Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 33 (11.8.1932)
- Date
- 1932-08-11
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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11; August 1932 Der Israelit Nr. 33 Seite 11 auszurufen. Aür einmal im Jahre, am 11S2 DT5' da Zjsroel rein von Sünden ist und ganz hingegeben der Ehrfurcht vor G'tt, so daß es fast den Engeln gleicht, da rufen auch wir es laut und mit starker Stimme: •isn irii2*?» 1122 dw jna* Das Sch'ma in der Keduscho. In der Keduscho, die wir im Mussafgebet und am 2"' in allen Tefillaus sagen, finden wir den Anfang und den Schluß unsres v»»-Gsbetes. Das hat seinen Grund in folgender von unfern Weisen überlieferten Begebenheit: Mehrere Jahrhunderte, nachdem der Tempel zum zweiten Male zerstört worden war, zur Zeit der Gaonim, regierte in Persien ein junger König mit Namen Jesdegerd. Dieser lebte in dauerndem Unfrieden mit den Arabern und zog gegen sie zu Felde. Der Kriegsschauplatz war das um Euphrat und Tigris gelegene große Land, die Heimat des babylonischen Talmuds, in dem viele jüdische Gemeinden blühten. Der für das Perserheer unglückliche Ausgang zahlreicher Schlachten wurde den Juden zur Last gelegt, die des Verrats bezichtigt wurden. Man behauptete, daß sie in ihren Gebeten für die ihnen stammesverwandten Araber den Sieg erfleht hätten. Der König hörte auf diese bösartigen Verleumdungen und erließ einen Befehl, der den Juden das Verrichten des ynv -Gebetes verbot; damit sollte der jüdische Glaube überhaupt untergraben werden. Wer es wagte, in den Bethäusern zur gewohnten Zeit, die auch den Persern bekannt war, dieses Glaubensbekenntnis auszusprechen, mußte es mit dem Tode büßen. Unter solchen grausamen Drohungen ließ sich mancher G'ttesfürchtige davon abschrecken, die Pflicht des Schmah-Lesens öffentlich zu erfüllen. Darum ordneten die Weisen jener Zeit an, das Schmäh in der Keduschoh unauffällig einzuschalten, an einer Stelle des Gebetes, wo es die Perser nicht vermuteten. Wie immer, so hat auch in jener schweren Zeit der Allmächtige Israel beigestanden. Jesdegerd starb eines unnatürlichen Todes; er wurde in seinem Schlafgemach von einer Schlange erwürgt. Nun konnte man das Schmah-Gebet wieder in altgewohnter Weise verrichten. Damit aber die Erinnerung an diese wunderbare Fügung nicht verlösche, wurde für alle Zeiten bestimmt, daß in den Gebeten, die das eigentliche „Schmäh" nicht in sich schließen, die Keduscho in jener erweiterten Form gesagt werde. Aus einem Heft der Jüd. Jugendblätter. Sprechsaal. Zu den Presse-Attacken gegen den Hamburger Oberrabbiner. Die Herren Otto Joshua in Hamburg und Cäsar Kleve in Hamburg, bisher Mitglieder des Vorstandes des Deutsch-Israelitischen Synagogenverb and es in Hamburg, d ie aus dem Vorstand im Zusammenhang mit den Presseangriffen a.uf Herrn Oberrabbiner 2r. Spitzer ausgetreten sind, übermitteln uns das nachfolgende an den Vorstand des Synagogenverbandes gerichtete Schreiben vom 28. Juli ds. Js. zur Veröffentlichung, worin die Gründe des Rücktritts der Herren dargelegt werden. Hamburg, den 28. Juli 1932. An den Vorstand des Deutsch-Israelitischen Synagogen-Verbandes zu Hamburg Hamburg Bornplatz 8. Das Hamburger Familienblatt 'kritisiert in seiner Nr. 29 vom 21. Juli ös. Js. die Tätigkeit des Herrn Oberrabbiner Dr. S. Spitzer Es sei zugegeben, daß die Einstellung des Oberrabbiners in manchen Fällen nicht das Verständnis der Verwaltungskörperschaften des D. I. S. V. fand, die einzelnen Angriffe des Familienblattes lassen sich indessen zum großen Teil widerlegen, bezw. als groteske Aufbauschungen Nachweisen. Den Höhepunkt des äußerst geschmacklosen Artikels bildet jedoch eine angebliche Aeußerung des Oberrabbiners bezüglich der strittigen Gehaltskürzung. Es werden der Wahrheit entgegen dem Oberrabbiner Worte in den Mund gelegt, die tatsächlich nicht gefallen sind. Auf diese Weise wird eine schwere Anschuldigung gegen den Oberrabbiner hergeleitet. Derartige Entstellungen restlos im Interesse des Angegriffenen aufzuklären, sollte selbstverständliche Pflicht des Vorstandes des D. I. S. V. sein. Unserer dringenden Forderung auf unverzügliche Berichtigung der unwahren Behauptungen in der am 28. ds. erscheinenden Nummer des Familienblattes wurde in der zu diesem Zweck am 25. ds. stattgehabten eingehenden Besprechung der in Hamburg anwesenden vier Vorstandsmitglieder jedoch nicht Folge gegeben. Hierin erblicken wir nicht nur eine Diskreditierung des Judentums, sondern vor allem auch einen schweren Verstoß gegen die jüdische Pflicht, seinen Mitmenschen gegen unwahre Anschuldigungen in Schutz zu nehmen. (Lau szaamaud al dam reiecho.) Wir sehen uns daher gezwungen, unsere Mißbilligung zum Ausdruck zu bringen, indem wir unsere Zugehörigkeit zum Vorstand des D. I. S. V. mit dem heutigen Tage ausheben. Hochachtungsvoll (gez.) Otto Joshua (gez.) Cäsar Kleve (Wir kommen in der nächsten Nummer auf die Hamburger Vorgänge, die nun leider über den Rahmen des lokalen Gemeindekonfliktes hinausgewachsen sind, an leitender Stelle zurück. Red.). ' Wettverband für Sabbalschuh Schomre Schabbos. Da die letzte der Anfragen des Herrn Eiß: „Haben Männer, die es mit der Wahrheit derart genau nehmen, das Recht, einem Anderen nicht existierende Unwahrheit vorzuwerfen?" eine persönliche Beleidigung von Männern darstellt, die z. T. seit Jahrzehnten im jüdischen öffentlichen Leben stehen, lehnt es das Präsidium ab, auf die neuen Angriffe des Herrn . Eiß einzugehen, ist aber bereit, vor jedem Forum zu beweisen, daß jeder Satz in den Ausführungen des Herrn Eiß eine Unwahrheit enthält. Das Präsidium des Weltverbandes Schomre Schabbos Rabb. Dr. Hermann Klein Dr. A. R a ch m i l e w i tz Dr. P. Sulzberger. Speise-Oel. Titl. Verlag des „Israelit" Frankfurt a. M. In Ihrer vorwöchentlichen Ausgabe bringen Sie eine Briefkasten-Notiz unter der Ueberfchrift „Vorsicht beim Einkauf von Salatöl. Hierzu gestatte ich mir Nachstehendes zu Ihrer Kenntnis und zur Berichtigung zu bringen: Aus den amtlichen Statistiken über die Einfuhr von Rohmaterial für die Oel-Raffinerie, ist ersichtlich, welch großer Anteil aus animalische Produkte entfällt. — Der Einsender der betreffenden Notiz schließt hieraus einfach ohne jeden Anhaltspunkt, daß diese animalischen Oele so verarbeitet werden, daß sie mit anderen zu Speiseölen verwendet werden können. Auf Rückfrage teilt mir eines der bedeutendsten Werke dieser Branche (aus Wunsch lasse ich Ihnen den Originalbrief zugehen) mit: Die Notiz ist insofern zutreffend, als tatsächlich die Einfuhr von Waltran einen großen Umfang angenommen hat. Dieser Tran wird jedoch nach vorausgegangener Härtung ausschließlich als Margarine-Rohstoff verwandt, keinesfalls jedoch in Speiseöl gemischt. Dieser Unterschied ist in der erwähnten Zeitungsnotiz — ob gewollt oder aus Unkenntnis — nicht mit der erforderlichen Deutlichkeit gemacht worden. — Im Uebrigen können wir Ihnen die Versicherung geben, daß in unserem Werk ausschließlich Soyabohnen verarbeitet werden (700 000 Kilo pro Tag) und daraus reines Soyaalso Pflanzenöl hergestellt wird. Fürth i. B. Hochachtungsvoll K. Höchster. Personalien. Rabbiner Dr. 2lt. Winkler Kopenhagen, 31. Juli. Die niederschmetternde Kunde von dem tragischen Hinscheiden des Rabbiners der hiesigen Machsike-Hadaß- Gemeinde, Dr. M. Winkler, fern von der Heimat in Newyork, wo er seit 9 Monaten im Dienste des Wirkens für jüdische Institutionen weilte, hat in allen jüdischen Kreisen und darüber hinaus in der ganzen gesetzestreuen Judenheit tiefen Schmerz ausgelöst. Es war die Absicht des Heimgegangenen, nach Vollendung seiner Arbeit in Amerika nach dem Lande seiner Geburt und seiner Sehnsucht zu fahren, nach Erez Jisroel, um dort seinen Lebensabend im Dienste von rrrmi nmn zu verbringen. Die Vorsehung hat es anders beschlossen und hat ihn, wie unseren großen Lehrer Mosche, das Ziel seiner Sehnsucht nicht erreichen lassen. Sechzehn Jahre hat Rabbiner Dr. Winkler in Kopenhagen gewirkt, hat er in oft schweren und zermürbenden Einzelkämpfen für die Souveränität der Thora, für die Reinheit der G'ttesfurcht in Gemeinde und Einzelleben mit eiserner Energie gekämpft, hat er in stiller Studierstube sein gewaltiges Thorawissen unablässig vermehrt und vertieft und wenn schon alles in tiefem Schlafe lag, ja wenn der Morgen herandämmerte, konnte man in seiner Stube das Licht der Thora noch leuchten sehen. Er war ein xmna pnpm» wie es selten zu finden ist. Sein Haus war eine Zusluchtstätte für Fremde und Einheimische und unendlichen Segen hat er in den 68 Jahren gestiftet, die seine Lebensspanne ausmachten. Selten, so schreibt uns ein Freund und Verehrer des Heimgegangenen,-hat sich in einem Menschen in so vollendeter Weise der Drang nach Wahrheit mit Verstand und verzeihender Güte geeint, wie in dem Heimgegangenen. Nur einen Glauben hatte er nicht: er glaubte nicht an die Möglichkeit des Schlechten im Menschen. Sonst war die Kraft seines Glaubens unendlich stark, geschöpft aus einem reichen Wissen, aus einem klaren Blick auf die Dinge der Welt und der Menschen. . So wurde ihm Agudas Jisroel zur Erfüllung eines Lebenstraumes und es ist bezeichnend für die allumfassende Richtung feines Strebens, daß er stets wieder betonte, die Mitgliedschaft bei der Agudas Jisroel dürfe nicht nur eine individuelle sein, sondern es müßten womöglich immer, wo sich Thoratreue zu Gemeinden und Gruppen zusammenfinden, diese Gemeinden und Gruppen korporativ ihren Anschluß an Agudas Jisroel suchen und finden. Seine Aufgabe als Mitglied des Zentralrates der Agudas Jisroel und als Mitglied ihres Rabbinischen Rates nahm er sehr ernst, und eine reiche Fülle von Anregungen waren es, die er an die zentralen Stellen der Organisation immer wieder ergehen ließ. Sein Andenken wird für alle Zeiten und überall dort, wo man Verständnis für wurzelechte jüdische Persönlichkeit hat, ein reich gesegnetes bleiben. Wühlheim a. W., 3. Aug. Am Tischo beaw vollendete Frau Liebmann Isaak, Therese, geb. Adler, ihr 8 0. Lebensjahr. Mit Frau Rosa Stiefel Ww. und Herrn Gerson Strauß zählt sie zu den ältesten Mitgliedern unserer Gemeinde. Alle erfreuen sich mit G. H. bester Gesundheit. Allen sei v"nv gewünscht. Wenkheim, 4. Aug. Frau Rika G r ü n e b a u m feiert in diesen Tagen in voller Rüstigkeit ihren 8 4. Geburtstag, umgeben von ihren Kindern, Enkeln und Urenkeln. Möge ihr weiter ein heiterer Lebensabend beschleden jein!mv D’-npyi nrw nv Iulda, 7. Aug. Montag den 28. Tammus, wurde auf dem hiesigen Beis-Aulom im Beisein einer zahlreichen Schar' von Freunden und Schülern die Mazewoh des vor einem Jahre im besten Mannesalter verstorbenen, unvergeßlichen Lehrers R. Naftoli B e r l i n g e r aus Burghaun s-n gestellt. Nochmals zog das Leben des Frühvollendeten in seiner schlichten Frömmigkeit und Bescheidenheit an unserem Geiste vorüber, als wir an seinem Grabdenkmal standen. rrasirv Strasbourg (Elzas), 8. Aug. Am Morgen des 17. Tammus verschied Mordochee Bloch, geb. Henriette Fohlen im Hause ihrer einzigen Tochter und ihres Schwiegersohnes Herrn Henry Weil in Müttersholtz und wurde am in Selestat zu Grabe getragen. Die Dahii^geschiedene bildete ein jüdisches Zentrum, von welchem Kraftströme zur Bildung neuer jüdischer Häuser ausgingen. An ihrer Bahre trauerten drei Kinder, außer der Tochter noch zwei Söhne. Der eine Sohn ist der Rabbiner Camille Bloch in Mulhouse, in dessen Händen alle Arbeit für aiv'n pp,n-onv pp und Erez Jisroel für ganz Frankreich sich konzentriert. Der zweite Sohn ist der Präsident der Israelitischen Gemeinde von Markirch, Inhaber der Weberei Henry Bloch u. Co., wo trotz des großen Betriebes am Sabbat alle Räder stillstehen. Das schönste Denkmal für die dahingeschiedene Mutter und ihren schon vor fast 40 Jahren gestorbenen Gatten. Diese edle jüdische Frau, deren Zauber Jeder verspürte, der in ihr Haus kam, konnte am nana r» von dannen gehen im Bewußtsein, daß bei ihren Kindern und Kindeskindern die Gesetzestafeln nicht zerbrochen sind. — Die Rabbiner Uhry von Selestat und Armand Bloch von Saverne brachten an der Bahre in schönen Worten zum Ausdruck, was alle fühlten, die diese vornehme Frau gekannt haben. rraxajv Vermischtes. 4. Aug. Der „Centralverein" schreibt: Das Leipziger M e ß a m t hat eine Arbeitsvermittlung, welche für die Zeit der Messen Beschäftigung nachweist. Es ist in den letzten Jahren immer wieder aufgefallen, daß jüdische Kräfte, welche sich meldeten, kaum je beschäftigt wurden. Auf wiederholte Klagen ist nachgeforscht worden, und es hat sich herausgestellt, daß das Leipziger Meß amt von den Bewerbern bei der Stellenvermittlung die Angabe der Konfession verlangt! Nach den in heutiger Zeit allgemein gemachten Erfahrungen bedeutet das natürlich lediglich den Willen, jüdische Kräfte auszufchalten, und wie die Beschwerden beweisen, ist es tatsächlich der Fall gewesen. Beschwerden beim Metzamt und bei ihrer Vorgesetzten Behörde, dem sächsischen Wirtschaftsministerium haben keinen Erfolg gehabt. Beide haben die antisemitische Tendenz bestritten. Das sächsische 'Wirtschaftsministerium hat die Beschwerde freilich aus mehr formellen Gründen zurückgewiesen. Es steht auf dem Standpunkt, daß der Artikel 136 der Reichsvcrsassung, nach welchem die Frage nach der.Konfession verboten ist, sich nur auf Behörden bezieht, und daß das Leipziger Meßamt im Sinne dieser Vorschrift eine Behörde nicht ist. Es ist außerordentlich ' bedauerlich, daß gerade die Leipziger Messe, an deren Institutionen so viele Juden Mitarbeiten, und die von so vielen jüdischen Ausstellern und Käufern besucht wird, dem Eindringen antisemitischer Prinzipien in das Writschaftsleben Vorschub leistet. Wir bitten alle Glaubensgenossen, welche mit der Leipziger Messe etwas zu tun haben, diesen Vorgängen ihre Aufmerksamkeit zu schenken, und soweit sie irgendwelchen Einfluß haben, an ihrer Stelle dazu beizutragen, damit den Uebelständen abgeholfen wird. Wünchen-Gladbach, 4. Aug. Auf dem hiesigen jüdischen Friedhof wurde am Wahlsonntag in Gegenwart des Vorsitzenden der Synagogengemeinde von der Polizei eine Durchsuchung nach angeblich dort versteckten Waffen vorgenommen, die ergebnislos blieb. Die Polizei entschuldigte sich beim Vorstand der Synagogengemeinde, lehnte aber eine Auskunft darüber ab, von wem die empörende Denunziation ausgegangen sei.