Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 52 (22.12.1932)
- Date
- 1932-12-22
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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22. Dezember 1932 Der Israelit Nr. 52' Seite 11 Ainderecke. Die Hasmouäer. Es war zur Zeit der Schreckensherrschaft des Antiochus Epiphanes, da lebte in Modin der Priester Mathisjahu aus deni Stamme -der Hasmonäer. (kr war unter denen gewesen, die aus Jerusalem weggezogen waren, als der Tempel entweiht wurde. Als er von den furchtbaren Greueln hörte, die in der hei-' ligen Stadt geschehen waren, von den blutigen Verfolgungen der gsttesfürchtigen Männer, Frauen unf^ 'under, da zerriß er seine Kleider und er und seine Söhne trauerten sehr. Aber es erglühte sein Zorn über die Abtrünnigen, die dem Bedrängen der Syrer nachgegeben hatten und abgefallen waren von der Lehre ihres G'ttes. Da sprachen die Aachbarn zu ihm: „Du klagst über die Toten und haderst mit den Lebenden, Mathisjahu! Was bleibt denn für ein Ausweg, als sich zu unterwerfen, wenn der mächtige König es befiehlt?" „was für ein Ausweg bleibt?" rief Mathisjahu. „Sich wehren, das ist der Ausweg, sich erheben gegen die grausame Herrschaft, das ist der Weg!" „Unmöglich!" erwiderten die anderen, „wie kannst du solches raten! Was vermögen denn die wenigen gegen die vielen, was könnten wir Schwachen ausrichten gegen diese Starken? Keine Wahl bleibt uns als der Abfall. Einzelne nur sind wir, ein Häuflein Menschen, wir müssen uns ergeben in unser Schicksal." ' „Uiemals ergeben," schrie Mathisjahu. „Feiglinge seid ihr, feige Ausflüchte führt ihr im Munde. Ich will es euch zeigen, was die Einzelnen vermögen, wenn sie vom heiligen Mute beseelt sind. Schon einmal ging die Rettung aus der Knechtschaft nur von zwei Brüdern aus. Dies hier ist schlimmer als Sklaverei und wenn G'tt es will und uns beisteht, so können auch heute Söhne e i n e s Vaters ein ganzes Volk zur Erhebung führen. Uur tapfer müssen sie sein und mutig und g'tterfüllt!" Ungläubig zweifelten die Leute von Modin. Und als kurz darauf eine der syrischen Hauplcute in die Stadt kam, um auch die dorthin Geflohenen zum Götzendienste aufzufordern, da wartete man in größter Aufregung auf Mathisjahus Entscheidung. Apelles, der syrische Hauptmann, versammelte alles Volk vor dem Altar des Zeus, den er errichtet hatte. Und er sprach zu Mathisjahu: „Du bist ein angesehener und geehrter Mann; die Zahl deiner Söhne ist groß und viele gehören zu deiner Familie, darum tritt du als Erster hin und. erfülle das Gebot des Königs, wie sie es tun in allen Provinzen seines Reiches und wie es auch alle Männer von Judäa und Jerusalem getan haben. Und," fügte er hinzu, „dann werdet ihr Gnade finden, du und deine Söhne in den Augen des Königs und er wird euch Gold und Silber geben und kostbare Geschenke." Da erhob Mathisjahu laut seine Stimme und rief: „Wenn selbst alle Stämme des Volkes abfielen von ihrem G'tt, und gehorchten des Königs Gebot, so wollen doch wir, meine Söhne und ich, nicht abweichen, nicht rechts, nicht links von den Gesetzen unserer Väter: Fern sei es von uns, abzulassen von G'ttes Bund, abzufallen von G'ttes Geboten und dafür die des Königs zu erfüllen." Kaum hatte ec dieses ausgesprochen, da tritt ein Jude hin vor aller Augen und opfert auf dem Altar des Zeus.. Da wallte der Zorn Mathisjahus auf und ein glühender Eifer, erfaßte ihn und ec lief hin und durchbohrte den Juden neben dem Altar und den Hauptmann tötete er und den Altar riß er ein. Und er lief durch die Straßen der Stadt und schrie: „Wer für das Gesetz eifern will und an G'ttes Bund festhalten — der ziehe mir nach!" Er floh hinaus aus der Stadt mit seiner Familie und all denen, die sich anschlossen und sie verbargen sich im Gebirge. Immer mehr tapfere Anhänger strömten ihnen zu, die alle treu geblieben waren dem Gesetz. Alle kamen zu ihnen, die vor der Tyrannei flohen und mehrten ihre Stärke. Sie konnten sich rüsten, nahmen zu an Kraft und dann konnten sie es wagen, Streifzüge zu unternehmen durch alle Gebiete des Landes. Und wohin sie kamen, da rissen sie die Götzenaltäre nieder und beschnitten die Kinder und verfolgten die Gottlosen. Und rückte dann ein syrisches Heer an, um diese aufrührerischen Juden zu züchtigen, so zogen sie sich zurück in die Schlupfwinkel des Gebirges und konnten nicht bezwungen werden. So gelang es dem Mathisjahu durch sein änfeuerndes Beispiel und die Kraft seiner G'ttestreue das Gesetz zu erhalten und den Syrern Trotz zu bieten ’—bis aus den Einzelnen, den Wenigen und Schwalchen eine tapfere und g'ttbegeisterte Schar geworden!war. Der heldenmütigste seiner Söhne,. Juda Mak- Fabi, führte sie an, der weiseste der Brüder, Simon, sollte ihr Ratgeber sein. Eine einzige Familie war es, von der jeder sich ein setzte für die Befreiung-von syrischem Joch und die fünf Hasmonäersöhne stritten den Streit für G'tt und sein Gesetz, bis sie mit ihrem kleinen Heer ihr Volk von der tiefsten Erniedrigung bis zur siegreichen Erhebung geführt hatten. „Jubiläum.“ Von Hermann Sedbad). Sagt mal, liebe Kinder, ihr wißt doch gewiß alle, was ein Jubiläum ist! Mit dieser Bezeichnung verknüpfen wir frohbewegte Gedanken, festliche Stunden und Erinnerungen an Zeitabschnitte unseres Lebens. Vor kurzem konnte eine jüdische Schule ihr Jubiläum begehen, und viele von euch haben sicher mit den lieben Eltern an den herrlichen Veranstaltungen teilgenommen. Heute möchte ich euch, liebe Kinder, nun auch von einem Jubiläum erzählen, und zwar aus einer anderen Schule, in die wir alle, Groß und Klein, hineingehen müssen — der Schule des Lebens. Hört mal zu: Nicht weit von Frankfurt, im Hessischen, ist ein von Ausflüglern gern besuchter Luftkurort. Fährt man mit dem „Bimbelbähnchen" hin, so ist man entzückt von der landschaftlichen Schönheit der Gegend. Eine herrliche Gebirgskette breitet sich der Bahn entlang vor unseren Augen aus, und in den Tälern liegen, idyllisch hineingebettet, die Städtchen und Dörfchen. Es sind nun bald 40 Jahre her. da lebte in einem solch schönen Dorfe eine kinderreiche jüdische Familie. Wohl waren die Zeiten damals ruhig, und die Juden hatten kaum unter Anfeindungen zu leiden. Aber die Verdienstmöglichkeiten waren sehr gering, zumal in diesem Hause die Eltern leidend waren und zu allem Unglück noch ein etwa sechsjähriges krankes, nicht gehfähiges Töchterchen hatten. Ein goldiges Lockenköpfchen mit liebem Gesichtchen. Da starben kurz nacheinander die Eltern, und die Kinder waren mit ihrem kranken Schwesterchen nun ganz allein. Draußen lachte die Sonne, die Vöglein zwitscherten ihr Liedchen, und von den Bergen erklang frohbewegter Sang der Ausflügler. In dem Zimmer der elternlosen Kinder aber lag das kranke Kind und blickte hinaus in die leuchtende Sonne. Vor dem Hause tummelten sich die Dorfkinder herum, und ihr Lachen klang hinauf zu dem kranken Kinde. „Ach," dachte es, „könnte ich doch auch mit den Kindern lachen und herumtollen, wie glücklich wäre ich, wenn ich nicht stets so allein wäre!" Wochen vergingen . . . Von hilfsbereiten Menschen wurden die Kinder tests in einem Waisenhaus, teils in Familien untergebracht. Das kranke Kind aber kam in ein Heim. Wie ein Märchen war es nun dem kleinen Mädel. Ein schneeweißes Bettchen bekam es, wurde gepflegt und behütet von liebevollen Schwestern. Schön, unsagbar schön war ihm dies alles! Und, als ob das Schicksal ihm jugendliche Gesellschaft zugedacht hätte, wurde nach -einiger Zeit ein Jüngling in das Heim eingewiesen, der noch weit mehr von Leid betroffen war. Ihm waren nach schwerer Krankheit ein Bein und ein Arm abgenommen worden. So fanden sich in diesem Hause zwei Kinder zusammen. die schwer vom Leben heimgesucht waren. Aber nun, liebe Kinder, ist meine Geschichte nicht mehr traurig: zeigte er sich doch, wie wunderbar G'ttes Wege sind .Während draußen im Strudel des Lebens, umtost von Sorge und Not, die beiden Menschenkinder dem Kampf ums Dasein hilflos ausaesetzt gewesen wären, empfanden sie nun das Geborgensein als ein gütiges Geschenk -des Himmels. Bald erholten sie sich von den lanaen, schweren Krankheitstagen, und behutsam, ganz vorsichtig wie ein Kind, das anfängt, laufen zu lernen, lernten die zwei- Kinder ihre Körperkräfte benutzen. Ein nie gekanntes Glücksgefühl kam in ihnen auf, und des Jünglings Brust entquoll ein Danklied zum Allgütigen, der alles so zum Guten gefügt. Fünfunddreißig Jahre sind seitdem dahingegangen. Eine lange, lange Zeit.... Die beiden Lebensgefährten befinden sich noch in dem Heim. Aus dem Mädel ist eine unermüdliche Helferin geworden, die zwar schwer gehfähig, aber mit ihrem frohen Temperament, mit ihrem freundlichen Wesen, sich überall im Hause nützlich macht. Der Jüngling ist zu einer wertvollen Persönlichkeit herangereift. Mit Energie und Willenskraft und nicht zuletzt durch Lebensmut hat er sich die Aufgabe gestellt, nicht tatenlos sein Leben zu verbringen. So gelang es ihm, einen Bildungsgrad sich anzueignen, der ihn befähigt. in geistvoller Weise Unterhaltungen zu pflegen und sich zu beschäftigen. Ja, wenn alles in diesem Hause sich in Harmonie vereinigt, so ist es mit sein Werk. Denn er ist der Träger der Gemeinschaft und der stille, bescheidene Leiter. Wer das kleine, weihevolle G'tteshaus des Heims aufsucht, der findet ihn, den lieben Menschen, so recht an der richtigen Stelle. Dort entfaltet sich, — losgelöst von allen körperlichen Gebrechen — seine jüdische Seele. Allmorgendlich der erste unter den Besuchern, versteht er es meisterhaft, alle Glieder dieser heiligen Stätte zusammenzuhalten. Ist es doch „seine" Kehilloh, für die er sich mit innerer Befriedigung einsetzt. Aus dem winterlichen Nebel heraus leuchtet hellrot die Sonne und sendet mehr und mehr ihre Strahlen durch die Fenster zu uns. die wir bei den zwei so zufriedenen Menscheulindern sitzen. Es ist, als ob sie beiden sagen wollte: „Ihr habt die Schule des Lebens gut bestanden. Seht ihr, ich blieb euch treu und bin nun da zum — Jubiläum." Die Hallel-Aufgabe Na, Ihr Fulder Jungens, Ihr habt es Euch doch ein wenig zu leicht gemacht! Natürlich sagt man auch das „halbe" Hallel, wenn man Eanz-Hallel betet, aber als Scherz war die Frage ganz und gar nicht gedacht! Man mußte schon allen Ernstes nachrechnen, wenn man die richtigen Zahlen herausbringen wollte. Wie.ost man Ganz-Hallel sagt, das bleibt ja jedes Jahr gleich und ist leicht zu merken. Ganz Hallel b^tet man an 2 Tagen nov, 2 Tagen jmatP' 9 Tagen n'120 (mit v"&' und 8 Tagen n-m Das Merkwort für diese Zahlen ist d. h. 2+2+9-f 8 Mal 21 Mal beten wir das ganze Hallel. Ein Einsender hat gemeint, an nos würden wir 4 Mal Ganz-Hallel sagen, vielleicht hat er die beiden Sederabende dazu gerechnet, aber die können wir nicht mitzählen, da macht man ja auch nicht die über das Hallelgebet. Also bleiben wir bei 2 1 Mal. Und Halb-Hallel oder vielmehr Hallel ohne irb »6 und wann, das sagen wir an 6 Tagen nvv und an n*i- An sämtlichen n-i-Tagen bei allen 12 Monaten? Nein, am n"i Tewes natürlich nicht, da es ja in die Chanukahtage fällt und rri Tischri selbstverständlich nicht. Uebrig bleiben also 10 Monate, von welchen sechs 2 Tags tt**! haben und vier nur einen, das bedeutet zusammen 16 Mal Halb-Hallel und 6 Mal von nvv dazu ergibt also 22 Tage Halb-Hallel. Diese Zahl finden wir freilich nicht jedes Jahr. Manchesmal ist der Marcheschwan nicht «!?? sondern hat nur 29 Tage und es gibt also nur einen Tagibo? m, so daß man nur 21 Mal Halb-Hallel sagt. Im Schaltjahr dagegen kommen noch 2 Tage dazu. Im vergangenen Jahr z. B. beteten wir 24 Mal Halb-Hallel! 3m Jahr 5693 ober sagt man 22 M a l das halbe Hallel. also ein Mal in ehr als das ganze Hallel. Diese Lösung fanden außer den schon genannten drei Kindern: Manfred Hirschberg, Ffm.; Simon und Hanna Mayer, Treuchtlingen; Heinz Kaufmann, Tauberbischofsheim; Hermann Emanuel. Hamburg; (dein Rätsel ist zu leicht, l. Hermann); Josi Steiner, Berlin; Leo und Marianne Sichel. Nürnberg; Louis und Richard Feist, Ffm.; Helene Lidzbarski, Ffm., die ihre Lösung am feinsten erklärte; Gerda und Josef Oppenheimer, Kitzingen. Fast richtig löste es: Hellmuth Schuster aus Ellingen. Auflösung des Königsrälfels. Die Könige hießen: ttniS ösran^ Die Lösung ist vielleicht dadurch etwas erschwert gewesen, daß in manchen Exemplaren das "T etwas zu kurz geraten war und fast als "v erschien, aber man konnte aus der Stellung im Alephbeth ja annehmen, daß es ein "i" sein sollte! Richtige Lösungen sandten: Leo und Marianne Sichel, Nürnberg; Helene Lidzbarski, Ffm.; Louis und Richard Feist. Ffm.; Aron Horovitz, Ffm.; Edgar Bravmann, Merchingen (Baden); Martin Feist. Eaubonne b. Paris; Josef und Gerda Oppenheimer, Kitzingen. Neue Aufgabe. Wer findet die meisten Wörter, die ans den Buchstaben des Wortes oZun zu bilden sind? Voranzeige: Nächste Woche bringen wir I die Notverordnungen des ägyptischen Reichs- I kanzlers Zophnat 'Parneach! |