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Der Israelit · 1932-09-01 · Heft 36 (1.9.1932) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 36 (1.9.1932)
Date
1932-09-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. 36 Seite 7 1. September 1932__ Parteihaß, die gallige Wut, die gegen das religiöse Judentum und seine Verbündeten gekehrt wurde! Ein Grauen kommt uns an: Wohin führt das eigentlich? I- L. Rumänien. Rumänisch-deutsche Allianz im Zeichen des Hakenkreuzes. Bukarest, 22. Aug. Im Verlauf der Debatte über die Ueberprüsung der Mandate ergriff der antisemitische Deputierte George A. C. Cuza, der Sohn des Führers der Antisemiten- Liga, Professor Alexander C. Cuza, in der rumänischen Kammer das Wort, um gewisse Vorfälle bei den Wahlen in der Stadt Vaslui zu schildern. Er machte hierbei heftige Ausfälle gegen die Juden. Daraufhin entspann sich zwischen ihm und dem der nationalzaranistischen Partei angehörenden jüdischen Deputierten Aureliu Weiß ein lebhafter Wortwechsel. Cuza erklärte, er wolle dem Deputierten Weiß nicht antworten, denn er spreche prinzipiell nicht mit Juden. Im weiteren 'Verlaufe seiner Ausführungen gab. Cuza einige Aufklärungen über den Punkt, der vor einigen Wochen in Timisoara mit den Vertretern der deutschen Nationalsozialisten abgeschlossen wurde, und betonte, daß sich die Zusammenarbeit von deutschen Nationalsozialisten und rumänischen Cuzisten nicht auf außenpolitische Angelegenheiten, sondern nur auf die Verbreitung der antisemitischen Idee beziehe. Palästina. Sefardisches und aschkenasisches Gberrabbinat „auf dem Ariegspfade". Jerusalem, 25. Aug. An der Spitze der in voriger Woche erschienenen Nummer des Kol - Iisroel veröffentlicht das Oberrabbinat für Erez Jisroel mit der Unterschrift des sefardischen Generalsekretärs, Jacob B a r u ch, „eine letzte Warnung" an den afchkenasischen Generalsekretär, Schmuel Aron Weber, im Aufträge der sefardischen Mitglieder des Misrad-harabanuth und unter Zustimmung des sefardischen Oberrabbiners, Rabbi Jacob Meir. In der Warnung heißt es: „Wir haben verschiedene Briese gesehen, ein Schreiben, das sich gegen die Leitung des Diskin'schen Waisenhauses wendet, außerdem Briefe gegen die Agudas Jisroel hinsichtlich ihrer Absicht, eine rabbinische Größe als Nachfolger des berühmten Gaon, Rabbi Joseph Chajim Sonnenfeld, zu berufen. Diese Briefe haben Sie (Schmuel Aron Weber) geschrieben unter der Firma des Oberrabbinats und unterzeichnet im Namen der Rabbiner als Generalsekretär des Misrad-harabanuth und versehen mit zwei Siegeln, dem Siegel des Misrad-harabanuth und demjenigen der Gerichtshöfe des Misrad-harabanuth. De s h a l b warnen wir Sie mit allem N a ch - druck und ordnen an, daß Sie, nicht ferner das Recht haben, bei Ihren Streitigkeiten sich der.Briefbogen des Misrad-harabanuth und feiner Siegel zu-bedienen, denn wir, die Sefardim, wünschen in Eintracht zu leben mit allen unseren Brüdern von allen Parteien und überall in Erez Jisroel und in,,der Diaspora und wenn Sie nicht auf unsere Stimme hören, werden wir gezwungen sein, uns unseres Rechtes zu bedienen und Ihnen die Briefbogen mit der Firma des Misrad-harabanuth und den beiden Siegeln zu entziehen." Als Antwort hierauf veröffentlicht nun die aschien a s i s che Abteilung des Misrad-harabanuth, unterzeichnet von Oberrabbiner Kuk und den Rabbinen Zwi Pefach Frank und I. Fischel Bernstein, im Haarez eine Kundgebung, worin ausgeführt wird, daß der afchksnasische Teil des Oberrabbinats sich in solchen Angelegenheiten, welche die Sefardim nicht betreffen, von jeher für bevollmächtigt erachtet hat, ohne vorherige Befragung der sefardischen Kollegen im Namen des Oberrabbinats das Wort zu ergreifen. Nichts anderes habe Herr Schmuel Aron Weber als Generalsekretär getan. Cs folgt dann folgende Vertrauenskundgebung für Herrn Schmuel Aron Weber: „Seitdem unser geehrter Sekretär, vmn Rabbi Schmuel Aron Weber, sein Amt bekleidet, seit der Gründung des Oberrabbinats bis jetzt, haben wir keinen Fehl an ihm gefunden und immer waren feine Hände und sein Herz in Treu hingegeben dem Besten der Angelegenheiten der Thora und der Mizwa und dem Besten des Judentums in Erez Jisroel und die Voraussetzung -_ Der Israelit .._ gilt, daß ein Thoragelehrter, defsengleichen sich, mehren mögen in Israel, aus seiner Hand.nichts hervorgehen läßt, das nicht in bester Ordnung ist, All dies haben, wir für nötig gefunden, der Öffentlichkeit mitzuteilen, um der Wahrheit und des Rechts willen,";i Es scheint hiernach, daß der Einfluß des Herrn Schmuel Aron Weber groß genug ist, um das Oberrabbinat sogar zur Deckung der unmöglichen Drohbriefe, die in seinem Namen ergangen sind, zu zwingen. Wann wird endlich im Interesse der Wahrheit und des Friedens hiefer das Oberrabbinat vor der ganzen Kulturwelt kompromittierenden Alleinherrschaft des Herrn Weber ein Ende gemacht werden? Budgetfragen, Feiern und Konflikte in Palästina. - Jerusalem, 15. Aug! , In der. letzten Sitzung des Rates der Jerusalemer Jüdischen Gemeinde wurde das Budget für das kommende Jahr auf 7890 Pfund festgesetzt. Hiervon sind 1858 Pfund für religiöse Zwecke, 900 Pfund für soziale Hilfe und Gesundheitswesen, 1350. Pfund für Erziehungswesen, 650 Pfund für Schuldentilgung und 750 Pfund für den Waad Leumi bestimmt. Ferner wurde beschlossen, die Gemeindesteuer nicht wie im Gesetz vorgesehen, mit 6 Proz., sondern nur mit 4 Proz. des staatlichen Steuerbetrages festzusetzen. Durch eine Verordnung des Distriktskommissars wurde im Distrikt Jerusalem das Verbot des Waffentragens und der Abhaltung von Versammlungen auf weitere drei Monate verlängert. In Tel-Awiw wurde am 12. und 13. August die 5 0 Iahrfeier des Beginns der palästinensischen Kolonisation durch die Bilu-Gruppe festlich begangen. Es wurden mehrere ■ Versammlungen abgehalten. Die Hauptversammlung fand im Hofe des Herzl-Gymnasiums statt, wo sich nebst änderen Festgästsn sämtliche noch überlebende Mitglieder der Vilu versammelt hatten. Ansprachen wurden von Vertretern der Stadtgemeinde, des Jüdischen Nationalfonds, der Organisation der hebräischen Lehrer und des Rabbinats, sowie von einigen Bilu-Mitgliedern gehalten. Zwischen dem Leiter der Ansiedlung holländisch e r Juden „Hadar" und landwirtschaftlichen Arbeitern des allgemeinen jüdischen Arbeiterverbandes PalästinasPalästinas, Histadruth Haowdim, ist ein Konflikt ausgebrochen, weil der Leiter der Siedlung, statt die Arbeiter der Histadruth zu verwenden, Mitglieder der religiösen Arbeiterorganisation Poale Hamisrachi aus Petach Tikwah zur Arbeit herangezogen hat. Als die misrachistischen Arbeiter die Arbeit in der Siedlung aufnehmen wollten,' kam es zwischen ihnen und den Mitgliedern der Histadruth zu einem Zusammenstoß, 20 Mitglieder der allgemeinen Arbeiterorganisation wurden verhaftet und werden sich wegen Störung der öffentlichen Ordnung vor Gericht zu verantworten haben. Personalien. Jakob H. Rothschild Schlüchtern. 31. Aug., Ein schwerer Schlag traf unsere Gemeinde durch den Heimgang unseres Jacob H. R o t h sch i ld , der Führer und Vater der Gemeinde im vollsten Sinne war. Eine Würdigung der Führertugenden und der Wirksamkeit dieses Mannes für die Erhaltung des Thoralebens in seiner Gemeinde und in unserem Bezirke müssen wir uns für die nächste Nummer Vorbehalten. Bei der Bestattung am Dienstag nachmittag war neben der Gemeinde und großen Teilen der nichtjüdischen Bevölkerung sozusagen „das ganze Fuldaer und Hanauer Land" vertreten. Endlos zog sich der Zug der Trauernden durch die Straße. Auf dem Friedhofe würdigte zuerst Herr Provinzialrabbiner Dr. Gradenwitz, Hanau, den Führer, Freund und verständnisvollen Mitarbeiter in knappen, kernigen Worten. In ebenso herzlicher Weise nahm Provinzialrabbiner Dr. Cahn, Fulda, Abschied von dem Manne, der seinem Vater schon und ihm selbst ein treuer Freund war. Der Bürgermei st er der Stadt Schlüchtern dankte dem Heimgegangenen Stadtverordneten für seine langjährigen treuen Dienste und Verdienste um das Gedeihen der Stadt und die friedliche Zusammenarbeit der Konfessionen. Herr Lehrer Seckbach überbrachte die letzten Grüße der Kultusgemeinde, deren langjähriger Vorsitzender der Heimgegangene war. Cs sprach noch einer der drei Söhne, Lehrer an der jüdischen Schule zu Hamburg, ergreifende Worte des Abschieds und des Dankes. Wegen des strömenden Regens mußten weitere Reden ins Haus verlegt werden. Nach der Bestattung folgte eine kleine stimmungsvolle Gedenkfeier im Hause, bei der Herr Oberkantor H e s, Frankfurt a. M., früher Lehrer in Schlüchtern und treuer Freund des Abgeschiedenen, herzliche Worte der Verehrung sprach und Herr Redakteur Schachnowitz, Frankfurt a. M., die letzten Grüße der Freien Verein igungfürdie Interessen des orthodoxen Judentums überbrachte. Herr Kantor Brünn.,;-Schlüchtern, 'beschloßt die häusliche Andacht mit einem ergreifenden ->"»rr-Gebet. (Weitere Personalien siehe Seite 11.) Die Woche. Frau Elias Rubinstein n"jr. Am Freitag trugen wir unter großer Beteiligung Frau Jda Rubinstein, die Witwe des vor 28 Jahren Heimgegangenen hervorragenden Thoragelehrten unserer Stadt, Rabbi Elias R u b i n st e i n, im Alter von 90 Jahren zu Grabe. Eine Patriarchin von allseitiger Verehrung und Beliebtheit, war Frau Rubinstein eine Verkörperung des Bibelsatzes xxan i'njm .yna vwv jmsfi moy „Eine herrliche Krone ist das Greisenalter, aus dem Wege der frommen Tat wird sie gefunden." Auf dem Wege der Frömmigkeit, der Güte und Liebe und all jener Tugenden und Eigenschaften, die das hebräische Wort nps in sich einschlieht, fand sie die Silberkrone des Greisenalters und trug sie mit jener stillen Würde, wie wir sie stets bei großen jüdischen Frauen bewundern. Ein ganzes Kapitel Frankfurter Geschichte der letzteren Zeit rollt sich vor unserem Auge ab, wenn wir von Rabbi Elias Rubinstein sprechen. In den sechziger Jahren kam er, aus einem Milieu und einer Familie in Wilna entstammend, die auf den Wilnaer Gaon als ihren Ahn zurücksah, hierher, fast als erster der östlichen Thoragelehrten, ein Thorapionier, der aus dem reichen Born seines Wissens spendete, ein Lehrer wurde für Klein und Groß und mit der Thora in der Hand menschliche Beziehungen bis zu den höchsten Kreisen, bis zum Hause von Baron Rothschild, knüpfte. Dabei eine rmy bewahrte, die den wahren Adel des Herzens und der Abstammung verriet. In einer Zeit, da es hier noch kein einziges östliches Beshamidrasch gab, keine Sammelstelle für die aus dem Osten einströmende Thora, fanden alle fremden v'vsn ’ratm im Hause von Rabbi Elias Rubinstein Heim und Halt, ein wahres llw2ni> -wi n’a- Frau Jda Rubinstein, selber aus altem rabbinifchem Hause entstammend, trat nicht in die Öffentlichkeit. Es fiel auf sie ein Abglanz von der Bedeutung ihres gelehrten Mannes. Aber Eingeweihte wissen, welch hervorragenden Anteil diese Frau am Thora- und n"»i» Leben des Mannes hatte, wie f i e es war, die das Haus zu einem solchen der abrahamitischen Gastfreundschaft machte, wie sie den vom Manne überkommenen Geist der Frömmigkeit und der Wohltätigkeit in ihrem 28jährigen Witwendasein weiter pflegte und hütete und so dem Hause Rubinstein den alten Adel erhielt. Leid und Enttäuschung blieben ihr nicht erspart, sie trug sie mit dem G'ttvertrauen, das hier Familientradition mar und das sie, wie die Freude an der Mizwoh überhaupt, buchstäblich bis zum letzten Atemzuge nicht verlieh. Sie fand Trost in ihren Kindern, die, im Geiste der Eltern großgezogen, in glühender Liebe an ihr hingen, an einem Enkelchen, das sie im Hause ihres verheirateten Sohnes heranblühen sah. Aus ihrem Andenken wird ihnen der wahre Trost erblühen. An der Bahre sprach am Freitag Herr Jacob R o - s e n h e i m Worte des liebenden Gedenkens, und im Hause hielt am Mittwoch zum Abschluß des Liwjat Chen- Lernens Herr S. S ch a ch n o w i tz ein won, in dem er einen kurzen Abriß aus der Renaissance des Thoralernens in Frankfurt in der Zeit von Rabbi Elias Rubinstein gab und die Verdienste der Frau um das Haus, dem sie den Geist des Mannes bis an ihr Lebensende zu erhalten wußte, schilderte. Verein Rlekor Chajim. Zur Eröffnung'der für Elul angekündigten Muss a r - Vorträge spricht diesen Sonntag, den 4. September, abends 7 Uhr, im Vereinslokal, Langestr. Ich Herr Gemeinderabbiner Jos. H o r o w i tz. Die weiteren Vorträge dieses Zyklus werden jeweils Sonntag abend während des Monats Elul stattfinden. Redner und Themata werden im Vereinskalender und durch Anschlag bekanntgegeben. Speiseöl. Das Rabbinat der Israelitischen Religio n s g e s e l l s ch a f t hat vor kurzem darauf hingewiesen, daß in neuerer Zeit Speiseöl aus» verbotenen tierischen Fetten hergestellt wird oder daß solche verbotene Fette dem Oele beigemischt werden. Eine solche vorläufige Warnung schien notwendig, weil begründeter Anlaß zu dem erwähnten Verdachte vorlag. Aus Grund des dem Rabbinat nach dieser Veröffentlichung zugegangenen neuen Materials hat eine Nachprüfung der ganzen Angelegenheit jedoch ergeben, daß der Grad der Wahrscheinlichkeit der verbotenen Beimischung nicht groß genug ist, um ein allgemeines Verbot des nicht unter Aufsicht hergestellten Speiseöls dem Publikum gegenüber zu rechtfertigen. Nichtsdestoweniger sind die unter Aufsicht stehenden Händler vom Rabbinat angewiesen worden, solche Maßnahmen zu treffen, die den Bezug einwandfreien Speiseöls sowohl hinsichtlich der verwendeten Stoffe, als auch der sonstigen bei der Fabrikation in Betracht kommenden Vorschriften durch die Geschäfte sicherstellen. Familiennachrichten. Barmizwoh: Sali, Sohn des Salomon Pariser, Frankfurt a. M., Hanauerlandstr. 17, 's 10. September Synagoge Friedberger Anlage.

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