Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 40 (29.9.1932)
- Date
- 1932-09-29
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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29. September 1932 Der Israelit Nr. 40 Seite 19 Ainderecke. N2VN am N2V' Der Ton des Schofars mahnt das Volk Israel zur Linkehr. Und die Klänge des Schofars.bewirken es auch» so heißt es» daß G'tt» der Herr» am Tage des Gerichts herabsteigt vom Throne der Strenge und sich ntederläßt auf dem Throne der Milde» und Gnade im Richtspruch ergehen läßt. Wie - nun aber» wenn zu Lhren des Schabbos die Töne des Schofars stumm bleiben? Sollen wir drum strenger gerichtet werden? Ists ein gutes oder ein schlechtes Zeichen für Israel, wenn das Jahr mit dem beginnt? Der berühmte Rabbi Iakow Lttlinger aus Altona beantwortet diese (frage auf eine, wunderschöne weise.*) Ls ist seltsam» daß in Israels Geschichte die besonders guten Jahre und die besonders traurigen Jahre mit einem Schabbos begannen. Das Jahr» in dem Israel ins heilige Land einzog» begann mit einem Schabbos und jenes» in dem das pw» eingeweiht wurde» ebenfalls. Aber auch in dem Jahre» in dem der erste Tempel zerstört wurde» fiel N"2 auf N2V und auch das Jahr» in welchem der zweite Tempel fiel» begann mit einem Schabbos. wie soll man dies erklären? Lin Gleichnis wird es verständlich machen: Lin Fürst war einmal wegen eines Vergehens bei seinem König in Ungnade gefallen und der König zürnte heftig über ihn und er sollte nach der ganzen Strenge des Gesetzes gerichtet werden, verzweifelt irrte der Fürst umher und suchte einen Verteidiger» der für ihn eintreten sollte. Aber all seine Freunde wagten es nicht» für.ihn zu sprechen in der Stunde des Gerichts und hielten feine Sache für völlig aussichtslos. Ganz niedergeschlagen kehrte er zu seiner Frau zurück und klagte ihr sein Leid. Da tröstete ihn die Frau und sprach: »»Gib doch noch nicht alle Hoffnung auf und verzage nicht! Ich selbst will hingehen ins Gericht des Königs und Dein Fürsprech sein und Du wirst sehen» es wird mir gelingen» Dich zu verteidigen!" Und so geschah es auch. Die Frau trat mit solcher Beredsamkeit und solcher Kraft für ihren Mann ein» daß er^begnadigt wurde und sic gingen glücklich zusammen in ihr Haus zurück. — Kurze Zeit darauf sündigte ein anderer Fürst» der im Dienste des gleichen Königs stand und auch ihn ließ der König vor das strenge Gericht stellen» daß es ihn verurteile. Da erinnerte sich dieser Fürst» wie sein Schicksalsgenosse durch die Fürsprache seines Weibes gerettet wurde. Aber er war ein böser und jähzorniger Mensch» der die Chre seiner Frau nicht achtete, sie schlecht behandelte und sie in seinem Zorne sogar manchmal kratzte und schlug. Trotzdem ging die brave Frau zum Gerichte des Königs» um für ihren Mann zu bitten. Als der König aber die Spuren der erlittenen Mißhandlungen in ihrem Gesichte sah» fragte er sie» woher diese Karben stammten. Und sie mußte gestehen» daß ihr eigener Mann sie öfters.so schlecht behandle. Da ergrimmte der König noch mehr über den angcklagten Fürsten und er ließ ihn doppelt hart bestrafen. So können wir es auch verstehen» wieso es einmal zum Guten und einmal zum Schlechten ist» wenn m auf Schabbos fällt. An Wochentagen mahnt uns das Schofar und wir tun Buße und diese fleht uns bei vor dem strengen Gericht. Aber am Schabbos finden wir keinen Verteidiger. Da fleht der Schabbos selbst auf, der treueste Gefährte Israels» und ist unser Fürsprech vor dem Throne des Höchsten und zeugt für uns als „Zeichen zwischen G'tt und Israel". Und wenn er in unversehrter Reinheit vor G'tt tritt und für uns bittet» so werden wir frei von unfern Sünden und unsre Schuld wird verziehen und zu einem guten Jahre wird Israel eingeschrieben. Wenn aber Israel den Schabbos nicht achtete und er tritt vor G'ttes Gericht und er ist verletzt und mißachtet und fein Glanz ist gewichen» da zürnt der Herr doppelt über sein sündiges Volk und legt ihm harte *) In seinem Buch rru» zu ivrrm nwis* I Strafe aus und läßt ein verderbliches Jahr über es kommen.Drum muß Israel in allen Zeiten den Schabbos besonders verehren und achten» daß er uns nicht zum Ankläger werde» sondern uns ein wohlmeinender Verteidiger sei. Wenn er in strahlender Unversehrtheit vor G'tt tritt und dankt bekundet» daß wir ihn stets geehrt und geliebt» dann dürfen wir auch hoffen» eingeschrieben zu werden zu einem guten und glücklichen Jahre. Von der Nyurty- Ls war einmal ein König» der hatte ein großes Land erobert und tributpflichtig gemacht; aber die Cinwohner der Provinz wollten ihre Steuer nicht bezahlen. Der König mahnte die pflichtvergessenen Untertanen mehrere Male» aber es war alles vergeblich. Als nun die Schuldsumme sehr hoch angewachsen war» ward der König böse auf das Volk und er rüstete ein Heer gegen es aus und zog dem Lande zu» um es zu bestrafen. Als er vielleicht zehn Meilen weit gezogen war» hörten es die Linwohner des Landes und sie erschraken sehr und sandten die höchsten Beamten dem König entgegen. Dieser fragte sie» woher sie kämen. „Wir kommen aus der Provinz» über die Du zürnest» o König. Wir flehen Dich um Gnade an» denn wir sind nicht imstande» unsre große Schuld zu bezahlen; wenn Du uns aber Barmherzigkeit gewährst» so'geloben wir» von nun an gehorsamer unsre Pflichten zu erfüllen!" „Um Luretwillen soll ein Teil der Schuld erlassen werden»" antwortete chnen der König und zog weiter. Als er sich dem Lande noch mehr näherte» kam ihm eine neue Gruppe entgegen. Die vornehmsten Bürger der Stadt traten flehend vor den König hin und baten» statt der Strenge das Crbarnien walten zu lassen. Und auch ihnen zuliebe erließ der König einen Teil seiner Forderung. Aber er zog weiter und rückte bedrohlich nahe an die Grenzen des Landes heran. Da ergriff alle Cinwohner Furcht und Schrecken und sie stürzten aus ihren Häusern und warfen sich dem Könige zu Füßen und baten um Verzeihung und um das Lrlassen der großen Schuld. Als nun der König sah» daß alles Volk ihn zitternd um Erbarmen anflehte» da zerschmolz der letzte Rest von Strenge in seinem Herzen und voll Milde sprach er: „Ich will Luch noch einmal Gnade erweisen und Cure Schuld Luch erlassen. Aber an Lure Pflichten für das kommende Jahr möchte ich Luch ernstlich ermahnen. Die alte Verfehlung sei Luch verziehen» nun aber bemüht Luch mit all Eurer Kraft» daß Ihr keine neuen Schulden auf Luch ladet!" versteht Ihr das Gleichnis? Der König der Könige ists» der am Ende eines Jahres dem schuldbeladenen Volke Israel mit verdienter Strafe droht. Wenn sich nun die Tage der mn^o nähern» tun schon die Frömmsten unter ihnen Buße und beten fastend um Gnade. G'tt neigt sich ihnen zu und erläßt einen Teil der Schuld. In den zehn Tagen der Rückkehr besinnen sich viele ihrer Schuld und fasten und flehen» und der Heilige» gelobt sei Cr» verzeiht einen weiteren Teil der Schuld. Am 2122 qy> aber kommt ganz Israel zu G'tt und fastet und wirft sich vor G'tt hin und G'tt erbarmt sich ihrer und vergibt ihnen ihre Schuld und sie werden rein von ihren Sünden. So groß also ist die Kraft der miwn j Lin kostbares Gut ist sie für den Menschen und wurde mit den heiligsten Dingen der Welt, mit dem Throne der Herrlichkeit und der Thora zusammen schon vor der Entstehung der Welt erschaffen. Schon der erste Mensch bedarf der Buße, von Reue über seine Tat gequält» tritt er vor G'tt am Tage des Gerichts und G'tt läßt Milde walten statt dem strengen Recht und verheißet ihm: „So wie Du heute vor mir im Gerichte standest» und Gnade gefunden hast» so sollen auch einst Deine Kinder vor mir im Gerichte stehen und in Gnaden entlassen werden. An niVN wm ward, schon das Urteil über kajin gesprochen. Cr bekannte und bereute seine große Schuld und — seine Strafe wurde gemildert. Als er froheren Herzens von G'tt weggeht» trifft er feinen Vater. „Wie erging es Dir im Gerichte?" fragt Adam. „Ich habe Buße getan und habe Sühne erlangt»" antwortet Kajin. Da schlägt Adam in freudigem Erstaunen die Hände zusammen und ruft: „Ist so groß die Macht der Buße» das habe ich nicht gewußt!" Und erleichtert und dankbar gegen G'tt singt er: '"rh nmn^ nur! So groß ist die Macht der Buße! Wenn ein Mensch nur in seinem Herzen beschließt» Buße zu tun» so steigt sie sofort in die Höhe empor. Vicht nur um l 0 Meilen aufwärts, nicht um zwanzig nur und auch 100 reichen nicht aus. Uicht nur einen Weg von fünfhundert Iahresrcisen trägt es sie in die Höhe und nicht nur bis zum ersten Himmel» sondern bis zum siebenten Himmel steigt sie auf. Und nicht nur bis zum siebenten Himmel» sondern bis sie fleht vor dem Throne seiner Herrlichkeit. So wie es heißt: N21V 'n IN „Kehre zurück, Israel — bis zum Ewigen selbst steigt auf Deine mwm Vom neuen Lunch. Ich hoffe, Ihr habt noch nicht alles wieder vergessen, was ich Euch letztes Jahr über die scheinbar so geheimnisvollen Vorbemerkungen in unserem Luach erzählte. Ihr werdet also hoffentlich noch gut wissen, welche Bewandtnis es mit den verschiedenen Abkürzungen auf der ersten Seite hat und ich muß Euch heute nur ein klein wenig nachhelfen. Wir beginnen also heute das 5693. Jahr nach der Erschaffung der Welt. Wißt Ihr eigentlich, daß man nicht immer nach der Schöpfung zählte? Im Tüiach findet Ihr nirgends eine Angabe, in welchem. Jahre nach der Welterschaffung ein Ereignis stattgefunden hat. Es wird z. B. gezählt nach dem Auszug aus Aegypten oder dem Einzug ins Land Kanaan. Meist wurde aber nach den Regierungsjahren des Königs gezählt. Iecheskel zählt die Jahre seit dem Golus Babel und in späteren Zeiten zählte man nach einem Siege des Seleukus Nikator (312 v. d. gew. Z.), der damit die sog. seleuzidische Zeitrechnung einführte. Sie blieb auch unter den Juden fast ein Jahrtausend lang im Gebrauch. Heute zählen wir also nach dem Jahre der Weltschöpfung. Wenn Ihr aber mal nicht wissen solltet, in welchem jüdischen Jahr wir leben oder Ihr findet in einem Sefer eine jüdische Jahreszahl und wollt gern wissen welchem Jahr der bürgerlichen Zählung dieses entspricht, so merkt Euch: Wenn inan von der bürgerlichen Jahreszahl die Tausender wegläßt und zieht daun die Zahl 240 ab, so erhält man die jüdische Jahreszahl gleichfalls ohne Tausender. Oder umgekehrt: 693-s- 240 — 933 oder 1933, also das Jahr, dem unser jüdisches zu seinem größten Teile entspricht. Aber nun wollen wir zu unserin Luach zurückkehren. Ich hoffe, Ihr erinnert Euch noch an die Bedeutung des ima “nnn und des zvp im», des großen und des kleinen Kreislaufs (von Sonne und Mond) und daß wir nach dem letzteren berechnen können, ob wir ein Schaltjahr haben werden oder nicht. Nun, diesmal bleibt bei der Teilung durch die Zahl 19 ein Nest von 12, also können wir kein Ileberjahr haben. Das koinmende Jahr ist also nviVL, ein einfaches, normales. Die Bestiminungsforniel des neuen Jahres i>t Ihr wißt sicher noch was das heißt! ~i~ bedeutet, daß der erste. Tag vrm wieder ans nar? fällt, "V" will besagen, daß das Jahr nöbp ist, daß also Ehcschwan und Kislev beide 30 Tage haben und endlich "i" erklärt: der erste Tag nvv fällt auf einen Dienstag. Nun wissen wir schon wieder eine ganze Menge über unser neues Jahr! Wir können uns nach der Regel nt* ,c>'3 ni usw., die ich Euch letztes Jahr erklärte, errechnen, daß arm nw» auch an einem Dienstag sein muß und rwnv an einem Mittwoch. Wir können ferner ohne zu blättern herausbringen, daß ep-hd an einem Sonntag sein wird, das habt Ihr sicher auch sehr gerne. Pesach fällt also dieses Jahr auf Dienstag, während es im letzten Jahr am Donnerstag war. Außerdem besteht noch die Möglichkeit, daß der 1. Tag nvv am rot? oder Sonntag sein kann, aber auf die übrigen Wochentage wird cs nie fallen also nie wird der 1. Pesachtag am Montag, Mittwoch oder Freitag sein, ebenso wenig wie rr-i je auf Sonntag, Mittwoch und Freitag fallen kann. Das merkt man sich am einfachsten mit der Regel: nrr kb noQ na Die Gründe hierfür kennt Ihr sicher. Es darf -nsa cv weder auf Freitag noch auf Sonntag fallen, weil sonst die Vorbereitungen für narr» oder 2"' darunter leiden würden und außerdem soll 022 mwin nicht auf ra» fallen. Da könnt Ihr Euch leicht ausrechnen, welche Tage dann nur noch für m übrig bleiben und danach muß sich natürlich auch nvv richten. Wißt Ihr auch, daß man immer erraten kann, wann der nächste van vrm fällt, wenn man einen weiß? Mit Ausnahme der Monate Eheschwan und Kislev, die also in diesem Jahr beide 30 Tage zählen (aber nicht immer), haben die Monate abwechselnd 29 und 30 Tage. Ilnd zwar ist der folgende nn immer einen Tag später als der letzte. Wenn man also z. B. sieht, daß m Schwat am voll? ist. so muß rra Adar Sonntag und Montag sein, Nissan am Dienstag, rra Ijar am Mittwoch und Donnerstag und so immer weiter. Seht Ihr, nun kennen wir uns schon recht gilt aus in unserem neuen Jahre. Es soll ein gutes und süßes für Euch alle sein, das wünsche ich Euch von ganzem Herzen.