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Der Israelit · 1932-09-01 · Heft 36 (1.9.1932) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 36 (1.9.1932)
Date
1932-09-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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jfeuilleton. Leilage Nr. zö W2 Kosbi Salonae. Eine Erzählung aus biblischer Urzeit. Von Sanon. rjpij (Fortsetzung.) „■'3a, richtig, kennst Du ste?" „Ja, sie. denkt und ist midjanstolz." „Wir werden sie sprechn. Lasse diesem Häuptling sagen, er soll morgen mit seiner Tochter zu mir kommen." Reuel wurde es schwül. Tr sah die Möglichkeit, daß der schlaue Bil-Am, der immer mit den Reichen, Mächtigen ging, in der Unterredung mit Jur ihn verraten würde, und das; der Besuch, von dem er sich so viel erhofft hatte, ins Gegenteil Umschlagen könnte. Da entschloß er sich zu dem Letzten und .Schwersten. „Vil-Am, erzähle mir von dem G'tt, als dessen Diener Du dich bezeichnest." „Reuel, Du wirst es nicht verstehn." „Bil-Am, ich möchte allmählich all meine Midjanmenschen zu Anbetern dieses G'ttes machen." „Wohl um Deine Macht aufs Reue zu stärken?" „Bein, aber das was auf den Tafeln Terachs steht und auf denen des Keturahsohnes Midjan hat mich zum Nachdenken gebracht." - „Und Du riefst mich, um Dir zu helfen. Nun, ich habe einen Vorschlag, In meinem Gefolge befindet sich ein lieber Schüler von mir. Tr heißt Balak, ist auch ein halber Midjanite. Denn Du weißt, als Deine Ahnen, die Keturahkinder einst westwärts zogen, da blieb doch ein Teil zurück an den fruchtbaren Ufern des phrat, von diesen stammt der junge Balak. Du erkennst es aus dem Nanren seines Vaters. Tr hieß Zippor. Und da fällt mir etwas ein. Dein Sohn Iefer hat doch eine Tochter Zippora. Laß den Sohn des Zippor die Iesertochter Zippora heiraten. Du wirst an ihm einen treuen Helfer haben, und ein Liebling Bil-Ams wird auch wohl den störrischen Midjanshäuptlingen die Zügel anlegen." „Bil-Am, ich danke Dir, aber meine Cnkelin Zippora ist . schon eines andern Mannes Meid und Mutter seiner Kinder." „Und wem hast Du sie gegeben?" „Einem Unbekannten, der mir gefiel, weil er-gut ist. Cr war ein flüchtiger Cpriumann." Da geriet Bil-Am in Erregung. Immer wieder und wieder diese Cpriu! Ueberall kreuzen sie seinen Weg und seine. Pläne; dann sagte ec hohnvoll: „Reuel, dann bedarfst Du ja meiner nicht. Hast ja an diesem Cpriu einen vortrefflichen Lehrer. Aber halt, rufe Deine Enkelin Zippora." verstört folgte Reue! diesem Befehl. Tief verschleiert erschien seine Cnkelin. „Wo ist dein Gemahl?" ' „Im Mizraimlande." „Zu welchem Ende?" „Um bei seinen armen Brüdern zu sein." „Bei den Cpriu?" „Bei den Cpriu." „wie ist sein Name?" „Cr nennt sich den Amramssohn Mose." „Mose?" .rief Bil-Am in höchster Erregung. „Mose." ' Lange, atemraubende Pause. Demütig fragte Zippora: „Und was befiehlt der hohe Herr im Haufe Reuels?" voll Hohn erwiderte Bil-Am: „Nichts, meine Tochter. Gehe und bete zu Deiner Sin, daß es Deinem Gatten wohlergehe im Mizraimlande." Zufammenzuckenö schritt Zippora hinaus. Als sie sich entfernt hatte, sagte Bil-Am unter Betonung jedes Wortes: „Reuel, der Gatte Deiner Cnkelin ist der Todfeind Bil-Ams und seiner Jünger." „Bil-Am, das wirst Du mich doch nicht entgelten lassen?" „Bil-Am geht seinen Weg ohne Haß und ohne Liebe. Cr weiß, was ihm frommt. Morgen reite ich ostwärts. Rufe den Häuptling Zur und seine Tochter." „Bil-Am! Du wirst mich doch nicht verraten? was wirst Du Zur raten?" „Du weißt ja nicht, was er erbetteln wird. Aber Dir, Reuel, will Bil-Am eines sagen: diese Cpriu werden Midjans Feinde sein, vor ihnen werde ich Zur warnen." „Auch vor mir?" „Nein, aber mit Dir vor ihnen." VII. pünktlich erschien Zur mit seiner Tochter, absichtlich ließ Bil-Am ihn warten. Cr hatte gesehen, daß Zur mit großem Gefolge erschienen war und wollte ihn demütigen. In Kosbi Salonae kochte es; das war sie, die Häuptlingstochter, nicht gewohnt, daß sie im vorzinnner harren mußte. Endlich wurden sie gerufen. Unterwürfig Hub Zur an: „Ich danke dem mächtigen Meister, daß er mich der Chre gewürdigt, vor ihm zu erscheinen. Das macht mich groß in den Augen meiner Gefährten und in den Augen meines Volkes." „Midjanshäuptling! Bil-Am liebt nicht eitles Gepränge. Warum kamst Du in so großem Gefolge?" „Geruhe der Herr, einen Blick auf die Straße zu werfen. Cs ist Dein Gefolge, das Du stehst. Midjams Volk bittet Dich, Sklaven und wohlbeladene Saumtiere als Erinnerung an das Glück entgegennehmen zu wollen, daß sein Priesterfürst Dich beherbergen und sein Volk den Saum Deines Mantels küssen durfte." Bil-Am war habgierig, das wußte man, obwohl kein Mensch erklären konnte, wozu er des Geldes bedurfte. Sein Leben war denkbar einfach. Man sagte ihm nach, daß er wohlwollend nur gegen seine graue Eselin war. Kein Armer wagte ihn um eine Gabe zu bitten, kein Fremder konnte sich rühmen, Gastfreundschaft im Zelte des stolzen, verschlossenen Bil- Am genossen zu haben. Kosbi Salonae imponierte diese einseitige Meisterschaft des Nehmens, aber sie wich seinem Blicke aus. Zur hatte ihr angedeutet, daß sie> wenn Bil-Am es wünsche, ihm zu folgen habe, als Weib oder als Sklavin. Und ehe noch ein Wort gefallen war, schon fühlte ste sich ihm unterlegen. Des Dankes vergaß Bil-Am. „Zur," begann er, „es sind schwere Zeiten. Ich höre, im Mizraimlande herrscht Krankheit. und manches Leid. Cs bereiten sich große Dinge vor.. Hast Du mit unserem ehrwürdigen Reuel Dich beraten, was Midjans Los wird in diesen Tagen?" Dieser Hinweis genügte, um Zurs plan, sich bei Bil-Am üher Reuel zu beschweren, zunichte zu machen. Man munkelte ja in allen Zelten, daß die Verbindung mit den Cpriu die Gintreue Reuels etwas wankend, gemacht habe. .Bil-Am aber wußte, daß es immer noch leichter sei, durch die Priesterkaste zu herrschen, als in unmittelbarem Verkehr mit den stolzen, üppigen Völkerfürsten. So hatte er auch heimlich im dunklen Orakelspruch durch die Pfaffen des Baal und der Astaroth den Cmorit.erkönig Sichon ermutigen lassen, das ihm unsympathische Moab, in dem Fürstentum und die Spitze des Priestertums in einer Person vereinigt war, energisch zu bekämpfen. So war er ungewollt ein Fürsprech Reuels; denn als Zur schlicht antwortete: „Ich harre seines Rates," da sagte Bil- Am: „Wenn man um Midjans Wohl berät, darf Reuel nicht fehlen." „Rufe ihn, Kosbi." „Seit wann leisten Fürstentöchter Midjans Botendienste?" „Meine Tochter ist Deine Sklavin, wenn Du es befiehlst." „Ich befehle nicht, Kosbi Salonae." „Aber darf ich den Willen des Vaters erfüllen?" „Gehe und komme zurück mit Reuel." Als sie bald mit Reuel zurückkam, war sie erstaunt, wie demütig die Haltung war, die ihr Vater einnahm. „Du warst so gütig," sprach Bil-Am zu Reuel, „mich um meine Meinung zu befragen, deren Du wahrlich nicht bedarfst. Aber Dein Vorschlag zeugt von so viel Weisheit, daß ich ihm beipflichte. Also, um Deine eigenen Worte zu wiederholen, Freundschaft mit Moab, die zu nichts verpflichtet." Reuel strahlte, Zur biß sich auf die Lippen, denn ihm wäre ein frischfroher Krieg lieber gewesen, und die Emissäre Moabs hallen nicht erfolglos bei Zur ihre Tätigkeit entfaltet. Sic waren in großer Verlegenheit, da in Moab Anarchie einzutreten drohte. Unter gewaltigen inneren Kämpfen hatte sich Moab zur Monarchie entwickelt, aber sein erster König war dem Ansturm der Cmoriter unterlegen. Nun gährte es. In Bil-Ams Kopf war eine kühne Kombination entstanden. Sein getreuer Jünger Balak war auf sein Geheiß heimlich mit den Moabitern in Verbindung getreten. Cs war die Folge der an diese Unterredung sich knüpfenden weitausschauenden Pläne Bil-Ams, wenn ec nun zu Reue! und Zur sprach: „Ich habe an Cuch eine Bitte. Da ist in meiner Begleitung ein junger, begabter, hoffnungsvoller Mann, der Balak. Ich trenne mich schwer von ihm, aber er ist sehr gewandt, und ich ahne, er hat eine sehr große Zukunft. Cr ist ein gewandter diplomatischer Unterhändler. Cr wird Midjan Dienste leisten. Ich möchte ihn Cuch überlassen. Gewährt ihm Gastfreundschaft. Cr ist ja eines Blutes mit Cuch. Und nun zu Dir, Kosbi Salonae. Ich möchte, daß Du Balaks Weib wirst. Und so könntest Du wahrgesprochen haben, als Du meintest, ich wäre Dein Schicksal. Jung bist Du, aber heiß und stark. Als Balaks Weib wirst Du die Träume Deiner Jugend und die Träume Deines Ehrgeizes /in Erfüllung gehen sehen. Kosbi, Häuptlingstochter Midjans, willst Du Deiner Sippe und Dir selbst Großes erringen helfen?" Reuel erbleichte. Cr ahnte, daß dies eine Rache Bil-Ams war, weil er, der Priesterfürst, seine Cnkelin einem Cpriumann zum Weibe gegeben hatte. Nun sollte also die weltliche Macht durch diese Che von Kosbi Salonae mit einem Schützling Bil-Ams gestützt und gefördert werden. Kosbi Salonae aber erwiderte: „Ich habe diesen Balak gesehen. Cr weiß seine Worte gut zu setzen. Ist ec mutig, dann gehöre ich ihm. Aber sage ihm:/ich bin stark in Liebe und Haß. Für Midjan wage ich mein Letztes." „Und was sagt Kosbis Vater?" „Noch jung ist mein Kind, aber Bil-Am schaut in die Zukunft. Seinem Willen füge ich mich gerne." „Und was sagt Reuel?" „Kosbi Salonae ist mir und den Meinen lieb. Was können wir ihr Höheres wünschen, als das Weib eines Lieblings Bil-Ams zu werden?" „So wirbt.. Bil-Am, Beors Sohn, nach alter Midjansflte, die auch Sitte und Herkommen am Strande des perath ist, feierlich um Kosbi Salonae für Balak. Ihr aber, Reuel und Zur, rufet die Priester und Häuptlinge, auf daß ich vor ihnen allen meine Worte wiederhole. Lasset auch die Sendboten Moabs an dieser Feier teilnehmen." Und also geschah es. Feierlich erwartete mit großem Gepränge Zur den Brautrverber. Da Zurs Hauptfrau nicht mehr am Leben war, hatte er Reuel ersucht, die Zippora als Beistand zu seiner Tochter zu senden. Ringsumher Midjans Volk in begreiflicher Erregung. Neidisch blickten die Häuptlinge auf Zur, und doch voll hämischer Freude, daß dieser große empfang des Bil-Am vor dem Zelte Zurs stattfand, und nicht im Hofe des Heiligtums, dem Reuel Vorstand. Noch wußte niemand, welchen Zweck das große Aufgebot verfolgte. Da — rauschende Musik von Cymbeln und pauken. Dann atemlose Stille. Da kam er, der große Mann, schlicht gekleidet, den Blick in die Ferne gerichtet, langsam einherreitenö auf der unscheinbaren, ungeschmückten Cselin. Cr hielt vor dem Thronsessel Zurs. (Fortsetzung folgt.)

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