Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 41 (6.10.1932)
- Date
- 1932-10-06
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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6. Oktober 1932 Der Israelit Aufruf erließen, zwecks Bereitstellung von Mitteln für die arabischen Opfer der Unruhen. Es zeigt die Tragik der jüdischen Situation auch im islamischen Galuth, daß der arabische Hilfsfond des Mufti mit nicht wenigen Geldern der irakischen jüdischen Oberschicht gespeist wurde. Bei der Eröffnung des irakischen Parlaments im Jahre 1930, der ich beiwohnen konnte, war Saffoon einer der vier jüdischen Abgeordneten, und es war ein unvergeßlicher Anblick, als nach der feierlichen Thronrede des Königs Faifal die aristokratische Gestalt von Jech. Sassoon sich auf den Präsidentensitz begab, um als der Aelteste das Parlament bis zur Wahl des Präsidiums zu leiten. Noch in den letzten Jahren war er der stete Berater des Königs Und der Regierung in allen Fragen wirtschaftlicher und finanzpolitischer Art. An dem Zustandekommen der neuen irakischen Währung hatte er einen bedeutenden Anteil: Er war ausersehen, nach erfolgtem Eintritt Iraks in den Völkerbund, die Vertretung, des Landes in Genf zu übernehmen. Keinen besseren hätte das junge Königreich Irak für diesen Posten wählen können. Am Vorabend des Eintritts Iraks in die Familie der Völker jedoch schloß Saffoon seine Augen. In der Liste jüdischer Staatsmänner großen Formats wird auch stets seiner zu gedenken sein. Sprechfaul Erez Iisroel-Esrogim! Sehr geehrte Redaktion! Auf die im Sprechsaal Ihrer Nummer 40 gemachte Berichtigung auf meine Einsendung in Nr. 35 Ihres geschätzten Blattes gestatte ich mir folgendes zu erwidern: 1. Ich bin bereit, den Nachweis für meine Behauptung zu erbringen, daß die Hälfte des Bedarfs an Esrogim im Jahre 1931 in Deutschland durch Erez-Jisroel-Esrogim gedecht worden ist. Der Herr Einsender hat entweder keinen Einblick hinsichtlich des Umsatzes der Erez Iisroel-Esrogim, die nach Deutschland kommen, oder er hat eine bewußte Irreführung beabsichtigt. Im vergangenen Jahre habe z. B. ich für meinen Teil 60 Prag. meiner Esrogim aus Erez Jisroel bezogen. 2. Nach Triest brachten im vergangenen Jahre die Griechen 70 000—80 000 Esrogim. während in diesem Jahre noch nicht 60 000 am Markte waren. Was der Herr Einsender von 10 000 Palästina-Esrogim am Triester Markt berichtet, entspricht wohl den Tatsachen. Aber nur insofern, daß außer diesen 10 000 Esrogim 90 Proz. aller Palästina-Esrogim direkt ab Jaffa an die Kunden versandt werden und am Triester Markt überhaupt nicht in Erscheinung treten. So haben auch meine Sendungen an Palästina-Esrogim mit dem Triester Markt nichts zu tun. Während die griechischen Esrogim ausnahmslos ab Triest gehandelt werden, versenden die' palästinensischen Händler. — wie vorstehend erwähnt — den größten Teil der Jaffa-Esrogim direkt an ihre Kunden in den einzelnen Ländern. Daher erklärt sich auch, daß in Triest die Griechen ein mehrfaches an Geld einnehmen. als die Jaffahändler, weil die Griechen dort ihre gesamte Ware, die Jaffahändler aber nur ein Bruchteil ihrer Ware verkaufen. 3. Was nun die Palästina-Esrogim im Allgemeinen anbelangt, wäre es doch sonderbar, daß sämtliche, bisher an die langjährigen, renommierten Händler in Jaffa erteilten wivan Fälschungen sein sollten. Ich. glaube nicht, baß z. V. der verstorbene Rabbiner Sonnenfeld b'si seinem intimsten Verwandten einen falschen ivon ausgestellt haben soll. Auch glaube ich nicht, daß z. B. die Pflanzungen der Kolonie von der z. V. meine Esrogim stammen, von Arabern bearbeitet werden. Ich möchte zum Schluffe noch bemerken, daß die allgemein gehaltenen Verdächtigungen gegen die Palästina- Händler in Jaffa doch etwas stark nach Konkurrenzmanövern ausfehen und ist es meines Erachtens doch nicht angebracht, in dieser Form für Palästina zu werben. Wie oben erwähnt, bin ich bereit, für sämtliche Behauptungen, die in meinen Zuschriften enhalten sind, den Wahrheitsbeweis anzutreten und die entsprechenden Nachweise zu erbringen. Frankfurt a. M.A. Rothschild. Personalien. Zum 90. Geburtstag von Rabb. Dr. Kahn in Wiesbaden. Wiesbaden, 20. Sept. Am 3. Tifchri des eben beginnenden Jahres tritt n'v2' Rabbiner Dr. Kahn in Wiesbaden, ungebrochenen Geistes und in erfreulicher körperlicher Frische, in das neunte Jahrzehnt seines gesegneten Lebens. Seine Gemeinde und darüber hinaus die deutsche Judenheit denkt an diesem Tage der ehrwürdigen Persönlichkeit eines Mannes, der sein ganzes Leben der Erhaltung und Erstarkung des überlieferten Judentums gewidmet hat, und dessen Wirken mit der Geschichte der religiösen Auseinandersetzung in Deutschland im letzten Drittel des vergangenen Jahrhunderts eng verknüpft ist. Im Jahre 1869 gründete der junge Rabbiner in hartem Ringen gegen die Reform jener Zeit, welche Katechismus und Konfirmation als Angelpunkte der religiösen Erziehung erklärte, die „Altisraelitische Kultusgemeinde zu Wiesbaden", welcher er Lebensraum und Lebensrecht zu erkämpfen verstand. Uns Heutigen erscheinen die Kämpfe jener Epoche fremd und unverständlich; damals waren sie bittere Notwendigkeit^ bis die gesetzliche Anerkennung der Austrittsgemeinden ihnen die freie Entwicklung gewährleistete. Die von Dr. Kahn gegründete Gemeinde war die erste, der dieser Erfolg beschieden war. > Die Errichtung des eigenen ni-npn wo der Altisraelitischen Kultusgemeinde war eine Tat, die allgemeine Bewunderung erregte. Wie in jungen Jahren verbindet noch heute Rabbiner Kahn in seinem Charakter die strengste Grundsätzlichkeit in religiösen Dingen mit dem lebenswürdigen Charme einer innerlich gütigen, warmherzigen Menschlichkeit, der nichts Menschliches. fremd ist; er ist ein Mann, der in : -■■■ . ' ' .f. Rabbiner Dr. Kahn. Unterricht und Predigt zu verkünden nie aufgehört hat: „Jude sein heißt Mensch sein und wer kein guter Mensch ist, kann kein guter Jude s e i n." Als Mensch von grenzenloser Bescheidenheit, als Prediger von hinreißender Beredsamkeit, als Lehrer von begnadeter Klarheit und anregendster Mitteilungsgabe, hat Dr. Kahn fast drei Generationen mit der Liebe zum angestammten Judentum erfüllt und ursprünglich steinigen Boden empfänglich gemacht für die Saat der G'tteslehre. Neben seiner Gemeinde, die ihn liebt, entbieten weiteste jüdische und nichtjüdische Kreise, die ihn verehren, dem Nestor der deutschen Rabbiner Dank und herzlichen Glückwunsch! r nw wivvi rm» iy Rabbiner Dr. Felix Lanier Zwillau, 26. Sept. Am 16. September begleiteten wir unseren hochverehrten Rabbiner Dr. Felix Kanter unter Beteiligung der ganzen Stadt zur ewigen Ruhe. Den Lesern ist Rabb. Dr. Kanter als langjähriger Mitarbeiter des „Israelit" wohlbekannt. Aber auch hierzulande wurde sein immenses Thorawissen gebührend eingeschätzt und man zählte ihn zu den hervorragendsten Kennern des Talmuds. Der Rabbinerstand verliert in ihm einen treuen Vorkämpfer des Judentums, feine Gemeinde einen väterlichen Lehrer und Erzieher. Mehr als drei Jahrzehnte wirkte der große Dahingeschiedene in Zwittau und sicherte sich sowohl bei den Glaubensgenossen, als auch bei Andersgläubigen ein ehrenvolles Andenken. An seiner Bahre sprachen vor einer Riesenmenge Herr Rabbiner Glaser aus Brünn; unter Tränen nahm er von dem hervorragenden Kollegen Abschied: Herr Stein sprach im Namen des Vorstandes seinen nie schwindenden Dank aus. Sodann ergriff Herr Rabbiner Reich aus Boskowitz. einer der wenigen orthodoxen Rabbiner in Mähren, das Wort, um im Namen des Rabbinerverbandes die Größe des Verlustes in innigen Worten zu beklagen. Das Schlußwort sprach ein Schüler. Unsere Gemeinde ist verwaist: in betrübter Stimmung gehen wir den waiv ww entgegen. rraxan. Sonta, 30. Sept. Zu dem Nachruf in Nr. 40 des „Israelit" auf Viktor Falkenstein in Diemerode ist berichtigend zu bemerken, daß die Gedenkrede vor dem Hause nicht Herr Wiesenfelder, der sich gar nicht mehr hier befindet, sondern dessen Nachfolger, Herr Lehrer R a b e n st e i n. Sontra, gehalten hat. Vermischtes. Frankfurt a. M., 29. Sept. Das chemische Laboratorium Dr. S. Selig und Dr. S. Schnerb schreibt uns folgendes: Veranlaßt durch eine Reihe von Anfragen, die in letzter Zeit an unser Laboratorium gerichtet wurden, geben wir hierdurch bekannt, daß das von der Firma Henkel .u Cie. A. G., Düsseldorf, hergestellte Aufwasch-, Spül- und Reinigungsmittel „Jmi" ohne Bedenken in der rituellen Küche Verwendung finden kann. „Jmi" ist Nr. frei von Seife und anderen in ritueller Hinsicht zu beanstandenden Stoffen, wovon wir uns ständig überzeugen. Eine laufende chemische Dauerkontrolle, die wir im Auftrag der Herstellerfirma ausüben, gibt die Gewähr. daß eventl. Abänderungen in der chemischen Zusammensetzung sofort bemerkt werden. Gemünden, 28. Sept. Am Sonntag, den 25. September, feierte die hiesige Kultusgemeinde die Wiedereinweihung ihrer renovierten Synagoge. Diese ist durch das unermüdliche Bemühen des Herrn Kultusvorstandes Felix B a u m a n n mit allen modernen Errungenschaften der Jnnen-Architektonik ausgestattet. Die neuzeitliche Wandbeleuchtung und die angemessene moderne Malerei machen sie zu einem Schmuckkästchen. Die Feier selbst gestaltete sich zu einem Ereignis nicht nur für die Kultusgemeinde, sondern auch für die ganze Stadt. Nach einer Begrüßungsansprache des Kultusvorstandes. Felix Baumann, in der er ganz besonders betonte, daß diese Feier die erste Amtshandlung des neuen Rabbiners Dr. Ephraim, Bad Kiffingen, in seinem Bezirk darstelle, sang der zweistimmige Chor ttb nö Rach dem darauffolgenden, von Lehrer Weinberg vorgetragenen Psalm ergriff Bezirksrabbiner Dr. Ephraim das Wort zu einer tiefdurchdachten Weiherede. mrsvi vipo ivsi „Und sie sollen mir machen ein Heiligtum, daß ich wohne in ihrer Mitte." Dieses war der Leitgedanke seiner Predigt. G'tt wohnt nicht nur im Heiligtum, sondern er wohnt "oaina-- in „ihrer" Mitte, in der ganzen Gemeinde. Unter dem feierlichen Chorgesang sv» »m wurden sodann die Thorarollen hereingebracht, angeführt von festlich gekleideten, blumenstreuenden Kindern. Nach dreimaligem Umzug unter r<a«-Gesängen von Kantor und Chor wurden sie sodann mit inti’ nmai in die heilige Lade eingehoben. Nach einem Landesgebet und einer Gefallenenehrung, durch den Rabbiner fang der Chor tjioy Sodann hielt Lehrer Weinberg eine Ansprache, in der er u. a. dem Kultusvorstand Felix Baumann für feine aufopferungsvolle Mühe und Arbeit, die er der Zustandebringung dieses Werkes gewidmet hat, den herzlichsten Dank aussprach. Nach der darauffolgenden Ansprache des Bürgermeisters E b e r l e i n sprach Justizrat Dr. Rosenthal aus Wllrzburg als Vertreter des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden. Er betonte ganz besonders, daß es in einer Zeit wie der heutigen eine lobenswerte Tat bedeutet, ein solches Unternehmen durchzuführen. Da der größte Teil des Geldes durch freiwillige Spenden zusammengebracht wurde, so stelle dieses ein schönes Zeichen der Opferwilligkeit der jüdischen Gemeinschaft dar. Als nächste hielt Rabbiner Dr. Ephraim eine Weiherede für die „Ewige Lampe" und das „Jahrzeitlicht", beide von Herrn Kultusvorstand Felix Baumann gestiftet. Zum Schluß sang der Chor pn-Die Feier machte auf alle Teilnehmer einen tiefen Eindruck und wird ihnen in dauernder Erinnerung bleiben. TNönchsrolh, 26. Sept. Ein hoher Genuß war unserer altehrwürdigen Kultusgemeinde beschieden. Gelegentlich seines alljährlichen Besuches erfreute uns Herr Distriktsrabbiner Dr. Munk aus Ansbach mit einer Predigt, die aus der Zeit heraus für die Zeit angepaßt, viel zu unserer Erbauung und geistigen Kräftigung beitrug. Lchopfloch, 26. Sept. Hier wurde die Synagoge erneuert und eine Gedenktafel für die jüdischen Gefallenen der Gemeinde errichtet. Zur Einweihungsfeier am gestrigen Sonntag war das G'tteshaus von Gästen aus nah und fern überfüllt und erstrahlte im althergebrachten Kerzenschimmer. Rach der Festrede des Herrn Distriktsrabbiner gedachte ein Vertreter des R. I. F. der 12000 gefallenen jüdischen Krieger und der vier Helden der Gemeinde. Der evangelische Ortspfarrer freute sich über das harmonische Zusammenwirken der Konfessionen und wünschte ein weiteres Bestehen dieses guten Einvernehmens. Im Damen der Kultusgemeinde dankte Herr Lehrer R o f e n st e i n allen Festteilnehmern für ihr Erscheinen und allen, die zum Gelingen dieses heiligen Werkes beitrugen. Rach dem Schlußgesang Pf. 150 verließ man das im neuen Gewände erstandene 'n na in der Hoffnung, daß der Bestand dieser Gemeinde auch weiter gesichert bleibt. künzelsau, 30. Sept. Das Israelitische Vorsteheramt beging das 25 jährige Jubiläum der Synagoge. Am D’axa na«? fand eine schlichte Feier im. geschmückten G'tteshause statt. Herr Religionslehrer 'Gold stein ließ in seiner Ansprache die Geschichte des Synagogenbaues an dem geistigen Auge der Zuhörer vorüberziehen und mahnte zum Festhalten am altüberlieferten G'ttesglauben und feiner Stätte, dem G'tteshaufe. Seelengebet für die verstorbenen Vorsteher und die Toten der Gemeinde Nagelsberg-Künzelsau, sowie Gebet für Gemeinde und Staat beschlossen die würdig verlaufene Feier. Wir nehmen gern Gelegenheit, unsere Leser auf eine weitere Firma des Obst- und Südfrüchte-Handels aufmerksam zu machen, die Firma A. Königsöhr, Markthalle Hafengaffe Mittelgang, Tel. 25893 (siehe Inserat) welche, unbekümmert um politische Strömungen, das einzig richtige Geschäftsprinzip aufrech erhält: „Jeder Kunde wird aufmerksam und freundlich bedient!" Daran wollen unsere werten Leser also denken. und in der Markthalle Hafengaffe ihre Einkäufe machen nur bei dem altbekannten bestrenommierten Stand von A. Königsöhr (man achte genau auf den Namen).