Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 24 (9.6.1932)
- Date
- 1932-06-09
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Ml! 9.. Juni 1932 Der Israelit Seite 10 Nr. 24 treibt diese Lehrtätigkeit seit 5 Jahren in täglichen einstündigen Vorlesungen an: Rundfunk mit großem Erfolg. Die amerikanische Presse hebt ohne Unterschied der Parteirichtung den Nutzen dreser Verbreitung von Kenntnissen über das Judentum auch in nichtjüdischen Kreisen mit Anerkennung hervor. Die Woche. Veranstaltung der hiesigen Agudagruppe. Tranerfeier — Jubiliiumsvortcag. Die Agudas Jisroel-Ortsgruppe veranstaltet Montag, den 13. Juni (9. Siwan), abends 8.30 Uhr eine Trauerfeier für den langjährigen Vorsitzenden der deutschen Landesorganisation, Rabbiner Dr. Auerbach im Saale des Hoch'schen Konservatoriums. Die Gedenkrede hält Herr Redakteur S ch a ch n o w i tz. Anschließend hieran spricht auf Veranlaßung der Agudas Jisroel Ortsgruppe, Agudas Jisroel Jugendgruppe und der Agudistischen Frauengruppe Herr Rabbiner Dr. Pinchas K o h n , Wien, zum 20. Geburtstag der K a t t o - rvitzer Tagung über das Thema: „20 Jahre agudistische Entwicklung." Um gahleiches Erscheinen wird gebeten. Ein Thorafest in der Thoralehranstalt Jeschiwa. Ein anonymer Mäcen hat aus Liebe zur Thora, aus Liebe zur Jeschiwa und aus tiefer Verehrung für ihren Leiter, der Jeschiwa eine neue mm isv durch Herrn Schreiber schreiben lassen und mit kostbarem Zubehör als Eigentum der Jeschiwa zunächst dem Rosch Jeschiwa, Herrn Rabbiner Dr. Joses B*r euer, zur freien Verfügung gestellt. Am Sonntag jim nm wurde das *iso unter den üblichen Feierlichkeiten seinem Zwecke zugesührt. Schon Vormittag hatten die geladenen Gäste Gelegenheit, sich mit der Niederschrift eines Buchstaben den Anteil am Werke zu sichern. Mittags um vier Uhr waren Dozenten, Hörer, Mitglieder des Kuratoriums, Vertreter der Gemeinde und der Verwaltungen, sowie eine große Anzahl von Gästen und Freunden der Jeschiwa in der großen Aula zu einem Festessen versammelt, dem noch ein kleiner Weiheakt rorausging. Es herrschte echte rechte Simchas Thora-Stimmung, als Herr Oberkantor Peißach o w i t s ch nach dem Minchogebet mit dem Jahrkaddisch, das rrmurn narr anstinimte und darauf mit den andern aus der Synagoge herbeigebrachten geschmückten vmvv unter Chorgesang die Umzüge vorgenommen wurden. Mit den üblichen Gesängen wurde die neue Thorarolle eingehoben und nach einer kurzen Pause setzte man sich an die schön gedeckten Tafeln, deren schönsten Schmuck aber die vielen mm mun bildeten. Den Reigen der Reden eröfsnete Herr Dr. E h r - mann niit einer 'geistsprühenden Begrüßungsansprache im Namen des Kuratoriums der Jeschiwa. Es folgte die groß angelegte Festrede des Rosch Jeschiwa, tief schürfend in ihrem ersten, halachischen Teil und eindringlich im zweiten Teil, der eine Mahnung an die Schüler war, treu zur rrnmn mm zu halten, an der kein ivi-viikip fehlen darf. Sie klang in einen tiefgefühlten Dank aus an den edlen Spender, an das Kuratorium, an den isis und an alle, die sich in den Dienste der guten Sache stellten. Im Namen des Dozentenkollegiums sprach dann Herr Dozent E h r e n t r e u den Dank an den Rosch Jeschiwa aus und zeigte in sinniger Ausdeutung bekannter Midraschstellen, wie die mündliche Lehre als natürliche Fortsetzung der schriftlichen gelernt und gehalten werden müsse. Nach Chorgesängen unter Leitung des jungen ftimmbegabten Jeschiwahörer Kaftnai! Weiß entbot Rabbi Mosche Blau den Gruß aus dem heiligen Lande und aus Jerusalem, in eindrucksvollen Worten auf die zarten Fäden hinweisend, die Rabbi C h a ji m in Jerusalem mit dem Begründer der Jeschiwa Rabbmer Dr. 'Salomon Breuer verbanden. Die Herren Direktor Dr. Elias und Rektor Karl O ch f e ni a n n wußten die' engen Beziehungen zwischen Schule und Jeschiwa einleuchtend aufzuzeigen. Herr Redakteur S ch a ch n o w i tz sprach im Namen der Dozenten der Unterguppen der Jeschiwa. Eine längere halachische und homiletische Auseinandersetzung brachte Herr A. S a f f r a. Herr K a r n e i o als Vorsitzender des Bachurim-Vereins ra'vm pp n»in, dankte für diesen Verein, und als letzter erfreute Herr Dr. Isaak Breuer die Festgesellschaft mit einer würzigen Rede. In Vertretung von durch die vorgerückte Zeit oder aus anderen Gründen verhinderten Rednern wurden noch Grüße übermittelt von Vorstand und G e m e i n d e r a t der Israelitischen Religionsgcsellschaft, der K l a u s s y n a g o g e und dem M e k o r C h a j i m. Ein Hörer gab mit guter geschulter Stimme einige Lieder zum Besten. Die Benschenversteigerung brachte eine für die heutige Zeit ganz ansehnliche Summe zu Gunsten der Jeschiwa. Es wird uns ferner geschrieben: Die Angunst der Zeit kam so recht zum Ausdruck und zur Geltung, als die Frankfurter Jefchiwo letzten Sonntag zu einem Chinuch haseifer einlud. Die Feier konnte bei der großen Anzahl von Bachurim nur in allerengstein Kreise stattsinden. Außer den Dozenten, den Herren des Kuratoriums konnten nur Vertreter der Verwaltungskörperschaften der Kehillo, Schule und Organisationen eingeladen werden. Da aber die Leitung der Jeschiwa, wie wir hören, in nächster Zeit einen schon längst fälligen Doppel-Sijum zu begehen beabsichtigt wird in einem größeren Saale wohl allen Freunden der Jeschiwa Gelegenheit gegeben werden, einem schönen Thora-Feste beiwohnen zu können. Schowuaus im Mekor Chajim. Donnerstag abend 10.45 Uhr im Pereinslokal: M-?aet-Lernen (Kostenbeitrag Mk. 1.—). Gäste willkommen. Freitag nachmittag 6.30 Uhr im Hörsaal Friedberger Anlage. „Auf den Feldern vor Bes-Lechem." Herr Redakteur S. Schachnowitz. S ch a b b o s nachmittag 4.15 Uhr im Veremslokal: „Besonderheiten des Schewuaus-Festes." Herr Julius Lewin S ch a b b o s nachmittag 6.30 Uhr im Hörsaal: „Die vier Kelche des Heils." Herr Rabbiner Dr. Jos. Breuer. Keren Hatauroh-Büchsen. Am Sonntag, 12. Juni werden Kinder im Auftrag des hiesigen Keren Hatauroh-Kommissariat Büchsensammlungen vornehmen. Die Kinder sind mit Ausweisen ausgestattet. Der Keren Hatauroh bittet seine Freunde, anläßlich des umm p» p» dem Keren Hatauroh eine Gabe zu spenden. Verlosung des Adar-Preisausschreibens der Palästina- Centrale der Agndas Jisroel. Bei der am Lag b'aumer erfolgten Verlosung des Preisausschreibens der Palästina-Centrale der Agudas Jisroel fiel der 1. Preis, eine Reise nach Erez Jisroül, Herrn Lehrer S. Brückheimer in Marktbreit zu. Die anderen ausgelosten Preise sind den Gewinnern bereits zugestellt worden. Eine Versammlung des Schomre Schabbos-Weltverbandes. Im Konservativ Jüdischen Gemerndeverein fand am 29. Mai eine öffentliche Versammlung statt, in der drei Redner, Gememderabbiner Dr. Hofsmann, Dr. I. Stern, Berlin vom Weltoerband des Schomre Schabbos und R. A. H o r o w i tz über den Sabbath sprachen. Der Besuch war sehr stark. Rabbiner Dr. Hoffmann sagte u. a., es sei schwer in dieser Zeit der Not, für den Sabbath zu werben, aber zugleich auch leichter denn sonst, denn gerade in der heutigen Krisenzeit vermag uns der Sabbath am meisten zu geben. Der Sabbath sei das Fundament des Judentums und Ausgangspunkt für die drei Erundlehren und Pflichtenkategorien miay mm* Der Sabbath sei auch die beste Erziehungsschule für unsere Kinder. Der zweite Redner, Dr. Stern setzte das Programm. die Gegenwartsarbeit und die Zukunftspläne des Schomre Schabbos Weltverbandes auseinander. Er zeigte auch die Bestrebungen und Erfolge des Weltverbandes in den verschiedenen Ländern, besonders in Holland. Unter den wirtschaftlichen Gesichtspunkten behandelte R. A. Horowitz das Sabbathproblem. Eine berufliche Umschichtung der Juden in großem Maße wird für die Dauer unumgänglich sein. Er verspricht sich mancherlei von den neuen Siedlungsversuchen. Die Gewinnung der jungen Generation für Landwirtschaft und Handwerk sei zu erstreben. Wohltätigkeitsveranstaltung zu Gunsten ves jüdischen Erwerbslosenheims. Am Montag, den 13. Juni, 21 Uhr, findet in sämtlichen Räumen und im Garten der Frankfurt-Loge, Eschersheimerlandstraße 27, ein Eefellfchastsabend statt, dessen Reinertrag für das „Tagesheim der erwerbslosen jüdischen Jugend" bestimmt ist. Bei der Veranstaltung wirken bewährte Künstler mit. Das Protektorat über das Fest hat die Jugendkommission der Jsaelitischen Gemeinde übernommen. Karten zum Preise von 1.—, 2.—, 3.—, 5.— Mk. bet Lina Schott, Frankfurt-Loge, Buchhandlung Volksbildungsheim und, soweit noch vorhanden, an der Abendkasse. Gcringshof. Im Anschluß an unseren Artikel über das L e h r - gut E e r i n g s h o f in der illustrierten Beilage der heutigen Nummer, auf den wir auch an dieser Stelle noch einmal Hinweisen, sei für eventuelle Spenden die Postschecknummer 27222 (I. Kaufmann, Frankfurt a. M., Obermainstraße) angegeben. Der alte Iudenfriedhof in Frankfurt Zeuge jüdischen Martyriums. Als Professor Dr. Julius Hülfen im September 1931 gestorben war, beschloß der Vorstand der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt a. M., das Andenken des Gelehrten, eines der besten Kenner der jüdischen Vergangenheit, durch Herausgabe eines seiner Vorträge zu ehren. Die Wahl fiel auf ein Thema, das von Prof. Hülsen mit Vorliebe behandelt worden ist; den alten Frankfurter Judenfriedhof. Der mit 13 Abbildungen versehenen Broschüre ist zu entnehmen: Es gibt nun in Frankfurt ein in seiner räumlichen Ausdehnung nicht zu übersehendes Kultur- und Kunstdenkmal, einzigartig unter seinesgleichen, umwoben von oielhundertjährigen schicksalsreichen Erinnerungen, ausgezeichnet durch die vollendete Harmonie im ganzen und durch künstlerische Einzelheiten — es ist der alte Judenfriedhof am Börneplatz. Hinter der altersgrauen, unscheinbaren Bruchsteinmauer erstreckt sich ein weit -ausgedehntes, hügelig gewelltes Gebiet, auf dem etwa 7000 Grabsteine sich erheben. Sie sind bedeckt mit hebräischen fl Inschriften und geschmückt mit flach gemeißelten Ornamenten. Welche Fülle von geschichtlichen >rrinnerungen, die gleichlaufend sind mit den wechselvollen, oft tief tragischen Schicksalen des benachbarten Alt-Frankfurter Ghettos, haften an dieser Stätte; die vielen Beschränkungen, die der alten Judengasse auferlegt waren, haben auch hier ihren Ausdruck gesunden. Als der Friedhof überall mit Gräbern besetzt war, gab es kein anderes Mittel, als sein Gelände durch Erdaufschüttung künstlich zu erhöhen und in dieser neuen Schicht weiter zu beerdigen, ein Verfahren, das im Laufe der Jahrhunderte mehrmals wiederholt wurde. Die alten Grabsteine der unteren Schichten wurden dabei immer wieder mit in die Höhe genommen, um fernerhin die Namen der früher Bestatteten und die Stelle ihres Grabes mit Sicherheit feststellen zu können, und dieser pietätvolle Brauch hat dem Friedhofe seine heute noch bestehende, unangetastete, einzigartige Signatur verliehen. Alle Steine stehen hinter und nebeneinander dicht gedrängt gemeinsam auf demselben grünen Plan, gleichsam ein ganzer Wald von Steinen mit Dickichten und Lichtungen — ein „Ghetto der Toten". Die ältesten über dem Boden befindlichen Steine stammen nachweislich aus dem Jahre 1272. Damals bestand noch kein Ghetto; in dieses mußten die Frankfurter Juden erst 1462 einziehen. Die älteste Geschichte der Frankfurter Juden ist in Dunkel gehüllt. Sie beginnt dokumentarisch eigentlich erst kurz vor 1241, dem Jahre der ersten Frankfurter Judenschlacht, in der fast alle Einwohner des Judenviertels am Dom, bis auf wenige, die entkamen, den Tod erlitten. Nachweislich wohnten schon im vierten Jahrhundert Juden in Deutschland, und die Gemeinden von Köln, Mainz, Speier, Worms, Würzburg, Regensburg, Erfurt z. B. blicken auf ein hohes Alter zurück. Es find nicht zwingende Gründe, die dagegen sprechen würden, daß auch schon etwa in karolingischer Zeit Juden in Frankfurt ansässig waren, ja daß auch damals schon der alte Friedhof an derselben Stelle in Benutzung stand. Die ältesten Steine aus dieser frühen Zeit würden alsdann in der untersten, jetzt nicht mehr erreichbaren Schicht tief unter dem heutigen Gelände begraben fein. Da dieser Friedhof i. I* 1828 geschlossen wurde, so hat er, wenn man das Datum des ältesten über der Erde stehenden Steins (1272) in Betracht zieht, mindestens 656 Jahre seinem Zwecke gedient. Hundert Jahre nach der ersten Judenmetzelei von 1241 brach i. I. 1349 die zweite furchtbare Katastrophe über die Frankfurter Judenheit herein. Wiederum wurden sie fast alle getötet, und die Erde nahm barmherzig die Erschlagenen auf. Im östlichen Teile liegt der Hügel der Märtyrer, wie er in den späteren Beerdigungsregistern noch genannt wird; dort liegen alle beisammen, die im Laufe der Jahrhunderte für ihren Glauben lieber alle Martern und den Todesstreich erlitten, als durch -eige Fahnenflucht die äußere Freiheit zu erkaufen. Das Studium der Inschriften der Grabsteine stößt auf mancherlei Schwierigkeiten. Da sie in hebräischer Sprache eingemeißelt sind und Abkürzungen enthalten, so wird nur ein gründlicher Kenner der hebräischen Philologie 'ich hier zurechtfinden können. Ein riesiges steinernes Aefchichts- und Schicksalsbuch mit unzähligen inhaltsschweren Seiten. Die Inschriften bergen ein bedeutendes historisches und kulturhistorisches Material, wertvoll für die Geschichte der Frankfurter Juden und auch für die Geschichte der Stadt Frankfurt. Der verewigte Rabbiner Dr. Marcus Horovitz hat vor fünfzig Jahren die ersten Schritte zur Hebung dieser Schätze getan. Das wohlerworbene volle Egientumsrecht der Jüdischen Gemeinde auf den Friedhof wird schon durch eine Urkunde vom 15. Oktober 1316 ausdrücklich beglaubigt. Kriegerische Ereignisse hab?n die Stätte des Friedens nicht verschont. Während der Belagerung Frankfurts i. I. 1552 wurden Geschütze und Mannschaften aus dem Friedhöfe ausgestellt. In der Schreckensnacht vom 22? zum 23. August 1644, flüchteten die durch den Fettmilch'- chen Aufstand ihrer Habe beraubten Juden aus Furcht vor der blinden Wut der von Fettmilch aufgestachelten Volksmenge auf den Friedhof. Alt und Jung, Männer und Frauen, alle waren da im Dunkel der Nacht verämmelt. Sie hatten ihre weißen Sterbekleider angelegt und bereiteten sich an den Gräbern der Vorfahren auf ihr Ende vor, entschlossen, den Tod der Schande vorzuziehen. Verbilligte G e s e 1 l s ch a f t s r e tf c nach InterIaken (Schweiz). Der allgemeine Wunsch nach größtmöglicher Verbilligung der Reise- und Aufenthaltskosten hat nunmehr auch die jüdischen Hotelwirte bewogen, Gesellschaftsreisen zu einem Pauschalpreise zu arrangieren. Als erster veranstaltet der Inhaber des wohlbekannten Hotel de l a P a i x i n Jnterlaken, der auch gleichzeitig Besitzer des Berliner Restaurants „Vienna" ist, eine derartige Reise, die am 3. Juli in Berlin, Königsberg, Hamburg nsw. beginnt. Am 4. Juli treffen sich die aus West- und Mitteldeutschland kommenden Teilnehmer in Frankfurt a. M., von wo aus die Reise gemeinschaftlich zu verbilligten Preisen fortgesetzt wird, Der 12 tägige Aufenthalt in Jnterlaken, volle Pension, Bedienung und Kurtare, kostet nur 108.50 Mk., die verbilligten Reisekosten ab Berlin bei einer Beteiligung von 15 Personen betragen nur 74.50 Mk. (D-Zug 3; Klasse nach Jnterlaken hin und zurück). Eine Wiederholung dieser Gesellschaftsreise zu den gleichen Bedingungen findet am 18. Juli statt. Auskünfte: Restaurant Vienna, Berlin W, Kantstraße 132. m