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Der Israelit · 1932-06-09 · Heft 24 (9.6.1932) · page 33

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 24 (9.6.1932)
Date
1932-06-09
Page
– (sequence 33)
Language
German
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Seite 8 Nr. 7 9. Juni 1932 klagenden alten jüdischen Geist von der Quelle gab. Linen anderen Rat gibt es nicht. Wollen wir ernstlich den Sieg des alten jüdischen Geistes, so müssen wir dort sein bei den Quellen, aus denen sich die Ströme neuen jüdischen Lebens ergießen. Und diese Quellen heißen: Lrez Jisroel. Kommen wir nicht zu spät! Stärken wir die palästinaarbeit der Agudas Jisroel und wir sichern damit die Zukunft des Judentums in Lrez Jisroel und im Golus. Aus der Bewegung. Leipzig. Unsere Gruppe, die auf ihr erstes Semester gurücf&Itc?!, kann mit ihren Erfolgen sehr zufrieden sein. Dank der eifrigen Mitarbeit aller, hat sich die Zahl der Mitglieder von ca. 50 auf das Doppelte erhöht. Eine ganze Reihe von größeren Vorträgen fanden statt. Es sprachen die Herren Rabbiner Rogosnitzky und Feldmann vor einem zahlreichen Publikum Werte des Mussar und der Belehrung. Es gelang uns, als auswärtigen Redner Herrn Dr. Bondi, Wien, zu einem ausgezeichneten Vortrag über „Judentum und Lebensfreude" zu gewinnen, und wir konnten vor allem Herrn Dr. Nathan Birnbaum, Berlin, bei uns begrüßen, der vor fast 200 Anwesenden über das Thema „Ostjuden im Westen" referierte. Vor Pessach besprach Herr H. Löwy die Pessachdinim in kurzer Zusammenfassung. — Auch die regelmäßigen Mitgliederabende am Dienstag erfreuen sich großer Beliebthiet und werden gut besucht. Als ein besonderes Verdienst ist zu bezeichnen, daß dank der Anregung unserer Gruppe das Beth-Jakob Komitee durch neue Mitglieder ergänzt wurde und daß dieses wieder eine regere, von gutem Erfolge begleitete Tätigkeit entfaltet. — Die Sommersaison begann mit einem Referat des Herrn Dr. Jakob Braude über „Die jüdische Jugendbewegung als Erziehungsfakter." Am Lag Boaumer versammlten sich unsere Damen zum ersten Male zu einem gemütlichen Beisammensein und auch dieser Abend war sehr gelungen und fand allgemeinen Beifall. Für den 8. Juni ist ein weiteres Referat des Herrn Dr. Lipschütz über „Schowuaus-Eedanken" vorgesehen. Hamburg. Im Agudoheim hatten sich am Mittwoch, den 1. Juni, ein kleiner Kreis Interessierter eingefunden, um ein Referat des Herrn Carmi, des Generalsekre- Der Israel r"i _Blatter_ tärs des Reichsbundes für jüdische Siedlungen, entgegenzunehmen. Der Vorsitzende der Agudas Jisroel- Ortsgruppe, Herr Dr. Julius Möller, begrüßte die Erschienenen, insbesondere die Herren Vorsteher der- Hamburger und. Altonaer Gemeinde und betonte die Notwendigkeit, den Gedanken der Siedlung intensiv im Kreise der gesetzestreuen Juden zu verfolgen. Herr Carmi betonte, daß für die Juden beim Siedeln nicht nur eine Berufsumschichtung, wie bei den anderen Konfessionen, sondern auch eine Mentalitätsumschichtung erforderlich sei. Die Juden, die noch vor 60 Jahren zu 90 Proz. in Deutschland aus dem flachen Lande lebten, bevölkern jetzt Zu Vio die Großstädte. Während noch vor 30 Jahren 3,7 Proz. der deutschen Juden in der Landwirtschaft tätig gewesen wären, fei es heute noch nicht 1 Proz. Dieser Drang der Juden zu akademischen Berufen und zum Handel mußte in einer Zeit der langandauernden Wirtschaftsdepression zur Katastrophe führen, einer Katastrophe, die noch schlimmer werden würde, selbst wenn ein wirtschaftlicher Aufschwung käme, weil die weitere Verbreitung der Maschinenkrast zu viele Menschen aus dem Produktionsprozeß ausschließe. Gerade weil die Juden sich den sogenannten Monopolberufen zugewandt haben, sind sie bei der letzten Umschichtung völlig aus ihrer Bahn geworfen worden. Der Mittelstand hat aufgehört zu existieren. Aus wirtschaftlichen, soziologischen und moralischen Gründen müsse der Weg zur Befreiung gefunden werden. Arbeitskraft und Boden ist überall vorhanden und wie gerade die politischen Ereignisse der letzten Tage gezeigt, ist Boden der Schlüssel zur Macht. Pros. Franz Oppenheimer sagt ganz richtig: „Siedlung ist nicht eine Möglichkeit, es ist die Möglichkeit." Das deutsche Volk kann nicht an der Notwendigkeit Vorbeigehen, den Boden aufzuteilen. Das Mittelalter hat die Juden von der Landwirtschaft ferngehalten, aber die seit der Emanzipation verflossenen 120 Jahre sind versäumt worden, zum Boden zurückzukehren. Deshalb wurde der Reichsbund für jüdische Siedlungen gegründet. Alle Schichten des Judentums sind an ihm beteiligt von der äußersten Reform bis zur Agudas Jisroel,' deren Exponent, Herr Dr. Nathan Birnbaum, mit in vorderster Reihe der Kämpfer für das jüdische Siedlungswerk steht. Das Ziel des Bundes ist Umschichtung und Ansiedlung der jüdischen Jugend. Der Reichsbund hat von der Reichsregierung die Zusage erhalten, auch kompakte jüdische Siedlungen in sein Werk einzubeziehen und zwar als Kollektivsiedlung. Der Reichsbund hat vor iy2 Jahren Groß-Gaglow b. Cottbus in Größe von ca. 900 Morgen erworben, wo hauptsächlich Veredlungswirtschaft durch intensiven Anbau von Gemüse und Gärtnerei betrieben wird. Das Gut ist in 60 Stellen zu je 12 Morgen Land mit' je einem kleinen Haus, 6 Morgen sind für den Vertrieb der Erzeugnisse, die restlichen 6 Morgen für den eigenen Bedarf bestimmt. Einkauf und Vertrieb erfolgt kollektivistisch, während der Anbau durch Einzelbearbeitung erfolgt. Der Siedler muß aber das von Staat und Siedlung investierte Kapital verzinsen und amortisieren, hat aber trotzdem noch einen jährlichen Ueberfchuß von Mk. 1200 bis 1800. Bisher sind in Groß-Gaglow ca. 60—100 Mneschen angesiedelt, im Herbst dürften es 60 Familien sein, in einem neu erworbenen Besitz in Breslau sind bisher ca. 20'Menschen angesiedelt. Eine weitere Siedlung in Westdeutschland ist geplant. Zum Schluß gibt Herr Carmi der Hoffnung Ausdruck, daß bald in jeder Stadt eine Randsiedlung von mindestens 100 jüdischen Familien entstanden sei. — An der Diskussion beteiligten sich die Herren Dr. Jul. Möller, Eschwege, Syndikus Dr. Nathan, Offenburg, Emanuel, Caro und Walter Wolff. — In feinem Schlußwort verbreitete sich Herr Carmi dann über die Möglichkett der Berücksichtigung orthodoxer Interessen bei dem Sieülungswerk. Wenn auch der Reichsbund in kultureller Beziehung neutral sei, so begrüßt er doch eine positive jüdische Siedlung. Es wird völlige Freiheit in religiöser Beziehung gegeben und je mehr gesetzestreue Siedler sich an dem Werk aktiv beteiligen, um so größer wird ihr Einfluß auf die anderen Siedler werden. Warschau. Das Zentralkomitee der Agudas Jisroel in Polen tritt mit einem längeren Ausruf an alle Mitglieder wie an die gesamte Orthodoxie hervor, den zwanzigsten Jahrestag der Kattowitzer Versammlung zum Anlaß einer großen Propaganda für die Organisation, die Erez Israel-Arbeit, das Schulwerk, die Kehillapolitik und die Wirtschaftshilfe der Agudas Jisroel zu machen. Rio de Janeiro. Hier konnte in den letzten Wochen nach Ueberwindung mannigfacher Schwierigkeiten eine Jeschiwoh großen Stiles ihrer Bestimmung übergeben werden. Zum Führer der Jeschiwoh wurde Rabbiner Gurwirtsch aus Grodno berufen. Die Jeschiwohleitung hat sich an die Keren Hathora-Zentrale mit der Bitte um Zurverfügungstellung von Lehrbüchern gewandt, da in Südamerika großer Mangel an Lehrbüchern, besonders an talmudischen Büchern, herrscht. Die Keren Hathora-Zentrale hat die Einrichtung der Jeschiwoh-Dibliothek übernommen: der erste Vüchertransport wurde von ihr bereits auf den Weg gebracht, eine Aktion zur Ausbringung von weiteren Vücherspenden ist erngeleitet. , An die Mitglieder aller agudistischen Organisationen (Landesorganisationen, Orts- und Jugendgruppen, Frauen- und Mädchengruppen, Zeire Agudas Jisroel, Poale Agudas Jisroei) ergeht der Aufruf, anläßlich des Kattowitzer Gedenktages der Zentralkasse der Agudas Jisroel* die infolge des Rückganges der Trumas Chower Nichbod-Beiträge in ihrer Aktivität schwer gehemmt ist einen größeren oder kleineren Beitrag, je nach dem Ausmaße des Könnens, zu überweisen und dadurch ihre Treue und Anhänglichkeit an das große Werk von Kattowitz zu bekunden. Wien, Frankfurt a. M., Rosch-Chodesch Siwan 5692. Warschau, Die Exekutive der Agudas Jisroel-Weltorganisation. . Frankfurt a. M., Postscheckkonto Agudas Jisroel Nr. 48977. erweisungen. )|yarsc}iaiI> Postscheckkonto Nr. 191499 (Jacob Rosenheim).

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