Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 47 (17.11.1932)
- Date
- 1932-11-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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*r cm «h, 17. November 1932 FMNksUrt tl. M., vktt 18. Marcheschwan 5693 Nr. 47 1 ' %*: ff« ASousmeut aS Juli ISA: Deutschland ILO Mark «ouatlich;! Ausland: Mertel» tahrpreise (e»tspreche«d de« deutschen Inlandspreis rnrügltch Koste» der Ttreifdand-Uer- ' ' " " ' ~ Dollar; England 4 sh.; ab 1 Juli Ingo» ______ ___ . . . . - <S»lv» mark iuä Lägeskurr oder 7 Zlötq- Schweir 6 Fr.; Tschcch«»Slow«lei LS Kronen; Nngnrn PengS 8 ab 1. Juli 1997; D8«e««rk 8.50 Kro«.; Norwegen 8.80 «rou.; Schweden 8.60 «ron. Li»relnu««ter vierrig Eowpfennige. | f _ ■ 50 (Soldyf. für dir stebengesp alten« Israelit erscheint jeden Donnerstag. Verlag des Israelit 4. t*. sow. durch sä«tl. Annoncen» Geschäftranr.: Jul. Schmidt. Ostendstrahe 88 Tel. 4S8SS. Hansa 91084 _ - . für Uran». Platzvorschr. ohne Berdindlicht. . _ direkt an rarschau Nr. 190757. an: Postsparkasse Äten Nr. 79608. —Postsparkasse»»«! Budapest Nr. 18494.—Postscheckkonto — Postscheckamt Prag Nr. 78.0^— Rumänische Kreditbank Bukarest und ihre samt!- Filiale« stch ergeöeudeu Zahlungsoerpsttchtuugeu ist Frankfurt «. M. cü * :‘r Erneuern Sie sofort beim Postboten die Bestellung auf den „Israelit“ für den Monat Dezember Wird dies versäumt, so . tritt eine Unterbrechung der Zusendung ein, ohne daß wir selbst Kenntnis davon erhalten. Für verspätete Bestellungen rechnet die Post einen Aufschlag von 20 Pfg, Verlag des Israelit G.m.b.H., Frankfurt a.M« Der Mnfjahresplan zur Bekämpfung der Religion (Peutilet). Zwei Wege hatte Sowjet bei seinem konzentrischen Angriff auf die alte Weltordnung. Alan konnte die materiellen Grundlagen der Welt erschüttern, durch eine Verwirrung der wirtschaftlichen Voraussetzungen, in Dumping und anderen Methoden eine Verelendung herbeiführen, die gesamte Politik durch ökonomische Gesichtspunkte beherrschen und verwirren undso den Boden vorbereiten, auf dem sich die Wünsche einer vollständigen Umgestaltung treffen. Alan konnte aber auch persuchen, die.geistigen Voraussetzungen der alten Weltopdnung zu treffen, um eine Weltanschauung zu erzeugen, welche die grösste, wenn nicht, einzige Glücksmöglichkeit, in der bolschewistischen Auffassung der Dinge, zeigt. In dieses Gebiet gehören die Angriffe gegen, die Religion. Bisher wurde der Anschein erweckt, als ob dieser Weg privater, allerdings äußerst wohlwollend geduldeten Initiative überlassen würde. Run aber ist feierlichst proklamiert, daß der Sowjetstaat als solcher diesen weg programmatisch zu den seinen macht. Das ist der Sinn des neuen Fünfjahrplans. Man weiß, daß es unmöglich ist, dagegen irgenl etwas von der Peripherie zu unternehmen und kam nur betend hoffen, daß die Märtyrer der alten Weltordnung aufrecht und unentwegt auch diesem Ansturn begegnen. Wir wissen, die Thora wird auch'in jener alten, ehrwürdigen Heimstätten nicht gänzlich untergehen, und wenn sie mit der Grausamkeit des Fanatismus vertrieben wird, sie wird zurückkehren. Aber es ist ja ebenso bekannt, daß diese Bewegung ihre Arme weit über die Grenzen Sowjets, hinaus streckt und überall in der Welt Wurzel zu schlagen begonnen hat. Ls ist feige und verantwortungslos, die Augen dagegen zu verschließen. Das geschieht ja auch nur in j ü ö i s ch e n Kreisen. Die Bekenner anderer Religionen rühren sich; sie raten, sie taten. Doch es sei wiederholt, es gilt keineswegs einer'Ausstrahlung dieser Arbeit nach Sowjet, es gilt uns und der Lrhaltung unserer Kinder. Ls genügt aber nicht, die Gefahr zu zeichnen. Cs ist ernstlich zu überlegen, was man tun kann, wie man den Menschen an Stelle einer Gottlosigkeit eine G ' t t e r f ü l l t h e i t bringen kann. Auch wir müssen uns zu einem peutilet entschließen, auch wir müssen einen Fünfjahrplan entwerfen. War doch der aus dem Osten brausende Sturm nicht der erste Anprall gegen die G'ttesnähe unserer Generation. Ist doch der „peutilet" für den tiefer Blickenden nur eine Krönung des Werkes von Voltaire und des,.l'Komme machine“ die willige Hingabe so vieler Juden an diesen plan eine logisch notwendige Konsequenz dev hewstatischen Taten von Holdheim und Konsorten. Aber es ist tatsächlich merkwürdig, so lange schon währt diese Periode und mit Ausnahme einer relativ kleinen Renaissancebewegung der Orthodoxie ist gar nichts, gar nichts geschehen. Man kann natürlich im Rahmen eines . Artikels nicht unseren ganzen Fünfjahrplan darlegen. Rur weniges kann jetzt schon gesagt werden, Kapitelüberschriften. . Cs müßte pro primo ganz schonungslos aufgeklärt werden, wo denn diese erschreckend große Empfänglichkeit unserer zentral- und westeuropäischen Jugend für die Gottlosenidee herrührt, denn, daß sie vorhanden ist, kann nicht bestritten werden. Man wirb die Geradlinigkeit des Weges finden, der von dem Gvgium der Angriffe auf C m u n a s'L h a ch o m i m (genannt: Reform) bis zu öen Grqien der Iewsekti a führt. Das wäre. vorbereitende Arbeit. Weiter, man müßte erkunden von der Kleinzelle der Familie angefangen, welche.-jungen Menschen bereits von einer Hinneigung erfaßt sind, Aufgabe aller lehrenden Kreise, sich das erschütterte vertrauen der Heranwachsenden Generation zu erwerben. Denn es -droht, verloren zu gehen. Mit der Cmunas Lhachomim ging auch die Autorität des lebenden Lehrers dahin. Zum mindesten die jüdischen, zum mindesten die orthodoxen Schulen müßten Crziehungsanstalten sein wollen. Zu unserem Fünfjahrplan gehört daher unbedingt eine erstmalige Konferenz, daraus resultierend aber ein stetiger Zusammenhang des Gedankenaustausches zwischen den Leitern und Lehrern der orthodoxen Schulen, beileibe durchaus nicht nur der Lehrer für „Religion". Ist doch sicher ein gut Teil der Prädisposition für die Gottlosenlehre daraus zurückzuführen, daß man auch in vielen Schulen G'tt in die „Religion", d. h. in den Religionsunterricht verwiesen hat. Ls wäre u. L. A u f g a b e d e s K eren Hathora, hier führend zu sein, wobei wir allerdings voraussetzen, daß Keren Hathora nie vergessen wird, das erste Cinfallsgebiet dieser Gefahr, also Polen und seine Schulen, Polen und seine Ieschiwoth stetig und emsig zu betreuen. Keren Hathora hätte nicht in Demonstrations-, sondern in Arbeit»- k o n f e r e nz e n diese Materie zu behandeln. Mit Ausnahme der Sinaiworte hat der Allmächtige seine Worte und seinen Willen durch Menschen an die Menschen herangebracht. Ls gilt nun, diese Bringermenschen der Welt auch menschlich nahe zu bringen. Deshalb — stets befinden wir uns noch im Vorbereitungsstadium, — eine gefällige, moralinfrcie und stilistisch geschmackvolle Literatur für -die Heranwachsende Jugend schassen, wenn der Ausdruck gestattet ist, eine m o r a l i n f r e i e C r - z ä b l u n'g s r e i h e. Die -Jugend muß es gerne lesen und auch der gereifte Mensch daraus Anregung gewinnen können. Doch um' des Himmels willen keine Polemik, aber ebenso um des Himmels willen keine Konnivenz. viel, viel ist gesündigt worden durch die Richtbeachtung des: f'v rnrwv? mm isv- Mehr braucht darüber einstweilen nicht gesagt ,zu werden. Cs dürfte auch gut und notwendig sein, wenn man junge Menschen, die bereits von der Epidemie ergriffen sind, -in gesunde Umgebung bringt,- Geht -das aus materiellen oder anderen Gründen nicht, so sind Ferienaufenthalte bei gefesteten Menschen ins Auge zu fassen. Selbst die Ferienkolonien — Lsra verzeihe uns diese Meinung — müßten von einem autoritativen Menschen betreut sein. Und wo bleibt, so hören wir fragen, das soziale Moment? Gewiß bedarf es unenöllch viel positiver Arbeit auf diesem Gebiete und es dürfte bald zur Linsicht der wirtschaftlich interessierten Kreise und wirtschaftlich führenden Kroise kommen, daß in den Wirtschastsfragen nicht blinde Dynamik obwaltet, sondern ein unlöslicher Zusammenhang besteht zwischen Lebensauffassung und wirtschaftlichen Betätigungsformcn der Menschheit. Ls liegt in unserem