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Der Israelit · 1932-12-29 · Heft 53 (29.12.1932) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 53 (29.12.1932)
Date
1932-12-29
Page
– (sequence 1)
Language
German
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29. Dezember 1932 Frankfurt a. M., den Nr. 53 30. Kislew 569i Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. STBatttteittetU ab Juli 1929; Drutschlanv 1.30 Mark monatlich: Ausland: Bierteljahrpreiss (entsprechend dem deutschen Inlandspreis zuzüglich Konen des Streifband-Versandes) Deutsch-Österreich: Schilling 6.—; Amerika 1 Dollar; England 4 sh.; ab 1 Juli Frankreich 35 Fr.; Belgien ab 1.7.27. Belga 5. Holland 3 fl.; Italien ab 1.1.38.18 Lire; Ingo» .slavien 65 Din.; Litauen 7.50 Lit.; Rumänien ab 1. 7. 37. 159 Lei; Polen 4 deutsche Gold, mark zum Tageskurs oder 7 Zloty: Schweiz 5 Fr.; Tschecho-Slowakei 25 Kronen; Ungarn Pengö 6 ab 1. Juli 1837; Dänemark 3.59 Krön.; Norwegen 3.50 Krön. ^Schweden 3.50 Krön. Einzelnummer vierzig Goldpfenntge. ■■mm——mwwb—mmmmsamea9. Der Israelit erscheint tsden Donnerstag. Inserate 50 Golvpf. für die fiebengesp alten» Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahlen bei Stellengesuchen und Familienanzeigen nur 40 Pf. Die.76 mm breite Reklamezeile: letzte Textsette 3.— SW., vorletzte Textsette 2.60 'SW.; Thiffregebühr in Höhe eines dopp. Fernbriefportos. Rabatt nach Tarif. Bei laufenden Jnserataufträgen tartfm. Preiserhöhung jederz. Vorbehalt. Jnseratenannahme durch den Berlag des Israelit G. m. b. H., Frankfurt a. M , Rechneigrabenstratze 7, Tel. Hansa 31084 sow. durch sämtl. Annoneen-Exped. d. In» und Auslands. Alleinige Jnferatenann. für Franks. Geschäftsanz.: Jul. Schmidt, Ostendflratze 83 Tel. 45868. Platzvorfchr. ohne Berbindltchk. Zahlungen direkt an den Verlag auf Postscheckkonto Frankfurt ( jJtaut) Nr. 19643. — Angecoem an: Postsparkasse 3üten Nr. 79695.— Postsparkassena nt Buvapeit Nr. 18434.— Posts Heckkonto tzarschau Nr. 190757. — Postscheckamt Zürich Nr. VIII7351. — Postscheckamt Amsterdam Nr. 34889 — Postscheckamt Prag Nr. 79.080 — Rumänische Kreditbank Bukarest und ihre sämtl. Filialen Der Gerichtsstand für alle aus Abonnements oder aus Inseraten stch ergebenden Zahlungsverpflichtungen ist Frankfurt a. M. Zur Physiologie des Schächtschnittes. Ist das Schächten eine Tierquälerei? Von Dr. med. Bela Galandauer in Eisenstadl. (Zeichnungen von A. Fischmann). Vorbemerkungen: wenn auch die Schächworschrlsten im Pentateuch nicht ausdrücklich enthalten sind, muß man sie doch zu den mosaischen Gesetzen rechnen, d. h. zu den Gesetzen, die dem Volke Israel von Moses im Aufträge G'ttes erteilt wurden, wenn man nun die Beschränktheit des menschlichen Verstandes im Verhältnis zu G'ttes Allwissenheit und Vollkommenheit in Betracht zieht, ergibt sich hieraus, daß wir Menschen die letzten Ursachen des Schächtgebotes nicht angeben können; man kann daher auch nicht sagen, daß diese Vorschriften in tierschützlerischer Absicht gegeben seien, um die Schlachtticre auf eine möglichst schonungsvolle Art zu töten?) Aber trotzdem, waren sich seit den ältesten Zeiten alle jüdischen Gelehrten darüber einig, daß das.Schächtverfahren eine im höchsten Grade humane und schonungsvolle Schlachtmethode darstellt. Auch, von nichtjüdischer Seite wird erst, . seit wenigen Jahrzehnten versucht-, das Schächten als^ Tierquälerei hinzuflellen. Diese Antischächtpropagandä beginnt nun einen so großen Umfang anzunehmen und so verheerende Folgen zu zeitigen, daß wir uns in weitesten Meisen"mit diesen Problemen beschäftigen müssen. :r»izw na sn — Wisse, xoaz du dem Leugner zu. antworten hast!; I. Die religiösen Vorschriften für das Schächtverfahren sind im wesentlichen folgende: ,n: 1. Das dazu verwendete Messer muß. haarscharf und absolut schartenlos sein.? 2. Der Schnitt muß in senkrechter Richtung, ohne Druck, durch bloßes leichtes Ziehen des Messers und ohne Absetzen ausgeführt werden. 2. Ts muß mit einem Schnitt mindestens Luftröhre und Speiseröhre zum größten Teile ^durchschnitten werden. (Gewöhnlich wird der Schnitt bis zur Wirbelsäule geführt.) 4. Der Hals muß während der Schnittführung! , maximal gestreckt sein. 6. Zur sicheren Durchführung obiger Vorschriften ' soll das Tier beim Schächten liegen. 0 Eine solche Auffassung entspräche dem Geiste des Iudentumes. Tierquälerei ist ja religionsgesetzlich verboten. Lei Einhaltung all dieser Vorschriften tritt — wenigstens nach der bei Juden allgemein verbreiteten Ansicht — der Tod sehr rasch ein und fast ohne Schmerzen von seiten des Tieres, was ist nun die unmittelbare Todesursache? Der Wortlaut der Schächtvorschrift (siehe Punkt 5) hatte zur Folge, daß vielfach in Laienkreisen die Meinung verbreite ist, die Ursache für den raschen Eintritt des Todes sei das Durchschneiden der Luftröhre und Speiseröhre. Das ist aber unrichtig, denn weder die Durchfchneidung der Speiseröhre, noch die der Luftröhre müssen sofortigen Tod zur Folge haben. Die unmittelbare Todesursache ist anderswo zu suchen! Untenstehende schematische Skizze soll zeigen, wie die für unser Thema wichtigen Organe am Hals des FCq.i , Zeichenerklärung zu Figur 1; 1 — Luftröhre; 2 — linke Halsschlagader; 8 — Wirbelsäule; 4 — Speiseröhre; < — > Der Pfeil bezeichnet die Grenze, Wie tief Der Schächtschnttt mindestens.gehe« mutz^ Rindes, liegen und welche Organe vM Schnitt getroffen werden, wenn; wie es Vorschrift ist, Luftröhre und Speiseröhre zum größeren Teile durchtrennt werden. Man Fleht, 'daß die beiden Halsschlagadern so neben: den; beiden Röhren liegen, : daß sie bei vorschriftsmäßiger Schnittführung mit 'Sicherheit getroffen und durchtrennt werden. Ts kommt sofort zu einer mächtigen Blutung, die. innerhalb weniger Minuten zum Verblutungstode führt. .? . Aber die Tatsache, daß gerade die Halsschlagader und nicht ein beliebiges anderes Blutgefäß zur Eröffnung der Blutbahn gewählt wird, hat für die Physiologie des Schächtschnittes noch eine besondere >» ' üi .... i .iniiiiiaBi Bedeutung: Die Halsschlagader ist ja dasjenige Blutgefäß, das dem Gehirne Blut zuführt, so daß dieses im Moment des Schnittes von jeder Blutzufuhr abgeschnitten ist. Das Gehirn aber ist ungemein empfindlich gegen mangelhafte Blutversorgung und stellt fast augenblicklich seine Tätigkeit ein. Deur Prager Arzte Dc. Lieben war es sogar möglich, durch genaue Messungen zü zeigen, wie rasch die Bewußtlosigkeit beim Rinde nach dem Schächtschnitte erntrrtt. Cr ging dabei von folgender Voraussetzung aus: Sitz des Bewußseins ist nach dem Stande der heutigen Wissenschaft das Gehirn; von dort her werden alle Bewußtseinsvorgänge geregelt, wobei aber nicht alle Teile des Gehirnes gleichwertig sind: es gibt dort eine bestimmte Stelle, welche die Gesichtseindrücke zum Bewußtsein bringt, eine andere Stelle macht , die Tasteindrücke bewußt, eine dritte wieder regelt die bewußten Bewegungsvorgänge usw. Dieses Bewegungs- Zentrum an der Großhirnrinde benützte nun Dr. Lieben für seine Versuche und konnte zeigen, daß eine Stelle in diesem Zentrum, welche normaler Welse auf eine Reizung mit elektrischem Strome prompt mit dem Heben des Oberlides antwortet, längstens 36" nach dem Schächtschnitte unfähig; ist, eine Bewegung auszulösen. Die Großgehirnriüde hat also längstens 36" nach dem Schächtschnitte ihre Tätigkeit eingestellt?) Doch auch während der kurzen Zeit, innerhalb -Hb't das Tier möglicherweise Mwußtsein haben könnte, kann es keine Schmerzen estrpfinden, weil es ja Vorschrift ist, daß der Schächtschnitt Titit einem haarscharfen Messer ausgeftihrt'-werde und sehr viele Beobachtungen (z. B. während des Krieges) haben gelehrt, daß Verletzungen, die durch ein scharfes Instrument und sehr rasch gesetzt werden, nicht schmerz' hast .sind und vom Verletzten erst nach geraumer Zeit bemerkt werden, wenn die Wunde auszutrockncn beginnt. wenn man die vorläufigen Ergebnisse zusammenfaßt, kann man also sagen:;'!. Der Tod tritt beim Schächten durch Verblutung sehr rasch ein. 2. Ganz kurze Zeit nach dem Schächtschnitte wird das Tier .sicherj bewußtlos. .3. während der kurzen Zeit eines eventuellen Bewußtseins kann das Tier keine Schmerzen hahen. II. Dieses Resultat befriedigt aber noch nicht ganz, wenn man auch die praktischen Erfahrungen und Beobachtungen am Schlachthofe berücksichtigt, wenn man ^nämlich bei der Schächtung so vorgeht, daß das 2) Dabei ist es sehr wahrscheinlich, daß das Schmerzempfindungszentrum noch viel empfindlicher ist, als das Bewegungszentrum, also noch früher ausgeschaltet ist.

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