Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 48 (24.11.1932)
- Date
- 1932-11-24
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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24. November 1932 Der Israelit Nr. 48 Seite 11 herleitet, baß zwischen Thora-Gesetzgebung und Tannaim- Zeit das Leben die Gesetze hatte „veralten" lassen, obgleich er die Thorabefolgung der oor-esräischen Zeit gar nicht in Betracht zieht. Daß man ein jus talionis (Auge für -Auge usw.) in alter Zeit wörtlich genommen und erst später in Geldbuße umgewandelt hätte,;— ist aber eine falsche Analogie aus fremder Rechtsgeschichte. G. zitiert ja die von Jakobs -Dortmund (in Wirklichkeit schon früher von Hossmann, Halevy und A.) als richtig erkannte orthodoxe Meinung hierüber. In ähnlicher Weise sind auf S. 10 oben die Forschungen ßerners über die angebliche „Neuerung" des Prosbul nicht berücksichtigt. Und diese Einzelheiten sind grundsätzlich wichtig. Denn wenn man den Talmud verteidigt, darf man. selbst wenn man selber einer freien Auffassung zuneigt, nicht die Auffassung derer heutzutage unverteidigt lassen, welche sich verpflichtet fühlen, in Uebereinstimmung mit Tannaim und Amoraim fast jedes einzelne talmudische Gesetz als ableitbar vom Thorawortlaut oder Thorasinn anzusehen und dafür auch nicht spitzfindig usw. gescholten werden wollen. Darüber z. B., daß das Schächten an sich nach Deut. 12. 20 wörtliches Thoragebot und auch die Schächt-Ernzelgesetze sinartische chalacha sind, darf doch in heutiger Zeit auch nicht der Schein (11) eines Zweifels belassen mierden. Aus demselben Grunde ist es ein Imstichlassen der volltalmudgläubigen Juden, wenn man für einzelne angefeindete Aussprüche der Amoraim (17) die Verantwortung so ablehnt, als seien es bloß Aeußerungen des Unmuts in der Parlamentsdiskussion, — wie denn überhaupt der Vergleich der Amoraimgemeinschaft mit modernen Parlamenten kein glücklicher ist und seinen Zweck verfehlt. Für solche angefeindete Stellen sind eben genauere Nachweise ihres wahren Sinnes unerläßlich, — und es ist hoch anzuerkennen, daß G. hierzu auf die vortreffliche Schrift von Eli Munk hinweist. Nur müßte an genannter Stelle und öfters Näheres daraus zitiert sein. Hat man überhaupt Hoffnung. Vorurteile zu zerstreuen, so muß man auch Einzelnachweise wagen.— Im gleichen Sinne muß-zu S. 57/8 bemerkt werden: Die Todesstrafe für Sabbatarbeit und Elternverletzung usw. hat nicht deshalb aufgehört, „weil die spätere Entwicklung über sie hinweggegangen ist," sondern deshalb, weil die kontinuierlich seit Mose ordinierte Gerichtsbehörde fehlt, die allein zu solchen Urteilenl zuständig ist; selbst die kleinste Geldstrafe ist nur durch solche ordinierte Richter verhängbar und daher heute nicht in Kraft (Eh. M. 1). Wir haben nicht erst Humanität von außertalmudischen Instanzen erlernen müssen, und wir haben nie aus solchen von außen kommenden Humanitätsgründen, sondern immer nur aus innerer halachischer Logik ein Gesetz sich weiter entwickeln lassen. Denn alle Gesetze, die wahrer Menschlichkeit entspringen, sindin der für uns Alle maßgeblichen biblisch-talmudischen Gesetzgebung vorgesehen. Nur was diesen Gesetzen des Schöpfers entspricht, können wir als wahrhaft menschlich-anerkennen. — Was G. trotz des klaren Wortlauts der Mifchna Sota 9, 9 bewegt, die Außerkraftsetzung des Sota-Trunks auf eine a u f st eigen d e Entwicklung des sittlichen Empfindens zurückzuführen, bleibt unerfindlich. Will man die Ehre des Talmud verteidigen, und diesem Willen dient G.'s Schrift mit jeder Zeile, — so darf man auch nicht den Tannaim und Amoraim juristische Interpretationskunst da unterstellen. wo sie ein Thoragesetz sinngemäß ganz aus inneren Gründen zu neuer Wirkungsweise brachten. .(Schluß folgt.) Ein schlichtes Leben. Von I. Weigl. Einem braven jüdischen Mann ist dies Erinnerungsblatt gewidmet. Das Wintersemester hatte begonnen. Da sagte Professor Emmerich zu mir: „Nehmen Sle sich um den Herrn an, der sich heute nachmittag bei Ihnen vorstellen wird. Er ist Arzt, aus Rußland, hat in Budapest und Wien klinisch gearbeitet und möchte nun in Bakteriologie sich umsehen." Richtig! Nachmittags brachte Diener Köferl den Angekündigten. Er war mittelgroß, schlank,' mit tiefschwarzem Bart und Kopfhaar, in seinem ganzen Aeußeren gepflegt, gemessen in Benehmen und Rede. Meine Begrüßung freute ihn sichtlich. Auf die Frage nach seinen besonderen Wünschen hinsichtlich der Studien antwortete er bescheiden: das überlasse er mir. Ich gab ihm unsere Arbeitszeiten bekannt. Er überraschte mich mit der damals mir fremdartigen Bitte, daß er je Freitag nachmittag und am Samstag wegbleiben dürfe. „Ich bin Jude," sagte er, „und halte Sabbat!" Nun stand ich zu jener Zeit eben im Anfang meiner Studien über das Judentum und hatte dunkle Begriffe über jüdische Sabbatfeier. So entgegnete ich: „'Wir können die Untersuchungsreihen in der Weise anordnen, daß Sie jeweils am Freitag vormittag Ihr Pensum abschlietzen." Dem Professor war es gleichgültig, wie wir zurecht kamen. Daher gab es keine Schwierigkeiten. Unser Gast erwies sich in der Folge als fleißiger und geschickter Arbeiter. Er faßte eine Sache rasch auf und führte seine Aufgaben stets sorgfältig aus. Er war nicht liebdienerifch, jedoch stets ehrlich dankbar für alle Belehrung und Anleitung. Als Mensch mar er sehr sympathisch.- Zur Belohnung nahm ich ihn mit auf Außendienst. Er sollte das Gelände kennen lernen und auch Land und Leute. Wir machten damals Bodenuntersuchungen. Vis in den Dezember hinein hatten wir prächtigen Spätherbst, wenig Frost, wenig Regen, viel Sonne. Auf solchen Fahrten tritt man sich menschlich näher als im steifen Laboratorium. Gelegentlich kam er denn aus sich heraus und erzählte mir von seinen persönlichen Verhältnissen. Der Vater war Arzt gewesen. Im südlichen Rußland. Irdische Reichtümer hatte er nicht gesammelt. Seine achtkäpsige Familie brachte er mit Ehren durch. Aber Geld aufzuhäufen gestattete seine Liebe 311 den Armen nicht. Um G'tteslohn behandelte er Glaubensgenossen wie nichtjüdische Bedürftige. Darob war er überall angesehen. Eine Grippe raffte ihn weg. Ein Muttersbruder hingegen, angesehener Handels- Herr in Petersburg, erfreute sich großen Wohlstandes. Bis in die russischen Gesellschaftskreise reichten seine Beziehungen. Als der Neffe daran dachte, im Ausland sein Wissen zu vervollkommnen, hinterlegte der Oheim bei einem soliden deutschen Bankhaus zehntausend Rubel. Für drei Jahre war die Summe berechnet. Das gab dem jungen Arzt einen Monatswechsel, mit dem es sich gut auskommen ließ. Er wohnte in einem jüdischen Hotel, das streng rituell geführt wurde und ihm alle Bedürfnisse deckte. Eines Tages lud er mich ein, dort in einem kleinen j Kreise den Abend zu verbringen. Wir saßen dann in der gemütlichen Ecke beim Springbrunnen zusammen mit; zwei jüdischen deutschen Studenten und zwei Kaufleuten,! welche zu russischen Firmen Handelsbeziehungen hatten. Draußen stürmte es; die ersten Schneeflocken wirbelten herunter. Herinnen wares um so behaglicher. Wir sprachen von Deutschland und Rußland. Ich erfuhr manch russisches und jüdisches, was man in Zeitungen nicht liest. Wie doch das Leben vielgestaltig ist! Manch lieben Abend i haben wir dann noch zusammen verlebt. Das gab mir der Anregungen eine Fülle. So kam ich mit dem Arzt ein anderes Mal zu einem interessanten Erlebnis. Ich hatte draußen in der Vorstadt über der Isar zu tun und ihn mitgenommen. Wir gingen durch die Quellengasse. Da frug er mich, ob ich Lust hätte, eine Familie aus Rußland zu besuchen. Gerne bejahte ich. Sie wohnte in einer Herberge, wie sie dort niedlich j und nett zu sehen sind. Zum Obergeschoß geht es bei diesen Häuschen auf einer Treppe außenseitig. Sorgfältig waren die Stufen von Schnee und Eis gesäubert. „Damit niemand Schaden nimmt," erläuterte mein Begleiter. Der einfache Hausrat, den der jüdische Frauenverein den Leuten gegeben, war sauber, blitzblank alles Geschirr. Nächst dem Ofen saß der Hausvater Reb Daniel Scholem über einem hebräischen Folianten. Der war etwas von dem wenigen, was die Familie aus Rußland mitbrachte. Auf der Kommode lag weißes Linnen und daraus stand der achtzackige Leuchter; drei Kerzlein brannten. Das Fest der Tempelweihe feierten sie. Der Mann war Schneider von Beruf und auch jetzt durch die Vermittlung der Kultusgemeinde mit Aufträgen versorgt. Warum er aus der Heimat ging? Weit drüben im Osten waren Väterchen Zar und der Kaiser von Japan uneins geworden. Kriegsgewitter zog herauf. Im Westen schlugen erhitzte Haufen Juden tot. Der Dragoneroberst, dem Reb Daniel schöne Uniformen gefertigt hatte, sagte: „Reb Scholem geht fort, über die Grenze; Ihr findet überall Euer Brot" und gab ihm hundert Rubel. Den Hausrat kaufte ein Tändler. Nur zwei Kisten mit Kleidern, Büchern und Chanukaleuchter, sowie einer Esrogschale nahm er mit. Die Pässe hatte jener Oberst vermittelt. „Was gibt es gute Menschen," rief der Mann aus, als er uns das alles erzählte, und sprach dazu einen Segensspruch in der heiligen Sprache. Nach Lemberg fuhren sie, Mann. Frau, Kinder. Von da nach Wien und dann hierher. Jetzt hatten sie ein friedliches Dasein. „Nur. daß unseren Kindern ihre Jüdischkeit bleibt, ist meine Sorge," meinte der Vater. Aber da gab es eine Gemeinde Gesetzestreuer. Ihr Führer war der Rabbiner Dr. Ehrentreu. Um ihn sammelten sich so viele brave jüdische Menschen. Auch unser Arzt hatte da seinen Anschluß gefunden. Schemata Rothschild, Frankel und manch anderer angesessener Bürger waren von diesem Kreis und halfen mit Rat und Tat. Ich habe diese wackeren Männer mit der Zeit näher kennen gelernt; liebe Stunden erlebte ich mit ihnen. Es wurde" Frühling, wurde Sommer. Ich trat dem jüdischen Festkreis näher. Mit Ende des Sommersemesters schied der Arzt von uns. Er begab sich an das Institut für Tropenhygiene in Hamburg. Von da ging er nach Südamerika in das jüdische Koloniegebiet. Aber leider war dort seines Wirkens nicht lange. Ein bösartiges Fieber endete, menschlich gesprochen, viel zu frühe eine verheißungsvolle Laufbahn. Mit ihm sei der Friede! Eine Taschenausgabe des Lizzur Schulchan Aruch. In den Jahren 1924—26 hat der Leipziger Rabbiner D. Feldmann den allen so wohlbekannten und vertrauten liiv inVe? iixp des Rabbi Salomon Ganzfried mit vielen Vorzügen (vgl. Vorrede), zahlreichen Zusätzen, vor allem aber in vorher nie gekannter Schönheit und Vollendung und mit nützlichen und teilweise den Text erklärenden Illustrationen versehen, herausgegeben. Soll man es als ein Zeichen der Zeit betrachten, in der die größten Betriebe sich einschränken und verkleinern, daß dieser „Kizzur" nun in verkleinertem, sogenanntem Taschenformat*) erscheint, oder ist es der in allen früheren Verbesserungen bereits verspürbare praktische Sinn des Herausgebers, der ihn zu dieser handlichen und — im Verhältnis zur großen — äußerst billigen Ausgabe veranlaßt hat? Man darf wohl annehmen, daß beide Gründe diese Neuausgabe bewirkt haben. Bei einem Werke wie der dessen Verfasser nicht nur als einer der großen Gelehrten und Verfasser zahlreicher anderer, den Fachkreisen unentbehrlicher Werke bekannt ist, sondern das wie kein anderes hebräisches oder anderssprachiges Buch eine ungeahnte Verbreitung gefunden und die Millionengrenze bereits überschritten hat, ist es fast lächerlich, seine Vorzüge zu rühmen. Daß aber auch die Feldmann'sche Neuausgabe mit all ihren An- ' hängen und Zusätzen eine gleichwertige Aufnahme gesunden hat, beweist am besten der Umstand, daß die ziemlich hohe Auflage von 1924—26 trotz des in der Vorzüglichkeit der Ausstattung und den bedeutenden Kosten der Illustrationen begründeten, aber im Verhältnis zu den einfacheren Ausgaben ziemlich hohen Preises bereits vor fast zwei Jahren ziemlich verbraucht war. Die neue Ausgabe hat also besser, als dies ein Rezensent tun könnte, allein für sich gesprochen. Trotzdem soll der im neuen Format erscheinenden Ausgabe ein kleines Geleitwort mit auf den Weg gegeben werden. Da sie ein genauer Nachdruck der großen ist, hat diese kleine Ausgabe selbstverständlich alle Vorzüge, die jene auszeichnen, und die in vielen Besprechungen, sowohl in diesem Blatt, wie in vielen anderen, in wahren Lobeshymnen von Seiten bewährter Fachmänner zum Ausdruck gekommen sind, und von denen sich die vielen Benutzer dieser herrlichen Ausgabe längst durch deren Gej brauch selbst überzeugt haben dürften. Darüber hinaus > hat der Herausgeber die selbst bei einer noch so gewissenhaften und peinlichen Korrektur, wie sie der ersten Ausgabe zuteil geworden, dennoch unvermeidlichen Druckfehler auf Grund jahrelanger Nachkorrektur verbessert. Er hat ferner diese handliche Ausgabe durch neue wertvolle Zusätze bereichert. So findet der Benutzer auf S. 61 des zweiten Teiles einen man iirn *no der einem wenig bekannten, den meisten fast unzugänglichen Werke des berühmten Asulai («"iw) entnommen ist und manchen Gelehrten, der über die bei der „Hauseinweihung" üblichen „Lern- und Gebetstücke" befragt wird, der Verlegenheit. sie in der einschlägigen Literatur vergebens zu suchen, entheben wird. Als Anhang bringt die Ausgabe eine Zusammenstellung der 613 Gebote (ms» :r»nn) nach Wochenabschnitten und' Wochentagen eingeteilt, und schließlich den punktierten Text des Gebetes für die Reise (n^on Tnn). Als weiterer Zusatz zu den bereits in der großen Ausgabe abgedruckten Talmudtraktaten wird eine Aufzählung der 14 Bücher des maimonidischen Werkes Mifchne Tora, das unter dem Namen „Rambam" bekannt ist, mit-allen ihren Unterabteilungen gegeben. Alle diese Vorzüge, zusammen mit dem handlichen Format, der ebenso geschmackvollen wie technisch vollendeten Ausstattung des Buches, geben der sicheren Hoffnung Raum, daß auch diese Ausgabe sich einer guten Aufnahme erfreuen wird, was wir im Interesse des Werkes selbst und des unermüdlichen Herausgebers und Verfassers herzlichst wünschen. (Der einzige Nachteil ist, daß man recht gute Augen besitzen muß. um den zwar vorzüglich scharfen, aber naturgemäß sehr kleinen Druck zu lesen. Red.). *) Kizzur Schulchan Aruch, Edit. Rabb. D. F e l d m a n n, 3. Auflage. Leipzig—Newyork 5693 bis 1933. Familiennatkrichken. Barmizwoh: Norbert, Sohn des Herrn Bernhard Berlin, Niedenau 43, Synagoge Unterlindau, «n -s naiv miv. — Alfred, Sohn des Herrn Samuel Grünsfeld, Köln, Rheingasse 2 mVm 'orav (3 Dezember), Synagoge „Adaß Ieschurun,,. Papeterie H. OPPENHEIM Mater BEBHMRD_ FRANKFURT H. M„ OBERMAINSTRASSE181 Fernsprecher 48005 gegründet 1864 SPEZIALITÄT: Besuchskarten, Dankkarten in Lithographie, Buchdruck u. Steindruck und sämtliche Familienanzeigen Auf telefonischen Anruf komme sofort mit Muster ins Haus Gleichzeitig Annahmestelle von sämtlichen Familien- Anzeigen für sämtliche Zeitungen speziell Frankfurter Zeitung zu Originalpreisen Wochenkalender. vom 26. Nov. — 3 Dez. 1982 27. Marchefchro. — 4. Kislew 5693 »ai» *n n"*i vinn pnaö ndv »»n Samstag 26 27 na Mauled: Montag früh 9 Uhr 14%, Minuten. Sonntag p 27 psrnnn 28 03 Montag ä 28 29 b fvp niaa oi» ’iv n’iyn Dienstag 29 30 »“?n üNnn '« ai» Mittwoch 30 iVoa 1 ab vin vrr-n 'a öl» Donnerstag Dez. 1 2 Freitag 2 3 -ib Samstag 3 4 nV nnVw 88