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Der Israelit · 1932-09-22 · Heft 39 (22.9.1932) · page 15

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 39 (22.9.1932)
Date
1932-09-22
Page
– (sequence 15)
Language
German
Belongs to
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22. September 1932 Der Israelit Nr. 39 e-eitc 15 schlang sich mit solcher Innigkeit um die Säule und stieg mit solch wirklichem Wohllaut nach oben, daß er mitspielen wollte und mitsingen im Chor des wirklichen und wahren Liedes und Dienstes, und er spürte den starken Wunsch, allen vergessenen Wohllaut heraufzuholen und allen heiligen Gesang, zu neuem Klingen zu bringen, daß alle es hörten, miteinstimmten, und das Preislied wieder stark und tönend würde wie früher. Da berührte er die rechte Säule mit seinem ganzen Herzen und fühlte, dies sei die Säule der Liebe zu G'ttes Wort, zu seinem ständigen Lernen und Erfüllen. Er erkannte klar, daß er lange lernen müsse, ohne Aufhören, wollte er in das Lied des wahren Lobes miteinstimmen können, und daß er am Ende doch nur ein paar Töne singen würde und wohl nie ein rundes Lied. Aber auch um dieser paar guten Töne willen wollte er ein Leben lang, sein Leben lang Schüler sein und G'ttes Wort lernen. Darauf wandte er sich nach links, da war eine Säule, die war wie rieselndes Wasser anzusehen, und es war wie ein ständig Fließen und Durcheinanderströmen und ewige Durchdringung, und die Bewegung des Fließens umfaßte die Säule in ihrem ganzen Rund, und es war wie eine große Fröhlichkeit und Freundlichkeit aller Wasser. Er trat näher, um das Wunder zu besehen und sah, daß die Wasser aus unzähligen Tropfen gebildet waren, und daß jeder Tropfen nach geheimer Gesetzmäßigkeit floß und am anderen vorbeiglitt, ohne sich zu verlieren, -und daß jeder Tropfen in seiner Berührung schonte und geschont ward. Ein jeder war hell anzusehen und hatte die schwankende, zitternde Fülle eines ' Tautropfens auf einem Vlütenblatt und war sehr schön. Er betrachtete diesen heiteren Fluß und ihm war, als ob Perlen ohne Makel durch seine Hand glitten in Berührung und Vorbeigang. Er sah, daß dies die Säule der Liebe zu allen Geschöpfen sein müsse, und er nahm den Glanz und das Bild dieser guten Gemeinschaft tief in sich auf. Er sah nach rechts und Itrtfs,- war bereit, erkannte seine Aufgaben und in dankbarer Freude über diese Erkenntnis hob er den Blick empor. Da sah er oben die Verbindung beider Säulen, so daß ein Tor gebildet ward, das er durchschreiten konnte, und die Verbindung beider Säulen war Dankbarkeit und Freude über das eigene Sein, und das Tor hieß das Tor der guten Tat. Da schien ihm, daß er in seiner dankbaren Freude über die Erkenntnis der Aufgaben selbst die Verbindung geschaffen hatte, und daß er sich das Tor allein gebaut hatte. Was Buße sich vorgenommen, was Gebet ersehnt, war durch gute Tat lebendige, wirksame Wirklichkeit geworden, er erkannte in tiefem Verstehen die Notwendigkeit gerade dieser Reihenfolge und meinte, nun könne er den Weg gehen. Da durchschritt er das dritte Tor. Da lag ein Weg vor ihm, und als er ihn betrachtete, sah er, daß auf ihm ständig die drei Tore aufeinander folgten und jeden Tag durch sie geschritten werden mußte, erkannte, daß dieser Weg sein Leben war, und daß er eben zum ersten Male ein kleines Stück des wirklichen Weges zurückgelegt hatte, als er durch die ersten drei .Tore gegangen war. Und der Weg selbst war schon Ziel, und am Ende des Weges glänzte das Ziel der Vollbringung. Da begann er zu gehen.. Personalien. Mannheim, 18. Sept. Louis Meyer-Gerngroß ist gestorben. Wer diesen Mann kannte, weiß, was der vatz besagt, der nur die Tatsache berichtet. Ein Dorfkind, in die Großstadt und Großgemeinde verpflanzt, zum Großkaufmann geworden — der Werdegang so vieler, die beim Eintritt ins große Leben, in die große Stadt abwerfen, was hinter ihnen liegt . . . Hier aber starb ein Mann, der zwar nicht alles beibehielt, was in der jüdischen Atmosphäre des heimatlichen Dorfes lebte und. webte — der aber eines mit sich nahm und es in sich bewahrte bis zum 72. Lebens- und Todesjahr: eine unendliche Liebe zu allem Jüdischen, ein jüdisches Lew — man kann das nicht anders ausdrücken — und jenes Verständnis für die wirtschaftlichen und seelischen Nöte gesetzestreuer, mit dem Kampf ums Dasein, um den Schabbos ringender Menschen, denen er, wenn immer es nur ging, antwortete mit einem „Ich will" und nicht mit jenem kalten, seelenlosen „Es tut mir leid. Ich kann nicht." Freilich gehört zum Helfenwollen das Helfenkönnen. Ihm, dem das Geschick im Krieg die zwei einzigen Söhne und Kinder geraubt hatte, war dafür — für die ihm geraubte Liebe der Kinder — die Liebe unzähliger Menschen geschenkt, die von seiner Schwelle nicht leer sortgingen . . . Bei der sprachen Rabbiner und Vorsteher, Führer und Leiter von Vereinigungen und Organisationen, jüdische und nichtjüdische Männer. Erschütternder als alle ergreifenden Worte war das Nichtgesprochene, das Stumme der Trauer, die über allen, über den unzählig Vielen lag, welche Louis Meyer - Gerngroß dahin geleiteten, wo die Söhne lange vor dem Vater jugendlich ins Grab gebettet wurden. ' In der Klaus, in die den Verstorbenen die Stimme des Innern trieb, ist sein Platz leer. Gestiftete Werte erinnern im neuerstandenen G'tteshaus an ihn. Hier, wie an vielen anderen Orten, in der zur Heimat gewordenen .Großgemeinde, wie auch in der Heimat gebliebenen Dorfgemeinde. Größer als die von Menschenhand geschaffenen Werke aber steht in dieser Stunde vor allen, die um den guten und edlen Menschen trauern, die Lebenslosung des im Elul von der Erde Genommenen: -c,'2i'2rri> nnnöi insiiw’s Papenburg, 12. Sept. Schon in den frühen Morgenstunden des 1. Ellul durcheilte die Trauerkunde unsere Stadt von dem plötzlichen Ableben unseres allseits verehrten und hochgeschätzten Senators und Ruhelehrers L. Strauß. Groß ist die Lücke, die er hinterließ. Unausfüllbar wird sie sein. Sein hilfsbereites Wesen, seine große Erfahrung in Rechtsfragen und Verwaltungssachen, seine weitreichenden guten Beziehungen und die Wertschätzung, deren er sich bei allen Konfessionen und in allen Kreisen der Stadt erfreute, befähigten ihn insbesondere, ein Berater der Besorgten und ein Helfer der Bedrücken zu sein. In der Stadtverwaltung spielte Senator Strauß eine bedeutsame Rolle. Getragen von dem Vertrauen der gesamten Bürgerschaft, wurde er zum Stadtverordneten gewählt und erlangte er die Stelle eines Senators und Kreistagsabgeordneten. Der Magistrat der Stadt übertrug ihm die verantwortungsvollsten Aemter. So war er Leiter des Wohnungsamtes, Vorsitzender der Kreisprüfungsstelle des ganzen Kreises Aschendorf, Leiter des Lebensmittelamtes und Mitglied verschiedener Steuerausschüsse. Unter großem Bedauern der Stadt hat er aus Gesundheitsrücksichten seine Ehrenämter vor einigen Jahren niederlegen müssen, hat aber, soweit es ihm irgend möglich war, sich dennoch immer wieder der Stadt zur Versügrmg gestellt. Der Magistrat hat wiederholt in össentlicher Sitzung die großen Verdienste, die sich Senator Strauß als Senator um das Wohl der Stadt erworben hat, in anerkennender Weise hervorgehoben. Besonderen Dank schuldet ihm die hiesige jüdische Gemeinde, in der er in 34jührigem Dienste Generationen von Schülern herangebildet hat. Ohne sein erfolgreiches Eintreten wäre die öffentliche jüdische Volksschule, die nun doch ein Opfer des Schulabbaues geworden, schon 15 Jahre früher aufgelöst worden. Mit großem Fleiße und Geschick hat der Verewigte sein Amt ansgeführt. Noch lange wird sein Name der Gemeinde Papenburg in Erinnerung bleiben. — Im Namen der Familie sprach der Sohn des Verewigten, Herr Rechtsanwalt Dr. Strauß, Lüneburg. Im Rainen des Vorstandes sprach Herr Vorsteher Marcus H e s. In sehr ergreifendeil Worten schilderte Herr Lehrer G r ü n f e l d die Verdienste des Heimgegangenen und überbrachte die letzten Grüße und Worte des Dankes der Eeineinde. Möge "vn der tiefbetrübten Gattin Trost spenden. rroxan- Buüentmefen, 18. Sept. Am hat Herr Lehrer Mos. L e w k o w i tz die durch die Berufung des Herrn Hauptlehrers M. Sonn nach Regensburg freigewordene Religionslehrerstelle hier (nicht wie voriges Mal irrtümlich berichtet, in Regensburg) angetreteii. Beim Sabbatmorgeng'ttesdienst dankte Herr Lehrer Lewkowitz für das einmütige Vertrauen, das inan ihm entgegenbrachte und hob die durch feine Berufung bewiesene Opferfreudigkeit der Gemeindemitglieder hervor. Er gelobte, im Sinne des überlieferten Judentums in der Gemeinde zu wirken. Möge sich die alte ni-mp unter seiner Leitung getreu ihren Traditionen entfalten. Würzburg, 18. Sept. Frl. O t t e n s o ß e r, Lehrerin an der hiesigen jüdischen Volksschule, wurde uns, noch in jugendlichem Alter, plötzlich entrissen. Am Grabe würdigten Rabb. Dr. H a n n o v e r, Justizrat Dr. Haas, Studiendirektor Jakob ©toll, Sönilnarlöhror Dr. Baniberger und die Vorsitzende des hiesigen Lehrerinnenvereins die Verdienste der zu früh Entschlafenen um die Schule und ihre seltene Hingabe und Begeisterung für den Lehrerberuf. n"axw> Würzburg, 18. Sept. Zum Nachfolger der in den Ruhestand getretenen Lehrerin.- Frl. Unna, ist Herr Lehrer R o h b e r g in Thüngen ernannt worden. Es geht ihm der Ruf eines tüchtigen Schulmannes voraus. Riederohmen b. Alsfeld, 18. Sept. Nach iiiehrtägigem Leiden starb der in weiten Kreisen wegen seiner Wahrheitsliebe und Reellität im Geschäft bekannte frühere Metzgermeister Abraham Wolf in dein benachbarten Merlau. Trotz seines hohen Alters von 89 Jahren scheute er an keinem Sabbat, Fest- und Fasttage den weiten, halbstündigen Weg ins G'tteshaus und ließ es sich auch nicht nehmen, noch alle Fasttage zu halten. — Am Grabe würdigten Lehrer B i ck , Niederohmen und Lehrer Z o - d i k, Laubach, die großen Verdienste und die ehrliche Frömmigkeit der Entschlafenen. Sein unauffälliges Wirken wird ihin bei allen guten Jehudim und Andersgläubigen ein bleibendes Andenken bewahren. Jüdische Gäste, die sich in diesem wommer des Mißvergnügens aus den Sphären der Politik in die schöne Schweiz retten wollen, wohnen am angenehmsten in dem erstrangigen Hotel du Lac in Luzern, dessen Leiter, Herr H. B u r k a r d t - S p i l l m a n n , es glänzend versteht, seinen Gästen den Aufenthalt angenehm zu machen. Das Haus, das einen schönen Garten besitzt, liegt in der Nähe der Dampfschiffsstation, des Bahnhofes und der Post, hat fließendes Wasser und Staatsteleson in allen Zimmern, und man kann dennoch dort Zimmer von Fr. 6.— an bekommen. Das Haus kann die bekanntesten jüdischen Familien aus der Schweiz selber, die es seit vielen Jahren frequentieren, als Referenzen aufgeben. Unter gleicher Direktion steht auch das Hotel Metropole in Nizza. Zabbat-Mfang «ui flusgcmi Ort Anfang Datum Ausgang Uhr Min. Uhr Min. Frankfurt a. M. 5 50 24. 7 05 Berlin 5 55 Sept. 6 44 München 5 45 1932 6 47 Köln 6 10 7 10 Stuttgart 6 00 23. 7 00 Breslau 5 50 6 26 Nürnberg 5 50 6 51 Hamburg 6 05 7 00 Würzburg 6 00 1 7 00 Obs! und Südfrüchte Gg. Oehrig Zoll? 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