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Der Israelit · 1932-09-08 · Heft 37 (8.9.1932) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 37 (8.9.1932)
Date
1932-09-08
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
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Nr. 37 Seite 11 8. September 1932 '_^_-_Der Israelit Die Woche. Ein Jahr der Jubiläen. Die Zeit lädt zwar nicht zu Jubelfeiern ein, aber die Weltgeschichte fragt nicht nach den vergänglichen Zeitstimmungen einer Generation, und Erinnerungstage müssen begangen werden, so wie sie fallen. So bringt denn der beginnende Herbst auch dem Kreise der Israelitischen Religionsgesellschaft nicht weniger als drei bemerkenswerte Jubelfeiern. Im Elul werden 25 Jahre verflossen sein, seitdem die neue, in der ganzen Welt als eines der hervorragendsten künstlerischen sacralen Bauwerke bewunderte Synagoge an der Friedbergeranlage eingeweiht wurde. Ein aus der Mitte der Gemeinde spontan gebildetes Komitee hat beschlossen, zu diesem Anlaß ein Sefer T h o r a schreiben zu lassen und der Gemeindeverwaltung zu überreichen. Ein zur Aufbringung der Mittel schon vor einiger Zeit versandtes Zirkular hat erfreulichen »Widerhall gefunden. Diejenigen, die sich an der Mizwo noch nicht beteiligt haben, werden dringend gebeten, ihren Beitrag unevrzüglich auf Postscheckkonto Gebr. Oppenheimer Nr. 758 zu überweisen. Nach Beschluß des Gemeindevorstandes wird die eigentliche Jubiläumsfeier erst am Chanuko durch G'ttesdienst und sonstige Veranstaltungen begangen werden. Inzwischen feiert unmittelbar nach den Herbstfesttagen die Israelitische Volksschule, die weit über den Kreis der Israelitischen Religionsgesellschaft hinaus viele Jahrzehnte hindurch der gesamten jüdischen Bevölkerung Frankfurts gewaltige Dienste auf dem Gebiete der Jugenderziehung geleistet hat, ihr 5 0 j ä h r i g e s Jubiläum. Aus diesem Anlaß ist eine künstlerisch reich ausgestattete F e stschrift unter dem Titel „50 Jahre Israelitische Volksschule 188 2 —1932" aus der Feder des ehemaligen Rektors Baruch Stern erschienen, die den ehemaligen Schülern und Schülerinnen sowie allen Freunden der Schule in Kürze überreicht wird. Gleich nach den Herbst-Festtagen soll das Jubiläum durch ein Schulfest, eine akademische Feier und sonstige Veranstaltungen begangen werden. Der dritte Jubilar, dessen mir hier Erwähnung tun möchten, ist die Jüdische Frauenvereinigung, die 1907 ins Leben trat und auf eine damals kaum erwartete reiche und gesegnete Arbeit auf dem Gebiete des Wohlfahrtswefens und der jüdischen Geisteskultur zurückblicken kann. Auch dieser frohe Anlaß wird in entsprechenden Formen durch Festschrift und Gedenkfeier begangen werden. Emanuel Kaufmann Entsetzen erfaßte unsere Gemeinde, als ihr am Montag morgen das Aushängebrett in der Synagoge das Ableben Emanuel Kaufmanns kündete. Emanuel Kaufmann, der Mann von strotzender Kraft, auch im Geistigen, der Mann, der, seitdem wir ihn kannten, buchstäblich jede dem Erwerbsleben abgerungene Minute G'tt, der Thora und den Mitmenschen widmete, scheidet in der vollen Kraft seiner Jahre von uns. Er wollte uns in den letzten Tagen verlassen und sein Domizil nach Gailingen an der Schweizer Grenze verlegen. Eine andere Grenze hat ihm G'tt gesetzt, heimgerüsen zum ewigen Wohnsitze. Es fällt schwer, ein Wort zur Entspannung des lähmenden Schmerzes zu finden. Bon Ungarn, wo einer altangesehenen Familie entstammend, bedeutende Jeichiwoth besucht hatte, kam er in jungen Jahren nach Deutschland und auch nach Frankfurt, wandte sich der Kaufmannschaft zu und war der Typus eines Laiennrn und eines Wohltäters, einer der nvsvci'n'vn,wie sie leider in der jüdischen Welt immer weniger werden. Emanuel Kaufmann war ein Mann, von dem man, wie man von Israel insgesamt, sagen konnte, ws vnbz mp» Wohin er auch kam, er trug eine Atmosphäre von jüdischer Glaubenskraft, von ninvi 7wiip mit sich und verpflanzte sie überall, wohin ihn der Lebensweg und der Geschäftsgang führte. Er schuf sich überall das Milieu, das er als Basis für sein nipnx brauchte und das dann ohne, ihn und über ihn hinaus mit der Wurzelkraft der Thora, die er ihm sicherte, sich entwickelte. In Stuttgart, wo er früher wohnte, war sein Haus Sammelpunkt der onn\ in Heilbronn rief er mit Freunden die I s r a e l i t i s ch e R e l i g i o n s g e s e l l s ch a s t ins Leben und stand führend im Leben der württembergischen unabhängigen Orthodoxie. Als er später seinen Wohnsitz in Frankfurt nahm, schien es beinahe, als würde das wohlausgebaute Gemeindeleben in der Religionsgesellschaft seinem Tatendrang nicht genügend Spielraum geben. Aber bald sah er mit geübtem Auge, wo es fehlte, und er gründete mit Freunden das Beshamidrasch Ostendstraße, hauchte diesem Beshamidrasch mit der Schneider'- schen Jeschiwa und mit dem Sch aßverein die Seele ein und arbeitete unentwegt und ohne zu ermüden für die Unterhaltung und Entfaltung , dieser Unternehmen. Bis zuletzt im Vorstande des Beshamidrasch, war er auch sein Ehrenchasan an den hohen Feiertagen. Wer denkt nicht an sein ql-sn, an seine iraK, da die Seele eines wahren Zaddik sich in Liebesglut zu G'tt ergoß und die ganze Gemeinde mitriß. Wer sieht nicht im Geiste Emanuel Kaufmann i>"Lr am Prösidiumstifch beim Großen Sijum des Schaßvereins, mit einer Freude und einer Begeisterung am Werke, die sich auf die ganze Festversammlung übertrug. Er war es, der das Lernen der Einzelnen im Schaßverein durch ein kursorisches Schaßlernen, (früher durch Rabbi Salman Weber), im Beshamidrasch zusammenhielt. Er hatte für die Erhaltung der Schneider'schen Jeschiwoh gearbeitet und gerungen, solange es nur irgend ging. Geschäftsreisen führten ihn oft ins Ausland, nach Ungarn, Tschechoslowakei und noch mehr nach der Schweiz. Und wie er gerade in letzterem Lande überall Jüdischkeit in die Gemeinden trug und in die Herzen senkte, und wie er dort die Freunde auf Grund seiner Beziehungen veranlaßte, ja zwang, der Thora den Tribut ihrer Liebe zu entrichten, wird dort unvergeßlich bleiben. Was er in den schweren Zeiten des Krieges, da ihm eigene Sorgen nicht erspart blieben, zur Aufrichtung Anderer getan, wie er Kriegsflüchtlinge, die zu Kriegsbeginn aus Antwerpen kamen, wochenlang mit allein versorgte, wie er mit Selbstaufopferung, alle mitreißend, bei den Pessachsendungen der Freien Vereinigung ins Feld arbeitete, wie er vielen ausländischen Familien als Dolmetsch bei den Behörden, die ihn hochschätzten, geholfen und sie vor hartem Ausweisungsgeschick bewahrt hat, — all die Tränen, die er getrocknet und all die Gefühle der Freude und Erlösung, die er geweckt hat, werden sich zusammentun zu Scharen von ivn ’X’V», die seine reine Seele zu ihrem höheren Lichtquell geleiten. Es frohlockte die Gemeinde Gail in gen, und durfte in dem Maße frohlocken ob der Bereicherung ihres Gemeindelebens um ein solches Mitglied, wie m i r seinen geplanten Weggang bedauerten. Aber anders hat es G'tt gewollt. Der Schofar, der ruft ’rni» 'irr, ’V.’YiTi, hat ihn heimgerufen, zu Ihm, dem sein ganzes Leben geweiht war . Möge aus seinem Andenken der gebeugten Gattin, mit der er erst vor wenigen Jahren sein Leben sich neu errichtet hat, dem einzigen Sohne und den Töchtern, die alle im Geiste des Vaters leben und zum Teile im heiligen Dienste für das Judentum stehen, möge aus seinem Andenken uns allen der wahre Trost erblühen. n~axin- ..Zwischen Ruinen und Aufbau in Erez Iisroel". Die Palästina-Centrale gibt bekannt, daß sie die Broschüre von S. Schachnowitz „Zwischen Ruinen und Aufbau in Erez Iisroel" bei Bezug von 5 Exemplaren zum Preise von 30 Pfg. pro Exemplar, bei einem Exemplare zum Preise von 50 Pfg. an Interessenten liefert. Agudisiische Schülergemeinschafl (A. S. G.). Seit der letzten Woche finden die Ausspracheabende der A. S. G. jeweils Sonntag Abend, 20.30 Uhr, im Heim (Schwanenstr. 12) statt. Am Sonntag, den 11. September, spricht Herr Rechtsanwalt Josef Klib a n s k y über „Berufsumschichtung". Jugendliche Gäste willkommen. Zur Elul-Aktion des Erez Jisroel-Amts bittet die Agudas Jisroel-Jugendgruppe alle diejenigen, die am orthodoxen Ausbau des Heiligen Landes Mitarbeiten wollen, sie in jeder Weise zu unterstützen. „Gebt uns nur einen Groschen! Weist unsere Sammler nicht ab. Die kleinste Spende trägt Früchte!" Postscheckkonto Nr. 42822 Ffm. Agudas Jisroel-Jugendgruppe. Ortsgruppe der Soncino-Gefellschaft, Frankfurt a. 21t. Zu einem Vortrag des Herrn Dr. H o r o d i s ch, Berlin, über: „Die Bedeutung der bibliophilen Gesellschaften für die Entwicklung der Bibliophilie" am Montag, den 12. ds., abends 8.30 Uhr in Zimmer 1 des Volksbildungsheims werden die Mitglieder der Soncino-Gescllschaft, wie auch Gäste, freundlichst eingeladen. Lhewralh Thillim. Zur Einweihung ihrer neuen Beträume, Schwanenstraße 8pt., am «2n->2 N3v werden hierdurch alle Mitglieder und Freunde der v'bmn rmn freundlichst eingeladen. Die Einweihung findet anschließend an Mincho, 5 Uhr nachm, statt. Verband jüdischer Frauen für Palästina-Arbeit. Am 8. und 9. September findet in Frankfurt a. M. der 3. Delegiertentag des Verbandes jüdischer Frauen für Palästina-Arbeit statt. Auf der Tagesordnung stehen u. a.: Vorträge über die Entwicklung der Weltorganisation von Frau Jenny Blumenseld, Berlin- Probleme der deutschen Arbeit von Frau Dr. Turnowsky, Berlin. Die Generaldebatte erstreckt sich u. v. a. auf Kulturarbeit, Jugendarbeit, Verhältnis zur allgemeinen zionistischen Arbeit, Stellung zu anderen Verbänden, Organisation und Statutenergänzung. Dem Freund der Toten. Zur Wiederkehr des ersten Todestages von Prof. Julius Hülsen (12. Sept.) sendet uns ein Freund unseres Blattes folgende Gedenkworte: Ein einziges Mal hatte ich Gelegenheit, unter Führung von Julius Hülsen den alten jüdischen Friedhof am Vörneplatz kennen zu lernen. Die liebenswerte Persönlichkeit des ganz schlichten und unendlich bescheidenen Mannes, dem in seiner einzigartigen Arbeit im „Haus des Lebens" ein Nachfolger bis jetzt wohl nicht erstanf den ist, seien diese Zeilen in dankbarer Erinnerung geweiht. Ein Vorfrühlingstag. Vor den Mauern des alten Friedhofs. Julius Hülsen bittet uns, ihin durch die kleine Tür in das Friedhofsinnere zu folgen, und wir stehen in der Grüberstadt der Juden Frankfurts. Schon nach wenigen Schritten macht unser Führer halt und beginnt zu erzählen. Geschichte und Kulturgeschichte fließen ineinander. Ghettoleid und Judenschicksal und dazwischen, mit den Augen des Künstlers gesehen, die Deutung der Zeugen längst versunkener Zeit, der Grabsteine des Friedhofs. Das alles ganz selbstverständlich, als ob es ein jeder wissen müßte, ohne die eigene mühevolle Forschungsarbeit auch nur mit einem Wort zu erwähnen. Nur langsain kommt der kleine Zug aus den schmalen Fußpfaden des Friedhofs vorwärts. Fast 7000 Grabsteine sind hier: die Inschrist von Hunderten ist erneuert und dadurch dem Vergessen entrissen. Tausende aber bleiben stumm. „Ein einzigartiges Kultur- und Kunstdenkmal, umwoben von vielhundertjährigen, schicksalsschweren Erinnerungen" hat Hülsen den Friedhof genannt. Bei vielen Steinen und Steingruppen verweilt er; väterlich liebevoll fährt seine Hand über die oft reizvolle Ornamentik: er verweist auf die einheitliche Form, die er zu begründen sucht, auf die Kunst des oberen Abschlusses der Steine, auf den „die Steinmetze ihre ganze Erfindungsgabe" verwandten, und der oft von seitlichen Zierpfeilern und verkröpften Gesimsen getragen ist. Neben diesen Renaissancemotiven und den auf ihr basierenden späteren Stilen verweilt er bei Steinen, deren einfache Tafeln und strenges Maßwerk der Gotik angehören und findet sogar noch Neste des romanischen Zackensrieses. Ein Mausoleum der Grabsteinarchitektur aus sechs Jahrhunderten. Seine besondere Liebe gilt den ornamentalen Zutaten der Steine, den Weinreben, den Priesterhänden, den aufrecht stehenden Löwen sowie den über den Inschriften angebrachten Reliefs, den Tieren, den Pflanzen, den Figuren, den Köpfen, den Schildern. Diese Reliefs sind ihm Wegweiser in der oft undurchdringlichen Verworrenheit dieser Totenstadt, und er findet Familiengräber, die die Geschichte von Geschlechtern lautlos und doch vernehmbar künden. lieber aller architektonischen und kulturgeschichtlichen Forschung steht ihm jedoch der heilige Staub, den die Erde des Friedhofs deckt. Demutsvoll verweilt er vor den Gräbern der Toten, die hier bestattet sind/ wehmutsvoll vor den Märtyrergräbern, die an die dunklen Zeiten der Judenverfolgungen gemahnen, Blutzeugen tiefster Verirrung und Unkultur. Ueber die Züge des Menschenfreundes geht ein Schatten, wenn er van den Greueln spricht, die in der Frankfurter Judengasse verübt wurden — aber schon ist er wieder, fast heiter, bei freundlicheren Bildern. Die Gräber des Hauses Rothschild geben ihm Veranlassung, von eigenen Erinnerungen zu sprechen, die ihn mit dem schmalen, hochgiebligen Stammhaus in der ehemaligen Judengasse verknüpfen. Vor Jahrzehnten war er Zeuge, als man bei einer Erneuerung des Hauses die Tapeten abriß, die jahrhundertelang die Wände umkleidet hatten. Ein Stückchen dieser alten Tapete trägt er bei sich. Lächelnd zieht er seine Brieftasche hervor und zeigt das vergilbte. Papier, aus dem das alte Muster noch gut erkennbar ist. „Vielleicht ein Talisman", sagt er, „wenn es hier auch manchmal recht knapp ist, — ganz leer kann es nicht werden, solange ich Rothschilds Tapete bei mir trage." Es war Mittag. Der Rundgang war beendet. Wir standen wieder an der kleinen Tür, die die Ruhestatt der Toten von der Umwelt trennt. Der Abschied ward mir nicht leicht: auch nicht der Abschied von Julius Hülsen, der, seinen kleinen Sohn an der Hand, freundlich grüßend von uns ging. Ich habe*ihn nicht wieder gesehen. H. Sch. Wolf Tel. Hansa 27930 Einen Herbstaufenthalt in Lugano im herrlichen Hause von K e m p l e r (Villa Federico) soll sich keiner, der in der Lage dazu ist, entgehen lassen. Alle Herbstschönheiten der g'ttlichen Natur und alle Bequemlichkeit eines wahrhaft jüdischen Milieu wirken mit, den Aufenthalt zur Quelle der Gesundung zu machen. p:a auch geräumige nsto im Hause. Jüdische Gäste, die sich in diesem Sommer des Mißvergnügens aus den Sphären der Politik in Ä i e s ch ö n e Schweiz retten wollen, wohnen am angenehmsten in dem erstrangigen Hotel du Lac in Luzern, dessen Leiter, Herr H. Burkardt-Spillmann, es glänzend versteht, seinen Gästen den Aufenthalt angenehm zu machen. Das Haus, das einen schönen Garten besitzt, liegt in der Nähe der Dampfschiffsstation, des Bahnhofes und der Post, hat fliehendes Wasser und Staatstelefon in allen Zimmern, und man kann dennoch dort Zimmer von Fr. 6.— t an bekommen. Das Haus kann die bekanntesten jüdischen Familien aus der Schweiz selber, die es seit vielen Jahren frequentieren, als Referenzen aufgeben. Unter gleicher Direktion steht auch das Hotel Metropole in Nizza.

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