Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 27 (30.6.1932)
- Date
- 1932-06-30
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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30. Juni 1932 Der Israelit Nr. 27 Seite 9 Grundlage' geschaffen für neue Generationen jüdischer Frauen in Osteuropa, gestärkt durch gesunde religiöse Erziehung und ausgerüstet mit den Fähigkeiten, ihren eigenen Lebensunterhalt zu verdienen. Die bloße Existenz dieser Beth Jacob-Bewegung ist eine Widerlegung des irrigen Glaubens, daß das orthodoxe Judentum die Vernachlässigung und die Unterdrückung des schwächeren Geschlechts involviere. Sie muß die Sympathie aller Juden erwecken ohne Unterschied der Etikette, die diese Juden ihrem eigenen Judentum anhefteten." Soweit das zionistische Blatt. Was den „Pharisäismus" betrifft, so darf Agudas Jisroel stolz darauf fein, wenn ihr die Geschichte dereinst das Zeugnis ausstellen wird, daß sie die. getreue Erbin des Geistes unserer alten „Pharisäer", der D'ma der wahren Lehrer und Träger der sinaitischen Offenbarung', geworden sei. Palästina. Am Feste der Offenbarung. Jerusalem, 27. Juni. Wir sind es schon geradezu gewöhnt, daß uns unsere Sabbate und Festtage, besonders im Sommer, durch Akte der Religionsschändungen aller Art gestört werden. Was wir am letzten Schwuausfeste erlebten, geht schon weit über das Maß des Ueblichen. Dutzende von Automobilen, Eigentum jüdischer Gesellschaften, gelenkt von jüdischen Chauffeuren und vollgefüllt mit jüdischen Reisenden, setzten sich am Fe stt a g e um die Mittagszeit in Bewegung nach Haifa und Tel-Awiw. Bon dort und anderen Städten kamen wiederum vollgefüllte Autos und Autobusse an. Ein Austausch von Sabbat- und Festentweihung. Der Hauptstrom ging nach Haifa, weil man dort schon seit einigen Jahren am zweiten Schwuaustag den sogenannten „Bikkurimtag" als Volksfest feiert. Dagegen wäre in sonstigen Jahren nichts einzuwenden, da Palästina einen zweiten Feiertag nicht hat. Dieses Jahr aber mündete der Festtag in Sabbat ein und am Sabbat gab es Bikkurim-Volksfest mit Buden, Konzert, allerlei Belustigungen und Verkaufs st än den. Das Schlimmste dabei ist, daß die ganze Veranstaltung unter dem Namen des sogenannten Nationalfonds, für den die Einnahmen bestimmt waren, ging. Ob gerade auf Initiative des N. F. und unter seiner direkten Leitung, entzieht sich unserer Kenntnis. Jedenfalls hat er bis jetzt gegen den Gebrauch seines Namens für diesen Zweck nichts einzuwenden. Wie bedauerlich, daß, abgesehen von den Protesten im „Kol Israel" und im Misrachi-Organ „Hathor", die öffentliche Meinung in Jerusalem wie in Tel-Awiw und Haifa glatt darüber hinweggeht. Man spreche nicht von der Nutzlosigkeit der Proteste und Interventionen. Vor kurzem erst gelang es, eine Automobilgesellschaft in Jerusalem unter dem Drucke der öffentlichen Meinung zur Einstellung der Sabbatfahrten zu zwingen. Diese Gesellschaft hat ihr gegebenes Wort gehalten und auch jetzt nicht mitgemacht. Soll das,. was in Jerusalem möglich war, gegenüber der Gesellschaft „Galil" ödet „Pardes" ln Tel-Awiw, die bei der letzten Schwuausattacken'wörtlich „führend" waren, nicht möglich sein? Wo bleiben die Rabbinate inJerusalem und Tel-Awiw, wo sind sie, wenn es sich jetzt um die Ehre und das Recht des Sinaigefetzes am Feste der Sinaioffenbarung handelt? .Die Wasserversorgung Jerusalems für die Zukunft gesichert. Jerusalem, 27. Juni. Der High Commissioner General Sir Arthur Wauch o p e empfing die Mitglieder des Jerusalemer Wasser- Ausschusses und erklärte ihnen, daß die noch in der Zeit der Türken-Herrschaft erteilte Konzession zur Wasserversorgung Jerusalems, die bisher der Regierung wie dem Stadträt in ihrem Bestreben, eine ausreichende Versorgung Jerusalems mit Wasser durchzuführen, hindernd im Wege stand, nunmehr als beendet gilt. Die legalen Schwierigkeiten, die der Aufnahme einer Anleihe zwecks Baus einer modernen Wasserleitung für Jerusalem entgegenstanden, seien nun behoben. Personalien. Altersjubilare im holländischen Rabbinerstande. Amsterdam, 28. Juni. Der Oberrabbiner der Amsterdamer Jüdischen Gemeinde Abraham Samson Ond erw sjz er vollendet am 24. Juli d .I. sein 7 0. L e b e n s j d h r. Er wurde 1862 in Muiden bei Amsterdam geboren, 1888 wurde er zum Rabbiner der Aschkenasim in Amsterdam, 1917 zum Oberrabbiner von Amsterdam gewählt. Er verfaßte eine holländische Uebersetzung des Pentateuchs nebst einer erklärenden Uebersetzung des Raschi-Kommentars (Amsterdam 1895.) Onderwijzer gründete den Verein „Bezalel" zur Förderung! der religiösen und ökonomischen Interessen jüdischer Handwerker und Handelsangestellter in Amsterdam. Oberrabbiner Onderwijzer hat gebeten, von allen geplanten Ehrungen aus Anlaß seines 70. Geburtstages abzusehen. Ermr- Der Oberrabbiner der Provinz Zeeland und Rabbiner im Haag I. I. van Gelder wurde in diesen Tagen 60 Jahre alt und wurde aus diesem Anlaß von seiner Gemeinde sehr geehrt. Rabbiner Dr. B. I. Ricardo, einer der geistigen Führer der Sephardischen Gemeinde in Amsterdam, vollendet am 1. Juli d: I. sein 6 0. Lebensjahr. Dr. Ricardo ist Leiter des Sephardischen Rabbiner-Seminars „Ez Chajim" und Herausgeber der holländischen Misrachi-Monatsschrift. (Weitere Personalien siehe Seite 15.) Die Woche. Waisenmäöchen in Jerusalem. Ueber das Zentralmädchenwaisenhaus in Jerusalem, das, von Frau Feuchtwanger-Steinitz geleitet, ein Wohlfahrts- und Erziehungsinstitut von vitaler Bedeutung für das heilige Land ist, haben wir in letzterer Zeit an anderer Stelle unseres Blattes in Wort und Bild eingehend referiert. Die Anstalt befindet sich in bitterster Not. Es droht die Gefahr, daß diese einzige Schutzstelle für Waisenmädchen im heiligen Lande ihre Pforten schließen müßte, wenn nicht die Menschen- und Palästinafreunde in der Welt der Anstalt zu Hilfe kommen. Zur Zeit weilt in Frankfurt ein Bevollmächtigter der Anstalt, Herr I. M. Tscharwinzki, Jerusalem- Berlin, der auch vom Frankfurter Komitee für das Jerusalemer Mädchenwaisenhaus (Vorsitzender Herr Emil Lehmann) bestens empfohlen wird. Wir zweifeln nicht, daß Herr Tscharwinzki überall ein geneigtes Ohr und eine offene Hand für sein Anliegen finden wird. Auch wir empfehlen ihn und das von ihm vertretene Mädchenwaisenhaus aufs wärmste. Ein Wegweiser des täglichen Gebetes — in der Volksbücherei der Freien Vereinigung. Es wird an dieser Stelle noch einmal darauf hingewiesen, daß im Büro der Freien Vereinigung (Rechneigrabenstr. 10) die Rödel he im er Tefillo zum Preise von RM. 0.80 zu beziehen ist. Außerdem steht Lehrern, Kantoren und sonstigen Interessenten ein Büchlein unter dem Titel Tmip^ anp nvua, von Jehuda L ab in (Hermon-Druckerei) gratis zur Verfügung, das den Zweck hat, den Betern die richtige Aussprache der Gebetsworte ans Herz zu legen und an Hand, vieler Beispiele zu vermitteln. Der gelehrte Verfasser, der bereits ein umfangreiches Werk rrnim!>ip über die Gebete herausgegeben hat, dient auch mit diesem Werkchen einem höchst idealen Zweck. Das oft gedankenlose Beten hat bei vielen zu einem mechanischen, auch korrumpierten Aussprechen der hebräischen Gebetsworte geführt, das schon in manchen Fällen einem yrnm *ivpx, nahekommt. Hier wird in leichtem fließendem rabbinischem Hebräisch, mit vielen Zitaten, die schon allein die Lektüre zu einem Lernen machen, das Ungeheuerliche' solchen Lippenwerkes aufgezeigt und eine große Reihe von Proben geboten, d. h. von Beispielen, wie man es nicht machen darf. Durch Entgegenkommen des Verfassers ist die Freie Vereinigung in der Lage, den kleinen Wegweiser nur gegen eine Portogebühr von RM. 0.10 gratis zu verabfolgen. Frau Friederike Sandsberg rry. (Gewidmet von einer nichtjüdischen jungen Freundin.) Am 4. Juni ist unser „Sonnenmuttchen" heimgegangen.- heim zum früh verstorbenen Gatten, zu dem allzu früh entrissenen Sohne, zu der geliebten, jüngsten Tochter! Wenn wir den herben Verlust in Ergebenheit tragen, so tun wir, was die Teure uns lehrte: in Demut uns beugen vor des Allvaters Rat und Willen! „Sonnenmütterchen" — wer konnte, von ihrer Liebe beschenkt, sie anders im Herzen haben? Frau Friederike Landsberg ging mit gütigem, sonnenhaften Wesen durch ihr schweres Leben, versuchte stets den eigenen Schmerz zurückzudrängen, indem sie andere tröstete, Not linderte, Mutter war, nicht nur den eigenen Kindern, mit denen sie jung blieb bis ins hohe Alter! — Woher nahm diese zarte, kleine Frau die großen Kräfte? Ihre echte, tiefe Frömmigkeit, ihr durch die schwersten Schicksalsschläge nicht zu erschütterndes G'ttvertrauen woben um sie den Mantel der Liebe, gaben ihr Kraft, aufrecht zu bleiben auch in schweren Zeiten! Nicht tot ist die Teure dem Sohne, den Töchtern und allen denen, denen sie oft die Mutter war. Die Ferne überbrücken wir mit dem Band dankbarster Liebe, die sie als steter Gruß umleuchten möge im Reiche des ewigen Lebens. Ifupa (Israelitische Suppenanstall) Frankfurt a. IR. Am 8. JüNi ds. Js. fand im Anstaltsgebäude, Theobaldstraße 5, der Israelitischen Suppenanstalt die diesjährige ordentliche Generalversammlung statt. Laut Geschäftsbericht schloß das Jahr 1931. mit einem Defizit von ca. Mk. 6000.— ab. Gespeist wurden im Jahre 1931 78 700 Personen. Die Jsupa stellt einen unentbehrlichen Faktor in der jüdischen Wohltätigkeit Frankfurts dar, dessen Erhaltung unbedingt auch in dieser Notzeit gesichert werden müßte. (Postscheckkonto Frankfurt a. M. 10 273.) Zweite internationale Konferenz für soziale Arbeit. Am 10. Juli tritt in Frankfurt die zweite internationale Konferenz für soziale Arbeit zusammen. Die Zentralstelle für jüdische Wohlfahrtspflege lädt die jüdischen Teilnehmer an der Konferenz aus Sonntag vormittag 10 Uhr zu einer Vorbesprechung im Saale Unterlindau 21 ein. Die Besprechung soll evtl. Montag und weiterhin fortgesetzt werden. Nähere Auskünfte erteilt die jüdische Wohlfahrtspflege in Frankfurt a. M., Langestr. 30. Wochenkalender. vom 2. — 9. Juli 1932 vom 28. Siwan bis 8. Tammus 8892 Y '1 'ti pblü _ tmnn prnav Sonntag nachm. 5 Uhr 31‘/a Minuten. Samstag Juli 2 ]VD 28 Sonntag 3 29 SD Ivp *nsa ös- Montag 4 30 io snn cmn n oi’ Dienstag 5 1 no mn WKn 'a nv Mittwoch 6 2 10 Donnerstag 7 13 TD nDipn Freitag 8 I4 no Samstag 9 5 DO aa'N p-iD mp Briefkasten. Inscrenlin, Uersfeld. Wir bitten um Angabe der Adresse, damit wir Ihr Schreiben beantworten können. I. A. Zi. Betrag für Abonnement eingegangen. Ausnahmsweise geben wir unsere Zustimmung zu Ihrer Anfrage. Familiennachrichken. Geburten: Ein Sohn, Sigmund Würzburger u Frau Mira geb. Mayer, Mannheim. Barmizwoh: Moses, Sohn des Herrn Hermann Schwab, Halberstadt Schabbos mp 's. — Israel, Sohn des Herrn Josef Podower, Ffm. Uhlandstr. 57 n!-v 's. — Heinrich, Sohn des Herrn Jakob. Schönberg, Ffm. Mainstr. 21, mp nav, 9. 7. 32. Synagoge Friedberger Anlage. Frankfurter Vereinskalender. Verein Mekor Lhajlm. Samstag morgen nach Schul im Hörsaal: Dinim, Herr Dr. E. Posen — nachmittags % Stunde vor Mincho im Vereinslokal Mikro, Herr Dr. W. Hofmann. — 4 Uhr (ebenso Sonntag 8.30 Uhr vorm.) im Vereinslokal Gemoro. Herr I. Soffer. Eine Stunde vor Nacht, Midrasch, Herr Rabb. H. Meyer Sonntag morgens nach Schul (ebenso Mittwoch), Herr S. Schachnowitz, d*tk "n — vormittags 9.15 Uhr (ebenso Dienstag 6.30 Uhr) Gemoro. Hern Rabb.-Aff. G. Posen. Montag (auch Donnerstag) nach Schul: Mifchna Mitgliederlernen. — abends 7 Uhr (auch Mittwoch) Gemoro. Herr Rabbiner Dr. Jos. Breuer. — abends 8.15 Uhr (auch Donnerstag) Gemoro Herr Dr. E. Posen Dienstag (auch Freitag) nach Schul: Mifchna. Herr Dr. E. Posen. Von Montag bis Freitag morgens nach Schul im Sitzungszimmer Gemoro. Herr Dr. S. Ehrmann. Sonntag, Dienstag und Mittwoch abends 8.15 Uhr im Vereinslokal Schaßlernen. Herr Herz Holpern. Iahrzeilsstiftungen. Schabbos, 2. Juli: Ltebmann Stern-Stiftung. Montag, 4. Juli: Jetta Kallmann geb. Moses-Stiftung. Dienstag, 4. Juli: Joseph Erlanger, Luzern-Stiftung. Mittwoch, 6. Iöli: Leopold Wallerstein-Stistung. Donnerstag, 7. Juli: David Freund-Stiftung: Agudas Jisroel-Jugendgruppe e. V. Somme rar beit. A. Iugendgruppe. 1. Schiurim. a) öffentliche Bowo Kamo (Dr. W. Hoffmann). Schabbos (Louis Kahn). Schulchan Aruch Hilchoth Schabbos (B. Rachelsohn). Schulchan Aruch (Leopold Oppenheimer). Mifchna Seder Maued (Gerson Schnerb). Mifchna Seder Sanhedrin (Paul M. Aron). Schulchan Aruch (Th. Spiegel). Bowo^Kamo (Naftali Abrahams). Kiduschin (Hermann Ving). Bowo Mezio (Dr. Fritz Hamburger). Pesochim (Carl Zuntz). 2. Unterricht. Stenographie für Anfänger (Lehrer S. Adler). Französisch (Studienrat Josef Kaufmann).