten Beoölkerungsoorgänge und -Verhältnisse bei den deutschen Juden rechtfertigen die Herausgabe einer solchen Schrift im besonderen Maße. Vehrs Arbeit zeichnet sich vor allem durch Fleiß und große Gründlichkeit in der Zusammentragung des nur sehr zerstreut vorliegenden Materials aus ^während die Hinzufügung und Hineinverarbeitung von eigenen Gedanken stark in den Hintergrund tritt. Von den drei Hauptursachen des Bevölkerungsrückgangs sind die Probleme der Geburtenabnahme, sowie des „Austrittes" sehr ausführlich behandelt; merkwürdigerweise wird jedoch der Auswanderung auch nicht mit einem einzigen Worte Erwähnung getan. — Von besonderem Interesse sind die Ausführungen des Autors über die Stellungnahme des jüdischen Schrifttums (vom ab) hinsichtlich willkürlicher Geburtenbeeinflussung seitens der in Betracht kommenden Personen. Auch auf die Zusammenstellung der .verschiedenen Erklärungsversuche des Geburtenrückganges möchten wir ausdrücklich Hinweisen. Vehr selbst schließt sich der sogenannten rationalistischen Theorie an, wonach die Geburtenabnahme in der „größeren Zugänglichkeit für rationalistische und ökonomische Erwägungen", wie sich einmal 1907 Paul Mombert ausgedrückt hatte, begründet ist. St. Vehr ist von F. A. Theilhabers sehr pessimistischer Einstellung zu der ferneren Entwicklung der jüdischen Bevölkerung in Deutschland weit entfernt, denn erstens faßt er den Geburtenrückgang der deutschen Juden in Uebereinstimmung mit verschiedenen anderen Autoren als einen „Prototypen Vorläufer einer allgemeinen deutschen Geburtenkontrolle" auf und zweitens spricht er die Ansicht aus, daß die Zukunft Deutschlands und seiner Juden auch bei verminderter Quantität zu „einer Epoche fortschreitender Kulturentwicklung" führen kann. G. Samuel.

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