Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 37 (8.9.1932)
- Date
- 1932-09-08
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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jcuüktoH. Jsraelit ^$2 kosbi Salonae. Eine Erzählung aus biblischer Urzeit. Von Kanon. (Fortsetzung.) „Zur, Widjans Häuptling; ich habe Dir frohe Botschaft zu bringen. Unbeweibt und kindlos gehe ich durch die Welt. Wer so nahe zu dem Himmel steht, dem versagt sich die Erde. Aber ich habe einen Jüngling bei mir, lieb mir, wie ein Sohn. Er sendet mich mit reicher Worgengabe für Deine Tochter kosbi Salonae." „Bil-Am," Hub Reue! an, „ich spreche nach Widjans Brauch für den Vater. Weist dieser Jüngling, dast kosbi Salonae ein treues Kind der Sin ist, die in Hellen Nächten ihren bleichen Gruß uns sendet und Wegweiser ist allen Widjankindern in ramnloser Steppe?" „Tr weist es und freut sich dessen." „So lasset uns das Wädchen selbst befragen." In diesem Augenblick teilte sich, wie aus ein verabredetes Zeichen, der Vorhang, der das Zelt Zurs von dem weiten Hof trennte und es erschienen Zippora und Kosbi. Zippora tief verschleiert, schmucklos im wallenden Gewände, kosbi im goldgestickten Wädchenkleid, mit gelöstem Haar, auf dem ein langer, fließender, rückwärts gewandter, weister Schleier befestigt war. „Kosbi Salonae, Tochter des Zur," bub Bil- Am an. „Bil-Am läßt Dich durch Deinen Vater Zur fragen, ob Du des Jipporfohnes Balak Weib werden willst. Cr bietet Gold und Geschmeide, Gewand und Herden in reicher Fülle und er bringt Dir die Freundschaft Bil-Ams; Kosbi Salonae, willst Du diesem Wanne folgen in sein Zelt?" An ihrer. Stelle erwiderte Zippora: „Kosbi Salonae ist bereit, des Balak Weib zu werden, doch möchte sie noch einige Zeit unter des Vaters Zelt weilen, bis der Wonö sieben Wal seinen Lauf um die Erde vollendet hat." Dann kreuzte sie einen scharfen Blick mit Bil-Am und zog sich mit Kosbi Salonae zurück. Widjan aber, von Zur festlich bewirtet, ergab sich frohem und wildem Gelage. Cs wurde viel bemerkt, dast Balak seinen. Platz neben den, Gesandten Woabs einnahm und eifrig . mit ihnen geheimnisvolle Unterhandlungen pflog., . . Dann . erhob sich der Wortführer Woabs und sprach: „Widjanvolk! Groß ist unsere Freude, dast ein neues Zelt sich an Cures Zur Gehöfte schmiegen wird. Gestattet, dast wir Cuch bitten, nach Woabs Sitte den Tag zu feiern." Cr klatschte in die Hände und das Gefolge Woabs schuf eine breite Gaffe durch die trinkend Gelagerten. In leichtester Kleidung erschienen die .Tempeldienerinnen des Baal peor, um mitten durch das Volk ihre wilden,' mänaöischen Tänze aufzuführen. Aus den Falten ihres Gewandes zogen sie kleine Holzfiguren, grell bemalt und mit abscheulichen Formen und hielten sie vor die trunken begeisterten Wiöjaniten. „Küsset, küsset Baal-Peor!" Entsetzt blickte Neue! auf die entartete, ausschweifende Wenge. Da löste stch aus den Tanzenden ein Weib mit frecher Gebärde und stürzte sich auf Röuöl: „Du alter Sinpriester, küffe Bal-Peor!" Die Häuptlinge kicherten. Bil-Am aber, scheinbar tief entrüstet, fuhr die Bacchantin an: „Seit wann werben des Baal-Peor dienende Frauen um welke Greise? Hebt Cuch von hinnen!" Doch alle Bande der Zucht und Drdnung waren gelöst. Zwar ließen die Tänzerinnen von Reue! ab, aber wie geleitet von einem geheimen Befehl stürmten sie auf das Zelt und riffen Kosbi und Zippora in ihren Strudel. Zippora sträubte stch; da würde ihr das Gewand und der Gesichtsschleier zerrissen. Hocherrötend, mit wogendem puls, schleuderte sie die rasende Tänzerin zu Boden und trat aus das Götzenbild des Baal- Peor. Cin Wehegeschrei über Verletzung des Gaftrechtes erhob sich in den Reihen der Woabiter, und als ihr Wortführer trat Balak vor Zur: „Zur, bald mir Vater und Schützer, Woab lästt Dich fragen, was Du zu tun gedenkst, um Fremde, die unter Gastrecht stehen, zu schützen, da ihr Heiligstes von diesem Weibe eines Cpriumannes geschmäht ward?" Das ist Bil-Ams Tücke, dachte Rsusl und stellte stch abwebrend vor feine Enkelin. Doch durch das wüste Gedränge brach sich Kosbi Bahn und wußte sich Gehör zu verschaffen. „Balak, Zippors Sohn, Du bist schlecht beraten, willst Du in Widjans oder in Woabs Sippe eintreten? Zur und die anderen Häuptlinge werden schon wissen, wie die Ehre Widjans zu wahren. Sage aber Du den Woabstöchtern, dast sie unsere Greise und Sitten zu achten haben." Nun fürchtete Bil-Am, dast an dem starken Willen dieses Wädchens sein ganzes, so fein ausgeklügeltes Wachwerk scheitern könnte, und auch er griff beruhigend ein. „Heil Dir, Balak," rief er, „dast Du ein solch tap-. feres Weib Dein eigen nennen wirst. Wänner aus Woab, sendet Cnere Baal-Peor-Dienerinnen fort und kommet alle in den Tempel der Sin, allwo Röuel, der Ehrwürdige, das Werk der Sühne vollbringen wird. Du aber, Kosbi Salonae, ich wiederhole Dir, Du bist zu Großem berufen." VIII. Kaum waren die großen Gpferhandlungen vollendet, da rüstete sich Bil-Äm zum Abschied. Zwei Unterredungen hatte er noch vorher. Die eine mit Balak. „Ich habe Dir die erste Stufe zum Aufstieg gehauen. Wein Auge ruht immer auf Dir. Cs blickt auch in Dein Inneres. Drum, sage ich Dir, bezähme Deinen Ehrgeiz. Cs war nicht nötig, daß Du Dich heute zum Fürsprech Woabs aufwarfst. Ich gebe Dir einen Auftrag. Hasse die Epriu. Das impfe Deinen Freunden in Woab ein. Sei aber vorsichtig in Widjan. Diese Kosbi ist Freundin der Tochter Reuels, des Weibes des Cpriumannes. Hüte Dich, Kosbi zu kränken; sie ist stolz. Gib ihr eine große Aufgabe:" Die zweite Unterredung mit dem Röuölsohn Icscr. „Du bist mir fern geblieben die ganze Zeit. Das war nicht gut, aber ich grolle Dir nicht. Einst habe ich in Deine Seele den zündenden Funken geworfen. Du lohnst es schlecht. Ich habe Dich über Sin und Kemosch und Baal-Peor und den ägyptischen Tychon gehoben." „Gewiß, Bil-Am, ich bin undankbar. Aber warum hassest Du die Epriu, deren Ahne demselben G'tte doch diente, der Dich, wie Du mir einst eröffnet hast, begnadet und berufen hat?" „Weil sie diesen G'tt zu einem G'tt der Sklaven und Schwachen gemacht haben, zum Feinde der Herren und Fürsten. Hat nicht dieser Cpriumann Deine Tochter im Stich gelassen, wie ein entlaufener Sklave? Wir ist es leid um Iesers Tochter." Da schwieg Ieser betroffen. Denn auch ihn schmerzte sein Kind und ec wußte nicht, wie stolz dieses Kind auf den Gatten war, und wie sie ihre Seele geduldig froh auf die Stunde des Wiedersehens vorbereitete. Tatsächlich war nach Bil-Ams Scheiden die Stellung Zipporas immer schwerer geworden. Balak verwaltete das Erbe seines Weisters vortrefflich, und als der greise Röuel sein Haupt müde zum Sterben neigte, da gelang es nur sehr schwer, daß sein Sohn Ieser sein Nachfolger in der unbeschränkten Stellung des Priesterfürsten wurde. Wan wisperte von seiner Untreue gegen die Göttin Sin, namentlich, da man seine Tochter und seine Cnkel niemals bei den feierlichen Prozessionen in den Vollmondnächten sah. Wie aber erschrak Balak, als eines Tages eine ganz unglaubliche Kunde nach Widjan drang. Wan erzählte sich, daß die Epriu sich gegen Wizraim empört hätten, siegreich aus diesem Lande gezogen wären und nach Ueberwindung des Wizraimheeres schon diesseits der Furt über das Weer Suf ständen. ‘ Da verschwand Balak heimlich; kurz darauf aber hörte man, dast Amaleks Horden sich den Cpriu mit den Waffen in der Hand entgegengestellt, doch völlig besiegt wären. Als Balak wieder auftauchte, machte er den Eindruck eines ängstlichen Wenfchen. Die politischen Sorgen nahmen ihn derart in Anspruch, dast er einer sonst unbegreiflichen Bitte Kosbis, er möchte den Vollzug der Ehe noch hinausschieben, fast verletzend schnell willfahrte. Allmählich kamen genauere Nachrichten und es hörte auch Zippora, allerdings in mizrifcher Beleuchtung, welche Rolle bei der Befreiung der Cpriu ihr Gatte gespielt hatte. Ganz Widjan mied den Umgang mit ihr, man fürchtete sic als das Weib des großen Zauberers. Das wurde unerträglich, noch unerträglicher dadurch, dast sie mit äußerster Spannung jeden Tag auf einen Boten ihres Wanncs wartete. Ieser konnte diese Pein seines Kindes nicht untätig mit anskhen. Cr trat vor seine Tochter und sprach: „Rüste Dich und die Kinder zu weiter Fahrt. Wir werden zu Deinem Gatten gehen." ,,E), last' Dir danken, aber last' mich allein ziehen. was wird Widjan sagen, wenn sein Priesterfürst zu den Cpriu geht?" Da zog ein Schatten über Iesers Antlitz. „Das last' Sorge späterer Tage sein! Ich gehe mit Dir." Beglückt erzählte Zippora ihrer Freundin Kosbi von dem bevorstehenden Abschied. Wie aber war sie erstaunt, als nach ganz kurzer Ueberlegung Kosbi ihr cröffnctc, daß sic entschlossen sei, mit ihr zu gehen. „Nicht Dir zuliebe. Ich will diese Cpriu kennen lernen, ich will sehen, ob meines Vaters Flucht und Balaks Hast, ob Widjans Sorge berechtigt ist." Zur entließ sie mit wohlgemeinten Ratschlägen. „Du wirst mir genau Kunde bringen von diesem Volke, ob es stark und insbesondere, wie es 2lmalek besiegt und als Sieger behandelt hat. Als Freundin des Weibes des Führers wirst Du ja manches erfahren." Balak sagte kurz und verschlossen: „Du gehst zu Deinen und meinen. Feinden, Du gehst zu den Feinden Bil-Ams und Zurs. Wehr habe ich Dir nicht zu sagen." Die weite Reise ging gut vonstatten. Ieser hatte Boten vorausgesandt. „Cs kommt Dein weib, es kommen ihre Kinder, es kommt Dein Schwäher Ieser." Nach dem ersten feierlichen Cmpfang, nach dem ersten Gruß des Wiedersehens mit den Seinen, als Wose seinem Schwiegervater all die Begebenheiten der jüngsten drei Jahre erzählte, kam der weitere Kreis der Familie in Zipporas Zelt. Cs kam auch die Frau des Cleasar, putiels Tochter, die Widjan nahestand und deshalb am raschesten den Anschluß an Zippora und Kosbi fand. So kam diese öfters auch in das Haus Cleasars und lernte dessen Familie kennen und bewundern. Nur selten bekam sie die männlichen Witglieder des Hauses zu Gesicht. Aber Zippora hatte Cleasars Frau gebeten, daß ihre Kinder, an denen ja doch noch etwas Wiöjanschlacke hing, von dem Sohne Cleasars, dem Pi-Nehas unter schützenden Fittich genommen würden. Sie glaubte, daß dieser Jüngling, dem ja durch die Traditionen seiner Wutter auch Widjans Art nicht unbekannt war, am besten ihren Kindern den eigenen Vater verständlich machen könne. Denn die Ueberbüröung mit den Sorgen für das ganze Volk hatten es Wose unmöglich gemacht, sich nach so langer Trennung sofort in das Wesen der eigenen Kinder hineinzufinden. (Fortsetzung folgt.)