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Der Israelit · 1932-09-01 · Heft 36 (1.9.1932) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 36 (1.9.1932)
Date
1932-09-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 36 Seite 11 1. September 1932 Sprechsaal. „Vertreter ohne Vertretungsmacht". Mit erfrischender Deutlichkeit kanzelt in der letzten Nummer das „Israelitische Familienblatt" die „geltungsbedürftigen" Veranstalter der Genfer „Weltkonserenz" ab, die unsere jüdische Welt wieder einmal am Kongreßwesen genesen lassen wollen. Merkwürdig nur, daß gerade das „Familienblatt", das es doch sonst so mit „Reichstagungen" und ähnlichen Veranstaltungen hat, und in dessen Spalten die Idee des Weltkongresses zuerst begeistert gefeiert wurde, jetzt so unfreundlich ist. Und man traut seinen Augen-kaum, wenn man weiter liest, daß dieser Konferenz vorgeworfen wird, daß ihrem Rufe „zumeist Vertreter von mit der national-jüdischen Ideologie sympathisierenden Gruppen und Grüppchen aus aller Herren Länder gefolgt sind." Gehörte man nicht noch selbst vor wenigen Wochen zu den „sympathisierenden" . . . natürlich „Gruppen". Aber die Freude dauert nur . . . zwei Spalten. Da bekommen's die bösen Konservativen wieder. Denn sie haben einmal gewagt, nun was wohl?, mit dem bösen Austritt zu fraternisieren, sich endgültig von jedem prozionistischen Liebäugeln zu befreien? ach nein, so weit sind wir leider noch nicht. Sie sind nur in aller Bescheidenheit an die jüdische Oeffentlichkeit getreten, um das zu tun, was jede Menschengruppe in einem Existenzkämpfe von namenloser Schwere tut: Sie hat ihren Selbsterhaltungstrieb betätigt. Wie.man.weiß, sind die Vorarbeiten zur Gründung des „Reichsverbands" in der letzten Zeit weit vorangekommen. Auf Seite ihres Tagesbulletins Nr. 189 vom 19. August brachte die Jüdische Telegraphen-Agentur hierzu eine Mitteilung „von einer führenden Persönlichkeit der Konservativen im Preußischen Landesverband Jüdischer Gemeinden, die als Sprachrohr der gesamten Gemeindeorthodoxie in Deutschland gelten darf." In dieser Erklärung wird in würdiger, maßvoller Form die Geschichte der verschiedenen Entwürfe gestreift und die durch manches Opfer belegte Bereitschaft der Jereim zur Mitwirkung am Reichsverbande aufgezeigt, ist doch jede wahre Kelal-Sache von Natur aus Sache dre Gesetzestreuen. Mit dieser unbestreitbaren Legitimation wird dann in der Erklärung gegen die wahrhaft erschreckenden Absichten der Verbandsgewaltigen Verwahrung eingelegt, deren Realisation fast jede Regung thoratreuen Lebens im deutschen Judentum zum Verkümmern brächte. Welchen Sinn hat ein Reichsverband, wenn seine Entstehung belastet ist mit einem lebenzerstörenden und nicht einmal finanziell zu rechtfertigenden Affront gegen die Thora und die, die in der Pflege des Thoralebens und -Geistes den Sinn und das Ziel unserer Existenz als Juden sehen! Man sollte meinen, daß das „Familienblatt", das doch eine besondere Fertigkeit in der Kunst entwickelt hat, jeder „Richtung" Genüge zu tun, für solche Sorgen und Anschauungen Verständnis aufbrächte. Doch 'weit gefehlt! In. wenigen Zeilen offenbart sich hier vielmehr eine solche Häufung des Mangels an gutem Willen und haßvoller Feindseligkeit, wie sie heute bei Reform und Liberalen g'ttlob kaum noch anzutreffen sind. Die Methode, wie man es macht, mag als beispielhaft hier im einzelnen gezeigt werden: Im Leitartikel wird die Auslassung, deren Publikationsform oben mitgeteilt ist, als Stimme „aus dem konservativen Lager des Preußischen Landesverbandes" (Anführungszeichen im Original) zitiert, also in einem Wortlaut zitiert, der objektiv falsch Und nun ist es natürlich leicht, den unbequemen Opponenten zu vernichten. Wessen ist er schuldig: des Versuchs, „wieder einmal die Vorarbeiten für den Reichsverband der deutschen Juden zu stören." (Diese Anführungszeichen decken aber das Zitat!). Also zuerst wird die Bedeutung der Auslassung bagatellisiert, dann ihr Urheber eines Vergehens beschuldigt, das auf den Schützen dieses ach so spitzen Pfeiles oder vielmehr seine besonderen Schützlinge zurückfällt. All dies mag aber noch hingehen. Was jedoch ernsteste Beachtung, Protest und Kampfrüstung erfordert, ist der Schluß dieser lichtvollen Bemerkungen. Da heißt es: „Hätten wir die Möglichkeit, alle Organe der jüdischen Oeffentlichkeit zu beeinflussen, so würden wir diesen Einfluß dahin geltend machen, die Bekanntgabe dieser Auslassungen zu unterdrücken. Da dies aber leider nicht möglich ist . . . Wer gab dem anonymen Verfasser das Mandat . . .?" Um mit dem letzten zu beginnen. Hätte der Glosfator wahrheitsgemäß zitiert und auch die Quelle angegeben, dann wäre klar geworden, was übrigens schon die Form und der besondere Sachvertrautheit zeigende Inhalt der Publikation zeigt — daß sein Angriff grund- und haltlos ist. Er mag zur Kenntnis nehmen, daß es immer noch Männer gibt, denen es lediglich um die Sache und nicht um die Verbreitung eines Nimbus um Namen und Person geht. Diese erste offene Drohung mit Gesinnungsterror und Boykott im jüdischen Lager soll festgehalten werden. Ist das das „Verantwortungsbewußtsein", dessen Fehlen der Genfer Konferenzherren vorgeworfen wird? Boykott gegen die Orthodoxie: dieses Geschoß kam nicht aus dem liberalen Lager. Wer gibt dem Verfasser das Mandat, Boykottdrohungen auszustoßen? Denn wir nehmen doch nicht an, daß Der Israelit er zu den von ihm so geschmähten „Vertretern ohne Mandat" gehört ... Jedenfalls: Wir verstehen das Zeichen, wir kennen die Quelle. Wir sind gewarnt. Seien wir auch gerüstet! Ein Konservativer. Personalien. Heldenbergen, 28. Aug. Eine wackere jüdische Frau haben wir vor einigen Wochen unter großer Beteiligung zu Grabe getragen: die im 77. Lebensjahre verschiedene Frau Lea Scheuer, die sich der größten Hochachtung und Wertschätzung bei jedermann erfreute. Einem streng religiösen Milieu entstammend, hat sie die Fahne der nnwr stets hoch und heilig gehalten, 'als Gattin, Mutter und Bürgerin. Ihren Gatten, mit dem sie eine musterhafte Ehe führte, verlor sie schon frühzeitig. Mit jiniM griff sie ihr weiteres Geschick an, und es gelang ihr, durch ihr freundliches, herzgewinnendes Wesen ihr Geschäft, vom Gatten übernommen, fester zu gründen und zu erweitern. Ihren sechs Kindern, drei Knaben und drei Mädchen, ließ sie sine gute Erziehung zuteil werden. Drei Söhne sind als tüchtige Geschäftsleute bekannt und geachtet. Leider hat sie zwei verheiratete Töchter durch den Tod verloren. Die einzige überlebende Tochter führt ihr Hauswesen im Sinne der verstorbenen Mutter. Ihr wurde die seltene -ar einer Urahne zuteil, das Kind eines Enkels auf ihren Knieen zu halten. Ihre Kinder suchten ähren Lebensabend in jeder Weise zu verschönern und hätten gerne noch ihre gute Mutter, an der sie hingen und die sie verehrten, bei sich behalten. An ihrem Krankenlager erstrahlten die Beweise kindlicher Liebe und Dankbarkeit im schönsten Lichte. Nicht nur ihre Angehörigen, sondern ein großer Kreis von Verehrern und Freunden hat sie verloren. Ihr Andenken wird bleiben. rrasan Aurich. 28. Aug. Am asa a-a verschied in Berlin, wo er Heilung von seinem Leiden suchte, unser David A. Wolfs. Die am Donnerstag, den 25. ds. Mts. hier stattgefundene legte ein beredtes Zeugnis ab von der großen Beliebtheit, dessen sich der Verstorbene erfreute. Ein Mann von seltener Herzensgüte und Bescheidenheit, Friedensliebe und G'ttesfurcht, der sich die Freundschaft vieler zu erwerben wußte und der mit ganzer Kraft zur Erhaltung von nmn und ms» sich bemühte, ist mit ihm dahingegangen. Ein sehr zahlreiches Trauergefokge von hier und auswärts begleitete die irdische Hülle nach demw'nn ma, wo unser Prediger, Herr M. Moses, in bewegten Worten dem allgemeinen Schmerze treffenden Ausdruck gab. Durch seinen rechtschaffenen Lebenswandel und feine sittliche Eignung geadelt, übertrug ihm die Gemeinde das Amt eines an den »'»«nun Was seinen Gebeten die rechte Weihe gab, das war seine Hingabe, das Hineinlegen feines Ichs in die Worte. Aus vollem Herzen, mit innerer Wärme und Ueberzeugung rang sich seine Tefilloh zu empor. Als langjähriger Vorsitzender des hiesigen wavn rnn^va-Vereins, als Vorstandsmitglied der Talmud-Thova-Chewrah und des Emdener Altersheimes hat er stets feine Kräfte zum Segen der Gesamtheit eingesetzt und überall mit gleicher Treue gewirkt. Und so ist es denn zu verstehen, wenn ihm infolge seiner regsamen Tätigkeit vor einigen Jahren von dem zuständigen Landrabbinat der —>an-Titel verliehen wurde. In unserer Gemeinde ist durch den Tod dieses Frommen eine große Lücke entstanden, die schwer auszufüllen sein dürfte. — Während im Hause der Bruder des Verstorbenen, Herr Ruhelehrer Wolfs, dem Schmerze der Familie Ausdruck gab, dankte am Grabe Herr Landrabbiner Dr. Blum dem Dahingeschiedenen noch besonders für die opferwillige Tätigkeit als Vorsitzenden des G'millus Chessodim und Altersheims zu Emden. .a^axan- Eschau, 28. Aug. Anläßlich des 70. Geburtstages von Herrn Lehrer Leop. Lehmann fand am raav nxa 'b ein Fest-G'ttesdienst statt, welchen dessen Sohn, Lehrer Bernh. Lehmann, Wiesloch, leitete. Nach einem von demselben gesprochenen, tiefempfundenen Gebete würdigte Kultusvorstand Weinberg in treffenden Worten die großen Verdienste, die sich Herr Lehmann in hiesiger Gemeinde erworben hat und sprach demselben Dank und Glückwünsche aus. Herr Bürgermeister Haas übermittelte persönlich die Gratulation der politischen Gemeinde und des Gemeinderats. Die vielen Ehrungen und Aufmerksamkeiten, welche Herrn Lehmann zuteil wurden, zeugten von der großen Beliebtheit, deren er sich in weiten Kreisen erfreut. Vermischtes. Berlin, 28. Aug. In dem von Herrn Rabbiner Dr. I. Freimann geleiteten „Schaß-Lernverein" finden regelmäßige Referate über halachische Themen statt, u. a. sprachen die Herren Rabb. Dr. Ed. Biberfeld, Rabb. Cycowicz, Rabb. Dr. Neuwirth und Rabb. Chaim Tobias. Kommenden Sonnabend-abend, 8.45 Uhr, spricht wiederum Herr Rabb. Dr. I. Freimann über -■pionci ann a? Berlin, 24. Aug. Trotz der Ungunst der Zeit war es dem rührigen Kuratorium des Israelitischen Ferienheims (Moriz Lehmann-Fonds) möglich, 125 Kindern in zwei Gruppen je drei Wochen lang Erholung und Stärkung in ihrem Treptower Heim zu bieten. Erfreulicherweise wurden von mehreren Lebensmittelgraßhandlungen wertvolle Warenspenden unentgeltlich zur Verfügung gestellt, so daß der Betrieb, nicht wie befürchtet wurde, eingeschränkt werden muhte, sondern in der gleichen Art wie früher aufrecht erhalten werden konnte. Die Kinder haben sich ausnahmslos gut erholt, größtenteils 3—4 Pfund zugenommen und vereinzelt Gewichtszunahmen bis zu 6 Pfd. bei nur dreiwöchentlichem- Aufenthalt aufzuweisen, ein Beweis, wie notwendig die Unterbringung der ausgewählten Kinder war, und wie vortrefflich sie in dem Heim versorgt wurden. — Das Kuratorium nimmt die Gelegenheit wahr, seinen Freunden und Gönnern, allen Helfern und Helferinnen auf diesem Wege seinen herzlichsten Dank für die Unterstützung dieses Liebeswerkes auszusprechen. Es hofft, das entstandene Defizit durch eine Wohltätigkeitsveranstaltung in Laufe des Winters zu decken. Hamburg, 24. Aug. In der letzten Sitzung des Staatshaushaltsausschusses kam es zu einer politischen Auseinandersetzung zwischen den Nationalsozialisten und den übrigen Fraktionen über die Beihilfe an nichtöffentliche Schulen, also in erster Linie an die Tal m u d Thora-Realschule, an die katholischen Gemeindeschulen und die Schulen des Paulsenstiftes. Die Nationalsozialisten verlangten die völlige Streichung der Beihilfe für die jüdische Schule, mährend die Kommunisten den ganzen Etatposten überhaupt gestrichen wissen wollten. Als dieser kommunistische Antrag abgelehnt wurde, versagte die kommunistische Fraktion dem antijüdischen Antrag der Nationalsozialisten ebenfalls die Unterstützung, so daß die Nationalsozialisten isoliert blieben und der Antrag, allerdings in Abwesenheit des deutschnationalen Vertreters, der Ablehnung verfiel. Jüdische Gäste, die sich in diesem Sommer des Mißvergnügens aus den Sphären der Politik in die schöne Schweiz retten wollen, wohnen am angenehmsten in dem erstrangigen Hotel du Lac in Luzern, dessen Leiter, Herr H. B u r k a r d t - S p i l l m a n n, es glänzend versteht, feinen Gästen den Aufenthalt angenehm zu machen. Das Haus, das einen schönen Garten besitzt, liegt in der Nähe der Dampfschisfsstation, des Bahnhofes und der Post, hat fließendes Wasser und Staatstelefon in allen Zimmern, und man kann dennoch dort Zimmer von Fr. 6.— an bekommen. Das Haus kann die bekanntesten jüdischen Familien aus der Schweiz selber, die es feit vielen Jahren frequentieren, als Referenzen aufgeben. Unter gleicher Direktion steht auch das Hotel Metropole in Nizza. Das Haus Villa Montana in Locarno, das bei .bester Verpflegung und zeitgemäßen Preisen streng iva geführt wird, wird im September wieder eröffnet. Auf mit Reben und Wäldern bedeckten malerischen Nordwand liegt in herrlicher Lage die einzig schöne Villa inmitten eines Parkes südländischer Vegetation. Der Duft des Lorbeer, das Immergrün der Palmen, Magnolien und Kamelien lassen noch nichts vom herannahenden Herbst ahnen. Die Villa Montana bietet auch dem Verwöhntesten den erwünschten Komfort. Man findet dort herzliche Aufnahme und beste Bewirtung. Die malerisch gelegenen Orte Brione, Orsolina, Contra usw. sind in kürzester Zeit erreichbar. Wer aber lieber am See die würzige Luft genießen will, ist in wenigen Minuten am Ziel seiner Wünsche und wer sich gar voller Ruhe hingeben will, findet in der Villa Montana im Park wie auf Veranden genügend Gelegenheit. Herrlichster Ausblick auf See und Berge läßt auch jeden seine Alltagssorgen vergessen. Einige Herbstwochen. die Feiertage, Sukkaus in der Villa Montana verbracht, wird ein unvergeßliches Ereignis fein. Darum auf nach Locarno! Familiennachrichken. Barmizwoh: Hermann, Sohn des Gemeindesekretärs Max Neuberger, Berlin, Elsässerstr. 24. «so 'a 'd. Vermählte: Erich Neumann mit Fränze Neumann geb. Müller, Gießen, Steinstr. 62. 7. Sept. 1932. Briefkasten. K. ZI. 613. Die Barmizwoh findet am 6. November tu 'o nav statt. Aas Zion. Mk. 1.— für Spende eingegangen. A. Z8. St. Ffs. 100.— für Abonnement eingegangen. Was Zion. Cingegangene Spende weitergegeben. A. in St. Ffs. 50.— für angegebenen Zweck verbucht. Wochenkalender. vom 3. bis 10. September 1932 2. bis 9. Elul 8392. '»1' eia I naio ll'vLIV Samstag 3 2 nV Sonntag 4 3 tb Montag 5 Wk 4 » Dienstag o. 6 5 rr» Mittwoch ty 7 6 ao Donnerstag 8 7 an Freitag 9 8 an Samstag 10 9 n» ssrr’a

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