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Der Israelit · 1932-05-26 · Heft 22 (26.5.1932) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 22 (26.5.1932)
Date
1932-05-26
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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26. Mai 1932 Der Israelis Nr. 22 Seite. 7 des Kehillorates, Jacob T r o ck e n h e i m, hat bis jetzt zu keinem Resultate geführt. Die Sache harrt noch der Erledigung. * * Die katastrophale wirtschaftliche Lage, die besonders schwer das jüdische Hilfswerk in Polen trifft, führt dazu, daß die 9 0 00 W a i s e n k i n d e r, die in über 100 Anstalten untergebracht sind, dem Verhungern ausgesetzt sind. Der „Verband für die Waisenfürsorge" hat eine große Aktion unter dem Titel „Eine Woche des jüdischen Waisenkindes" eingeleitet. Es ist fraglich, ob damit durchgreifende Hilfe geschaffen werden kann. England» Die neue Schlachtbill in Irland wird Gesetz. Belfast, 18. Mai. Der Senat des Freistaates Irland hat die vom irischen Parlament bereits angenommene Bill betreffend humanes Schlachten von Tieren angenommen; dadurch ist die Bill zum Gesetz geworden. Das neue Schlachtgesetz, welches ein betäubungsloses Schlachten verbietet, macht ausdrücklich eine Ausnahme für das jüdische rituelle Schächten, welches nach wie vor ohne Betäubung erlaubt ist. Der Senat nahm einen Zusatzantrag zu der vom Parlament beschlossenen Bill an, demgemäß das Schächten nur durch solche Schochtim vorgenommen werden darf, die hierzu eine Autorisation vom britischen Oberrabbiner haben. Eine vom Ortsrabbiner erteilte Schächtlizenz hat nach dem Gesetz keine Gültigkeit. PalSsUna. Offizieller Schluß der Levante-Messe. Tel-Awiw, 10. Mai. Am Montag, den 9. Mai, wurde die Levante-Messe in Tel-Awiw offiziell für beendet erklärt. Dies geschah in einer im Hauptgebäude der Messe abgehaltenen grandiosen Feier, der die Beamten der Negierung, die Konsulen der auswärtigen Mächte und ein tausendköpfiges Publikum beiwohnten. Hauptredner waren der Bürgermeister von Tel-Awiw, Mayer Dizengoff und der Chefsekretär der Regierung und stellv. High Commisfioner Young. Bürgermeister Dizengoff teilte mit, daß die Messe von etwa 300.000 Personen besucht worden ist und daß die auf der Messe abgeschlossenen Transaktionen eine Summe von 175.000 Pfund betreffen. Palästina hat bei Gelegenheit der Messe mit den entferntesten Ländern Handelsbeziehungen angeknüpft. Chefsekretär Poung führte aus, die Levante-Messe war ein glänzender Erfolg gewesen, der Pavillon der Palästina-Industrie habe sich außerordentlich eindrucksvoll präsentiert. Er, Poung, selbst sei durch die Mannigfaltigkeit der ausgestellten lokalen Produkte sehr überrascht gewesen. Aoung dankte den Regierungen der an der Messe beteiligt gewesenen Länder für ihr Interesse an der palästinensischen Wirtschaft und sprach die Hoffunng aus, daß diese, sowie andere Länder,- durch die Erfahrungen aus der diesjährigen Levante-Mesfe bereichert, auf der nächsten Messe mehr ausstellen werden. Auch in petach Tikwah! . . . Jerusalem, 15. Mai. Daß es auch in der alten frommen Kolonie Petach Tikwah zu einer so krassen Sabbatentweihung kommen konnte, ist die traurige Ueberraschung der letzten Tage. Der Fußballmatch war am Sabbat von einer englischen Gruppe zusammen mit dem jüdischen „Hapoel" von Haifa auf dem Spielplatz von P. T. angesetzt. Tausende kamen von auswärts im Auto angefahren, und die Autos, wie um die Orthodoxie zu verhöhnen, kreisten mit Vorliebe um die Synagoge herum. Das rief natürlich den Protest der Betergemeinde hervor. Es wurden Versammlungen und Beratungen in allen Synagogen abgehalten. Der Verwaltungsrat der Kolonie rührte aber keinen Finger, diesen Skandal zu verhindern. Er sah eher seine Aufgabe darin, die Sabbatschänder des Makkabi zu begrüßen. Auf eine vorangeganene Intervention der Orthodoxie beim Hochkommissar, erhielt der Ortsrabbiner von Petach Tikwah ein Schreiben, das höchst deprimierend wirkt. Es heißt darin u. a.: Der Hochkommissar bedauere, daß das Spiel am Sabbat die Gefühle der religiösen Juden verletzt. Er habe noch nie vernommen, daß die offiziellen Kreise von P. T. im Spiele am Sabbat eine Beleidigung der Religion gesehen hätten . . . Er könne im letzten Augenblick, nachdem die Karten schon verkauft sind, die Veranstaltung nicht rückständig machen. Er, der Hochkommissar, selbst würde dem Spiele nicht beiwohnen. wirtschaftliche Möglichkeiten in Crez Jisroel. Jerusalem, 22. Mai. In einem Referate vor polnischen Touristen erörterte Herr Färb stein eine ganze Reihe von industriellen Möglichkeiten, die heute noch in Erez Jisroel auf ihre Unternehmer warten. Die Möbelindustrie entwickell sich in Palästina sehr günstig, dank den vielen Eukalyptusbäumen, die ein billiges und höchst geeignetes Material für die Herstellung von Hausrat abgeben. Die Gerberei eröffnet größere Perspektiven, ebenso die Lederbranche, da die Ausbeutung der heimischen Felle noch nicht erschöpft, ist. Wenig beachtet,und ausgebeutet wurden bis jetzt die Perlmutterschätze am Strand. Die S e i d e n i n d u st r i e, für die in Palästina ein guter Boden ist, ist bis jetzt wenig entwickelt. Marmor, sowie alle Arten von Steinen, die in ihrer Qualität denen in Italien und Deutschland nicht zurückstehen, harern der Bearbeitung. Ein Bedürfnis für das Land, in das jährlich für 700.000 Pfund Glaswaren eingeführt werden, wäre die Errichtung von Glashütten. Für Frucht- und Fischkonserven bieten sich weitgehende Möglichkeiten. Der Reichtum -an O e l, das mit seiner Qualität alle Märkte schlagen könnte, ist bei weitem nicht ausgebeutet. Die Kreideberge ergeben Material für die Gewinnung von Erdfarben. Die Regierung unterstützt alle derartigen Unternehmen in weitgehendster Weise. Wie ferner Farbstein mitteilte, verhandelte er mit dem Direktor des Departements für Steuern und Handel der Palästinaregierung, Stead, über eine steuerliche Entlastung einer Anzahl wichtiger Palästina- Industrien. Wenn die gegenwärtige Steuerpolitik fortgeführt wird, führte Herr Farbstein ins Treffen, werden die lokalen Produzenten allmählich ihre Betriebe stillegen müssen, da sie den Kampf mit der ausländischen Konkurrenz nicht werden bestehen können. Herr Stead versprach, alles Mögliche zu tun, um die durch ausländische Konkurrenz bedrohten Industrien zu retten und ihnen den Kampf gegen die Import-Konkurrenz zu erleichtern. Amerika. Die erste große Jeschiwoh in Südamerika. Rio de Janeiro, 23. Mai. In Rio de Janeiro konnte in den letzten Wochen nach Ueberwindung mannigfacher Schwierigkeiten eine Jeschiwoh großen Stiles ihrer Bestimmung übergeben werden. Zum Führer der Jeschiwoh wurde Rabbiner Gurwitsch aus Grodno berufen. Die Jeschiwohleitung hat sich an die Keren Hathora-Zentrale mit der Bitte um Zurverfügungstellung von Lehrbüchern gewandt, da in Südamerika großer Mangel an Lehrbüchern, besonders an talmudischen Büchern, herrscht. Die Keren Hathora-Zentrale hat die Einrichtung der Jeschiwoh-Bibliothek übernommen; der erste Büchertransport wurde von ihr bereits auf den Weg gebracht; eine Aktion zur Aufbringung von weiteren Bücherspenden ist eingeleitet. Personalien. Rabbi Nathan Grünewald Luzern, 24. Ttal Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die schmerzliche Kunde am letzten Sonntag: Rabbi Nathan Grünew a l d ist nicht mehr! Und tiefe Trauer bemächtigte sich der großen Schar seiner Schüler, Freunde und Bekannten. Denn wahrlich, was er seinen Talmidim war als meisterhafter Lehrer, welche Wirkung insbesondere sein Leben und Beispiel ausübte und mit welcher Liebe die Schüler an ihm hingen, läßt sich kaum in Worte fassen. Es zeigte sich dies in rührender Weife bei der Bis zum Jüngsten herab, drängten sie sich alle heran, ihrem geliebten Rebben die letzte Ehre zu erweisen. Nicht schonend seine Gesundheit, stellte er seine Kraft in den Dienst dieser heiligen priesterlichen Aufgabe, m.i ja ivvs, „Nosson", ein Gebender war er, inn imgegeben und wieder gegeben, gelehrt und nochmals gelehrt hat er, vollen Herzens und mit freudiger Hingabe. Welche Güte, Ruhe, tiefe und wahre Frömmigkeit strahlte feine Person aus, so daß auch der einfache Mann suggestiv die Harmonie seines Wesens empfand. Gäste, die zu ihm kamen, in seiner alten und neuen Heimat, fühlte sich geborgen wie zu Hause. In zahlreichen Hespedim versuchten die Herren Rabbiner Brom, G r ü n w a l d und K o r n f e i n, sowie David G r ü n - wald, einer seiner Enkel, und Herr Dr. Guggenheim, als Schüler einige markante Züge seines Wesens zu würdigen. Ein vollständiges Bild seiner Persönlichkeit zu zeichnen, reichte das schwache menschliche Wort nicht aus. Zerrissenen Herzens trauert seine ihm ebenbürtige Gattin, die in 53jähriger harmonischer Ehe Freud und Leid mit ihm geteilt, um den zärtlichsten Gatten, es klagen die Kinder und Schwiegerkinder um den aufopferndsten Vater, es weinen die Enkel und Enkelin um den besten Großvater und vielgeliebten Rebben. Die Schweizer Judenheit und Klall Jisroel verliert in ihm einen der feurigsten und mutigsten Verfechter der höchsten jüdischen Werte. Sein Geist möge unversiegbar in seinen Talmidim weiterleben. S. G. Die Woche. Von der Jüdischen Frauenvereinigung und dem Henriette Besthoss-Hort für jüdische Mädchen. Das zu frühe Hinscheiden der verdienstvollen Vorsitzenden der beiden Institutionen, Frau Henriette Besthoff n'V, zwang die Vorstände, dieses Amt neu zu besetzen. Die außerordentliche Arbeitskraft und die Fülle an freier Zeit befähigte Frau Besthoff, in mustergültiger Weise beiden Einrichtungen vorzustehen. Die Vorstände sehen aber ein, daß, sollten beide Vereine auf ihrer erreichten Höhe bleiben, eine Arbeitsteilung vorgenommen werden mußte. Die bisherige zweite Vorsitzende der Frauen-Vereinigung, Frau Paula N u ß b a u m , entschloß sich, das arbeitsreiche Amt der ersten Vorsitzenden anzunehmen, während zur Vorsitzenden des Henriette Vefthoff-Horts Frau Paula Breuer-Best hoff, die Tochter der Dahingegangenen, einstimmig gewählt wurde. Frau Paula Breuer hat die Wahl angenommen, und der Vorstand hegt die feste Ueberzeugung, daß sie das teure Erbe der Mutter n*y. treulich verwalten wird. Frau Paula Breuer hat in der Hoffnung, daß die bewährten Mitarbeiterinnen ihrer Mutter auch ihr tatkräftia zur Seite stehen, sofort die Arbeit ausgenommen, die nötig ist, um den Hortkindern wieder die Ferien im schönen Tivoli-Garten zu ermöglichen. Mehr als 100 Kinder sollen wieder die großen Ferien in dem am Walde gelegenen großen Garten in frischer Luft bei guter Verpflegung verbringen. Bei Regenwetter steht eine gedeckte Halle zum Essen und Spielen zur Verfügung, zum Mittagsschlaf hat jedes Kind einen Liegestuhl. In jedem Jahre hatten wir bisher vorzügliche Erfolge an Gewichtszunahme der Kinder aufzuweisen. Wir appellieren auch dieses Jahr an unsere Freunde und Gönner, uns in unseren Bemühungen zu unterstützen, diesen Kindern, die zuhause so wenig Licht und Luft haben, eine Ferienerholung zu geben. Wir bitten Sie innigst, helfen Sie uns durch reichliche Spenden auf das Postscheckkonto Nr. 6645, Henriette Besthoff-Hort für jüdische Mädchen, das Liebeswerk von Frau Henriette Beschoss rry/ fortzufetzen. Agudas Jisroel-Jugendgruppe <E. V. Wie alljährlich findet auch in diesem Jahre im Heim nur für Mitglieder der Iugendgruppe und die Teilnehmer der Arbeitsgemeinschaften ein Schowuauslernen statt. Zeit: 23.30 Uhr. Beitrag: 60 Pfg. Am Dienstag, den 31. Mai, 20.30 Uhr pünktlich beginnt im Heim unter Leitung des Herrn Lehrer S. Adler ein Stenographiekurs für Anfänger (kostenlos) statt. Teilnehmer melden sich am ersten Abend an. Agudisiische Schülergemeinschaft. Der nächste Ausspracheabend findet am Schabbos, den 28. Mai, 17.30 Uhr, im Heim (Schwanenstr. 12) statt. Einleitend spricht Herr Julius Ehrentreu über „Die Bedeutung des alten Jischuw in Erez Jisroel". Mädchenklub. . Der Mädchenklub veranstaltete unter der - bewährten Leitung von Frau Lotte Stern-Marcusy eine Gymnastik-Vorführung, Schule Loheland. Vorher gab Frau Stern-Marcusy eine kurze Einführung, in der sie über die vielseitigen Aufgaben des Gymnastik-Unterrichts sprach. — Für die jungen Menschen, die durch einseiiigs Berufsarbeit den Mangel an nötigstem Lebensraum besonders spüren und deren Nerven überreizt sind, ist diese Art Gymnastik ein gesunder Ausgleich und erfaßt den Menschen nicht nur in seinen vitalen, sondern auch in seinen geistigen Kräften. Die Vorführungen als solche, die Leichtigkeit der Bewegung, die Anmut des Zusammenspiels fanden großen

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