Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 39 (22.9.1932)
- Date
- 1932-09-22
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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JeailletQn. TV»*» 1e*»^/»1if Nr.rg Beilage jL/cr Jaf dclll \m Kosbi Salonae. Eine Erzählung aus biblischer Urzeit. Von Sanon. mm Ai^ (Fortsetzung.) Endlich aber verschaffte sich die moabitische Gesandtschaft Gehör. Sie war vor Kosbi in die knie gefallen und ihr Führer rief: „kosbi Salonas, sei Du unsere Königin!" Me aus einer fernen Welt zurückkehrend, stand Kosbi. plötzlich still. Sie raffte die Fetzen ihres Gewandes zusammen und stand hoheitsvoll inmitten der Versammlung. „Vicht ein schwaches Weib soll Euch führen. Ich bin die Gattin des Balak!" Sekundenlange Pause. Dann trat der Führer der moabitischen Gesandtschaft vor: „Balak, Sohn des Zippor, Jünger' und Freund BLl-Ams, Gattin der Kosbi Salonae, willst Du Moabs König sein?" Endlich war Kosbi am Ziel ihrer Wünsche. Balak zog sein Schwert und legte es vor den Fuß der Moabiter. „Hier lege ich meine Kraft vor Luch. Ich gehöre Luch." Und Moabs Führer hob das Schwert vom Boden und reichte es dem neugewählten König: „Gürte das Schwert um Deine Lende und ziehe es, um Moabs Mannen zum Kampf und zum Sieg zu führen. Du aber, Kosbi Salonae, Moabs Königin, tritt ein in den Rat der Alten Moabs und weise uns den Weg zum Glück und zum Sieg des Baal peor." Bald hatte sich die Kunde von der Königswahl überall verbreitet. Heller Jubel auf den Straßen, dessen Widerhall in die verborgensten Täler der Steppe tönte. Drinnen aber spielte sich eine kleine, nur von wenigen bemerkte Szene ab. Moabs Königin trat zu Ieser und flüsterte ihm zu: „Um Deiner Tochter willen habe ich Dich geschont. Du weißt, wenn ich Dir das Bild Baal peor gereicht hätte und Du hättest den Kuß verweigert, Du wärst zerrissen, worden,- Ich Frage Dich, willst Du mir helfen am Werk meiner. Rache?" - Ieser schwieg. „So bin ich denn von diesem Augenblick an Dein Feind und-der Feind Deines Hauses. Gehe als Bote der Königin pon Moab zu: diesem Pi-Rechas und sage ihm, Kosbi Salonae habe ihm Rache geschworen." Ieser verhüllte sein Haupt und verließ die Versammlung. Mitleidlos sahen ihn die Großen Miöjans scheiden. An ein und demselben Tage bewegten sich zwei Karawanenzüge aus Miöjanlanö. Die eine zog nordwärts. Cs war:öer neue König von Moab mit großem Gefolge. Die andere zog westwärts. Es war Ieser mit den Seinen. Stillschweigend hatte er den verödeten Tempel der Sin für immer geschlossen. Rur seine Familie; die Keniten, stand zu ihm. Sie gingen mit ihm; als ihnen Ieser von der fessellosen Entartung üosbis erzählt hatte, da gelobetn sie für sich und ihre Kinder strengste Enthaltsamkeit von Wein und Tanz.; Als Bil-Am aber von der Wendung der Dinge hörte, ließ er sich über alle Einzelheiten unterrichten. Diese Kosbi, dachte er, diese Kosbi wird mir belfen! X. Cs wehte ein neuer Wind in Moab. Man spürte die Hand der Königin allüberall. Balak wurde ein willenloses Werkzeug in ihrer Hand. Sie verstand es auch, zu den Emoritern ein sehr mildes Vasallenverhältnis herzustellen, ohne Heeresfolge leisten zu müssen. Fleißige Beziehungen unterhielt sie zu den Priestern und priesterinnen des Baal peor. Aus dieser früher fast harmlosen (Organisation eines naiv schrankenlosen Raturdienstes schuf sie ein politisches Werkzeug. h Von den Epriu hörte man eigentlich wenig, hin und wieder von einem kleinen Scharmützel mit Kenaanhocöen. Es schien schon, als sollten sic sich in der weg- und wasserlosen Steppe verlieren. Da hörte man plötzlich von einer großen Schlacht mit den Emoritern und von der völligen Riederlage Sichons. Wieder erhob sich das drohende Gespenst der Epriu. Wie aus der Wüste hingeweht, lagerten sie vor den Toren Moabs. Moab stand am Scheidewege; sollte man nicht doch in ein freundschaftliches Verhältnis zu dieser Horde treten, die so plötzlich als wohlgerüstetes Kriegsvolk sich entpuppt hatte? Es gährte in Moab. Auf der einen Seite atmete man auf, daß die gewaltige Gefahr, die aus dem Rorden drohte, beseitigt war; der Cmori geschlagen, die Basanvölker unterjocht. Kosbi war verzweifelt. Also alles umsonst, Moabs König sollte als Bittsuchcnder in das Lager der Epriu gehen? Rie und nimmermehr. Sie sah, daß Balak begann, in seinen Entschließungen wankend zu werden. Heimlich schickte sie eine Botschaft an ihren Vater. „Sende mir die weisen Alten von Miöjan, daß sie die Fürsten Moabs stark machen zum Kampf gegen die Epriu." Die Alten Midjans kamen, aber auch sie vermochten die bleiche, schlotternde Angst des Moabvolkes nicht zu dämmen. Wie sollte man aber ein furchtersülltes Volk in die Gchlachtreihe bringen? Dem Volke Moab Mut zu machen, darauf kam es an. Darüber beriet Balak mit seiner Königin. „vielleicht weiß Bil-Am Rat," sagte Kosbi. Da trat Balak in die Ratsversammlung. „Männer Moabs, ich kann das Schwert nicht ziehen, wenn Ihr zittert, wie schwache Weiber, wenn Ihr mir nicht glaubt, daß diese Epriu vor uns fliehen werden, deshalb werde ich den Weisesten aller Weisen, den großen Seher, den starken Menschen Bil-Am rufen. Er wird sich mir nicht versagen. Cr wird im wuchtigen Wort seiner Verwünschung Euch die Augen öffnen." So zogen sie hinaus, die Boten Balaks und üos-- bis. Man hatte ihnen die Horoskope mitgegeben, damit er aus. der Stellung der Gestirne zur Zeit der Geburt Balaks und Kosbis kraft seiner Sternkunde ihre Zukunft weissage. Schweigend ritten die Fürsten Moabs und die Senatoren Midjans gen Osten. Die Senatoren Midjans hatten einen doppelten Geheimauftrag, den einen von Balak, den anderen von Kosbi. Balak hatte ihnen gesagt, daß vielleicht Bil-Am. in seinem bekannten Hochmut nicht mit ihnen kommen würde, dann sollten sic den Versuch wiederholen, ihn umzustimmen. Kosbi aber ließ sagen: „Die Stunde ist gekommen. Sollst wissen, wenn die Epriu ins Feld ziehen, geht ein Mann mit ihnen. Cr heißt Pi-Rechas. Trägt, wie ich höre, mächtigen Zauber voran. Ihm fluche zuerst." Der Empfang bei Bil-Am war schlicht. Cr Zog sich zurück und verglich Kosbis Horoskop mit seinem eigenen. Er fand viel Gleiches. Und trotzdem sagte er. den Gesandten am anderen Morgen: „Ich kann nicht mit Euch gehen, mein G'tt will es nicht." Moabs Boten kehrten um, Midjans Senatoren trennten sich von ihnen. Groß war die Bestürzung bei Balak und Kosbi. Richt einmal.einen persönlichen Gruß hatten sie von Bil-Am erhalten. Erfolgreicher war . eine zweite Gesandtschaft. Sie brachte Bil-Am mit. Mit Jubel waren Balak und Kosbi bis an die Grenze ihres Landes ihnen entgegengezogen. Doch waren sie entsetzt, wie verstört Bil- Am aussah. Den Gruß des Königspaares beachtete er kaum. Kosbi ritt zu den Moabbotcn. „Was ist mit Bil-Am?" „Wir wissen es nicht. Cr ritt im weiten Abstand vor uns. Als wir ihn jenscils eines Hohlweges einholten, faß er wie gebrochen auf seinem Reittier und auch dieses blickte stier zur Erde. Er muß etwas Furchtbares erlebt haben." vielleicht, dachte Kosbi, hat er allzu wirksames Zauberwerk gerüstet und kämpft mit niedrigen, unbotmäßigen Geistern. Unterdessen war Balak an die Seite Bil-Ams getreten. „Meister, warum ließest Du mich zweimal bitten? Glaubst Du, ich wußte nicht, wie man Dich würdig empfängt und bewirtet?" Matt antwortete Bil-Am: „Balak, ich bin ja da. Doch was ich künden werde, weiß ich nicht. Ich bin meinem G'tt unterlegen. Werde nur künden können, was er mich heißen wird, zu künden." Kosbi eilte herbei. Bll-Am winkte ab und sagte zu Balak: „Sprich zu Moabs Königin. Bil-2lm kann nicht in das 2luge eines Weibes schauen, wenn er zu großer Verkündung sich rüstet. Ich will auch vorher nicht unter Dein Zelt gehen. Schließe Dich uns an." Sie ritten gemeinsam durch volkreiche Städte, an den Tempeln der Götzen vorüber, hinaus in die Oede und auf die Spitzen der Berge und endlich dorthin, wo ein überlebensgroßes Bild des Baal peor grinsend auf die Wüste schaute, als wolle er höhnend sich der trockenen Dürre als Symbol der Fruchtbarkeit und des blühenden Lebens entgegenstemmen. Dreimal kündete Bil-2lm Wort und Prophezeiung, dreimal war es ein Segen für Israel. Balak war verzweifelt und herrisch gebot er dem Bil-2lm zu schweigen. Aber Bil-2lm sprach: „Run sollst Du klar sehen." Und er zeigte ihm alle Semskinöer zu Füßen der Epriu. Verdrossen, ohne ein Wort des 2lbschieds, verließ ihn Balak. Bil-2lm aber ritt Midjanwärts. Als er wieder an der Säule des Baal peor vorüberkäm, wurde er nachdenklich. 2ln der Grenze des Landes trat plötzlich Kosbi ihm entgegen. „Bil-Am, was hast Du mir'getan? Was soll aus Deiner, aus meiner Rache an den Epriu werden. Bil-Am, ich will Deine Sklavin sein, will Dir all mein Gold geben, will Dir mein Letztes geben. Hilf mir, mein Herz schreit nach Vergeltung." Da ging ein teuflisches Lächeln über das 2lntlitz Bil-2lms. „Komm näher, Moabs Königin; ich habe Dir etwas ins Ohr zu sagen: Kosbi Salonae, die Kriegsmannen Balaks werden nicht ins Feld ziehen. 2lber Du, Du Kosbi Salonae, Du priesterin des Baal peor, führe den Krieg gegen die Epriu mit den Mädchen des Baal peor. Du, Kosbi Salonae, lehre diesen Pi-Rechas, den Träger des heiligen Gerätes, dieses Dir zu Füßen zu legen." Flammende Röte überzog das Antlitz üosbis. „So soll, Bil-Am, Dein Wort mein Schicksal werden." Rur noch im Traume hörte sie, wie Bil-Am scheidend rief: „Moabs Königin, ich gehe meines Weges. Ich werde Miöjan besuchen. Im Zelte des Zur erwarte ich Deine Rachricht." (Schluß folgt.)