Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1932-06-09 · Heft 24 (9.6.1932) · page 15

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 24 (9.6.1932)
Date
1932-06-09
Page
– (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2450704-2450727--78846-2536573
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

9. Juni 1932 Der Israel i t Nr. 24 Seite 15 gehen!" Da sprach der König: „£>, nein, das kann ich nicht erlauben. Das Aussehen meines Sohnes ist noch lange nicht so glänzend wie zuvor und du willst ihn schon zur Schule senden? Jetzt soll mein Sohn sich erst zwer öder drei Monate lang richtig ausruhen und bei guter Speise und kräftigem Trank erholen und dann erst wird er imstande sein, neues Wissen und neue Lehre in sich aufzunehmen." So sprach auch der Heilige, gelobt sei er, nach dem Auszug aus Mizraim: „Noch ist ^nicht der alte Glanz des Aussehens bei meinen Kindern zurückgekehrt — von einer Arbeit mit Lehm und Ziegeln kommen sie eben — und ich sollte ihnen sofort die Thora geben? Nun sollen sie sich zuerst stärken an der Wunderkost des Man und der lebendige Brunnen soll sie begleiten und auch Wachteln will ich ihnen bescheren — — und dann werden sie erst gestärkt sein, um meine Thora aufzunehmen." Durch Israels Verdienst wurde die Welt erhalten. Einst pflanzte ein König einen herrlichen Garten. Feigenbäume und Weinstööe standen darinnen und Granatäpfel und Aepfel wuchsen dort in besonderer Güte. Der König übergab den Garten einem Pächter und ging hinweg. Nach langer Zeit kehrte er wieder einmal zurück, um sich seinen Garten anzusehen. Da fand er alles voll Dornen und Disteln und dichtes Dornengestrüpp hatte die Pflanzen überwuchert. Es tat dem König sehr leid um seinen schönen Garten und in seinem Aerger bestellte er Holzfäller, die alle Dornen ausreißen sollten und den ganzen Garten zerstören. Da trat er zu einer Dornenhecke und erblickte mitten unter den häßlichen Dornen plötzlich eine wundervolle rote Rose. Ileberrascht trat er näher, nahm die Blume und atmete ihren herrlichen Duft und sein Gemüt beruhigte sich. Da sprach der König: „Um dieser Rose willen soll der Garten erhalten bleiben!" So verhielt es sich mit G'tt und seiner Welt. Um des herrlichen Baumes der Thora willen schuf G'tt die Welt. Erst nach langer Zeit schaute er hinab, um sich nach ihr. umzusehen und fand nur Schlechtes und Häßliches auf ihr und beschloß in seinem Zorn, es auszurotten. Aber da erblickte er eine einzige rote Rose — das war Israel — und er. neigte sich ihr zu; er hatte Freude an Israel, als er ihm die zehn Gebote gab und als E'tt Israel sprechen hörte: „Wir wollen tun und hören", da beruhigte sich G'ttes Zorn und so ward die Welt gerettet um Israels willen. Plauderei über die Bräuche au Ihr habt doch bestimmt auch schon heraus gesunden, daß die Pflichten, die sich an das Schewuausfest knüpfen, gar nicht zu vergleichen sind mit denen von nos und tvdd. Die Vorschriften an diesen beiden Festen bestimmen unser ganzes Verhalten an diesen Tagen und fordern auch eine genaue Vorbereitung für den v"'- Eigentlich muß man aber msraw auch nicht mit nov oder ttdo vergleichen, sondern mit rray-’i’m&'ticmi es ist ja auch eine Art Schlußfest, das auf Pesach folgt. sollte auch in größerem Abstand nach j-tdo gefeiert werden und nur. in Hinblick auf das Wetter wurde es fo gelegt) Diesesrnxy-Fest, wie es auch in Mischna und Gemoro genannt wird, hat aber' nun auch seine besondere Pflichten und Gebräuche und über diese wollen wir uns mal unterhalten. Gemeinsam mit dem mxs? des Herbstes hat zunächst den Gebrauch des Wachens in der Nacht, der im Herbst dem Feste nur vorangeht. Sicher ist es Euch schon aufgefallen, daß man gerade zu den Zeiten wacht, die mit dem Geburtstag der Thora in Zusammenhang stehen, an nunc? und vor mm nnac?- Könnt Ihr Euch denken, welche Bedeutung das haben soll? Daß man auf den Schlaf verzichtet, nicht wahr, um sich in die Thora zu vertiefen, daß man also seine eigene Natur bezwingen will, um dem Gesetze zu dienen. Und noch eine hübsche Erläuterung für den Brauch des Wachens habe ich kürzlich gehört: Das Volk Israel, das geht durch die Jahrhunderte, durch die Geschichte aller Völker mit der Leuchte seiner Thora in der Hand, durch die es alle Menschen verbessern möchte. Wie ein Wächter mit feiner Laterne geht und aufpaßt und wacht, daß nichts Schlimmes geschieht. Als Vorbild und Wächter wurde Israel aufgestellt für die Völker, da soll es nun auch einmal zeigen, daß es wirklich wachen kann! Was man in der niyae? -Nacht lernt, habt' Ihr wohl schon gehört. Man liest den 'v b'b ppn, der wenige Teile der Thora ganz enthält, sonst aber nur die Anfangs¬ und Schlußverse jeder Sidroh, jedes Buches von Tnach, von jeder nao» erste und letzte Mischna usw. Was soll nun diese Zusammenstellung bedeuten? Der Dubner Magid erklärt das mit einem Gleichnis: Es war einmal ein Reisender mit seinem Musterkoffer in ein Städtchen' gekommen, um Stoffe zu verkaufen. Die Leute gingen zu ihm und er packte seine Proben aus, kleine Stückchen Seide, viele Läppchen Wolle, ein par Proben Leinen und ähnliches mehr. Da staunten die Leute, die so etwas noch nie gesehen hatten und sie riefen: „Das sollen Kleider werden? Daraus soll ich Wäsche nähen? Das sind ja nur kleine Fetzchen von allerler Stoff!" „Natürlich sind das nur kleine Stücke von jeder Art und von jedem Muster", antwortete der Reisende. „Aber fühlt doch nur, wie sein, seht doch nur wie gut! Bestellt nur die Stoffe bei mir, dann liefere ich Euch sofort die richtige Ware." So ists auch beim nivac? ppn- Zusammen genommen gibt es kein schönes Ganzes, freilich nicht. Aber es sollen ja auch nur Proben sein, Proben unsres ganzen herrlichen Schrifttums, das wir an uns vorbeiziehen lassen-, Um uns dann während des Jahres ins Einzelne zu vertiefen, um dann den ganzen wirklichen „Stoff" für uns zu bestellen! So ehren wir die Thora in. nächtlicher Stunde; am Tage huldigen wir ihr auf andere Weise. Ihr wißt schon, was ich meine. Wie wir unserer Mutter Blumen zum Geburtstage schenken, so bringen wir der Thora Blumen und schöne Pflanzen. Wir schmücken ihr Zimmer und umkränzen ihren Platz, als Zeichen der Freude, 'daß sie uns an diesem Tage verliehen wurde. Und bevor wir dazu gehen, uns wie an sonstigen Tagen mit der Thora zu beschäftigen, da wird ein langes Gedicht vorgetragen, das zu diesem festlichen Tag verfaßt wurde — das nwnprr. Diese Lobeshymne auf die Thora wurde von Rabbi Meir ben Jizchak, dem Vorbeier (y"v) versaßt, der um das Jahr 1100 in Worms lebte. Es ist in aramäischer Sprache geschrieben, in Anlehnung an die Sprache des Meturgeman, der in alter Zeit jeden Sah der Thora auf aramäisch übersetzte. So, das wären die wichtigsten Bräuche zum Schewuausfest. Daß wir nn n^a» lesen, na, das wißt Ihr ja und waum, habt Ihr Euch vielleicht auch schon gedacht: Cs ist ein Buch, bei dem die Ernte eine große Rolle spielt und das paßt doch sehr gut zu nu?aw und außerdem wird Ruth als Stammutter Davids gefeiert, dessen Geburtstag an nunc? gewesen sein soll. Und nun der letzte, der auffallendste Brauch an nu?ac? — nun werdet Ihr lachen — ich meine den Käsekuchen! Natürlich gilt dieser Kuchen nicht überall als so wichtig für das Fest wie bei uns in Deutschland, aber tatsächlich ist es ein fast überall verbreiteter Minhag, am nu?ac7 milchige Speisen und ähnliche Kuchen zu genießen. Der Brauch kann mancherlei Gründe haben, vielleicht wollte man den Fleischgenuß an diesen Tagen einschränken, vielleicht dachte man an den Vers in v'i'vn w „Milch und Honig unter deiner Zunge", womit das schöne Vorlajenen der Thora verglichen wird. Jedenfalls ist das Essen von Milchspeisen allgemein üblich — aber auch abgesehen davon gilt der Brauch an nunc? die Freude auch durch gutes Essen zu begehen. Warum wohl? Da gibt es einen hübschen Midrasch, der das erklären will: Als Mosche die Thora vom Himmel holen wollte, sträubten sich die Engel dagegen und wollten sie ihm nicht überlassen. Mosche führte ihnen Stellen aus der Thora an, die nicht für die Engel passen konntens, aber doch wollten die Engel die Thora den Menschen nicht gönnen. Schließlich sagte Mosche: „In der Thora steht: du sollst essen und du sollst satt werden usw., braucht Ihr denn Essen — kennt Ihr Sättigung?" „Aber du issest ja auch nicht, Mosche!" wandten die Engel ein. Da nahm Mosche das Aussehen Abrahams an, wie sie ihn gesehen, als er ihnen Speise anbot und sie erinnerten sich, daß die Menschen des Essens bedürften und sahen ein, daß die Thora für die Menschenkinder bestimmt sei. Und sie entließen die Thora auf die Erde. Wodurch also kamen wir zur Thora? Durch das Essen! Das hättet Ihr auch nicht gedacht, gelt, daß man das so auslegen kann. Aber das will nur besagen, daß wir uns das Essen nichtam m entziehen sollen zum Studium der Thora wie den Schlaf, sondern daß wir uns freuen sollen mit dem Guten, das uns G'tt gibt. Und nun gut am dt-! Die beiden Brüder. Vor vielen, vielen Jahren, zur Zeit des Königs Salomo lebten einmal zwei Brüder in Jerusalem. Der Jüngere von ihnen hatte eine Frau und fünf Kinder, während der Aeltere unverheiratet war und für niemanden zu sorgen hatte. Die Brüder besaßen zusammen ein großes Feld auf dem Berge Moriah, das sie gemeinsam bearbeiteten. Als mm die Zeit der Ernte herankam, schnitten sie ihr Getreide, banden es zu Garben und dann teilten sie alles redlich in zwei gleiche Hälften. Beide Brüder stellten ihre Garben zu einem Haufen auf, jeder an einer Seite des Feldes und ani Abend ging jeder nach seinem Hause zurück. Und es war in der Nacht, da lag der ältere Bruder wach und er dachte: „Es ist doch nicht recht, was ich heute getan habe. Eine reiche Fülle von Getreide habe ich heute geerntet und ich stehe doch allein und brauche nicht so viel zu meiner Ernährung. Mein Bruder dagegen hat fünf Kinder zu versorgen — und ihr Hunger ist nicht klein — wieviel mehr Getreide benötigt er als ich!" Und er stand auf von seinem Lager, schlich sich hinaus zu dem Felde und trug im Geheimen von seinen Garben zu dem Garbenhaufen seines Bruders. Und kehrte zurück und legte sich hin und schlief wieder ein. „Was seufzft Du so?" fragte ihn seine Frau. Er antwortete: „Ich denke an meinen Bruder, der so ein* sam wohnt und niemanden hat, der sich um ihn kümmert. Wer wird für ihn sorgen, wenn er alt ist und nicht mehr selbst arbeiten kann? Uns hat G'tt brave und gesunde Kinder geschenkt, sie werden uns immer gut versorgen. Aber mein Bruder ist allein, wer wird ihm einmal beistiehen? Und siehst Du, wir teilen heute den Ertrag unsres Feldes und ich nahm den gleichen Anteil an den Garben wie er auch. Nicht gut ist es, was ich getan habe, denn er muß doch mehr erhalten und sich etwas auffpären für fein Alter!" Und so stand auch dieser Bruder aus, schlich sich unbemerkt zum Felde, trug eine Menge von Garbenbündeln von seiner Hälfte zum Teil seines Bruders und ging heim in sein Haus. Am nächsten Morgen standen beide Brüder fröhlich auf und sahen nach ihren Garben und siehe, es waren genau so viele als zuvor. Da verwunderten sie sich sehr, doch sie schwiegen beide über die Sache. Aber in der - nächsten Nacht, da stand wieder der ältere Bruder auf und trug Garben zum Hausen seines Bruders und auch der Jüngere erhob sich wieder gegen Morgen und tat wie in der vergangenen Nacht. Und wieder fanden sie am kommenden Morgen ihre Earbenhaufen so groß wie gestern und vorgestern und sie erstaunten darüber und konnten es sich nicht erklären. „Noch einmal will ich es versuchen", dachte jeder in seinem Herzen — es muß mir doch gelingen den Anteil meines Bruders zu vergrößern." Die nächste Nacht brach an. Schlaflos lagen die beiden Brüder und warteten auf die Zeit, da sie unbemerkt von allen Menschen ihren guten Plan aussühren konnten. Aber in dieser Nacht floh der ischlaf auch den König Salomo auf seinem Prunkbette. Schwere Sorge bedrückte ihn. Er hatte das heilige Werk begonnen, den Tempel G'ttes zu bauen und es schien ihm nicht zu gelingen. Wo die Bauleute die Grundmauern errichten wollten, wankte der Boden, die Steine stürzten und es war. als weigerte sich die Erde, den Tempel auf ihrenc Rücken zu tragen. Verzweifelt dachte Salomo darüber nach, wo nur die Ursache zu suchen sei. Hatte er nicht die richtige Stelle gefunden? Wer sollte sie ihm aber weisen? Plötzlich hörte er draußen im Garten ein Vöglein singen und er lauschte und verstand den Gesang. „Gräme Dich nicht, König Salomo", sang das Vögelein. Ich weiß einen Platz für den Tempel, der würdiger dafür ist, als alle Stätten der Erde!" „Wo ist er?" rief König Salomo. „Komm zu mir, ich will ihn Dir zeigen!" Da stand König Salomo auf und unbemerkt von allen seinen Wachen kam er hinaus in den Garten, wo' das Vöglein auf einer Hecke saß. „Wo ist der Platz?" rief ungeduldig König Salomo. „Ich will Dich führen" sang das Vöglein und setzte sich auf die Schulter des Königs, um ihn den Weg zu zeigen. Und während des Gehens erzählte das Vögelchen die Geschichte von den Brüdern und ihrem Felde. „Zu diesem Felde führe ich dich", schloß das Vöglein, „du sollst es mit eigenen Augen sehen, wie dieser Boden durch die schönste Bruderliebe geheiligt wird." Kaum war der König bei dem Felde angekommen und hatte sich dort verborgen, da sah er auch schon von jeder Seite des Feldes einen der beiden Brüder kommen. Schwer beladen mit einem Garbenbündel kam jeder und sah den anderen nicht. Aber in der Mitte des Feldes, da trafen sie zusammen! Sie blickten auf und sie erkannten einander und sie verstanden, was den anderen hergetrieben hatte zu dieser nächtlichen Stunde. Und zur Erde fielen die Garben und weinend lagen sich die Brüder in den Armen, glücklich darüber, daß sie beide die gleiche Liebe beseelte. König Salomo hatte in stiller Rührung zugesehen und entfernte sich leise, um die schöne Stunde der treuen Bürder nicht zu stören. Am nächsten Morgen aber bat er sie zu sich, gestand ihnen, daß er Zeuge ihres Tuns gewesen und bat sie, ihm den so geheiligten Platz für den Tempelbau zu verkaufen. Die Brüder willigten ein und so wurde aus diese Stelle auf dem Berge Moriah der Tempel errichtet. Uyd die Erde wankte nicht mehr und trug den Bau, denn nun stand er an der würdigen Stelle, die ihm von Anbeginn bestimmt gewesen. Frag mich was! 1. Wo kommt in der Thauro ein aramäisches Wort vor? 2. Wo steht in der Thauro ein Satz, in dem das ganze Aleph Beth vorkommt? (Mirjam Rothenberg, Breslau). 3. In den 10 Geboten, wie sie in pnnKi stehen, kommen alle Buchstaben des Aleph Beth vor: bei den zehn Geboten der Sidro vw fehlt ein Buchstabe. Welcher ist es? 4. Wo stehen in Tnach sechs mit 2 beginnende Wörter hintereinander? ' (Eottschalk Schlesinger, Wien). Die Lösung der Rätselgleichung. Die Aufgabe hieß: A—B+C—D+E—6 x F-G+H+G - y A Öl in?? B Erhebung “in C Gefäß ’V? . D Armer bn E Zeichen — nln F Flüssigkeit w» G Auch etw. Wässeriges d; H Feind — -is Die Lösung hieß dann also: x-j-y — anxa nx?x» W Richtige Lösungen sandten ein: Leo u. Marianne Sichel, Nürnberg; Leo Katz, Nürnberg; Gottfried Levy, Berlin.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.