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Der Israelit · 1932-09-22 · Heft 39 (22.9.1932) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 39 (22.9.1932)
Date
1932-09-22
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
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22. September 1932 Der Israelit Nr. 39 Seite 11 wendet war, Leid und Schmerz zu stillen; sie, die den Kranken nicht gemeiniglich Pflegerin war, sondern Mutter und Freundin, — vielen Freundin für das ganze weitere Leben, — sie ist nun selbst den Weg alles Irdischen gegangen. Ms sie vor, einem Jahre etwa durch ihren Zustand gezwungen war, ihre Arbeitsstätte zu verlassen, sah sie ihre Aufgabe vollbracht; sie verfiel einem Leiden, das ihr die verdiente Muße verkümmerte und nun ihrem Leben am 16. September ein Ende setzte. Wenn gemilderte Schmerzen und getrocknete Tränen sich, wie ein Talmudwort sagt, in Engel verwandeln, so werden viele gute Engel die Seele der „Schwester Anna" auf der Heimfahrt begleiten. Fünfunddreißig Jahre lang hat Schwester Anna mit einem Eifer, einer Liebe und einer Aufopferung ohne gleichen im Georgine Sara von Rothschildichen Krankenhaus Dienst getan. Wie sic, die Nichtjüdin, sich, in all die religiösen Eigenheiten des Hauses hineinfand, wie sie mit strengster Gewissenhaftigkeit all den religiösen Gefühlen der Patienten Rechnung trug, wie sie sich, bis auf die Ausdrucksweise, dem ihr von Abstammung her fremden Milieu anpaßte, wie sie so ganz und gar in ihre Aufgabe im jüdischen Hause hineinwuchs, das erregte stets die Bewunderung aller, das wird in der Religionsgesellschaft und im Kreise ihrer Mitglieder unvergessen bleiben. Dank, tiefer Dank von vielen Hunderten begleitet Schwester Anna in die ewige Heimat,, wo sie in den Reihen der vl-ipn nivin ’i'vn den Lohn ihrer schweren, liebreichen und segcnsvollen Lebensarbeit empfangen wird. Jakob Pleß Mit Jakob Pletz, der vor einigen Wochen im gesegneten Alter von 86 Jahren hier verstarb, ist eine markante jüdische Persönlichkeit dahingegangen. Ilnerschüttert durch alle Stürme, die über sein Leben dahin gingen, stand er aufrichtig und ungebeugt, getragen von tiefem G'ttvertrauen. das im Gebet seinen stärksten Ausdruck fand. Da vergaß er die Welt um sich her, da erschlossen sich die reinen Quellen seiner Seele, er machte wahr das Wort des Psalmisten 'u na-iaan vnas» l-o- Peinliche Rechtschaffenheit zeichnete ihn aus, ihm waren die Stunden des Tages anvertrautes Gut, das er nach höherer Weisung zu verwalten hatte, ivn nb'm und npis waren ihm höchste Pflichttat und mit Eifer gab er sich ihnen hin. In Nörenberg (Pommern) wird es. unvergessen bleiben, wie er die oft zahlreichen durchreisenden v’niiN' aufnahm, wie er sie bewirtete, beherbergte, weiter geleitete, sie waren die steten Gäste seines Hauses. Ein langes Krankenlager beschloß sein Leben, wie ein Held nahm er es als g'ttiiche Führung entgegen, aufrecht und stark wie er gelebt, ging er dem "kv entgegen. Selma Heß Schlicht, bescheiden und zurückgezogen, wie sie gelebt, zog sie von dannen. Wer sie kannte und erkannte, achtete und liebte sie. Durch körperliches Gebrechen behidnert, in die große Oeffentlichkeit zu treten, widmete sie ihre Kräfte der Erziehung und Belehrung schwacher, hilfloser Geschöpfe. Sie unterrichtete fast ein viertel Jahrhundert an der H e i n e m a n n ' s ch e n Schule und im Knabenpensionat und Schülerheim Klibansky.' Was sie dort als Lehrerin geleistet hat, bestätigte das Prophctenwort o'33i33 v'3in ’p’vtai „Die Lehrer .werden wie die Sterne leuchten." Sie verstand es, durch ihr gütiges belehrendes Wort die Kindesseele zu erschließen und empfänglich zu machen, für den Wissenstoff, dem Kinde Mut einzuslötzen, mit Liebe und Freude das ihm zusteckte Ziel zu erreichen. So half sie vielen Eltern, die Sorge um die Förderung der Kinder tragen.n'vni» nvinn '13. Das e r st e und beite gab auch sie. Sie ging ganz in ihrem Beruf aus. Jäh und unerwartet wurde sie ihren Schülern und Schülerinnen, die sie innig geliebt, entrissen. Bei der am 13. September in aller Stille stattgehabten Beerdigung, an der dennoch viele teilnahmen, sprachen Herr I. B. L e v i ' und Herr Rechtsanwalt I. K l i b a n k k y herzliche Worte des Nachrufes der edlen Heimgegangenen Iugendbildnerin. 40 jähriges Jubiläum des Gumpertz'fchen Sischenhausrs. Vierzig Jahre im Dienste hingebungsvoller, erhabenster und edelster Menschenliebe zugunsten der von schwerem Leid Gebeugten! Dies ist wahrlich eine Wirksamkeit auf die das Gumpertz'sche Siechenhaus voll Stolz zzurückblicken kann. Ein. gütiges Geschick fügte es, daß an der Spitze der Verwaltung Persönlichkeiten waren, die mit einem gleichgesinnten Gremium dieses Liebeswerk begründeten, ihm wegweisend waren, und so, allen Stürmen der Zeiten trotzend, ein festes Fundament an G'ttvertrauen und Zuversicht aus stete Hilfsbereitschaft unserer Gemeinschaft gaben. Wir nennen die edle Gründerin Frau Betty Gump e r tz, die zwei Heimgegangenen Präsidenten: Charles Hallgarten und Julius Goldschmidt, wir nennen dahingeschiedene Persönlichkeiten wie Michael Moses Mainz, Ferdinand Gamburg, Rechtsanwalt Julius Platte, Hermann Schott, Direktor Hermann Rais, Raphael Ettlinger. Eli Michael, Joseph Holzmann, I. C. Weill, Benny. Oppenheimer, Fritz Sondheimer. Jeder einzelne dieser Philanthropen hat sein Bestes dieser milden Stiftung gegeben. Gekrönt aber wurde ihr Wirken durch Angliederung der Minka von Eoldschmidt-Rothschild-Stiftung, errichtet von der verewigten wohltätigen Freifrau Mathilde von Rothschild. Wenn auch durch die Inflation das Stiftungsvermögen nahezu entschwunden ist, so hat das Siechenhaus durch Ueberlassung seines Vordergebäudes an die Stadt und die hierdurch erfolgte Erweiterung seines Altbaues Wege gesucht,. um den Kranken und Hilfsbedürftigen, die mehr .als je nötige Heimstätte zu erhalten und sie in treuer Fürsorge vor äußerster Not und Verzweiflung zu bewahren. Dem Vorstand gehören jetzt an: Dr. Richard Merzbach als Präsident, ferner die Herren Joseph Wisloch,v Direktor Karl Herzberg, Hermann Wronker, Rudolf von Goldschmidt-Rothschild, Moses Mai, Fritz Glauberg, Dr. med. Paul Löb und Jakob Goldschmidt. Die Ehrendamen: Frau Julius Goldschmidt, Frau Lyon Seeligmann, Frau Dr. Richard Merzbach und Frau Hermann Wronker. Der Aufruf der Verwaltung, die in verständnisvoller Weise, statt eine Feier zu veranstalten, eine „Jubiläumsstiftung" errichtet, sollte überall ein williges Ohr finden, und es müßte als eine Ehrenpflicht unserer jüdischen Allgemeinheit betrachtet werden, in der schwersten Zeit, die wir je durchlebten, die nötige Unterstützung dem Siechenhaus nicht zu versagen. Gilt es doch, völlig mittellosen Schwerkranken, die heute nirgends anderweitig unterzubringen sind, ein Gefühl der Geborgenheit zu verschaffen, und beizutragen, daß das schützende Dach ihnen bleibt. Gruß der Frankfurter Waisenkinder. Wie alljährlich um diese Zeit, schicken uns die Kinder der Israelitischen W a i s e n a n st a l t, Röderbergweg, einen Wandkalender ins Haus. Rofch-Hafchonoh naht, da pflegten Kinder nach altem Brauch Glückwunschbriefe für Vater und Mutter unter das Kiddufchdeckchen zu legen. Siebenzig Kinder, die entweder keinen Vater oder keine Mutter oder beide Eltern nicht mehr haben, um ihnen ihre Roschhafchonohwünsche aus den Kidduschtisch zu legen, schicken sie, diese Rosch-Haschonohwünsche, uns, uns allen, in der Form des Wandkalenders. Achten wir Segenswünsche von Waisenkindern, die in uns ihre Freunde und Annehmer sehen, nicht gering. Es ist ein schön ausgestatteter Kalender, ein hübscher Wandschmuck. Aus einem harten Deckel mit dem Fassadenbilde des Hauses hängen die Blätter; jedes Blatt eine Woche unseres Lebens. Die Blätter verwehen, wenn die Woche zu Ende ist. Die Tage und Wochen aber bleiben in der Summe unseres Lebens — wenn wir ihnen Inhalt zu geben wissen. Der Inhalt ist vielgestaltig. Zu diesem Inhalte unseres Lebens führt nicht zuletzt das. was die Querzeile auf dem Deckel uns vor Äugen hält: vw duv und iw mmm ’3K „Er, der Witwen und Waisen aufrichtet, der Vater der Waisen ist, er erhört auch uns!" Die eingelegten grünen Blätter mit der Postscheckkontonummer 15181 ermöglichen, die Tage und Wochen als Bleibendes festzuhalten, auch wenn die einzelnen Blätter fallen . . . Die Bibliophilen bei der Soncmo-Eescllschast. Die Jahresversammlung der Gesellschaft der Bibliophilen hatte ihren Ausklang in dem Vortrag des Herrn Dr. A. H 0 r 0 d i s ch „Die Bedeutung der bibliophilen Gesellschaften für die Entwicklung der Bibliophile", zu dein die Frankfurter Ortsgruppe der Soncinv-Gosellschaft der Freunde des jüdischen Buches die „Weimaraner" eingeladen hatte. Der Redner ging davon aus, daß es eigentlich ein Paradoxon darstelle, wenn Eigenbrödler, wie es Bibliophilen von Natur aus siird, sich zu Vereinigungen zusammenschließen. Trotzdem hat schon vor 120 Jahren der bekannte Sammler Earl Spencer den ersten Bibliophilenverein gegründet, den „Rorburghe Club", einen kleinen Herrenklub adliger Bibliophilen, von denen sich jeder verpflichten mußte, einen unbekannten enlgischen Tert für die Mitglieder des Vereins herauszugeben und auf seine' Kosten drucken zu lassen. Der Redner schilderte dann die Entwicklung der Bibliophilengesellschaftcn in einem Ueberblick über die englischenfranzösischen und deutschen Gesellschaften bis zur Gegenwart. Er erläuterte seine interessanten Ausführungen in anschaulichster Weise dadurch, daß er einzelne charakteristische Veröffentlichungen der bedeutendsten Gesellschaften von Hand zu Hand gehen ließ. Die Ausführungen gaben einen Einblick in die Vielseitigkeit der Interessen der Bibliophilenverene und die Bedeutung ihrer Veröffentlichungen nicht nur für die Geschichte des Buchwesens, sondern auch für die Literatur- und Kulturgeschichte. Im Schlußwort gab der Vorsitzende der Frankfurter Ortsgruppe, Herr Professor Freimann, den zahlreich erschienenen auswärtigen Gästen die besten Wünsche auf den Weg. Katalog zur jüdischen Kunst- und Kulturgeschichte. Die Gesellschaft zur Erforschung jüdischer K u n st d e n k m ä l e r gibt einen „Katalog der erschienenen Abbildungen znr jüdischen Kunst- und Kulturgeschichte", zusammengestellt von Jda Posen, heraus. Der Architekt, der sich über die vorhandenen illustrierten Vorlagen früher erbauter Synagogen orientieren will, der Bildhauer, der für seine Erabsteinentwürfe neue Anregung sucht, der Kunstgewerbler, der bei der Bearbeitung von Bechern. Tellern und ähnlicher Kleinkunst auf Grund alter Arbeiten Neues erzeugen möchte, sie alle werde in dem ermähnten Katalog das Gesuchte finden. Aber auch dem Forscher, der die Zusammenhänge der Kultur durch ANNONCEN-BÜRO JULIUS SCHMIDT FRANKFURTA. M. JETZT OSTENDSTR. 83 * 7>: vergleichende Studien klären will, wird der jetzt begonnene Katalog ein unentbehrliches Hilfsmittel werden. Es ist nur zu hoffen, daß die Durchführung des so viel versprechenden Nachschlagwerkes von allen in Betracht koinmenden Personen durch llebersenduug illustrierter Werke an die Geschäftsstelle der Gesellschaft zur Erforschung Mischer Kunstdenkmäler, Frankfurt a. M., Fahrgasse 146, unterstützt wird, und daß die Gesellschaft die Mittel auf bringt, um den Katalog in rascher Folge erscheinen zu lassen. Milde Strafen für einen Nazi-Uebersall aus jüdische Pfadfinder. Drei Angehörige vom Stoßtrupp der Frankfurter „Hitler-Jugend" hatten sich Dienstag vor dem Schöffengericht wegen eines Ueberfalls zu verantworten, den sie vergangenen Monat auf wehrlose Mitglieder des Jüdischen Pfadfinerbundes aus Offenbach im Stadlwald unternommen hatten, als diese zu ihrer Tagung in Frankfurt a. M. wanderten. Das von den jüdischen Wanderern herbeigerufene lleberfallkommand.o nahm drei Nazis fest. Vor Gericht leugnen sie, daß der Angriff von ihnen ausgegangen fei. In der Verhandlung vor dem Schöffengericht führte der Staatsanwalt aus, daß im Interesse der Ausrechterhaltung der öffentlichen Ruhe, Ordnung und Sicherheit und zum. Schutze des Lebens der Bürger in Zeiten politischer Spannung schärfste strafen verhängt werden müßten. Er beantragte dann für einen Angeklagten 6 und für die beiden anderen je 4 Monate Gefängnis. Nachdem ein Anwalt der lleberfallenen als Nebenkläger für strenge Sühne plädiert hatte, beantragte der „Sozialreferent" der Hitler-Jugend als Verteidiger an Stelle der Freiheitsstrafen nur Geldstrafen. Das Urteil des Gerichts fiel unerwartet milde aus. Ein Angeklagter wurde vollkommen freigefprochen, während zwei andere nur zu Geldstrafen von 25 Mark verurteilt wurden. SO Frankfurter Vereinskalender. Verein Mekor Chajim. Samstag morgen nach Schul im Hörsaal: Dinim, Herr Dr. E. Posen — nachmittags % Stunde vor Mincho im Bereinslokak Mikro, Herr Dr. W. Hofmann. — 4 Uhr (ebenso Sonntag 8.30 Uhr vorm.) im Vereinslokal Gemoro. Herr I. Soffer. Sonntag morgens nach Schul (ebenso Mittwoch), rnn "n, Herr Red. S. Schachnowitz. — Vormittags 9.15 Uhr (ebenso Dienstag 6.30 Uhr) Gemoro, Herr R. A. G. Posen. — Der am Sonntag fällige Mussar-Vortrag fällt infolge des von der Gemeinde festgesetzten Muffar-Vortrages des Herrn Gemeinde-Rabbiners aus. Montag (auch Donnerstag) nach Schul: Mifchna Mitgliederlernen. — abends 7 Uhr (auch Mittwoch) Gemoro Herr Rabbiner Dr. Jos. Breuer. — abends 8.15 Uhr. (auch Donnerstag) Gemoro Herr Dr- E. Posen Dienstag (auch Freitag) nach Schul: Mifchna. Herr Dr. E. Posen. Von Montag bis Freitag morgens nach Schul im Sitzungszimmer Gemoro. Herr. Dr. S. Ehrmann. Sonntag, Dienstag und Mittwoch abends 8.15 Uhr, im Vereinslokal Schaßlernen. Herr Herz Holpern. Jahrzeilssiiflungen. Dienstag, 27. Sept.: Max Weil-Stiftung. „ „ „ Ludwig Eliefer Kallmann-Stiftung. Mittwoch, 28. Sept.: Ahron Kallmann-Stiftung. Donnerstag, 29. Sept.: Leo Abigail Springut-Stiftung. Freitag, 30. Sept.: Esther Eschwege, geb. Adler-Stiftung. Jüdische Frauenvereinigung und Agudiskische Frauengruppe. Ortsgruppe Frankfurt a. 7N. Am Montag, 26. Sept., abends 8.45 Uhr, findet im Hörfaal der I. R. G., Friedberger Anlage 5, ein Vortrag von Herrn Dr. S. Ehrmann über Rofch hafchonoh statt. Gäste, Damen willkommen. Liwjalh Chen. Samstag nach Mincho (5.15 Uhr), im Hörfaal Friedberger Anlage, Vortrag des Herrn S. Schachnowitz: „Gebete im Morgendämmer."

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