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Der Israelit · 1932-09-29 · Heft 40 (29.9.1932) · page 15

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 40 (29.9.1932)
Date
1932-09-29
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Organ -es Knn-es gesehestreuer Wischer Kehrer Dentschlan-s. Zur „Nationalpoütischen Erziehung". „Nationalpolitische Erziehung" ist der Titel eines Buches von Prof. Ernst K r i e ck, es stellt den Versuch einer Pädagogik des Nationalsozialismus dar. Dieses Werk steht seit einiger Zeit im Mittelpunkt heftiger Diskussionen innerhalb der pädagogischen Literatur und es ist bezeichnend, daß gerade die Volksschullehrerschaft zum großen Teil sehr heftig gegen die darin enthaltenen Gedanken Stellung nimmt. Für den jüdischen Volksschullehrer dürfte das Buch von zweifachem Interesse sein, nachdem ihm neben dem Schicksal der allgemeinen Volksschule das der jüdischen besonders am Herzen liegt. Wer sich jedoch nach dem letzteren zu informieren wünscht, muß sich daraus beschränken, sinngemäß die Aeußerungen über die Bekenntnisschule auch auf die jüdische Schule anzuwenden. Er wird aber auch in dieser Beziehung eine gewisse Enttäuschung erleben, denn es stellt sich sehr bald heraus, daß ein ausführliches Schulprogramm der NSDAP, gar nicht vorhanden ist. Um so begrüßenswerter ist daher ein Bericht über eine Sitzung des „Schulpolitischen Ausschusses des Frankfurter Lehrervereins", in welcher der Berichterstatter aus vorliegenden nationalsozialistischen Schriften das Kultur- und Schulprogramm der NSDAP, herauszuschälen versucht. I. Das nakionalsozialisiische Lchulprogramm. Aus diesem Bericht, der in der „Frankfurter Schulzeitung" vom 1. August veröffentlicht worden ist, geben wir folgendes wieder: „Die Grundbegriffe, aus denen sich ein solches Programm aufbauen läßt, sind: Rasse, Wehr, Führer und neuerdings auch Religion. Sie sind bezeichnet als Grundlage des Wachstums und der' Erziehung. „Heroische Erziehung" ist das Ziel. Darauf ist schon vorgeburtlich (!) und später in der Familie Rücksicht zu nehmen. Aufgabe ist, den Willen zu bilden und zü stärken im Sinne des Gemeinschaftslebens (rassische ^Volksgemeinschaft). Nur ein Mindestmaß des Wissens ist zu vermitteln, soweit es zum Verständnis des nationalsozialistischen Staates nötig ist. Für spezialisierte Wissenschaft sind nur;.25 Proz. der Schüler auszubilden' tm streng nationalen Sinne: eine europäische-^ Allgemeinbildung wird, ganz .verworfen. - . :il- ,'ln; Grundsätzlich gibt es die Einheitsschule. Die Grundschule ist für alle verbindlich und reicht für Knaben und Mädchen bis zum 14. Qebens'iafyre. Koedukation gibt es nicht. Der Knabe soll zum Mann, zum Krieger vom Schulmeister, das Mädchen zur Mutter von der Schulmeisterin erzogen werden. Fächer sind Deutsch, Geschichte, Erdkunde, Rechnen, Naturkunde, Turnen, Religion. Im Deutschen wird die „Deutsche Ausgabe" betont. Geschichte steht im Mittelpunkt der, nationalen Willensschulung. Turnen ist Wehrturnen, Kriegs- und Turnspiele sollen zur,, Verschwiegenheit, Ausdauer und Kameradschaft erziehen. Auf die Grundschule folgt die Mittelschule (bisher höhere Schule). Die Auswahl hierzu erfolgt durch eine Kommission, die auf die Eignung zum Führer Wert legt. Die Schwierigkeiten des Pubertätsalters sollen durch spartanische Maßnahmen überwunden werden (Fernhalten von Theater, Kino und allerlei Schriften). Die Mittelschule ist keine Berechtigungsanstalt. Vier Jahre scharfer Zucht erwarten den Knaben. Die Mittelschüler werden in gemeinsamen Heimen erzogen. Im Rahmen des Collegs gibts Vorträge und Diskussionen zur Staatsbürgerkunde (gemeint ist der nationalsozialistische Staat!)': Im Vordergrund steht die Auslese zum Führerposten. Die Eignung zur Hochschule bestimmt wieder eine Kommission. Auch an den Hochschulen leben die Schüler in Internaten. Zu den bisherigen 4 Fakultäten kommt eine pädagogische. Der Lehrerstand ist einheitlich und erhält seine Ausbildung nur an den Hochschulen. Mit 25 Jahren soll möglichst die Berufsausbildung beendet sein, um die Möglichkeit einer frühzeitigen Familiengründung zu geben. Unabhängiger Verein israelitischer Lehrer im Freistaate Hessen. 1. Durch Beschluß des Vorstandes wurde zur Pflege orthodoxer Welt- und Lebensanschauung die Monatsschrift der Rabbiner - Hirsch - Gesellschaft „Nachalaß Z'wi" in mehreren Exemplaren abboniert. Dieselbe soll nach einem vom Unterzeichneten aufgestellten Eyklus bei den Nütgliedern, denen bereits durch Postkarte die Adresse derienigen mitgeteilt wurde, an welchen sie die Sendung weiter zu leiten haben, cirkuliert. Ich bitte dringend, die erhaltenen Heftchen möglichst bald zu lesen und unverzüglich weiter zu geben, damit jedes Mitglied in den Genuß der lesenswerten Zeitschrift gelangt. 2. Eine Kontroverse mit Herrn Kollege Steinhardt, Magdeburg, wegen des von ihm öfters gebrauchten, von mir und anderen orthodoxen Kollegen als beleidigend empfundenen Ausdruckes „Separatisten" in Bezug auf unseren „Unabhängigen Verein", fand ihre Erledigung durch eine Erklärung Steinhardts, daß er das ominöse Wort nicht als Kritik gebrauche, sondern um den Gegensatz zur Eemeindeorthodoxie hervorzuheben. Wenn ich mich auch zunächst mit dieser Erklärung zufrieden gebe möchte ich Herrn Kollegen Steinhardts doch bitten, diesen Ausdruck durch einen anderen gleichwertigen zu. ersetze^, was bei der Sprach- und Schriftgewandtheit Steinhardts gewiß nicht schwere fallen wird. Damit könnte das Verhältnis vieler orthodoxer Kollegen zum „Verband" nur gebessert werden. . 3. Zum Jahreswechsel entbiete allen Kollegep herzlichste v^ms-Wünsche. ,, . ' i Höchst i. O., 23. September 1932.; :; j Der Vorsitzende: Hermann Kahn. Bund gesetzeskreuer jüdischer Lehrer Deutschlands. Allen unfern . Mitgliedern und Freunden entbieten wir zu n~n herzlichste v"M2-Wünsche Frankfurt a. M., rri 3*1? " Der Vorstand: i. A. Munk, Vorsitzender. Ehemalige Kölner! Euch allen die besten v"ni2-Wünsche in Berus und Familie. Euer Apt, Hannover, Birkenstr. 21 Für die Berufung zum Hochschullehrer kommt weniger die wissenschaftliche Leistung in Frage „als die Fähigkeit, das gefundene Wissen dem Führernachwuchs in volkserzieherischer Hinsicht Mitteilen zu können." Die Mädchenerziehung wird von Frauen geleitet. Die körperliche und geistige Erziehung muh auf die Rasse gerichtet sein. Ueber die Grund- und Mittelschule führt der Weg zur Frauenhochschule. Daneben wird Wert gelegt auf die rein häuslichen, natürlichen und fraulichen Beschäftigungen: Kindererziehung und -pflege, Hauswirtschaft, Schneidern, Gartenbau, Krankenpflege und Gymnastik. Die Aussprache (in der Sitzung des Schulpolitischen Ausschusses des Frankfurter Lehrervereins) ergab folgendes: Das „Nationalsozialistische Programm" geht von der Zielsetzung aus, wie ist der nationalsozialistische Staat zu verwirklichen?' Das Programm des Deutschen Lehrervereins ist aus der Pädagogik erwachsen, ohne Rücksicht auf Parteien; das zeigt den Gegensatz. Der Kampf gegen einzelne Programmpunkte ist zwecklos, es gilt die einseitig enge nationalistische Weltanschauung zu erschüttern. In einer nationalsozialistischen Lehrerversammlung gab der Redner keine klare Einstellung, alles war betont gefühlsmäßig. Oberstes Prinzip: die Autorität. Nach Auffassung der Nationalsozialisten gibts nur eine „richtige" Weltanschauung, eben ihre; alle übrigen müssen unterdrückt werden. Krieck behauptet, es gibt keine autonome Wissenschaft, sondern nur politische Wissenschaft. Nur die nordische Rasse habe staatsbildende Kraft. * Die Schriftleitung der Frankfurter Schulzeitung fügt diesem Bericht folgende, hier auszugsweise wiederqeqebene Anmerkung bei:' In den „Bildern aus dem preußischen Landtag" schreibt Verolinensis — das ist Rosin, der bisherige Vorsitzende der Schulpolitischen Hauptstelle des D. L. V. — zur Kulturdebatte im Landtag: In der Aussprache nahm zuerst der Nationalsozialist Dr. Haupt . aus Hannover, Studienassessor a. D., das Wort. Der Nationalsozialismus beginne damit, daß er die Grundlagen deutscher Kultur und deutscher Bildungsarbeit ausrichtb, und er sei sich darüber klar, daß diese Grundlagen neu' geschaffen und neu gelegt werden müssen, damit! der .Aufbau eines kulturellen Lebens überhaupt entstehen kann. Die Erneuerung des deutschen Volkes und der deutschen Kultur könne nur eine solche an Haupt und Gliedern sein, es müsse das Fundament von Grund auf erneuert werden. Der Nationalfozialisnius werde in die Jugenderziehung ein neues Bildungsziel hineintragen, er werde die relativistische Erlebnisschule der liberalen Spätzeit in die Charakterschule des neuen deutschen Volksstaates umwandeln. Es werde nicht mehr auf intellektuelle Spielereien ankommen, sondern es werde im.! Gegensatz dazu die einfache Kraft des Herzens und des Charakters an die erste Stelle in der Bewertung unserer Jugend treten. Die nationalsozialistische Schulreform werde dieses Vildungsziel der Charakterschule und der völkischen Idee in den Mittelpunkt der Jugenderziehung stellen und von da aus die notwendigen organisatorischen Maßnahmen treffen, umdie Einheitlichkeit unseres Bildungswesens zu gewährleisten. Dieses Bildungsziel der Charakterschule und der völkischen Idee soll den Ausgang für den Aufbau einer deutschen Volksschule bilden. ' . ■ Der Zentrumsführer Prof. Lauscher erwiderte hierauf: Er war besonders gespannt auf eine Klärung der fundamentalen und entscheidenden Frage der Weltanschauung dieser neuen Macht, die mit dem Anspruch und der Verheißung, eine neue Welt, zum mindesten ein neues Volk und einen neuen Staat zu schaffen, hier ihren Einzug gehalten habe. Aber irgend etwas Positives über das Neue, das kommen soll, habe er nicht gehört. Man müsse sich also zunächst damit abfinden, daß Adolf Hitler

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