Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 38 (15.9.1932)
- Date
- 1932-09-15
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 14 Nr. 38 Der Israelit Erste Berliner Neuwäscherei und Gianzblätierei JL SCHÖNTKAL-FISCHER Rechneistraße 4 Telefon 22066 Sargenes und wollene Tallesim werden in aller kürzester Frist zu billigsten Preisen gewaschen. Ein Palästina-Brief. TeI - Awiw, 12. Sept. Der „Israelit" hat den Untergang der misrachisti- schen Kolonie „ Chittin " verzeichnet. Es sind in diesen Wochen acht Jahre her, daß Prof. W e i z m a n n, da er gerade in Palästina anwesend war, diese Kolonie eimveihte. Eine solche höfliche Verbeugung ist eine harmlose Geste aus politischer Klugheit, wenn man auä) den Misrachi nicht liebt.' In dieser Hinsicht deckten sich stets die großen und kleinen zionistischen Machthaber mit Weizmann. Wenn der Misrachi einen wirklichen Führer hätte, dann ließe er die achtjährige Leidensgeschichte von „Chittin" als Aufklärungsschrift über das wahre Verhältnis der zionistischen Instanzen zu dem Misrachi verfassen und der jüdischen Oeffentlichkeit übergeben. Die zionistischen Machthaber haben ihre echten'Kinder, Abglanz ihrer Seelen, und ihre Stiefkinder. Ihre wahren Kinder dünken ihr alle, die weder in der Idee noch in der Praxis die Verbindlichkeit des Judentums der Thora anerkennen. Die aber der Thora leben, ohne die es schon längst kein jüdisches Volk mehr gäbe, gelten als geduldete Stiefkinder. Das Glück des Lieblingskindes ist aber der Arbeiterpartei zugefallen. Man sollte nur verzeichnen, für welche Zwecke die Organisationen dieser Partei Geld in den letzten acht Jahren erhielten, während Chittin das Notwern dige verweigert wurde. Den Terrorismus der Arbeiterorganisation bekam jüngst die einzige misrachistische Kewuzah „Rodges" zu spüren. Da die kleinen Könige dieser Organisation sich das Verfügungsrecht über alle Arbeitnehmer im jüdischen Palästina anmaßen, sind ihnen die ihre besonderen Wege gehenden misrachistische» Arbeiter ein Dorn im Auge. So wurden denn eines Nachts die von Rodges- Leuten mühsam aufgeworfenen Gräben zugeschüttet, wahrscheinlich nach dem Muster der Philister zu Zeiten Jizchoks. Nach diesem Vorbild hatte wohl auck) die zionistische Exekutive „Chittin" die größten Schwierigkeiten init dem Legen einer Wasserleitung gemacht, trotzdem das Wasser, dieses Erste für den Bauer, fehlte. Doch die Herren vom Misrachi scheinen lederne Hosen zu, tragen und Fußtritte nicht zu spüren. Es ist längst die Stunde gekommen, daß der Misrachi sein Verhältnis zur zionistischen Organisation gründlick) revidieren mühte. „Führer", dieses Wort hat in der palästinensischen Judenheit längst einen ominösen Klang. So herrscht in Tel-Awiw — unbehindert der Lehren des Jahres 1925 — mal wieder die künstliche Vauspekulation. Z. V. ein „ Bauplatz, der noch vor einem Jahre 500 Lst. kostete, kostet heute 1000 Lst. Das hat ein Häufchen Agenten und Spekulanten gemacht — doch alle Führer schweigen. Der vorjährige Preis war schon die Grenze des Gerechtfertigten; der nunmehrige wird die Käufer, meist neu Eingewanderte, zum Teil zur Katastrophe bringen. Sicherlich haben die Menschenfreunde, die Agenten und Spekulanten auch im Interesse anderer, z. B. der Advokaten, gehandelt. Während sonst in der Welt auf fünfhundert Menschen ein Bäcker kommt — weil jeder Mensch tagtäglich Brot essen muß —, besteht in Palästina das Unikum, daß unter je fünfhundert Juden ein Advokat sich befindet. Eine sehr zum Nachdenken auffordernde Tatsache. Auch in der „Kehillah" von Tel-Awiw sieht nicht alles zum Besten aus. So besteht die Chewrah Kadischah aus bezahlten Angestellten. In der Judenheit aber war es stets Brauch, daß die geachtetsten und frömmsten Persönlichkeiten der Gemeinde die letzten Liebesdienste ausübten. Dis Kehillah von Tel-Awiw hat vor einiger Zeit das Gelände für einen neuen Friedhof eingeweiht Jetzt wird die unglaubliche Tatsache bekannt, daß man ein Stück des Geländes kostenlos auf lange Jahre dem „Haschomer Hazair" überlassen hat, wahrscheinlich, damit er dort seine Sabbat-Entweihungen betreiben kann. Um mit etwas Gutem wenigstens zu schließen: Der Eintritt des energischen Orthodoxen Adolf Pinkas in den Magistrat von Tel-Awiw macht sich schon auf dem Gebiete des Sabbat-Schutzes bemerkbar. Auch ist jetzt in Tel-Awiw ein orthodoxer Verein, „Mökor Chajim", gegründet worden, der hauptsächlich sein Augenmerk auf die Erziehung der Jugend richten will. Zofe. Sprechsaal. Zur Frage des Weltkongresses. Erlauben Sie mir, daß ich einige Bemerkungen zum Problem der von Ihnen und noch anderen gesetzestreuen Kreisen so überaus entschieden abgelehnten „Jüdischen Weltkonferenz" mache, — weil ich eben der Ansicht bin, den Gedanken einer derartigen Konferenz nicht ohne weiteres und ohne sehr genaue Ueberlegungen einfach abtun zu dürfen. Was in Genf gewesen ist, war in mannigfacher Hinsicht gewiß fehlerhaft. Viele Ideen, die an sich groß und bedeutungsvoll sind, beginnen ihre Realisierung mit mangelhafter Initiative. Ich glaube aber, daß gerade die gesetzestreuen Juden nunmehr bei der bloßen Kritik der einmal begangenen Fehler nicht stehen bleiben sollen; es ist hohe Zeit, für das in allen seinen Fugen erzitternde Judentum auf die Schanzen der Gegenwart zu treten. Erstens war der Titel der Genfer Zusammenkunft zu hochfahrend. Man kann getrost bescheidener aufmarschieren, — und dennoch seine jüdischen Leistungen zu höchster Intensität anspannen; deshalb ist zunächst der Ausdruck: „ W e l t konferenz" zu meiden. Ruhiger und sicherlich ebenso richtig klingt der Begriff „Jüdischer Kongreß". Denn daß die Judenheit auf eine solche Zusammenkunft grundsätzlich verzichten soll, halte ich für eine Art Versündigung. Nur muß der Geist der Vorarbeiten ein völlig anderer sein, kurz: er muß positiv jüdisch sein! Und darf nur von einer Führerschaft inspiriert werden, die anerkannt und infolge ihrer uneingeschränkten jüdischen Ueberzeugung berufen ist, einen jüdischen Kongreß unserem Zeitalter zu bescheren. Schon deswegen dürften die gesetzestreuen Instanzen nicht beiseite stehen. Hier wartet man auf eine Offensive, — nicht auf eine permanente Kritik. Zum Geist einer wahrhaft jüdischen Konferenz gehört die Ausgestaltung der Tagesordnung, die einwandfrei jüdische Umrahmung und Durchführung des Kongresses; denn er muß eine religiös-jüdische Kundgebung im besten Sinne sein, — nicht ein Austoben rednerischer Routiniers und ein Treffpunkt der jüdischen Notabeln. Die „Tagesordnung" in Genf war primitiv. Man debattierte über den Antisemitismus. Dazu bedarf es keines jüdischen Kongresses. Ein jüdischer Kongreß muß jüdisch-erzieherisch wirksam sein, muß zunächst einmal der Auftakt einer echt innerjüdischen Rückkehr werden, Auftakt zur eigenen religiösen Regeneration. Er muß eine Manifestation gegen den Kult des Heidnischen und Unjüdischen sein, ein entschiedenes Aufbegehren gegen jede Art und Form einer vom Urboden des Judentums fortführenden assimilatorischen Gesinnung. Man' weiß, wie die diversen Begleiterscheinungen der (international organisierten) Gottlosigkeit gerade den jüdischen Körper zersetzen. Der jüdisck)e Kongreß ist hier eine Tribüne der Wirksamkeit gegen alle Tendenzen der Zerstörung und Verneinung. Die gesetzestreuen jüdisä)en Menschen haben jedes Interesse und schließlich auch die heilige Pflicht, diese Tribüne zur Kampfstätte für G'tt und Religion zu mack)en. Eine jüdische Erneuerung in solchem Sinne ist positive Arbeit und unerläßliche Voraussetzung für jeden Kampf gegen den Ungeist der Umwelt, gegen Antisemitismus und andere Verfehlungen. Der jüdische Kongreß muß zunächst den Tatwillen zur Reinigung des eigenen jüdischen Hauses aller Welt sichtbar in Erscheinung treten lassen. Einige mögen sagen: die jüdische Orthodoxie hätte schon ihre jüdischen Kongresse, — und im übrigen wäre wohl eine Gesinnungsänderung bei den „andern" schwer zu erreichen. Diese Ansicht mag richtig sein, — in Zeiten des normalen Lebens. Heute ist mehr denn je ein jüdischer Mensch für den andern verantwortlich. Die jüdische Tragödie ist zu groß. Und wir alle haben die Pflicht, einzugreifen und wenigstens das Werk zu beginnen. Aus diesen Erwägungen allein halte ich es für dringend geboten, innerhalb "der gesetzestreuen Judenheit das Projekt eines jüdischen Kongresses im oben kurz skizzierten Sinne recht sorgfältig zu überprüfen und nicht von vornherein (weil zufällig ein wenig qualifizierter Führer mit seiner „jüdischen Konferenz" keinen hundertprozentigen Erfolg gehabt hat!) die ganze Frage unbeantwortet in den Äktenschrank jüdischer Enttäuschungen zu rangieren. Die Sorgen um unsere jüdische Zukunft türmen sich. Diese jüdische Zukunft verlangt aber, daß zumindestens hie noch vorhandenen verantwortungsbewußten Juden unserer Gegenwart, dieser kleine Ueberrest, mehr als ihre bloße Pflicht tun. Beckum i. Wests. I. Raphael. Die Woche. Feierlage in Frankfurt a. 7N. Auf vielseitigen Wunsch soll in Berlin eine Gesellschaftsreise mit ermäßigtem Fahrpreis zusammengestellt werden. Als Abfahrtstag ist der 29. September bezw. die Nacht vom 29. auf den 30. September in Aussicht genommen. Benutzt, wird einer der folgenden Züge, aus den die meisten Teilnehmer reflektieren. Je mehr Leute mitfahren, um so billiger stellt sich die .Einzelreise. 16. September 1932 Berlin-Anhalter Bhnhf. ab: 15 Uhr; Frankfurt a. M. an: 23.04 Uhr.. Berlin-Anhalter Bhnhf. ab: 22.16 Uhr; Frankfurt a. M. an: 6.30 Uhr. Berlin-Potsd. Bahnhof ab: 22.50 Uhr; Frankfurt a. M. an: 8.04 Uhr. Verlin-Bhf. Zoo ab: 22.10 Uhr; Frankfurt a. M. an: 6.53 Uhr. Interessenten belieben sich bis incl. 25. September schriftlich an Herrn Joseph Schwarz, Berlin NW. 87, Klopstockerstr. 21 bei Klein zu wenden. Jeder Anmeldung ist eine Rückantwortkarte (5 Pfg.) beizufügen. An dieser Adresse ist auch noch Näheres zu erfahren. Aus der Jugendgruppe der Agüdas Jisroel. Die Cllul-Aktion des Erez Jisroel-Amtes hat eingesetzt. Wir bitten, unsere Sammlung-zu Gunsten des thoratreuen Erziehungswerkes im hell'gen Lande zu unterstützen. Kleinste Spenden un''.de;i dankbar entaeaengenommen! Die Leitung der Jugendgruppe hat seit einiger Zeit mit den zuständigen Stellen eine Anregung besprochen, die sick) mit der Einrichtung von Lernkursen für die weibliche Schuljugend befaßt. Es wird als notwendig angesehen, eine Parallel-Einrichtung zu den Nachmittags- Lernkursen für Jungens zu schaffen, die seit langem an der Jeschiwah bestehen, mit der Maßgabe, daß die Mädchenkurse naturgemäß in kleinerem Rahmen stattfinden sollen. Die Kurse sollen der Vertiefung und Ergänzung des in der Schule Gelernten dienen. Erfreulicherweise hat der Elternbeirat der S. R. Hirsch-Schule nunmehr seine Bereitschaft erklärt, die Anregung in die Tat umzusetzen und zunächst eine diesbezügliche Rundfrage an die Eltern zu richten. Unser Angebot, die Kurse in unseren Räumlichkeiten und evtl, mit unserer finanziellen Beihilfe stattfinden zu lassen, ist allerdings nicht akzeptiert worden, weil man glaubte, der Elternbeirat fei der Allgemeinheit der Eltern gegenüber zum Träger der Institution eher berufen als ein Jugenüverein. - R. Chajim Sonnenfeld, sein Leben und Lehren. Im Rahmen der Elulvorträge des M e k o r Chajim spricht Herr S. Schachnowitz diesen Sonntag, 6.30 Uhr, im Vereinslokale, Langestrahe 18, über R. Chajim Sonnenfeld, ein Kapitel des lebendigen M u f s a r. Es soll versucht, werden, an einigen Zügen aus dem Leben dieses Geistesriesen, wie an bekannten und noch unbekannten Weisheitssprüchen aus seinem Munde aufzuzeigen, was es mit dem praktisd)en Mussar unserer Großen aus sich hat. Gäste willkommen. Vortrag in der Jüdischen Frauenvereinigung und Agudistischen Frauengruppe. Am Montag, den 19. September, abends 8.45 Uhr, findet ini Hörsaal der I. R. G., Friedberger Änlage 5, ein Vortrag über „Die Selichauth-Gebete" von Herrn Dr. S. E h r m a n n statt. Gäste (Damen) willkommen. Geschäftsjubiläum. Von der Synagogengemeinde Israelitische Religionsgesellschaft wird uns geschrieben: Die unter Aufsicht des Rabbinats der Synagogengemeinde Israelitische Religionsgesellschaft stehende Milchhandlung des Herrn Abraham Rothschild, Sanöweg 6c, blickt am 20. September ds. Js. auf ihr 5 0jähriges Bestehen zurück. Gegründet wurde die Milchhandlung vom Vater des jetzigen Inhabers, Herrn Jsaac Rothschilds"^, und sie steht seit ihrer Gründung unter Aufsicht der Israelitischen Neligionsgesellschast. Beshamidrasch, Rechneigrabenstrahs 12. Es wird damit zur Kenntnis gegeben, daß es gelungen ist, für das Beshamidrasch apr bi? Rechneigrabenstraße 12, 2. Herrn Rabbiner B. Seltzer als Vorbeter für mv.i snn zu gewinnen. Rabbi Seltzer wird vom Munkaczer Raw als würdiger und hervorragender ob's» bva bestens empfohlen. Zwecks Platzbestellung wende man sich an den Vorstand des oben angegebenen Beshamidrasch. Jüdischer Turnerbund C. V. Der Jüdische Turnerbund veranstaltet am Sonntag, den 18. September um 3 Uhr nachm, auf dem Ostpark (Kleine Wiese, Laufbahn) ein Sports e.st für unsere Jugend, und Kn a b e n a b te i lu n g, wozu alle Freunde und Gönner des Vereins eingelaöen find. Der Besuch ist unentgeltlich. FamUiennachrichten. Goldene Hochzeit: Markus Nissenbaum und Frau Fanny, geb. Zatzkis, Frankfurt a. M., Habsburger Allee, am 20. September. G e st o r b e n: Simon Oppenheimer, Neckarsteinach, im Aller von 77 Jahren. Im Bügel-Salon „.Cito", Geschw. Bastanski, Seilerstraße 25, Telefon Nr. 25 793, erhalten Sie am besten Ihre Kleider und Wäsche gebügelt und gefärbt. Näheres siehe Inserat. Lr-mmelinserat Ablösung für Erez Jisroel. Wer seine Glückwünsche zu Gunsten.von Erez Jisroel a b z u l ö s e n und keine Anzeige zu veröffentlichen wünscht, wolle dem nach Belieben fest-, zusetzenden Ablösungsbetrag eine Gebühr von 1.50 Mark für die Veröffentlichung von Namen und Wohnort im S a m m e l i n s e r a t beifügen. 2 Di. 2lab wair 3cru ®ao auch sich c welk goge um l und lang ijgen zur i G'tt aber ternd neu den < fache Zelte Zusa wir, Und eine in eii aus übert dendc die t Chaji iants lants ihm j fchliej bist ö <E Deuts rocl < trage; — d, Leben roel" und k war d den 2 Eine