Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 47 (17.11.1932)
- Date
- 1932-11-17
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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17. November 1932 Der Israelit Nr. 47 Seite 11 ANNONCEN-BURO JULIUS SCHMIDT FRANKFURT A. M. JETZT OSTENPSTR. 83 einen Fluß, über den eine breite Brücke führte. Auf dem gegenüberliegenden Ende der Brücke stand ein * Sedomiter und sah nach dem Fremden aus. . Da dachte Clieser: Ich will .lieber vorsichtig fein und die Brücke nicht benützen; vielleicht fordert der Wann dort drüben sonst eine große Summe Geldes für die Ueberfchreitung ber Brücke! Und so watete Clieser mit seinem Kamele durch den Fluß. Aber als er das andere Ufer erreichte, fab er zu feinem Erstaunen den Brückenwächter auf sich zukommen. . „Was willst du von mir?" fragte Clieser. „Du sollst mir für die Ueberschreitung des Flusses bezahlen," antwortete der Sedomiter. „Ich dir bezahlen!" rief Clieser. „Ich habe deine Brücke doch gar nicht benützt!" „Darum mußt du bas Doppelte entrichten," antwortete der Brückenwächter. „Wer über die Brücke geht, zahlt vier Susim, wer aber unfern schönen Fluß durchquert, muß acht Susim bezahlen!" Aber Clieser weigerte sich, ihm das Geld zu geben. Da fing der Sedomite an, ihn zu schlagen und verletzte ihn im Gesicht, so daß er blutete. „Komm mit zum Richter, Fremder," schrie er, „da wirst du schon verurteilt werben, mir das Geld zu bezahlen." Also schleppte der Sedomite Clieser vor den Richter, dessen Rame war Rav Scheker» und erklärte ihm die Sache. „Du bist schuldig, die acht Susim zu bezahlen," bestimmte der Richter. vergebens' machte Clieser Einwendungen. Als er erklärte, daß ihm doch eigentlich alle Bewohner Sedoms dankbar sein müßten, lachte ihn der Richter aus und sagte: „Dankbarkeit und Menschenliebe kennen wir hier nicht; wenn du es wagst, dich zum Könige zu begeben, wirst du bestimmt sofort zum Stadttor hinausgejagt und all deine Habe wird dir abgenommen. Also zahle deine Schuld an den Brückenwächter und sei zufrieden." „Aber dann soll er auch eine Strafe bekommen, weil er mich so schlug, daß mein Blut floß," ries Clieser. „Du hast Blut verloren?" fragte darauf der Richter. „Run, so zahle ihm noch l 0 Susim zum Lohn, daß er dich von deinem bösen Blute befreit hat und dich zur Ader ließ!"*) Als Clieser dies Urteil hörte, hob er flink einen Stein vom' Boden auf, warf ihn gegen Rav Scheker und verletzte den Richter, so daß er blutete. „So," sagte Clieser, jetzt habe ich von dir 10 Susim zu fordern; du magst sie aber gleich diesem Seöomiten geben, damit ist dann meine Schuld bezahlt!" Und damit verließ er den staunenden Richter. Run konnte Clieser sich endlich zu Lot begeben, das war der einzige Aleusch in der Stadt, der' einen Gast freundlich aufnahm und bewirtete. Alle anderen Einwohner von Sedom waren hartherzig und grausam gegen jeden und manch armer Wanderer, der sich unglücklicherweise in die Stadt Sedom verirrt hatte, hatte das schon mit dem Tode büßen müssen. Auch in Lots Hause war es Lot allein, der für den Gast sorgte, wie er es bei seinem (Onkel Awrohom gelernt *) Man meinte früher, das Ablassen von Blut sei ein Mittel gegen Krankheiten. hatte. Cr bereitete dem Gaste selbst die Rlahlzeit, buk ihm das Brot, denn Lotos Frau half, nicht dabei, wie es Sara zu tun pflegte. So konnte Lot seinem Gaste nicht allzuviel Gutes anbieten. Da hörte Clieser, daß am gleichen Tag im Gasthause Sedoms ein großes Gastmahl stattfinden würde und er'wollte gern auch daran teilnehmen. Erschreckt riet ihm Lot davon ab und erzählte, daß es in Sedom sehr streng verboten sei, einen Fremden zum Wahle einzuladen. wenn es jemand doch tue, würde man ihm zur Strafe sein (Oberkleid ausziehen und ihn wegjagen! Und wie schlecht erginge es erst dem Fremden, der es wagte, sich ungebeten einzuschleichen! - Aber unbekümmert um die Warnungen Lots begab sich Clieser in das Gasthaus und setzte sich mitten unter die Gäste. Da fragte man ihn: „Wer hat denn dich eingeladen?" Sofort deutete Clieser aus seinen Nachbarn zur Linken und sagte: „Dieser hat mich ein geladen!" Cntsetzt sprang der Betreffende auf, und ans Angst, daß man dieser Verdächtigung Glauben schenke, warf er gleich selbst sein (Oberkleid ab und entfloh. Da aber sagte Clieser: „Ich irrte mich; jener dort hat mich eingeladen!" Und auch jener Sedomite verließ eiligst das Gasthaus. Und wieder sagte Clieser: „Und auch dieser hat mich aufgefordert", und noch einer der Gäste lief aus dem Saale. Und so machte es Clieser bei noch einem und ebenso beim fünften und sechsten und immer weiter, bis schließlich aus Furcht, ebenso in verdacht zu geraten, alle das Gasthaus verließen. Run saß Clieser allein bei dem reichen Wahle und ließ es sich recht gut schmecken! Danach aber verließ er die böse, ungastliche Stadt und kehrte zu Awrohom zurück. Cr berichtete ihm seine Erlebnisse und am Schluffe seiner Erzählung sagte er: „Roch bewahrt Lot die guten Lehren, die er bei dir empfangen hat, doch die schlechte Gesellschaft ist sehr gefährlich für ihn — wenn er noch lange in dieser Umgebung lebt, wird sie ihn verderben!" — Aber schon war voll die Sündenschuld der Leute von Sedom und schon nahte ihr Untergang. Papeterie H. OPPENHEIM Inhaber BEBHHflRD Fernsprecher 48005 gegründet 1864 SPEZIALITÄT: .. Besuchskarten, Dankkarfes? in Lithographie, Buchdruck u. Steindruck und sämtliche Familienanzeigen Auf telefonischen Anruf komme sofort mit Muster ins Haus Gleichzeitig Annahmestelle von sämtlichen Familien- Anzeigen für sämtliche Zeitungen speziell Frankfurter Zeitung zu Originalpreisen Anf dem Berge Moriah. Tiefe Stille lag über dem Berge Woriah. Seit zwei Tagen schon mieden alle Tiere den heiligen Berg, aus dem eine feurige Wolkensäule ruhte. Der alte weise Adler, der hoch oben am Berge seinen Horst hatte und weithin sah und vieles voraussah, hatte den Tieren des Waldes verkündet, daß G'tt den alten Abraham hierherführen würde. _ „Was will er auf unsenn Berge?" fragten die Tiere. „Cr soll seinen einzigen Sohn hier zum Opfer darbringen," erwiderte der Adler. „Und wird er wirklich dies Gebot erfüllen?" riefen die Tiere durcheinander. I,Cr hat den festen Willen, G'tt zu gehorchen," prach der Adler feierlich, „aber G'tt wird das (Opfer nicht^zulaffen; schon vom Anbeginn her, schon seil den Tagen, der Schöpfung ist bestimmt, daß ein reines Tier statt dem Iizchok geopfert werde." „was für ein Tier?" flüsterten alle fragend. „Ein junger Widder wird es sein," sagte der Adler. Zitternd gingen die Tiere auseinander und standen von ferne; nur die Herde der wilden Schafe, die zwischen den Steinblöcken der Halde hausten, blieben in erregter Erwartung an ihrem Platze. Da sah auch der 2ldler schon den hochgewachsenen Greis mit seinem Sohne herannahen. Schweigend bestiegen sie zusammen den Berg. Run erreichten sie den Gipfel, die Stelle, wo die großen Steinblöcke lagen. Abraham nahm von den Steinen des (Ortes und baute sich einen 2lllar; bebend sahen aus ihrem verstecke die alten Schafe und jungen Böcke dem Werke zu. Run schichtete Abraham das Holz — mm band er seinen Sohn — nun erhob er das Wester,! sollte das Opfer wirklich ausgeführt werden?! Da ertönte die Stimme des Engels vom Himmel! Immer unruhiger harrten die alten Schafe des nächsten Augenblicks — immer aufgeregter zitterten die jungen Widder in der Erwartung — wer wird ausersehen an Stelle des Wenschen? Da plötzlich ein Rascheln — ein knacken von brechenden Zweigen im Dornenstrauch — ein paar Hörner werden sichtbar im Gestrüpp — aller Augen wenden sich dorthin — ein fremder Widder erscheint. Ein Widder, den niemand je gesehen hatte unter der Herde! Da erblickte auch 2lbraham den Widder, dessen Hörner die Dornenzweige festgehalten hatten, und ihn opferte er auf dem 2lltar. Stumm vor Staunen druckte sich die Herde enger zusammen. Cin Wunder war geschehen! Und nun hörten sie auch die Stimme des Adlers aus den Lüften: „Nicht einer von euch war bestimmt zum Opfer. Schön am sechsten Schöpfungstage kurz vor dem mw schuf G'tt diesen Widder für den heutigen Tag. 2lber auch ihr anderen Böcke dürft noch dienen zur Chrung des Herrn. 2lus widderhörnern werden die Töne erklingen, wenn G'tt feine heilige Thora dem Volke gibt, das von dem jungen Iizchok abstammen wird. Da werdet auch ihr beitragen zum heiligen Werke für G'tt und die Wenschen!" Die Ausgabe für die Kleineren wurde von so wenig Kindern gelöst, daß ich glaube, die meisten Kinder haben sie in der ni2iv-Nummer übersehen, weil sie ein bißchen verlassen auf der nächsten Seite stand. Die Frage lautete: Sagt man in diesem Jahre öfters Ganz-Hallel oder Halb-Hallel? Sollten das wirklich nur drei Kinder unter allen Kindereckenlesern herausbekommen haben? Aron chorovitz, Frankfurt a. M. und Selma und Judith Feist, Eaubonne haben die Aufgabe schon richtig gelöst — wer kann's noch? RSksel. Aus den Buchstaben u- 2. 1, 1. > 1. 1, 1. > n, n, \ 3, b> b, v' v, n' o, 3, y, y- 2. 1/1. 1. V. sind sieben Wörter zu bilden, deren Anfangsbuchstaben von oben nach unten gelesen den Namen eines Königs aus alter Zeit ergeben. Die zu suchenden Wörter haben folgende Bedeutung: 1. König von Persien. 2. König von ganz Israel, 3. König von Syrien, 4. König, der in den Sprüchen Salomos vorkommt, 5. König von Bafchan. 6. König von Israel. 7. König von Juda. (Sämtliche Königsnamen kommen in Tnach vor.) Wochenkalender. vom 19. - 28. Nov. 1892 ' 20. - 27. Marchcfchwan 8693 ’I3V tp m Samstag 19 20 82 NI'1 Sonntag 20 21 22 Montag 21 22 Ä2 ’a» n’jjm Dienstag 22 23 *72 Mittwoch 23 24 f!2 Donnerstag 24 25 12 'v'vn ri'LNN Freitag 25 26 T2 ßnfin P212N nbv "N Samstag >26 27 N2 Mauled: Montag früh 9 Uhr 14»/m Minuten Verantwortlich für den allgemeinen Teil und das Feuilleton S. Schachnowitz,Frankfurta.M>;Inseratei.B.:S. SÄachnowitz, ebenda. — Für die pädagogische Beilage: Lehrer L. Kaufmann, in Sprendlingen (Kr. Offenbach). — Verlag oes Israelit und Hermon G. m. b. H., Frankfurt g. M. — Druck Hermon Druckerei, Frankfurt a. M 5555