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Der Israelit · 1932-12-29 · Heft 53 (29.12.1932) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 53 (29.12.1932)
Date
1932-12-29
Page
– (sequence 11)
Language
German
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29. Dezember 1932 Der Israelit Nr. 53 Seite 11 „Gänsegrieben sind ba", ries eine Frauenstimme von einem Strohsack herunter, und holte aus einem großen Packen einen Topf mit kalten Grieben. „Woher haben Sie die Grieben?" fragte eine andere Frau. „Meine Tochter hat sie mir auf die Reise mitgegeben. um das Herz zu erquicken", antwortete die Frau mit den Grieben. In einigen Mituten saßen Juden aus den verschiedensten Gegenden und Ländern, Juden, die sich gestern noch nicht kannten, mit ihren Kindern rings um einen Tisch, atzen aus einem Teller, teilten sich die Bissen und fühlten sich wie. Mitglieder einer und derselben Familie, wie alte Freunde aus früheren, längst vergangenen Tagen, als der Tempel in Jerusalem noch stand, "die zusammen ins Eril gegangen waren und sich nun wieder trafen, auf dem Wege nach Galuth-Amerika. Wir werden infolgedessen jederzeit in der Lage sein.Hand zu nehmen und nach seinem Diktat hinzuschreiben: festzustellen, welche fremden sich zum Getreideeinkaus in un ferm Lande aufhalten. Gegeben im Jahre 2257 nach der Erschaffung der Welt. Zophnat Paancach, Reichskanzler. Rinderecke. Chanukahabend. Chanukah ist heute eine große Freude, der Vater zündet an die Lichtchen die Rinder haben alle fröhliche Gesichtchen, dann singen sie die alte Welodie Rloaus zur jefchuost. Nachher gibt's viel gute Sachen die den Rindern Freude machen, Dann gibt's ein Drendelchen zu sehen aus dem vier verschiedene Zeichen stehen: Gimmel erhält alles schon, He ist die Hälfte davon, Sch in gibt eins Nun ist keins, so drehen sie das luftige Ding es hüpft von Ginem zum Andern flink, cs wird schon spät, die Uhr schlägt acht und es ist aus die Lhanukah-Uacht. ' Hella Goldberg Schülerin der Zsr. Volksschule Rl. 4 b. Es stimmt, daß der große silberne Chanukahleuchter dem Emil Hellfeld gehört. ' Frau Rost Hellseld. Das wertvolle Schriftstück legte Emil sofort in ein Heft und ging sehr befriedigt zu Bett. Am nächsten Mittag rannte er gleich nach der Schule in das Silbergeschäft und zeigte stolz die schriftliche Bestätigung. Herr Rosenthal zögerte immer noch ein wenig. Aber ehrliche Leute waren die Hellfelds und der Junge hatte doch anscheinend auch die Erlaubnis zum Verkauf, also konnte er die Sache ruhig abschließen. Der naitornohoni cx.-,Leuchter war nicht so wertvoll wie Emil gemeint hatte, iLutan 5 ®lt»S "rme Mutter ln! aber er bekam doch ganze SS Mark bafür. Er »enoa&rte man nur tun um ihr zu einem warmen Mantel zu Aber dahenn erwartete ihn ein großer Schlecken, verhelfen? Der Bater war die ganze Woche nicht da, "Wo bleibst du denn so lange, Emil?' ries ihm die Mut- Mutter klagte nie, vielleicht wußte es der Vater gar nicht, ter entgegen. „Ich bin ja so aufgeregt, denk dir, ich Also wollte Emil selbst dafür sorgen. Er mußte einen! will heute etwas-aus dem Schrank holen, da geht das Ausweg finden um bis zu Chanukah (da hat Mutter Schloß so merkwürdig schwer und als ich glücklich auf- Emil und die Polizei. Geburtstag) einen neuen Mantel kaufen zu können. Aber wie konnte er Geld verdienen? bringe, fehlt deine schöne Menauroh! Das Haft du nun von deiner Prahlerei! Er hatte schon einmal der Zeitungsfrau eine ganze s ie^ ^n.ui ^an' Straße weit Zeitungen eingeworfen, aber dann, als sie; ke,h Uw,5 ,cmanö m öer Ahnung war und geihm zum Lohn ein paar Pfennige dafür geben wollte, > u',s . s. „ ,, _ ,r f. hatte er sich geschämt, der armen Frau Geld abzuneh- Und schon schob die Mutter Emil zur Ture hinaus, men und war weggelaufen. Er hatte schon mal Weiden Auf die Polizei sollte er gehen? Polizei! für Hauschanaus gepflückt und schon mal Kastanien an! Emil ging so langsam als möglich, aber der furchtbare den Zoo verkauft — aber das war im Herbst gewesen Augenblick, in dern er vor dem Polizeiwachtmeister stehen und fegt wars Winter und er sah keine Verdienstmögmuhte, kam doch näher und näher. Bis jetzt war er so lichkeit. Und außerdem — das waren ja alles nur > tüchtig und tapfer gewesen, aber jetzt hielt seine Kraft Pfennige! Und das wußte er natürlich, daß ein Mantel! nicht ^^hr stand — schluchzend stieß er hervor: schon Markstücke kostet. Also er saß da und grübelte, j „Ich soll Ihnen inelden — uuh — daß bei uns Wie kommt man zu Geld! — Etwas verkaufen, das j ejn silberner Leuchter gestohlen worden ist—,uuh — er man besitzt, blifetc auf einmal m ihm auf. Aber was. > jsi afjer gar nicht gestohlen, ich habe ihn verkauft — Seinen Schabbos-Pullover? Rem das grng nicht gut. j Mutter hat doch so gefroren" — weiter konnte man Bücher? Er sah im Geiste seine abgelegten Schulbücher nicbts mehr verstehen durch — nö, die konnte man wirklich niemandem am ' Die Notverordnungen des ägyptischen Reichskanzlers Zophnat Paaneach. Zn Anbetracht des ungeheuer anwachsenöen Zustroms von Getreideeinkäufern aus dem Ausland sehe ich mich gezwungen, folgende Notverordnungen zu erlassen. I. Ls ist von heute ab strengstens verboten, einen Knecht oder Sklaven über die Grenzen des Landes zu bringen. Ls besteht hierzulande kein Mangel air Arbeitskräften und nutzlose' Lsser können nicht geduldet werden. Ls ist ebenso untersagt, einen Sklaven zur Begleitung auf der Linkaufsreise mitzubringen. wer Getreide zu kaufeir wünscht, muß stch in eigener Person cinfinden, an Begleiter, gleich welcher Art, kann kein Getreide abgegeben werden. H. von den im Lande Aegypten angesammelten Vorräten darf jeder vom Auslände kommende Käufer nur.so viel Getreide erwerben, als ein Csel tragen kann. Die Mitnahme eines zweiten Csels als Transportmittel für den Rückweg ist unter keinen Umständen gestattet. III. Zeder nach Aegypten einreisende Fremde hat an den Grenztoren des Landes seinen Namen sowie den Namen seines Vaters und Großvaters in eine Liste einzutragen. Sämtliche Namenslisten werden noch am selben Tage dem Leiter der Cinreise-Prü bieten. Sie waren zu abgegriffen. Aber was denn? Plötzlich kommt ihm eine Idee, eine geradezu hervorragende Idee: seine silberne Menauroh konnte er doch verkaufen! Das war doch ein Stück, für das man Geld bekam. Er hatte sie var 13 Jahren von einem alten Der Beamte stand aus und führte Emil zunächst mein ein kleines Zimmer nebenan und sagte: „So, jetz: erzähle mal richtig, mein Junge, und Hab' keine Angst/' Da berichtete Emil, nun wieder etwas getröstet, vom Anfang an, von seinem Berkauf bei Herrn Rosenthal . r ZULr rfflXU LlW 6is zum Auftrag seiner Mutter. Auch den Schwindel fs m°at eir? großer Leuchter und i!feUdc[ f roar er auch ™[t öer schriftlichen Bestätigung mußte er gestehen. Aber iLP für hJiHno QoTfotT mnr fipffimmf ^er Wachtmeister zankte nicht einmal, er ging nur ans Äs* Z Mm6cS ™, Telefon und ries Herrn R°!enih-I an. Dann ließ er fäuÄid, 'auf ein S«4e„t&n32filSÄ,!?* Li7L «ftÄ!iL>Ln2 türlich war er Immer sehr stolz gewesen auf seine Menauroh. Aber das ist letzt eben vorbei. Morgen ftwer ^>aur was wuroe fegr papieren. -vann reyrre nachmittag wird sie verkauft. Aber das war nicht so einfach. Man mußte erst den Schlüssel zum Schrank finden, man mußte den Schrank, der immer so leicht quietschte, möglichst geräuschlos öffnen; man mußte die Menauroh in ein Niesenpapier wickeln — natürlich flog dabei das silberne Mögen Dowid herunter, das oben auf faß und man mußte es unter dem Schrank suchen und wieder auf seinen Platz! stecken. Schließlich hätte noch die Mutter Emil beinahe' erwischt! Aber es gelang. Emil war draußen und eilte im Trabe dem Silberwarengeschäft zu. das er kannte. Kaum hatte er den Laden betreten, da stieß er atemlos hervor: „Ich möchte den silbernen Chanukahleuchter verkaufen, Herr Rosenthal; er gehört mir und ich brauche ihn nicht." Und als er dies gesagt hatte, atmete er mal tief auf. der erste Beamte in Begleitung eines anderen Wachtmeisters zurück und dieser sagte: „So, Emil, jetzt gehst du mal mit mir . ." . „Muß ich ins Gefängnis?" schrie Emil ganz entsetzt. „Ach wo," lachte der Schupo, „ich begleite dich nuin das Mantelgeschäft, damit wir auch jeheu, was an mit deinem Geld aufängst!" Nun mußte Emil also wirklich neben dem Schupomann auf der Straße gehen. Er machte aber ein recht vergnügtes Gesicht, damit ja niemand meinen könnte, er wäre am Ende verhaftet! In dem großen Mantelgeschäst sprach der Polizist erst ein paar Worte mit denl Fräulein an der Kasse, dann verabschiedete er sich von Emil. Nun war dieser wieder allein und hatte eine schwere Wahl zu treffen unter all den Mänteln, die ihm gezeigt wurden. Endlich entschied er sich für einen einfachen, aber recht warmen So. jetzt wars heraußen und nun wird er gleich sein: zu 24 Mark und 50 Pfennig. Er bezahlte stolz, Geld bekommen. Wieviel wohl? 20 Mark, 30 Mark, ^te Zuruckgegebenen 50 Pfennig sorgsam ein und gab an, wohin der Mantel geschickt werden sollte. Der Mutter erzählte er zu Hause, er habe auf der Polizei alles genau erklärt und nun solle sie mal ruhig ein bis zwei Tage abwarten. Am folgenden Mittag um 2 Uhr aber, es war Freitag und Erew Chanukah, da k 40 Mark — aber zunächst kam etwas anderes. Herr Rosenthal sagte: „Ich kenne dich ja von der Synagoge her. Emil, und weiß, daß du ein ordentlicher Junge bist. Aber du kannst dir doch denken, daß ich kleinen Jungens %£"&& lchell.e epiWich bei Sellse.bganz I°ul, Emil erschrak ohne den Willen ihrer Eltern die Gegenstände herbrin-; [ß^r ll1^ ÜCfr8?^ Mnz zu offnen. Da klmgelte es tokgen. Weiß denn deine Mutter davon, daß du hier bist?" üffnwT! Emil zog es vor, diese Frage lieber nicht zu beant- 5 er &a ftanben drei Männer vor dcr Worten. Statt dessen sagte er: „Wenn ich Ihnen aber doch versichere, Herr Rosenthal, daß die Menauroh mir ganz allein gehört und ich damit tun darf, was ich will?" „Wenn das deine Mutter bestätigt, Emil, und du Türe! Der erste war der Vater, der glücklich von seine- Reise heimgekehrt war; der zweite war ein Mann mit einem großen Karton, der wollte einen Wintermantel mirs schriftlich bringst, dann will ich mal sehen, was! sür^Frau Hellfeld abgeben.^ Und^ der Dritte brachte^ em sich machen läßt. Deinen Leuchter darfst du einstweilen'"^ '. hier lassen."-— Bedrückt schlich sich Emil nach Hause. Was sollte er jetzt tun. Der Mutter sagen? Ausgeschlossen. Die Mutter anschwindeln — eigentlich tat Emil das sehr ungern. „Aber es ist ja nur für ein paar Tage, tröstete er sich, „dann kann ich ihr ja wieder die Wahrheit sagen." Aber wie es jetzt anpacken? Lange dachte Emil nach. Beim Abendessen fing er an zu erzählen, daß er in der Schule mit seiner vornehmen Menauroh geprahlt hatte. (Weil er etwas Schlechtes tat, mußte er sich auch etwas schlecht machen.) Aber niemand wollte ihm glau-! ben, daß ihm die Menauroh wirklich gehöre. „Natürlich ' gehört sie dir," sagte die Mutter, „aber das brauchst du doch nicht allen Mitschülern zu erzählen!" „Aber nun Hab ichs mal getan und nun lachen sie mich aus und glauben es nicht. Aber Mutter, bitte Mutter, du kannst es ihnen doch schriftlich geben, daß ich recht habe." Unsinn," sagte die Mutter. Aber schließlich brachte fungsftclle, meinem vohn Menasche. weitergegetzen.Emil"seine gute Mutter doch dazu, den Federhalter zur Päckchen von Herrn Rosenthal, das enthielt eine kleine Menauroh aus Messing. Ein Zettel lag dabei: Meinem Freunde Emil zu Chanukah! Das war aber nun ein Staunen und Fragen und freudiges Erzählen, das könnt' Ihr Euch denken! Und als die Eltern endlich alles erfahren hatten, da fiel es dem Emil ein, daß er vorhin in der Aufregung den Vater noch gar nicht richtig begrüßt hatte. „Ich habe dir noch gar nicht „Scholaüm alechem" gesagt, Vater," rief er. „Alechem Scholaüm, meiit Emil," sagte der Vater langsam und dabei wünschte er in Gedanken seinem braven Jungen alles Gute. Es war ein wunderschöner Chanukahabend für die Familie, das könnt Ihr Euch vorstellen: und der Mantel — denkt Euch Mutter wirklich gepaßt! hat der Verantwort,ich fu; den aii1.1-im:tuc■ a und da-. >een Ilctvn S- S ch a ch n o w i tz, Frankfurt a. M; Inserate i. S : S Scha chnowitz, ebenda. — "ür die padaaoqtsche B-itaae: Lcbrer L. Kaufmann, in Sprendlingen (Kr. Ofsenbach). — Verlag oes Israelit und Hcrmo- (55. m. b H., Frankfurt g. M. — Druck Hermon Druckerei, Frankfurt a. M>

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