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Der Israelit · 1932-09-15 · Heft 38 (15.9.1932) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 38 (15.9.1932)
Date
1932-09-15
Page
– (sequence 13)
Language
German
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15. September 1932 Litauen. - Die Zeschiwa zu poniewesch. K o w n o , 12. Sept. Ein Ereignis für das thoratreue Litauen bedeutet es, daß die große, von Rabbiner I. Kahanemann gegründete und geleitete I e f ch i w a zu Po niewefch nunmehr in ein eigenes schönes Gebäude überführt werden kann. Der Bau, ein nach aller Technik der Neuzeit zweckmäßig eingerichtetes Lehrhaus, konnte durch die hochherzige Spende, einer amerikanischen Philantrop in, Frau Jennie H. M i l l e r-Faggen in Philadelphia, ermöglicht werden und trägt aus der Fassade auch deren Namen. Die Jeschiwa wird nunmehr in ein Internat nach dem Muster von Lublin verwandelt. Die Einweihungsfeierlichkeiten finden am 18. und 19. September statt. Viele Gäste aus Litauen und auch aus dem Auslande haben ihr Erscheinen zugesagt. Estland. Neuer Vorstoß der Schächtgegner in Estland. R e v a l, 10. Sept. Der estländische Tierschußoerband bestürmt neuerdings die Stadtverwaltung von Reval mit Eingaben, in denen ein Verbot des- Schächtens gefordert wird. Der Tierschutzverband protestierte ferner in einer Eingabe an den Staatsgerichtshof gegen die vom Landwirtschaftsminister im „Regierungsanzeiger" veröffentlichte Verordnung, in der dargelegt wird, daß das' Schächten nach jüdischem Ritus — soweit diese Schlachtungsart nicht den Schmerz des Schlachttiers erhöht — in Estland durchaus erlaubt ist und forderte Annullierung dieser Verordnung. Der Staatsgerichtshof ging auf die Eingabe nicht ein. Schließlich hat der Tierschutzverein in mehreren der Presse zugegangenen Darstellungen das Schächten als tierquälerisch bezeichnet. Diesen Darstellungen tritt nun der estländische Gelehrte Dr. A. Adam erneut' in einer Abhandlung entgegen, in der auf Grund eigener Forschungen und der fachmännischen Urteile einer Reihe Gelehrter von Weltruf uachgewiesen wird, daß das Schächten eine der humansten Tötungsarten für das Tier ist, da durch das schnelle Durchschneiden der Halsschlagader das Tier im Verlauf von 10 bis 15 Sekunden das Bewußtsein vollkommen verloren hat. Dr. Adam weist darauf hinj daß in Deutschland wie in vielen anderen Ländern die R a d a u a n t i s e m i t e n die Führer im Streite gegen das Schächten sind, und meint, man werde es nicht verantworten können, die in Estland lebenden 4566 Juden durch ein Verbot des Schlichtens in schwere religiöse Konfliktezu bringen. Der Artikel Dr. Adams hat in der Oeffentlichkeit Estlands starken Eindruck gemacht. (?S2T.) ' Rußland. Regierungs-Departements überwachen die Aktion gegen Zomkippur. Moskau, 8. Sept. Drei der größten Departements der Regierung der Sowjetunion, die Abteilungen für Kooperativwesen, Handwerkergilden, Ackerbau- und Volksernährungswesen, haben die. Ueberwachung der Aktion gegen die Beobachtung der hohe n jüdischen Feiertage mit übernommen. Sie sandten offizielle Instruktionen an die ihnen unterstellten lokalen Aemter, in denen diese aufgefordert werden, ein Auge auf alle jene Juden zu haben, die an den hohen jüdischen Feiertagen der Arbeit fern bleiben. Die Mitglieder der jüdischen Kollektiven und' die jüdischen Mitglieder allgemeiner Kollektiven werden aufgefordert, an den Feiertagen ihre Produkte in die Märkte der Stadt zu bringen. Auf diese Weise sollen die Mitglieder der Kollektiven daran gehindert werden, die Synagogen zu besuchen. Im allgemeinen wird die Kontrolle über Beobachtung oder Nichtbeobachtung der Feiertage durch Juden durch die Zweigbüros des Mheiftenbundes (Aprkojres) Und die Mitglieder der Jungkommunistischen Liga ausgeübt werden. Der Distriktsverband der Arbeitergewerkschaften in Kiew hat an die einzelnen Gewerkschaften Zirkulare mit der Aufforderung gerichtet, Aktionen gegen die Beobachtung der jüdischen Religion in Verbindung mit den kommenden Feiertagen auf breiter Grundlage zu organisieren. Ungeachtet dieses von verschiedenen Seiten ausgeübten Druckes treffen die religiösen Juden in Sowjetrußland Vorbereitungen zur traditionellen Beobachtung der Der Israel i t hohen jüdischen Feiertage. Die in Moskau noch bestehenden vier Synagogen haben einen inneren Umbau zwecks Beschaffung von Sitzen für möglichst viele Andächtige vorgenommen. Synagogen in vielen Provinzstädten lassen sich aus Moskau Chasonim (Kantoren) zum Bordeten an den hohen Feiertagen kommen. Die jüdischen religiösen Körperschaften werden von der Zentralregierung und den dieser direkt unterstellten Aemtern an der Beobachtung von Religion und Tradition nicht behindert. Vas ist mit Biro-Bidschan? Moskau, 5. Sept. Etwas stimint in Biro-Bidschan nicht. Die eingehende Besprechung der Lage der dahin ausgewanderten Juden aus Amerika und Argentinien in einem großen Teil der jüdischen Presse des.Auslands hat den Vorsitzenden der Abteilung für nationale Minderheiten beim Zentralexekutivkomitee, D i m ansteiu, veranlaßt, in der jiddisch-kommunistischen Zeitung „Emeß" auf die Notwendigkeit hinzuweisen, eine bessere Behandlung der ausländischen Juden in Biro-Bidschan anzustreben. In dem Artikel heißt es u. a.: „Millionen von Ausländern, Freunde sowohl als auch Gegner, beobachten uns mit besonderem Interesse. Es. ist daher notwendig, daß die Einwanderung aus dem Ausland nach Biro-Bidschan einer besonderen Kontrolle unterworfen werde. Es gibt keinen entscheidenden Grund, weshalb die Leute Biro- Bidschan verlassen sollten, denn es gibt dort genug Arbeit für jederinann und sogar Mangel an Arbeitskräften." Die beste Garantie gegen das Rückströmen der Einwanderer erblickt Dimanstein in der Errichtung von Wohnbauten für die Neueintreffenden. Wenn diese ein wirkliches Heim in Biro-Bidschan finden, würde keiner daran denken, umzukehreu. Diinanstein ist der Ansicht, daß Biro-Bidschan binnen kurzem wohl nicht als Repeblik, aber als autonomes jüdisches Gebiet proklamiert werden wird. Er fordert die Einberufung einer Konferenz, die die gegenwärtige Lage in Biro- Bidschan überprüfen und einen zweiten F ü n f j a h r e sp l a n für die jüdische Aufbauarbeit in Biro-Bidschan entwerfen soll. Also der „Fünfjahrplan" wird durchgeführt, und wenn zehn Jahre draufgehen . . ." Inzwischen hat das Leitungsmitglied von Ozet, R a s ch k e s , der Moskauer Ozet-Zenträle telegraphisch mitgeteilt, daß in letzter Zeit 175 in Biro-Bidschan neu angekommene Juden in ihre Heimatstädte zurückgeschickt werden mußten, da sie für die Arbeit in Biro- Bidschan nicht geeignet waren. Raschkes verlangt die Einleitung amtlicher Untersuchungen gegen die Ozet-Abteilungen in Szitomir, Uman, Witebsk und Krementschuk, die ungeeignete jüdische Elemente nach Biro-Vidschan entsandt haben. Die Hilfe soll aus Palästina kommen und — sich gegen Palästina auswirken. Die Ozet bereitet eine große »Kundgebung anläßlich des Eintreffens der ersten aus Palästina nach Biro- Bidschan reisenden jüdischen Arbeiter-Gruppe vor. Bei dem Empfang der aus 60 Personen bestehenden Arbeiter- Gruppe sollen Demonstrationen gegen P a - l ä st i n a und für die jüdische Siedlung in Biro-Biüschan stattfinden. Es ist ein Empfangsabend in Moskau und ein Massen-Meeting vorgesehen, auf dem Vertreter der verschiedenen Arbeiter-Organisationen das Wort ergreifen werden. Daß das Biro - Bidfchan - Unternehmen dadurch an Sympathien und Popularität nicht gewinnt, muß nicht erst gesagt werden. Frankreich. Ministerpräsident herriot kündigt Maßnahmen gegen die antisemitische Hetze in Tunis an. Paris, 8. Sept. Die französische Liga zur Bekämpfung des Antisemitismus hat in einer Zuschrift an ihren Ehrenpräsidenten, den jetzigen Ministerpräsidenten Edouard H e r r i o t, dessen Aufmerksamkeit auf die vor kurzem in Tunis, Sfax, Ariana und in anderen Städten Französifch- Nordafrikas stattgefundenen Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung gelenkt. Ministerpräsident Herriot erwiderte: „Die französischen Behörden in Tunis werden, dessen dürfen Sie sicher fein, jedweden neuen Ausbruch gegen die Juden zu verhindern wissen. Die Exzesse wurden durch Agitatoren, die sich die gegenwärtig im Lande herrschende Wirtschaftsnot zu Nutze machen, ins Werk gesetzt." Nr. 38 Seite 13 Herriot fordert die Liga zur Bekämpfung des Antisemitismus auf, ihren Einfluß auf die Juden in Tunis nach der Richtung auszullben, daß jede Unklugheit vermieden werde, da es angesichts des in Tunis wieder in Erscheinung getretenen religiösen-Hasses außerordentlich wichtig sei, daß jede Aktion vermieden wird, die, in falscher Auslegung, als gegen die moslemitifche Religion gerichtet, interpretiert werden könnte. * Ungeachtet dieser Zusage werden neue, zum Teile sehr schwere Ausschreitungen gemeldet, und zwar aus M o - k u i n und B e u H a r d a n e (Südtuuesien). Eine außerordentlich gespannte Atmosphäre herrscht wieder in Sfax wie in der Stadt T u n i s selbst. Hier erhält sich hartnäckig das Gerücht, daß die Unruhen eine Folge der Propaganda ,p a l ä st i n e n s i s ch e r Agitatoren ist, die vom Mufti in Jerusalem nach Tunis entsandt worden waren. Beschützer dieser palästinensischen Agitatoren ist ein einflußreicher tunesischer Scheich namens Taalbi. In bell Moscheen werden aufreizende antijüdische Ansprachen gehalten, den Andächtigen wird aus den palästinensischarabischen Zeitungen „Falastiu" (Organ der arabischen Exekutive) und „II Jamea el Arabia" (Organ des Großiuufti) vorgelese». Auch wird die Behauptung in Umlauf gesetzt, daß die Juden in Palästina die Moscheen mit Beschlag belegt haben und die arabische Bevölkerung unterdrücken. PaSKMrm. palästinensischer Erfolg auf der Ottawa-Konferenz. Jerusalem,?. Sept. Der Bizebürgermeister von Tel-Awiw, Herr R o - kach, Führer der Palästina-Delegation auf der britischen Reichskonferenz in Ottawa, der soeben nach Palästina zurückgekehrt ist, teilte der ITA. mit, daß die Palästina-Delegation insofern einen Erfolg davongetragen hat, als von englischer Seite die Befreiung der P a l ä st i n a - O r a n g e n von dem 1 0 p r o - zentigen Einfuhrzoll, der diesen Produkten bei ihrem Import nach Großbritannien auserlegt ist, in eine sichere Aussicht gestellt worden ist. Herr Nokach erklärt, er habe guten Grund, anzunehmen, daß die englische Regierung den Einfuhrzoll auf Palästiua-Orangen schon zu Beginn der kommenden Saison November-April aufheben wird. Er hoffe auch, daß die Einbeziehung der Palästina-Orangen iu den Import Preference-Tarif, für die die Palästina-Delegation in Ottawa eingetreten ist, verwirklicht werden wird, was die Einfuhr von Palästina- Produkten in alle Länder des British Empire begünstigen wird. Insbesondere ist. jetzt Kanada ein gutes Absatzgebiet für die Palästina-Orangen, man erzielt dort für diese Orangen einen sehr guten Preis, und es sei zu hoffen, daß die gegenwärtige Verminderung des Absatzes auf den europäischen Märkten, die eine Folge der allgemeinen Wirtschaftsdepression ist, durch den Absatz in Kanada wettgemacht worden sind. Jin übrigen hat der Schatzkanzler Neville C h a m - b e r l a i n während seiner Rede im Unterhaus im Februar ds. Js. erklärt: „ALir schlagen vor, daß sämtliche Produkte aus allen Kolonien, Protektoratsländern und Mandatslerriwrien entweder van den allgemeinetr oder von den zusätzlichen Zöllen vollständig befreit werden sollen." vom Ethrog in Erez Fisroel. Te l - A wx w , 9. Sept. Ein Jüdischer Verband der Ethrogimzüchter in Erez Jisroel unter dem Namen „Ethrog", mit dem Sitze in Tel-Awiw, erläßt einen Aufruf au die jüdische Welt, dessen Stichworte lauten: „Jüdischer Boden! Jüdische Arbeit! Jüdischer Ethrog! Zur Beachtung der jüdischen Gesamtheit!" Es wird im Ausruf die Not der jüdischer! Ethrogimzüchter geschildert. Selbst in Palästina, in Jerusalem wie IN Tel"Aw!w, werden in öffentlichen Läden, oft auch unter Vorspiegelung falscher Tatsachen und ilnlauterem Wettbewerb, rein arabische Ethrogim verkauft. Der Verband der jüdischen Ethrogimzüchter sieht seine Aufgabe darin, den jüdischen Pflanzern aufzuhelfen, d. h. ihnen zu ihrem Rechte zu verhelfen, daneben aber dahin zu wirken, daß der Jude in Palästina wie in der Gola die jn-is ms» wirklich nach dem Wortlaute und im Sinne des naWn - aalonnp^i erfüllt. Der Verband „Ethrog" unterhält Filialen und Vertretungen in allen Städten Europas, auch in Frankfurt a. M.

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