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Der Israelit · 1932-05-26 · Heft 22 (26.5.1932) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 22 (26.5.1932)
Date
1932-05-26
Page
– (sequence 14)
Language
German
Belongs to
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Seite 14 Nr. 22 Der Israelit 26. Mai 1932 Wir versuchen heute eine methodische Frage, zum Taurohunterricht zu erörtern. Womit soll der Tauroh unterricht beginnen? Doch diese Frage (?) ist längst auch von den Aelteren unter uns — einstimmig beant wartet worden. Die Arbeitsschule hat sich vom Abstra ten losgelöst und spielt dem Kinde die Wirklichkeit in die Arme. Wahrlich, ein verlockender Gedanke. Der Taurohunterricht darf also nicht mit der Genesis, sondern dem Erzählenden beginnen. Das weiß jeder erfahrene jüdische Lehrer — daß man den Schülern zeigt, die Tauroh beginnt init der Abrahamsgeschichte. Doch nein, später sollen sie als gereiftere Menschen das Versäumte nachholen. Einen zweifachen Fehler begeht diese neue Methodik: 1. sie bricht mit dem Traditionellen, 2. sie schwächt die naia«- Die Arbeitsschule darf bei unserer Frage nicht zuwarten, bis wir für metaphysische Dinge zugänglich sind. In unserem Falle verbietet es die Misch noh mana mvrrva ntPi?na pviii px,S dazu bemerken unsere Weisen: ri'Vrria'wnvD ovxoa. Es gibt also für uns keine Altersstufe, auf welcher wir den Schöpfungsbericht er läuternd durchgehen können, unserem Verständnis näher bringen dürfen. Was geschieht also mit den ersten Ka piteln unseres heiligen Vermächtnisses? In unsere Schulzeit hatten wir diese noch zum Teil im ersten bezw zweiten Schuljahr übersetzt (ja du gute Arbeitsschule wir hatten den Inhalt nicht verstanden — und verstehen ihn auch heute noch nicht!) und diese kindlich reine Vor stellung und der überwältigende Eindruck, gerade weil wir dainals den Sinn dieser Kapitel nicht begriffen ruht in uns noch heute, ja ist unauslöschlich. Diese Ab schnitte sprechen von G'ttes Erhabenheit, die ein Sterb licher nicht erfassen kann und darob ohnmächtig vor des Schöpfers Allmacht dahinsinkt. Als ein Buch mit „sieben Siegeln" wollen sie hingenommen sein. So war es, so soll es bleiben. Jedem Vorurteil entgegen hatte ich ein mal mit Dreizehnjährigen ri'irnna übersetzt. Wieviel Zweifel ist da ausgewirbelt worden, Fragen des Be weises, wie dies dem Grübelalter eigen ist. Die ehr furchtsvolle Stimmung und das ausrichtige 'as wird durch derlei Fragen geschwächt, entwürdigt. Hier lernen wir die praktische Seite der erwähnten Chagigoh mischnoh kennen. Versteht etwa das Kleinkind, was Va ter und Mutter bedeutet und dennoch sind dies die ersten Worte, die wir sehnsuchtsvoll van ihm vernehmen wol len. Versuchen wir einmal erst unseren halbwüchsigen Kindern zu erklären: dies ist dein Vater bezw. deine Mutter, ob sie es auch so überzeugend und selbstverständ lich hinnehmen werden wie die Kleinen. Der G'ttesglaub und das G'tteswort sind des Judentums tiefste Wurzeln und müssen quasi mit der Muttermilch eingesogen werden So denkt jüdische Methodik über Kosmogonie. Peffachim Emser Lehrerheim. Im März ds. Js. erging durch die jüdische Lehrer- Presse die Kunde, daß das Lehrerheim in Bad Ems zu Pehach wieder feine Pforten öffne. Sofort erfolgte meine Anmeldung, denn ich glaubte, daß in diesem Jahre noch inehr Gäste anwesend sein würden, als im vorigen. Am Rüsttage des Festes trat ich mit meiner Frau und Tochter die Fahrt nach Ems an und traf schon auf dem hiesigen Bahnhofe bekannte Reisegefährten, die auch zum zweiten Male nach dem Erholungsheim fahren wollten. Am Bahnhofe in Ems empfing uns das Hausfaktotum, um unser Gepäck ins Heim zu bringen. Gemeinsam gingen wir den bekannten Weg zur Stadt . Bon weitem sah man alsbald das schöne Heim, in welchem wir von der Verwalterin, Frl. Hamburger, herzlich begrüßt wurden. Alsbald wurden wir in den schon festlich geschmückten Speisesaal geleitet, wo uns frischer Kaffee und Festkuchen erquickte. Alte Bekannte und neue Insassen baten un den freundlichen Willkommengruh und bald war man eine gemeinsame Familie. In dem zugewiesenen Zimmer, in welchem man sein Gepäck schon vorfand, rüstete man sich alsdann zum Feste und in der schräg gegenüberliegenden Synagoge fand dann Der Festg'ltesdienst statt. Hieraus versammelten sich alle zum Seder. 21 Gäste nahmen daran teil. Der Vorsitzende des Heimes, Herr I. B. Levy, Frankfurt a. M., gab den Seder und trug die Gesänge sehr harmonisch vor. Das Festmahl war des Tages würdig und fand bei allen Anwesenden Wohlgefallen. Bis zum Schluß, herrschte die beste Festesstimmung und wurde auch nicht durch die leiseste Meinungsverschiedenheit getrübt. So verlief auch der zweite Sederabend und die Festtage, die - vom schönsten Wetter begünstigt waren. Schon an den Vormittagen und nach genossener Mittagsruhe machten alle Insassen Spaziergänge in die schöne Umgebung von Ems. Nach dem Abendbrote saß man in dem behaglich eingerichteten Gesellschaftsraum und lauschte den Darbietungen des Lautsprechers. Am 24. April, dem Tage der preußischen Landtagswahlen, wurden die musikalischen Darbietungen unterbrochen von den eingetroffenen Wahlergebnissen. Andere wieder, die sich zu einem gemütlichen Skatspiel vereint hatten, ließen sich die Freude an einem Grand mit Vieren durch die trübste Wahlkunde nicht verderben. Oftmals trug Herr Levy auf unser Bitten Schubert'sche Lieder vor oder andere erzählten heitere Erlebnisse und gaben saftige Witze zum Besten. Der Raum dröhnte oftmals vom ausbrechenden Gelächter der aufmerksam Lauschenden. So gestaltete sich der Aufenthalt im Heim von früh bis zur spätesten Abendstunde zum Wohlbehagen aller Gäste. Das Heimgeböude, an der Hauptstraße Ems gelegen geziert von mehreren Balkons, macht außen und innen den besten Eindruck. Unten der Speisesaal und daneben der herrliche Aufenthaltsraum. Ausgestattet ist dieser mit bequemem Polstermöbel, Schreibtisch, Bücherschrank init allerlei Lesestoff, Klavier, Lautsprecher des Radio und an der Wand eine große Stiftungstafel. Von diesem Raum gelangt man in die nach dem Garten sich anschließende Veranda, die mit bequemen Sitzgegenständen und Liegestühlen ausgestattet ist. In den oberen drei Stockwerken sind die aufs beste eingerichteten Schlafräume der Gäste. Jedes Zimmer ist aufs sauberste mit schönstem Möbel und Betten ausgestattet und mit fließendem (kalt und warm) Wasser eingerichtet. Auf jeder Etage befindet sich ein schöner Baderaum. Im besten Hotel kann man keine schöneren Räume finden. Das Städtchen Ems wird von der Lahn durchflossen, über welche drei Brücken führen. An beiden Ufern (südlich Taunus und nördlich Westerwald) erheben sich bewaldete Anhöhen, zu welchen bequeme Spazierwege hinaufführen. Zu dem Maiberge steigt eine Kettenbahn, welche die Badegäste auf bequeme Weise hinaufbefördert. Auf den Anhöhen befinden sich Gasthöfe, worin man sich ausruhen und erquicken kann. Die berühmten Heilquellen Ems locken Hals- und Drustleidende aus allen Weltgegenden herbei und Lehrer und Kantoren können hier ihre angegriffenen Sprachorgane ausheilen. Nachdem die Vorzüge des Ortes und unseres Heimes geschildert sind, möchte ich alle Kollegen von nah und fern, alt und jung, auffordern, recht bald und zahlreich das Heim aufzusuchen und eine gewisse Zeit darin zu verweilen. Nur dann, wenn mindestens 10—20 Gäste ständig anwesend sind, kann das schöne Heim erhalten werden. Noch bester. wäre es, wenn der erste Stock des Hauses von älteren Dauergästen besetzt wäre. Ein Altersheim soll das Heim auch sein nnd schöner können alte Kollegen ihren Lebensabend nicht verbringen. Zögert nicht und kommet ins Heim! I. Speyer. Bücherbesprechungen. min it mi» von M a n d e l b a u m -M e y e r - R o t hs ch i l d , 2. Teil. (3. Teil der Fibel.) Man darf den Verfassern von Herzen gratulieren, daß ie trotz der Ungunst der Zeltverhältnisse Mut und Kraft gefunden haben, ihr groß angelegtes Werk zu vollenden. Haben die Fibel: nn?a?i mix und der erste Teil van nun n nnxschon viele Freunde gefunden, — dieser zweite Teil von mm n mm> also der dritte Teil des hebräichen Unterrichtswerkes, wird die Freunde und Benützer desselben noch stark vermehren. Ohne Uebertreibung kann der nun vorliegende letzte Teil als nach jeder Richtung wohlgelungen bezeichnet werden. Grundlage und Konzentrationskern des Hauptteils ist der Thora-Text der Josephsgeschichte. Ein geschickter Wechsel der didaktischen Formen erleichtert es dem Lehrer, die Lust der Kinder beim Arbeiten immer aufs neue zu wecken. Nicht immer wird der Stoff an der gegebenen Erzählung erarbeitet, sondern bald. wird er durch Fragen herausgeholt, bald in dramatischer Dartellung vorgesührt, in Gespräch und Spiel gestaltet. Dauit sind dauernd lebensvolle Sprachfarmübungen verbunden, die sich vollkonnnen organisch eingliedern, so daß sie ganz als dazu gehörig empfunden werden. Dadurch wird es erreicht, daß die Uebungen zugleich der Einprägung der Worte und des Stoffes der Erzählung und der formalen und materialen sprachlichen Schulung dienen. Mit diesem Buche erfolgt der Uebergang von der Fibel zum Pentateuch so geschickt, daß die Kinder ihn ohne jede Hemmung vollziehen. Wie der Pentateuchunterricht nach dieser ' dritten Fibel durchzuführen ist, dafür stellt das Merkchen selbst ein ausgezeichnetes Muster dar. Neben der Vorbereitung auf die Sprache des Pentateuchs stellt sich das Buch mit Arbeitsstoffen zu den Festen des Jahres auch in den Dienst dos allgemeinen Religionsunterrichts. Besonders sympathisch berührt mich die Form jener Abschnitte, die in Sprache und Darstellung an den Schulchan Aruch erinnern. Man sieht wohl, daß die Verfasser damit rechnen, daß die Schüler in den Oberklassen sich selbständig im über die D’an orientieren werden. Ich zweifle nicht, daß solcher Unterricht, wie ihn diese Fibeln begründen, zu diesem Ziele führen wird. — Außerdem bringt die dritte Fibel noch hebräische Liedchen, Rätsel, Spielverse und schließlich gar ein ganzes Theaterstück, die dazu geschaffen sind, dem hebräischen Unterricht noch besonderen Auftrieb zu verleihen. Etwas werden manche Kollegen vermissen: Texte und Uebungen, die der Vorbereitung für den Tefilla-Unterricht dienen könnten. Gewiß ist hier der Uebergang — aus stofflichen und sprachlichen Gründen — viel schwieriger, aber trotzdeni hätte man m. E. diesen Zweig des hebräischen Unterrichts berücksichtigen sollen, wenn auch hier schwerlich eine solch vollkommene Form hätte gelinden werden können wie für die Einführung in den Ventateuch. Es ist keine Frage, daß alle Kollegen, welche die ersten beiden Teile des Mandelbaum-Meyer-Rothfchild'- schen Werkes verwendet haben, mit diesem Buche weiter arbeiten werden. Aber es kann auch ohne Schwierigkeit in Klassen verwendet werden, die die ersten beiden Teile nicht durchgearbeitet haben. Ja, es ist sogar möglich (vom 3./4. Schuljahr ab) nach kurzer Einführung an Hand dieses Lehrbuches den Uebergang zum Arbeitsunterricht in den hebräischen Fächern mit Kindern, die bisher anders unterrichtet wurden, zu vollziehen. Eine Fortsetzung des Werkes für die weiteren Klassen, wie es von einer Seite angeregt wird, dürfte sich m. E. erübrigen. Denn jetzt treten Pentateuch und Gebetbuch als Stoffquellen in den Mittelpunkt des Unterrichts. Es ist Aufgabe des Lehrers, die Stoffe in passender Aufeinanderfolge auszuwählen, sprachlich vorzubereiten und die Durcharbeitung auszugestalten. — Was noch zu wünschen übrig bleibt, ist ein möglichst reichhaltiges Lesebuch, das Stoffe bringt, die sich wesentlich innerhalb der Sprache von Pentateuch und Gebetbuch bewegen und welche als Lektüre, als Unterlage für Gesprächs und Sprachfarmübungen und auch als Konzentrationsstoffe für den allgemeinen Religionsunterricht dienen können. — Es fragt sich sogar, ob die Verfasser in günstigeren Zeiten nicht die vorliegende dritte Fibel schon mehr auf ein Lesebuch für diese Stufe erweitern sollten: auf ein Lesebuch, das eine Anzahl gleichwertiger Stoffe dem Lehrer zur Auswahl überläßt, von denen einige dann den Mittelpunkt des Unterrichts bilden, während die anderen den Schülern zur freien Bearbeitung verbleiben. Freilich, wenn ich den Preis errechne, auf den sich dann das Buch stellen würde, muh ich erklären, daß ich heute die jetzige Form vorziehe, die es allen jüdischen Kindern in allen Schulen ermöglicht, die ersten Schritte in den Pentateuch so leicht und sicher zu setzen. I. B. Hirnheimer, Würzburg^' Nachschrift der S ch r i f t l e i t u n g : Außer obigen Ausführungen des Koll. Hirnheimer-Würzburg ist uns noch eine weitere Zuschrift zugegangen, welche besonders den erzieherischen Wert des der Hand des Herrn K. Rothschild entstammenden Buchschmuckes von n mix mm zu würdigen sucht. Wir entnehmen daraus: 1. Die hebräische Schrift, weiß auf schwarzem Grunde, wirkt ornamental und feierlich. 2. Die ■ Buchstabenformen sind auf allereinfachste Formen gebracht. 3. Diese einfachen Forinen wirken monumental und geben daher zu jedem Bild eine geeignete Plattform. 4. Es ist der Versuch unternoinmen, hebräische Schriftzeichen mit dem Bilde in einen organischen Zusammenhang zu bringen. 5. Die Verfasser haben den Versuch gewagt, um den Kindern die Schönheit ganz einfacher Schriftzeichen vorzuführen; auf diese Weise ist der Weg gezeigt, das Kind zur weiteren Pflege der Schrift anzuregen. Es ist uns außerdem die 5. Auflage der Fibel rhin nnazn seitens der Verlagsbuchhandlung zugestellt worden. Eine besondere Besprechung dürfte sich erübrigen. Größere Teile der Fibel sind geändert worden. Die Verfasser liehen sich dabei von Winken und Stimmen der Kritik leiten, die ihnen von Kollegen aus der Unterrichtspraxis heraus gegeben wurden. Ein Büchlein, das kaum sechs Jahre nach seinem ersten Erscheinen eine 5. Auflage erlebt, hat den Beweis geliefert, daß es bei Lehrer und Kind zu einem Voten von nirnvi nnix geworden ist. An der Grenze, kulturgeschichtliche Erzählung von Gustav Engel Verlag, Leipzig. Ein Buch, das sich schön liest, über dessen Güte zur Festigung religiösen Wollens für eine ringende jüdische Jugend man allerdings geteilter Meinung sein kann. Es behandelt das, feit Scholaum Alechem literarisch nicht mehr neue Motiv, des Bochurs aus dem Osten, der, mit dem Ueberschreiten der räumlichen Grenze seines Landes, auch zugleich die geistige Grenze jener vier Ellen der Halacha überschreitet. Etwas unklar ist das Charakterbild des Melained Daniel. - Daß aus diesem, vom jüdischen Arzt so von oben herab behandelten Chederlehrer, der sem. geschulte Lehrer wird, der allein dem strebenden Jüngling Freund und Berater sein kann, hätte man nicht vorausgesehen. In der Note zu S. 38 muß es Prophetenabschnitt statt Thoraabschnitt heißen. Viele werden das Buch sicher mit großem Interesse lesen, mancher vielleicht auch aus dem Kampf der Kulturen den begehrten Sieg religiöser Lebensformung davontragen, der die Kinder von den Vätern durch keine Grenzen trennt. Dr. S. Verein Zeschuruu. Ich habe den Vorsitz im Jeschurun niedergelegt. Herr S ch u st e r - Großkrotzenburg führt die Geschäfte des Vereins einstweilen i. V. bis zur nächsten General-Versammlung. S. Oppenheim, Rhina. Briefkasten. Herrn Lehrer Sch. in Fl. Ihre Arbeit kam in unsre Hände, als die Mainummer bereits gesetzt war. Sie wird also erst im kommenden Monat erscheinen können.

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