Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 31 (28.7.1932)
- Date
- 1932-07-28
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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28. Juli 1932 Der Israelit Nr. 31 Seite 11 Sprechsaal. Bes Iaakauw und Agudas Jisroel. An die Redaktion des „Israelit" Frankfurt a. M. Bratislava, 15. Juli. In der jüngsten Nummer Ihrer Aguda-Beilage wird von einem Berichte über die vor kurzem stattgefundene erste Prüfung in der Wiener Lehranstalt für orthodoxe Religionslehrerinnen ohne ersichtliche Notwendigkeit ein Artikel herangezogen, den ich anläßlich des zwanzigjährigen Bestandes der Agudas Jisroel in den Jugendblättern der Agudas Jisroel in der Slovakei veröffentlichte und daraus einige Satzbruchteile zitiert, die ich in solchem Zusammenhänge nicht angewendet habe. Ich halte eine Polemik nicht für statthaft, die vor einer Leserschaft, die den Inhalt meines Artikels nicht kennt, mit einem überflüssigen Aufwand von Worten etwas zu beweisen sucht, was ich nicht b e st r i t t e n habe und wovon in der zitierten Anwendung in meinem Artikel nicht die Rede war. Daran liegt mir allerdings nicht so viel, daß ich darauf reagieren mühte. Ich schulde es aber der noch in den Ansangsphasen ihrer Entwicklung begriffenen Wiener Anstalt, der ich an anderer Stelle schon wiederholt das Wort geredet habe, auch in Ihrer Zeitung festzustellen,. daß ich ihren bisherigen Leistungen und dem Geist, der in ihrem Unterrichte herrscht, auch vom Standpunkte der Aguda die gebührende Anerkennung keineswegs versagt habe, wie 'die Leser aus dem erwähnten Bericht zum Schaden der Anstalt etwa schließen könnten. Ich bin — das sei nachdrllcklichst betont — ein entschiedener Verfechter der aguüistischen Frauenbewegung und trete rückhaltlos für die Einbeziehung der orthodoxen Töchtererziehung in der gesamten Diaspora in einen Erziehungsplan der Agudas Jisroel ein. Wer mit mir polemisieren will, sollte d a - von ausgehen. In meinem zitierten Artikel, den ich dem Schreiber jenes Berichtes erst einmal richtig zu lesen empfehle, spreche ich von etwas anderem, das m. E. in der Arbeit der Organisation unvergleichlich höher stehen müßte als die Einzelheiten, von denen der Bericht handelt. Das in Erinnerung zu bringen, erschien mir gerade an dem Gedenktage der Gründung unserer Organisation sehr am Platze. Ihr hochachtungsvoll ergebener Jacob Joel Braun. Offene Anfragen an den Schomre Schabbos-Verband in Berlin. Im „Israelit" Nr. 30 vom 21. Juli veröffentlichen Sie eine Darstellung, die mich der Publikation von Unwahrheiten bezichtigt. Dies veranlaßt mich, bevor ich noch auf alle Einzelheiten Ihrer Erklärung eingehe, an Sie einige Fragen zu richten. Sie behaupten in genannter Nummer des „Israelit", daß „weder auf dem Schabbos-Kongreß, noch auf irgend einer sonstigen Veranstaltung eine Resolution betreffs Argentinien gefaßt oder beantragt wurde" (von mir gesperrt). Ich frage Sie hiermit öffentlich: Ist es wahr, daß am 6. Januar 1929 bei der von Ihnen veranstalteten öffentlichen Kundgebung in Berlin folgender Beschluß gefaßt wurde: . „Auf die Aufbaugesellschaften Joint, Ort, Jca usw. ist dahin zu wirken, daß in ihren Arbeitsgebieten der Schabbos beobachtet werde". Bezieht sich diese Resolution nicht auf Argentinien? Warum aber wurde die zionistische Organisation in ihrer Aufbauarbeit nicht genannt? Ist der Grund vielleicht, daß Sie auf Ihren Präsidenten Rücksicht nahmen? Sie behaupten weiterhin, „daß hingegen auf besagtem Kongreß nicht weniger als 3 Resolutionen sich mit Palästina befassen." Ich frage Sie hiermit öffentlich: Befaßt sich von diesen 3 Resolutionen wenigstens eine mit dem Chilul- Schabbos-Zwang der zionistischen Organisation? (Verbot von Kuhmelken durch Nichtjuden.) Wenn ja, wie lautet die hierzu ev. angenommene Resolution? Sie behaupten ferner: daß bezüglich des Chilul- Schabbos in Erez Jisroel der Schomre-Schabbos „seine ganze Autorität zur Besserung der Mißstände eingesetzt hat." Ich frage Sie hiermit öffentlich: Ist es Ihrem Präsidenten der als aktiver Zionist sicherlich in zionistischen Kreisen geachtet sein dürste, gelungen, das Geringste zur Besserung der Mißstände in Erez Jisroel beizutragen? Hat Ihr Präsident nach seiner Rückkehr aus Erez Jisroel nicht von Erfolgen gesprochen? Ist es wahr, daß Ihr Präsident durch Briefe und Zeitungen aus Erez Jisroel aufgefordert wurde, seine veröffentlichten angeblichen Erfolge zu dementieren? Hat er auf diese Aufforderungen reagiert? Ich frage Sie öffentlich: Ist es wahr, daß die Vertreter des Schomre Schabbos-Verbandes in Genf bei der Kalender-Reform-Kommission überhaupt nicht persönlich angehört wurden? Daß lediglich auf ihr Bitten hin, ihre nicht gehaltenen Reden schriftlich zu den Akten gelegt wurden? Ist es wahr, daß trotzdem durch die Presse der ganzen jüdischen Welt der Wortlaut der „vor der Kommission gehaltenen" Reden mitgeteilt wurde? Ich frage Sie hiermit öffentlich: Haben Männer, die es mit der Wahrheit derart , genau nehmen, das Recht, einem Anderen nicht existierende Unwahrheit vorzuwerfen? Zürich, den 22. Tamus 5692. C h. I. E i ß. Um die rabbinifche Ehre. An die Redaktion des „Israelit" Frankfurt a. M. Ich bitte Sie, den nachfolgenden an das Hamburger Familienblatt in Hamburg gerichteten Brief im „Israelit" zu veröffentlichen. „Als Abonnent Ihrer Zeitung erlaube ich mir folgendes zu bemerken: In Ihrer letzten Nummer (29) bringen Sie als Leitartikel einen Angriff gegen Herrn Oberrabbiner 2r. Spitzer, wie man sich ihn nicht gehässiger denken kann. Zu dem sachlichen Inhalt der Vorwürfe möchte ich — als Nichthamburger — jede Stellungnahme unterlassen. Ob Ihre Angaben ganz oder teilweise richtig sind oder nicht, ob und inwieweit das Register der Sünden, die Sie dem Herrn Oberrabbiner ankreiden, stimmt, ist aber auch hier nicht von Belang. Hier steht nur die ungeheuerliche Tatsache zur Sprache, den moro deasro, den anerkannten und gewählten Führer einer Gemeinde in solchem Tone in der breitesten Oefsentlichkeit zu kritisieren. Guter jüdischer Brauch ist in zweitausend Jahren gewesen, Beanstandungen, etwaige Mängel eines geistlichen Führers vor dem Forum eines rabbinischen Gerichtes auszutragen. Und diese vorbildliche jüdische Disziplin hat viel mitgeholfen, die ganzen unsagbar schweren Lasten eines traurigen Golus mitzutragen. Der Rabbiner war unantastbar für den Laien und dies ist religionsgesetzlich auch heute noch unverändert: aber selbst da, wo religiöse Bindung sich gelockert hat, sollte das jüdische Zusammengehörigkeitsgefühl soviel Bewußtsein für die Notwendigkeit einer von der Kritik des Tages unabhängigen Führung aufbringen. Ich möchte ausdrücklich erwähnen, daß ich nicht zu den engsten Gesinnungsfreunden des Herrn Oberrabbiners gehöre und auch weder in praxi, noch im Prinzipe „Austrittler" bin. Aber es muß jedem gesetzestreuen Juden die Schamröte ins Gesicht steigen, wenn der Rabbiner einer Gemeinde — ganz abgesehen von der Tatsache, daß Herr Oberrabbiner Dr. Spitzer eine der ersten Thoragrößen Deutschlands ist — derartig in den Schmutz gezogen wird. Wie soll die Jugend Respekt vor diesem Führer haben können, wenn ihn die Spalten einer Zeitung wie einen Schuljungen abkanzeln? Es ist beschämend, daß der Mangel an Disziplin in jüdischen Kreisen zwingt, auf außerjüdische Beispiele zu verweisen. Es ist einfach undenkbar, daß sich z. B. im katholischen Bekenntnisse Laien oder ein Organ derselben derartige Kritik auch in viel gemäßigteren Formen an einem Geistlichen erlauben könnten. Sie scheinen selbst das Unmögliche Ihres Vorgehens empfunden zu haben, wenn Sie schreiben „Wir gestehen selbst, daß es ohne Beispiel ist usw." und es ist um so bedauerlicher, daß Sie trotz alledem die Verwilderung der politischen Gepflogenheiten in Deutschland auch aus unseren jüdischen Kreis ausdehnen, der sich sonst doch so gerne davon abhebt. In einer Zeit, da Einigkeit in den jüdischen Reihen so bitter nottut, werden in einem weiten Leserkreis — in welchem Lager auch immer — Ihre Ausführungen unverständlich bleiben. Ich sehe mich daher veranlaßt, von einem weiteren Bezüge Ihres Blattes abzusehen und wenn Sie Ihre Kampfesweise gegen den Herrn Oberrabbiner nicht ändern, werden Sie wohl noch aus weitere gesetzestreue Leser verzichten müssen." Hochachtungsvoll E. F. Langj. Leser des „Israelit" und des „Jsr. Familienbl." Personalien. Rabbiner Dr. Winkler Kopenhagen. 26. Juli. (Telegramm.) Aus Newyork trifft die Trauerkunde ein, daß der allverehrte Rabbiner der hiesigen Machsike Hadaß-Gemeinde, Herr Rabbiner Dr. Winkler, dort plötzlich verschieden ist. Rabbiner Dr. Winkler stammt aus Erez Jisroel und war in allen Kreisen der orthodoxen Judenheit als hervorragender Talmid Chochom und tatkräftiger Verfechter der Prinzipien des gesetzestreuen Judentums hochgeschätzt. Eine ausführliche Würdigung folgt. rrnxajv Berlin, 22. Juli. Unter den abgesetzten hohen Beamten der preußischen Regierung befindet sich auch der Ministerialdirektor der Verfassungsabteilung des preußischen Ministeriums, Dr. Hermann Badt, bekanntlich einer der hervorragendsten Juristen und Kenner des Verwaltungsrechts in Preußen. Dr. Badt war wohl der erste an so hoher Stelle tätige preußische Beamte, der sich nicht scheute, sein Bekenntnis zum gesetzestreuen Judentum während der ganzen Dauer seiner Amtstätigkeit praktisch zu betätigen, indem er streng Sabbat hielt und an diesem Tage niemals eine Unterschrift leistete. Dr. Badt gehört der sozialdemokratischen Partei an. Frankfurt a. 21t., 21. Juli. Zur Schonung des hochbetagten Vaters der Heimgegangenen — des weithin bekannten Vorstehers der Gemeinde Wesermünde —, mußte im Vorjahr jede Anzeige und jeder Nachruf auf Frau Betty Golde geb. Feldbrand, die am 27. Tamus 5691 heimging, unterbleiben. So werden die Hunderte von Schülerinnen, die der Verklärten von ihrer Lehrtätigkeit am Heinemann'schen Institut, an der Privatschule Verö- Budapest und an dem Lyzeum Bieberstraße, Hamburg dankbare Liebe bewahrt haben, erst jetzt in Kenntnis gesetzt, daß ihre Lehrerin nicht mehr hienieden wirkt. — Als Enkelin von Rabb. Caro-Löben ein unmittelbarer Abkömmling des *ioy> 102, ein mit allen Vorzügen des Geistes und Körpers und des Gemüts überreich bedachtes Ideal einer V’nnr«/ wurde sie, kaum 40 Jahre alt, ihrem Gatten entrissen, dem sie in fast 7jähriger restlos glücklicher Ehe ru» ->tj? war. — Sie lebt in unauslöschlichem Andenken bei Jedem, welch Standes und Bekenntnisses auch immer, der den Zauber ihrer Persönlichkeit auf sich wirken lassen durfte. tv-asin Vermischtes. Burgpreppach, 23. Juli. Mit Genugtuung kann die hiesige Israelitische Handels - und Bürgerschule „Talmud Thora" auf den Ablauf des Sommersemesters Hinblicken, das Mitte August zu Ende geht. Ein frohes arbeitsreiches Leben pulsiert in den Räumen, die so vielen schon seit Jahrzehnten in Amt befindlichen Lehrern als ehemalige Ausbildungsstätte bekannt und vertraut sind. Mit Hingabe widmen sich die Lehrer der Volks- und Handelsschule, Herr Lehrer Linz und Herr Lehrer Rosenfelder, ihrer idealen Aufgabe in den jüdischen und profanen Wissensgebieten. Gekrönt wird das Ganze durch die unermüdliche Tätigkeit des derzeitigen Schulleiters Herrn Rabbiner Dr. Ephraim, dem das Wiederaufleben der Schule zu verdanken ist und er ist es, der sie ideell und finanziell in erster Linie fördert, ideell durch den Unterricht in Mischna und Talmud und finanziell durch die unablässige Fürsorge für neue Spendeneingänge und Stiftungen. Ein vierstündiger Besuch des zuständigen Bezirksschulrates legte erneut Zeugnis von dem Interesse der staatlichen Schulbehörden an 'unseren Bestrebungen ab. Der Schulrat prüfte insbesondere in liebevoller Vertiefung in den Stoff die Schüler der Unterstufe in der biblischen Geschichte. Entgegen anders lautenden Gerüchten sei auch an dieser Stelle darauf hingewiesen, daß die volle Erhaltung der Schule, unbeschadet der bevorstehenden Neubesetzung des Rabbinates, in jeder Weise gesichert ist. Köln, 24. Juli. Die „Kölnische Volkszeitung" widmet der 10 jährigen Geltungsdauer des englischen P a - lä st i na -Mandates einen Aufsatz, der sich hauptsächlich mit der Frage beschäftigt, inwieweit die religiösen Interessen des Katholizismus unter der Mandatherrschaft gesichert seien. Das Blatt führt aus, daß die politische Stellung Englands Palästina und den vorderen Orient überhaupt für die Zukunft in drohende Gefahren stürzen könne, weshalb man vom Standpunkt des christlichen Interesses eine Aenderung des staatsrechtlichen Zustandes durch Neutralisierung des heiligen Landes fordern müsse. Gelegentlich des Katholikentages, der am 2. September in Essen stattsindet, werde Dr. Cramer ein eingehendes Referat über die Entwicklung Palästinas als Mandatland und über die wichtigsten Gegenwartsfragen, die damit im Zusammenhang stehen, halten. Jüdische Gäste, die sich in diesem Sommer des Mißvergnügens aus den Sphären der Politik in die schöne Schweiz retten wollen, wohnen am angenehmsten in dem erstrangigen Hotel du Lac in Luzern, dessen Leiter, Herr H. Burkardt -Spillmann, es glänzend versteht, seinen Gästen den Aufenthalt angenehm zu machen. Das. Haus, das einen schönen Garten besitzt, liegt in der Nähe der Dampfschiffsstation, des Bahnhofes und der Post, hat fließendes Wasser und Staatstelefon in allen Zimmern, und man kann dennoch dort Zimmer von Fr. 6.— an bekommen. Das Haus kann die bekanntesten jüdischen Familien aus der Schweiz selber, die es seit vielen Jahren frequentieren, als Referenzen aufgeben. Umer gleicher Direktion steht auch das Hotel Metropole in Nizza. Die gute Hausfrau und tüchtige Anstaltslkiterin verbindet das Gute mit dem Nützlichen und benutzt in der Küche für die 9 Tage nur die tadellosen Fabrikate der Ersten Elberfeld er Margarine-Fabrik, Gebr. Baum, Elberfeld (Generalvertreter für Süddeutschland: Robert Aron, Frankfurt a. M., Ostendstraße 41). Denn: Die Fabrikate dieser Firma eignen sich ebenso vorzüglich zum Brotaufstrich als auch zum Backen, Kochen und Braten und außerdem bereiten die schönen Zugaben dem Herz der Hausfrau große Freude. Neuerdings erhält jeder Käufer der altbewährten hochfeinen Margarine „Jaffa" pro */i Pfund eine wunderbare Seiden st ickblume wie sie heute so gerne gesammelt werden zur Anfertigung von künstlerisch wirkenden Handarbeiten wie Kissen, Decken, Schürzen, Kleider usw. Die Spezialmarke „ S ch i r y h " allerfeinste Pflanzenbutter-Margarine, buttergleich, kommt in neuer Karton- Packung mit angeheftetem Gutschein und aufgedruckter Wertzugabenskala heraus. Die Gutscheine werden gesammelt und erhalten die Käufer dafür einen Var-Rabatt, oder aber wertvolle versilberte Bestecke (90 Gr. Auflage) Textilien (Wäsche oder Kleidungsstücke) oder jüdische Bücher je nach Anzahl der gesammelten Gutscheine. Diese Neuerungen werden beim Publikum gewiß viel Anklang finden. (Siehe Inserat.)