Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 29 (14.7.1932)
- Date
- 1932-07-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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r; >' . 14. Juli 1932 Frankfurt a. M., den 10. Tammü» ssss' Nr. 29 Oer Israelit Ein Centralorgan für das orthodoxe Judentum Begründet von Dr. Lehmarm in Mainz. :i -t i .1 M> Abonnement ab Juli 1929: Deutschland 1.30 Mark monatlich; Ausland: Bterteljahrpreise (entsprechend dem deutschen Inlandspreis zuzüglich Kosten des Streifband-Ver- ' fandes) Deutsch-Österreich: Schilling 6.—; Amerika 1 Dollar; England 4 sh.; ab 1 Juli Frankreich 25 Fr.; Belgien ab 1.7.87. Belga5. Holland 3fl.; Italien ab 1.1.28.18Lire; Jugo» slavien 55 Din.; Litauen 7L0 Lit.; Rumänien ab 1. 7. 37. 150 Lei; Polen 4 deutsche Goldmark zum Tageskurs oder 7 Zloty; Schweiz 5 Fr.; Tschecho-Slvwakei 35 Kronen; Ungarn Pengö 6 ab 1. Juli 1937; Dänemark 3.60 Krön.; Norwegen 3.50 Krön.; Schweden 3.50 Krön. Einzelnummer vierzig Goldpfennige. ■ Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 60 Goldps. für die stebengespaltene Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahlen bet Stellengesuchen und Familienanzeigen nur 40 Pf. Die 75 mm breite Reklamezeile: letzte Textseite 3.— Ml., vorletzte Textseite 350 Mk.; Ehiffregebühr in Höhe eines dopp. Fernbrtefportos. Rabatt nach Tarif. Bet laufenden Jnserataufträgen tartfm. Preiserhöhung jederz. Vorbehalt. Inseratenannahme durch den Verlag des Israelit G. m. o. H., Frankfurt a. M , Rechneigrabenstratze 7. Tel. Hansa 31084 sow. durch sämtl. Annoncen-Exped. d. In- und Auslands. Alleinige Jnferatenann. für Franks. Geschäftsanz.: Jul. Schmidt, Ostendstratze 83 Tel. 45866. Platzvorschr. ohne Verbtndlichk. Zahlungen direkt an den Verlag auf Postscheckkonto Frankfurt (Main) Nr. IS802. — Antzerdcm an: Poftsparkasss Wien Nr.79605. — Poftsparkassenaart Budapest Nr. 18424.— Postscheckkonto Warschau Nr. 190757. - Postscheckamt Zürich Nr. VIII7254. — Postscheckamt Amsterdam Nr. 34889 - Postscheckamt Prag Nr. 79.080 — Rumänische Kreditbank Bukarest und ihre samtl. Filialen Der Gerichtsstand für alle aus Abonnements oder aus Inseraten stch ergebenden Zahlungsverpflichtungen ist Frankfurt a. M. Erneuern Sie sofort beim Postboten die Bestellung auf den „Israelit“ für den Monat August Wird dies versäumt, so tritt eine Unterbrechung der Zusendung ein, ohne daß wir selbst Kenntnis davon erhalten. Für verspätete Bestellungen rechnet die Post einen Aufschlag von 20 Pfg. Verlag des Israelit G. m. b. H., Frankfurt a.M. Die sexuelle Not der Gegenwart. Von Dr. med. Jacob Levy in Berlin. V. Die Not des Jugendlichen, a) Die Rüstung zu m Ü a mp f. Die sexuelle Rot des Jugendlichen kann ihre endgültige Lösung nur durch die Che erlangen. Bis dahin heißt die ethische Forderung allein Enthaltsamkeit. Das folgt aus der natürlichen Bestimmung der Fortpflanzungskräfte. Der Jude soll die ihm von G'tt gegebenen Kräfte allein dazu verwenden, eine jüdische Familie zu gründen, die ihrer Bestinlmung stch bewußt, an der historischen Aufgabe des jüdischen Volkes teilhat. „Heilig halte der Wann seine Vaterkräfte, heilig das Weib seine Wutterkräfte. Jede Einigung der Geschlechter, die nicht zu diesem Zweck geschieht, ist Mißbrauch der verliehenen . Kräfte, ist Entwürdigung des Wenschen zum Tiere — ja unter das Tier." (S. R. Hirsch Ehoreb.) Einem solchen Ziel wird nur ein Fortpflanzungssystem gerecht, wie es die Che bietet. Damit ist die Heiligkeit der Che im Judentum begründet. Damit ist aber auch ein unnatürlicher Zwang abgelehnt, eine Che fortzusetzen, wenn einmal ein wesentlicher Zweck der Che unerreichbar erscheint. Die ungeheuren Schwierigkeiten, die sich der Forderung der v o r e h e l i ch e n A b st i n e n z entgegentürmen, haben wir eingangs schon gewürdigt. Und doch ist sie ö u r ch f ü h r b a r und ohne Sch a ö e n durchführbar für den Jugendlichen, der ernstlich an stch arbeitet und den festen Willen hat, sich vom Judentum zum Judentum leiten lassen. Das Judentum selbst gibt uns ja die Hilfsmittel dazu an Hand. Allerdings wird man auch hier individuell anwenden und dosieren müssen. Der erste Grundsatz ist dabei die Uebung der Selbstbeherrschung, von Jugend auf ist der jüdische Jüngling gewöhnt, Genußmöglichkeiten wahrzunehmen und sich solche zu versagen. Die tägliche und stündliche konsequente Unterordnung unter die veredelnden Vorschriften der Thora schwächt die geistige und körperliche Bereitschaft zur Sünde, auch späterhin auf sexuellem Gebiet, erheblich ab. Wan wird „zu stolz zur Sünde". Das zweite Wittel heißt Keuschheit, d. h. die innere Einstellung des Wenschen, die all dem aus dem Wege geht, was zu sexueller Reizung führen könnte. Wan lese die feinen psychologischen Ratschläge und Vorschriften nach, die unsere Weisen zum Schutze der Scham erteilen. Wan meide obszönes Wort, obszönen Anblick, obszöne Literatur und jede sonstige künstliche Ueberreizung der geschlechtlichen Phantasie. „Wer am Tage darüber sinnt, den trifft der nächtliche Zufall." Wer die Vorschriften über die Entblößung des Körpers bei der Kleidung bei sich und seiner Umgebung nicht beachtet, wer „harmlos" die Familienbäöer aufsucht, wer sich einredet, der moderne Tanz der Geschlechter oder die die Sexualität anfpeitschende Theaterschau des Tages könne ihm nichts anhaben — der. hat wahrlich kein Recht, über die Schwere der Abstinenz zu klagen. Eltern, die ihre Kinder vor Irrungen bewahren wollen, täten gut daran, durch eigenes Leben frühzeitig den Kindern ein Beispiel von Selbstbeherrschung und Keuschheit zu bieten. Alle Woralpredigten nützen bekanntlich nichts, wenn das kritische Kind nicht von den Eltern den Eindruck beherrschter keuscher Persönlichkeiten gewinnt. Ablenkung ist die dritte Stütze der Enthaltsamkeit. Das soll nicht etwa besagen, daß dem Jugendlichen die elementaren Kenntnisse der Sexualität verschlossen sein sollen. Im Gegenteil kann eine schwüle Atmosphäre des sexuellen Dunkels mehr Schaden als Nutzen stiften. Aber vor dieser Unkenntnis ist der jüdische junge Wann ja durch die Beschäftigung mit der Thorawissenschaft geschützt, die in natürlicher und barmloser Weise die sexuellen Begriffe klärt.' . Ablenkung beruht vielmehr auf einer intensiven Beschäftigung wertvoller.Art, die den ganzen Wenschen. ergreift und ihm so-keine Zeit .läßt, sexuellen Empfindungen nachzuhängen. Wan hat vielfach den Sport als ein solches Wittel zur Ablenkung empfohlen. Es muß jedoch sehr in Zweifel gezogen werden, ob man ihn generell und intensiv fördern sott. S p r a n g e r *) sagt: „Wan empfiehlt Sport und Körperkultur als gesunde Entspannungen. Daß dieses Wittel allein nicht hilft, muß jeder zugebcn, der darauf achtet, wie stark das moderne Sportleben selbst von sexuell betonten Erregungsmomenten durchzogen ist." Auch Kolpai') warnt davor, sich auf eine „konkurrenzlose" Arbeitsleistung" oder auf die Erringung eines „Rekords" der Wuskeltüchtigkeit zu konzentrieren und so einen „Kult des Unwesentlichen" zu treiben. Für den jüdischen jungen Wann ergibt sich von selbst ein „wesentliches", wertvolles Gebiet der Entspannung: das Thora-Lernen. Besonders wirksam ist dieses Wittel, wenn Eltern und Lehrer es verstanden haben, ihm in seiner Kindheit eine so tiefe Freude und Fähigkeit am selbständigen Lernen einzuimpfen, daß er als Jüngling aus eigenem Trieb am intensiven Lernen Gefallen hat. Wan hört in letzter Zeit vielfach von Bestrebungen, den körperlichen Trieb dadurch zu schwächen, daß man ihn von der Körperlichkeit in höhere Sphären hebt, ihn sublimiert. In der Tat gelingt es nianchmal j n n g c n W ä n n e r n , durch pflege edler Freundschaft mit gleichaltrigen W ä d ch e n sich durch eine höhere geistig-erotische Einstellung vom grob sinnlichen Trieb loszulösen. Die Gefahren einer solchen Freundschaft liegen jedoch offenkundig darin, daß es den jungen Leuten — namentlich wenn sic sich als Verlobte betrachten — dow in dem vertrauten Verkehr häufig nicht gelingt, das Sinnliche zu bannen, und daß dann statt der erwünschten Entspannung eine schwere Belastung erfolgt. Jahrelange Brautzeiten bieten auch darüber hinaus die Gefahr, daß angesichts der nur lockeren seelischen Bindungen sich eine dritte Persönlichkeit zwischen die Verlobten drängen kann und so schwere seelische Konflikte entstehen. Wan wird darum gerade diesen Wodus der Sublimierung nicht allgemein empfehlen dürfen. Für Einzclfällc mag er am Platz sein. Auch scelentiefe Freundschaft zwischen Jugendlichen gleichen Geschlechts gehört vielleicht in dieses Gebiet. Hier ist die Gefahr der Abirrung geringer. Freundschaft ist auch die primitive Zelle einer gleichstrebenöen C r z i e h u n g s g e m c i n s ch a f t, der der Jugendliche sich bewußt cinfügen soll. Denn Selbstbeherrschung und Keuschheit, Ablenkung und 1.1' i. ( b '!■ i;t{ -1) Sprang er, Psychologie des Jugendalters, ll. Aufl. Leipzig 1924. S. 138. -) K o l n a i. S. 290. '