Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 41 (6.10.1932)
- Date
- 1932-10-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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6. Oktober 1932 Nr. 41 Frankfurt a. M„ den 6. Tifchri 5692 Begründet von Dt. Lehmann in Mainz. r* r r< 11 ’LL ■■■■: » .... m VlbomreNent ab Juli 1839: Deutschland 1.30 Mark monatlich; Ausland: Bterteltahrpreise (entsprechend dem deutschen Inlandspreis zuzüglich Kosten dos Streifband-Versandes) Deutsch-Lsterreich: Schilling 6.—; Amerika 1 Dollar; England 4 sh.; ab 1 Juli . Frankreichs Fr.; Belgien ab 1.7.87. Belgab. Holland 3fl.; Italien ab 1.1.38.18Lire; Ingo»,: slavien 55 Din.; Litauen 750 Lit.; Rumänien ab 1. 7. 37.150 Lei; Polen 4 deutsche Goldmark zum Tageskurs oder 7 Zloty: Schweiz 5 Fr.; Tschecho-Slowaksi 35 Kronen; Nngar» . Pengo 5 ab 1. Juli 1937; Dänemark 3.50 Krön.; Norwegen 3.50 Krön.; Schweden 8.50 Krön. - ■ . Einzelnummer vierzig Goldpfennige. ■ Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 50 Toldvf. für .die siebengespaltene Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahlen bet Stellengesuche» und Familienanzetgen nur 40 Pf. Die 75 mm breite Rettamezette. letzte Textseite 3.- Mk.. vorletzte Textseite 350 Mk.; Thtffregebühr in Höhe eines dopp. Fernbriefportos. Rabatt nach Tarif. Bei laufende» Jnserätauftragen tarifm. Preiserhöhung jederz. Vorbehalt. Jnseratettannähme durch den - Verlag des Israelit ®. m. o. H., Frankfurt a. M, Rechneiarabenstratze 7, Tel. Hansa 81084 s0w. durch sämtl. Annoncen-Exped. d. In» und Auslands. Alleinige Jnferatenann. für Franks. Geschäftsanz.: Jul. Schmidt, Ostendstraße 83 Tel. 43866. Plätzvorfchr. ohne Verbindlichk. Zahlungen direkt an den Verlag auf Postscheckkonto Frankfurt (Main) Nr. 19803. — Augerdem an: Postsparkasse Wien Nr.79 605. —Postsparkassenamt Budapest Nr. 18434.—Postscheckkonto Varschau Nr. 190757. — Postscheckamt Zürich Nr. VIII7254. — Postscheckamt Amsterdam Nr. 34889 — Postscheckamt Prag Nr. 79.080 — Rumänische Kreditbank Bukarest und ihre sämtl. Filialen Der Gerichtsstand für alle aus Abonnements oder aus Inseraten stch ergebenden Zahlungsverpflichtungen ist Frankfurt a. M. Der Weg zurück. 3m Anschluß att das jwniv©ebe't,- das durch feinen erschütternden Inhalt und seine fagenumsponnene Geschichte zu einem der heiligsten Gebete unserer ganzen O'nyu v'»'-Liturgie geweiht wurde, rufen wir das Wort aus, das vielleicht mehr als alle unsere anderen Gebete von der Kraft ernstester Vornahme zur Höhe getragen wird: •nrun sn ns pray» npixi nVsm nawm Dies wort, dessen Sinn uns beschäftigen soll, finden wir im Ieruschalmi. Dort heißt es in Taanis, perek 2, Halocho I, wie folgt: Rabbi Clieser sagte: Drei Dinge heben das böse Verhängnis auf: Gebet, Liebestat und Rückkehr zu G'tt. In einem Schriftvers ist dies angedeutet: „Und es demütigt stch mein Volk, auf dem mein Rame genannt wird und sie beten" — dies ist ein Hinweis auf das Gebet — „und sie suchen mein Angesicht" — dies ist ein Hinweis auf die Zdoko, denn so heißt cs: „Ich, durch Liebestat schaue ich dein Antlitz" — und sie kehren um von ihrem bösen Wandel" — dies ist die Tschuwo — wenn sie dies tun, dann so schließt der Vers: „ich erhöre -sie vom HimMel, vergebe ihre Sünde und heile ihr Land." Zu Salomo, nachdem er öas Heiligtum geweiht hat, spricht G'tt dies Wort in der nächtlichen Erscheinung und lehrt ihn also, daß nicht das Heiligtum an sich, mag es prunkvoll wie immer sein, daß die Gesinnung der Menschen, sie ganz allein, G'ttes Rähe bringt und verbürgt. Ein ähnliches Wort findet stch auch in unserem Talmud Bawli. In Rausch Haschono (16b) sagt Rabbi Irzchok: vier Dinge zerreißen das böse Verhängnis des Menschen: •nmnn »lun 'wn 'vw 'Npvrr 'npnx Leide Worte mögen vielleicht das völlig Gleiche besagen. Denn npirX' Aufschrei zu G'tt aus dem tiefsten Innern, das ist Gebet; denn NVN» 'lat? völliger Wandel der Tat, öas ist naiwn« Und wn '1U7 bedeutet wohl nicht nur formale Aenderung des Ramens, sondern darüber hinaus völlige Wandlung des Wesens, wie sie eben npnxi n^rm nawn richtig verstanden und geübt, bewirken sollen. Wie dem auch sei, wir wissen es alle; nawn 'H^sn und npnx sind gewaltige, -den Menschen durch und durch aufrüttelnde, schicksalformende Kräfte. Aus unserem Machsor ist uns geläufig, daß mit diesen drei Begriffen gewisse Vorstellungen verbunden werden. In allen unseren Machsorim steht klein gedruckt über naiwnmX' über n^sn^>lp,übernpnLv^ Gewiß, daß mit diesen Kennzeichnungen nur der AAg, nicht aber das Ziel angedeutet -werden soll. Zu voller' Tschuwo' gelangt der Mensch nur, wenn er sich von allen äußeren Beziehungen, Bindungen und Rotwendigkeiten des Lebens frei machen kann. Im Fasten, in völliger Bedürfnislosigkeit, gelangt das zu sichtbarem Ausdruck. Der bedürfnisloseste Mensch, er ist der von allen Hemmungen und Störungen freieste. Cr sollte darum am leichtesten den weg zu G'tt finden, der so oft verrammelt ist durch die Ansprüche des Diesseits, durch die Ansprüche an Genuß, Behagen und gesellschaftliches Wohlleben. Fasten an sich aber, das ist gewiß nicht der Sinn und das Ziel -dernawn^; Zu rechtem Gebet gelangt der Mensch nur, wenn aus tiefstem Herzensgrund der Aufschrei zu G'tt erfolgt, wenn aus suchender, vor Sehnsucht fast verschmachtender Seele der Ruf zu G'tt steigt. Das Schreien an und für stch, die äußere Kraftentfaltung selber, das ist gewiß nicht Sinn und Ziel des Gebets. Und schließlich: Geld als Ausdruck der Zedoko. Da weiß jeder, daß die Mittel nur die Mittel sein kpnnen, daß gerade hierbei nach der Herzensabsicht, nach ihr allein, die Dinge gehen: _ •D,n:nn jn jn a^>n ruia an# . Lschuwo, ist nicht Fasten, denn G'tt spricht ja am Iomkippur durch den Propheten zu uns, was dem Fasten erst seinen Sinn und Feine Deutung gibt. ... •marm mx nt KVn Tefillo ist nicht Schreien, denn der Chano Gebet, dem -die Menschheit einen Schmuel verdankt, war ein leises Flüstern. Zedoko i st nicht Geld. „Mein ist das Silber, mein ist das Gold, spricht Gott". Die mürrisch gegebene große Gabe wird von dem gütig gespendeten Pfennig tausendmal ausgewogen. Cs kann sich bei diesen Kennzeichnungen also nur um einen Hinweis handeln, um die Andeutung von Möglichkeiten, zum Ziel zu gelangen. Aber das Ziel selber? Ziel der Tschuwo, die so groß ist, daß sie bis an die Himmelspforten reicht, der Tefillo, nach der, aus des Zaöiks Mund gesprochen, G'tt sich sehnt, der Zedoko, die Erlösung der Menschheit und Auslösung Jerusalems herbeiführt? wir möchten glauben: nawn das ist unser weg zu G'tt, nhsn unser Weg zu uns selber npvr unser Weg zum Nächsten. In diesem, Sinne wollen wir die große Losung der v'xavn trzr verstehen, nawn ist nicht Buße, Kasteiung, Fasten, sie ist Rückkehr, Umkehr zu G'tt. G'tt befindet sich mit uns in inniger Verbundenheit. 'na mpannn Verbundenheit mit G'tt, die wir erwerben durch ein Rachahmen seiner Eigenschaften— mnaa pinn — das ist das hohe Ziel, das wir stets vor Augen haben müssen. Rur in der Gemeinschaft mit G'tt, nur in der Verbundenheit an ihn leben wir: 'lli'n ciahia aapV?x na D’paan nrua Jede Sünde, die wir begehen, ist ein Ueberschreiten des heiligen Raumes, in dem wir, G'tt nahe, uns stets aufhalten sollen. Und im diesem Sinne bedeutet Sünde vielleicht auch nvatf' Ueberschreiten der Umzäunung, i n n e r halb welcher wir uns befinden sollen. Jede Sünde, die der Mensch begeht, führt den Menschen weiter weg von G'tt, zieht ihn von seinem Urquell ab. Aus G'tt kommt alles ^>an *jö» 'a und was von G'tt wegführt, das ist Sündd. Der große Ausruf des Propheten lautet darum: nv naiv qp'chrr 7n Kehre zurück, Israel, bis zu Deinem G'tt, in seine unmittelbare Rähe. Ist Sünde, ein Schreiten auf dem falschen Weg, dann ist das verlassen dieses Weges die erste Vorbedingung zur Umkehr, zur Heimkehr. arm' anjn nni») Bekennen und verlassen! das ist die große Formel, der wir in unzähligen Variationen begegnen. Die Sünde bekennen, sich Feines Fehlers bewußt werden, den eigenen Weg als den falschen, die eigene Erkenntnis'- als die irrige, die eigene Wahl als die trügerische nicht nur einschen, sondern auch sich bekennen, der, Lüge abschwören und der Wahrheit huldigen, das ist naiwn der Weg zu G'tt. naiwn setzt darum ein gebeugtes Herz voraus, ein Herz, das weich ist und rein. Setzt ein bescheidenes Gemüt voraus, ein Gemüt, das ehrlich ist und lauter. Einen ehrlichen Sinn, der eindeutig und fest ist und nicht hinterhältig. ' „Wer steigt auf G'ttes Berg, wer kann wieder aufrecht stehen an der Stätte seiner Heiligkeit? Reiner Hand und lautrer Herz, wer seine Seele nicht auf Eitles richtet und nicht auf Trug schwört." Eine eiserne Mauer steht zwischen G'tt und mir, dem Sünder, der draußen steht. Zurück zu G'tt und unter Einsatz aller Kräfte diese Mauer übersprungen: das ist der Aufruf der Tschuwo. vielleicht dürfen wir das Bekenntnis unseres großen Gesamtheitsleides auch als Bekenntnis unseres Cinzelschicksals wiederholen: „Um unserer Sünden willen wurden wir vertrieben aus unserem Land und entfernt von unserem Heimatboden" — unser Land ist G'tt und G'tt die Heimat unseres Herzens, jeder Einzelne von uns muß zur pxn nViiu beitragen, indem er sich in seinen Heimatboden, in G'tt wieder einpflanzt. Zurück zu G'tt! dies ist der erste Ruf, der in diesen gewaltigen Tagen zu uns dringt. Hören wir den Ruf der Tschuwo, den Ruf zur Tschuwo und