Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 26 (23.6.1932)
- Date
- 1932-06-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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23. Juni 1932 Nr. 26 Frttnksurl d. 3N., den 19. Siwan 5992 Müer IsmvW) JEjß| Ein Centralorgan für das orthodaxr Judentum |[ö| & wj&BHkBBSbu i mm Dearündet von Dr. Lehmann kn MainL. KHK i Begründet von Dr. Lehmann kn Mainz, *963 Abonnement ab Juli 1939: Deutschland ILO Mark monatlich: Ausland: Bterteljahrpreise (entsprechend dem deutschen Inlandspreis zuzüglich Kosten des Streifband-Versandes) Deutsch-Österreich: Schilling 6.—; Amerika 1 Dollar; England 4 sh.; ab 1 Juli Frankreich23Fr.;Belgien ab 1.7.27. Belgab. Holland3fl.; Italien ab 1.1.38.18Lire; Ingo» slavien 85 Din.; Litauen 7L0 Lit.; Rumänien ab 1. 7. 37. 160 Lei; Polen 4 deutsche Goldmark zum Tageskurs oder 7 Zloty; Schweiz 6 Fr.; Tschecho-Slowakei 35 Kronen; Ungarn Pengo 6 ab 1. Juli 1937; Dänemark 3.50 Krön.; Norwegen 3.50 Krön.; Schweden 3.50 Krön. Einzelnummer vierzig Goldpfennige. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 50 Goldpf. für die stebengesp altene Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahlen bei Stellengesuche« und Familienanzeigen nur 40 Pf. Die 75 mm breite Reklamezeile: letzte Textseite 3.— Mk., vorletzte Textsette 3.50 Mk.; Thiffregebühr in Höhe eines dopp. Fernbriefportos. Rabatt nach Tarif. Bei laufenden Jnserataufträgen tartfm. Preiserhöhung jederz. Vorbehalt. Jnseratenannahme durch de» Verlag des Israelit G. m. b. tz., Frankfurt a. M , Rechneigrabenstratze 7. Tel. Hansa 31084 sow. durch sämtl. Annoncen-Exped. d. In» und Auslands. Alleinige Jnferatenann. für Franks. Geschäftsanz.: Jul. Schmidt, Oftendstratze 83 Tel. 45838. Platzvorschr. ohne Verbindlich!. Zahlungen direkt an den Verlag auf Postscheckkonto Frankfurt (Main) Nr. 19803. — Außerdem an: Postsparkasse Wien Nr.79805. — Postsparkassenamt Budapest Nr. 18424.—Postscheckkonto Warschau Nr. 190757. - Postscheckamt Zürich Nr. VIH7254. — Postscheckamt Amsterdam Nr. 84869 - Postscheckamt Prag Nr. 79.060 — Rumänische Kreditbank Bukarest und ihre sämtl. Filialen Der Gerichtsstand für alle aus Abonnements oder aus Inseraten sich ergebenden Zahlungsverpflichtungen ist Frankfurt a. M. Erneuern Sie sofort beim Postboten die Bestellung auf den „Israelit“ für den Monat Juli Wird dies versäumt, so tritt eine Unterbrechung der Zusendung ein, ohne daß wir selbst Kenntnis davon erhalten. Für verspätete Bestellungen rechnet die Post einen Aufschlag von 20 Pfg. Verlag des Israelit G.m.b,HM Frankfurt a.M. ■BBHnBHnHBBB ■HBHBBHBBHi Das palästinensische Oberrabinak auf dem Kriegspfade. Ein Appell an die öffentliche Meinung der weltjudenheit. Wir haben seit dem Heimgange des hochverehrten Oberhauptes der paläftinenstschen Orthodoxie, Rabbi Joseph Chajim Sonnenseld, die jüdische Öffentlichkeit sowohl im Rachrichtenteil als auch in kurzen Besprechungen der Lage andeutungsweise über die Machenschaften unterrichtet, durch die das Oberrabbinat von Palästina, oder präziser ausgedrückt der Generalsekretär dieses Gberrabbinats, Herr Schmuel Aron Weber, die Wiederbesetzung des Rabbinates der Sonnenfeld'schcn Gemeinde zu v e r h i ndern bemüht ist. Die Dinge sind aber jetzt so weit gediehen, daß man es bei Andeutungen nicht niehr bewenden lassen kann, sondern das; es als Pflicht erscheint, die Welt restlos auszuklären über die Entehrung des jüdischen Ramens, die von einer Stelle ausgeht, von der man die gewissenhafteste und zarteste Rücksicht auf Recht und Sittlichkeit im öffentlichen Leben mit Fug erwarten dürfte. von vorneherein möchten wir unterstreichen, das; wir lebhafte Zweifel daran hegen, ob die an der Spitze stehenden Persönlichkeiten, die Oberrabbiner Awroho m I i z ch o k Kuk und Jacob Meir von all dem, was geschehen ist und jeden Tag neu geschieht, volle Kenntnis besitzen. Aber beide Herren werden sich von der Verantwortlichkeit dafür nicht freimachen können, wenn sie fortfahren, ihrem Generalsekretär freie Hand zu lassen oder sich gegebenenfalls hinter ihr Besdin zurückzuziehen. Schon in der Trauerwoche um Rabbiner Joseph Thajim Sonnenfeld, als die ganze jüdische Welt und insbesondere das gesetzestreue Jerusalem noch erfüllt war von dem ersten brennenden Schmerze um den Heimgang einer in unseren Tagen wahrlich fast einzig dastehenden klassischen jüdischen Persönlichkeit, hatte das Oberrabbinat von Palästina, dessen Zeit durch eine Trauerklage nicht in Anspruch genommen war, nichts Besseres zu tun, als den Kolalim und den Institutionen der Orthodoxie in Jerusalem Drohbriefe zugehen zu lassen, in denen diese Institutionen zur Rechenschaft gezogen werden, weil sie es gewagt hatten, sich an der Ausstellung eines Rabbmatsbriefes für den präfumptiven Rachfolger von Rabbiner Sonnenfeld mehrere Monate vorher zu beteiligen. Lines dieser Schreiben, das an die I e s ch i w o von Hebron gerichtet war, haben wir vor Wochen veröffentlicht. Cs trägt, wie auch die anderen Briefe, das Datum des 20. Adar H. Auch diejenigen Institute, die den Rabbonusbrief gar nicht unterzeichnet hatten, wurden Mit solchen Drohbriefen bedacht, in der offenbaren Absicht, die zu erwartenden Dementis einer vorausgesetzten, aber niemals abgegebenen Unterschrift dann um so sicherer zur Einschüchterung etwaiger Kandidaten auf den vakanten Rabbinatsposten benutzen zu können. Als diese Aktion mehr oder minder fehlgeschlagen war, wurde ein neuer Trick angewandt. In den Vordergrund schob man nunmehr den sogenannten Waad-hakloli, eine Institution, die hauptsächlich zum Sammeln von Lhaluko-Geldern in Amerika bestimmt ist, und stellte diese Institution in den Dienst des Rabbinatsterrors. Die Herren, die an der Spitze dieses Waad-hakloli stehen und die sich offenbar in vollendeter Abhängigkeit vom Oberrabbinat befinden, hatten die Unverfrorenheit, an Gbcrräbbiner Sack in Riga ein Schreiben zu richten, das wir als Dokument der Schande hier in wörtlicher Uebersetzung folgen lassen. Ls lautet: Jerusalem, l l. Rissan 5692. Rachdem wir in der Zeitung „Jüdisches Togblatt" gelesen haben, daß Sie einen Rabbinatsbrief von einem bestimmten Kreis in Jerusalem erhalten haben, teilen wir Ihnen hierdurch in unserer Eigenschaft als allgemeine Institution der Gemeinde der Afchkenasim, die schon im Jahre 6626 von den Gaonim Auerbach und Galant gegründet wurde, und die über allgemeine Gemeindeangelegcnhciten zu wachen hat, , mit, daß diejenigen, die Sie ernannt haben, keinerlei Recht besitzen, sich mit Dingen, wie der Berufung von Rabbinen, zu beschäftigen. Sie vertreten eine kleine Rlinderzahl, die noch nicht l proz. oder % proz. unter den Tausenden von orthodoxen Juden in Jerusalem ausmachen! Sie leben in der Ferne und können vielleicht glauben, daß die Worte derer, deren Unterschriften sich auf dem Schriftstück befinden, von einem beträchtlichen Teil wenigstens der öffentlichen Institutionen Jerusalems ausging. Wir aber, die wir an Ort und Stelle wohnen und die Sachlage genau kennen, wir können Ihnen versichern, das; sich diejenigen, die sich in Jerusalem die Rlänner der Agudo nennen, n u r einen S ch e r z m i t Ihnen erlaubt haben! Seit dem Cllul 6679 hat Jerusalem, die heilige Stadt, nämlich das Glück, den Gaon und Heiligen usw. Abraham Irzchok Hakohen Kuk als Rabbiner zu besitzen unter Zustimmung aller Kreise und Parteien. Er sitzt nun auf den; Thron der Herrlichkeit des Fürsten von Lrez Iisroel etwa 15 Jahre in der Fülle von Pracht und Schönheit, geehrt und verherrlicht im Wunde von Allen — und diese L i nzelnen, die sich aufspielen als seien sie die Führer der Gesamtheit in Jerusalem, sind nur ein kleines Häuflein unter den Tausenden der Glaubenstreuen in Jerusalem. Deshalb ist unser Rat, das; Sie auf unsere Warnung achten mögen und nicht hierher kommen möchten, um unserem Herrn und Lehrer ins Gehege zu kommen (lVirn jptfnW* Wenn Sie aber doch gerade nach Jerusalem kommen wollen, so teilen wir Ihnen hierdurch mit, das; Sie ohne Din Thora dies nicht durchsetzen werden. Wir beehren uns, Sie daher zu bitten, uns mitzuteilcn, ob Sie sich dem Din Thora stellen wollen im Ausland oder in Jerusalem. Denn wir können vor jedem angesehenen Besdin in der Welt klarstellen, das; dieses Häuflein Männer nach dem Rechte unserer heiligen Thora keine W a ch t v o l l k o m m e n h e i t besitzt, einen R a bb i n e r zu berufen, nicht einmal für ihre eigene Gruppe. Und wir sind sicher, daß Sie wissen, das; jeder Raw in seiner Stadt von den Unruhestiftern leidet, die die Frechheit haben, sich gegen ihren Rabbiner, Lehrer und Fürsten zu erheben. Gewiß werden Sie sich nicht weigern, sich einem Din-Thora zu stellen nach der Weise der Talmide Chachochim, die den Frieden in der Welt mehren. Antworten Sie uns baldigst wegen des Din Thora mit den Führern des Zibbnrs in Jerusalem in Bezug auf Via* mwn , z u dem w i r S i e hiermit lade n." Die Unterzeichner dieses famosen Schriftstückes sind die Herren Äscher Dow Doljon und Salman Soloweitschik. *