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Der Israelit · 1932-05-12 · Heft 20 (12.5.1932) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 20 (12.5.1932)
Date
1932-05-12
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
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12. Mar 1932 Der Israelit Nr. 20 Seite 11 ich unter mir auf einmal drei mächtige, aus den Felsen ausgehauene Wasserbecken, von denen immer eines einige Meter tiefer lag als das andere. Das waren also die berühmten „Teiche Salomos", von denen man mir schon viel erzählt hatte. Du weißt doch, daß der kluge König Salomo, einer der wenigen Menschen, die unsere Sprache verstanden, sich einst Teiche und Lustgärten machen ließ! Diese Teiche wurden so wunderbar und kunstvoll angelegt, daß sie dauernd von Quellen gespeist wurden und von dort aus wurde dann das Wasser bis nach Jerusalem geleitet. Und noch heute werden diese Quellen in den Kanal der Jerusalemer Wasserleitung geführt. Im untersten der drei Teiche ist noch immer Wasser und ich hätte gerne davon getrunken, wenn man mich nicht vor den Wasserschlangen gewarnt hätte, die darinnen leben. So schaute ich nur ein klein wenig in die dunkle Höhle hinein, die sich unter dem letzten Teich befindet — und flog dann wieder weiter, Jerusalem zu. Unter mir lag die große alte Straße, die durch die Berge Judäus nach Norden führt, die Straße, auf der schon Jakob seinen Weg nach Beer Schema gezogen war. Und nun sah ich auch schon unter, mir die Stätte, an der aus dieser Reise Jakob seine schöne junge Frau begraben mußte. Der kleine Kuppelbau lag im Glanze der Sonne so friedlich da unten, aber es tat einem doch weh, daß die arme Rachel nicht auch mit ihrem Manne in der Höhle Machpela schlafen durfte. — Ich hielt mich nicht auf bei dem schönen Grabmal, denn ich wollte doch nun so schnell wie möglich Jerusalem erreichen. Ich flog eilends in der Richtung weiter und bald sah ich denn auch Jerusalem, mit seinen vielen Kuppeln und Türmen.' Ich suchte einen Baum, um mich dort auszuruhen» aber Bäume schien es nicht viele dort zu geben; so flog ich auf einen Turm, um Ausschau zu halten. Aus dem Turme fand ich auch schon sofort Gesellschaft. Eine ganze Raben-Familie hauste hier und erzählte mir bereitwillig alles, was ich wissen wollte. Der Turm, auf dem ich mich befand, hieß „Davidsturm", aber aus der Zeit des Königs David stammte er doch nicht, erzählten sie. Aber sehr alt sei er doch und zum mindesten die Steine, aus denen er besteht, stammen aus der Zeit des Herodes. Die umgebenden Mauern freilich sind erst im 14. Jahrhundert errichtet worden. Von diesem Turme aus sah ich so schrecklich viel Interessantes, daß es schwer ist, alles zu beschreiben. Vor mir war das mächtige Jaffator und dahinter die breite Jaffastraße mit ihren vielen, vielen Menschen und Wagen und Autos und Eseln und Kamelen, und im Hintergrund die ganze neue Stadt mit ihren sauberen Häusern. Rechts von mir aber gings in die dunkeln Gäßchen der Altstadt mit ihren Mauern, Höfen, überbauten Basaren, zwischen denen man kaum einen Schimmer entdecken konnte und dahinter sah ich die vielen Kuppeln der alten Stadt bis weit hinaus zum Oelberge hin.' Zu meinen Füßen lag geheimnisvoll versteckt zwischen den Mauern der uralte Teich des Hiskia, den dieser anlegen ließ, wie es in den Büchern der Könige zu lesen ist. Kannst du dir einen Begriff machen von dem, was ich da alles gesehen habe?" „Ach," sagte das Rotschwänzchen, „es ist mir ganz schwindlig geworden bei deiner Beschreibung! Wie du dir das aber auch alles gemerkt hast!" „Ja," sagte Zippora, „ich erzählte dir ja schon, daß die Luft des Landes einem klüger machen kann. Und außerdem war das alles so interessant und so großartig, daß man es schon sein Leben lang nicht vergißt. Am liebsten wäre ich die ganze Zeit in Jerusalem geblieben, aber das konnte ich doch nicht. Weißt du, warum nicht? Weil es abends so bitter kalt wurde! Ich war doch schließlich so weit von zu Hause weggeflogen, um es recht warm zu haben und nun fror ich an diesem ersten Abend in Jerusalem so schrecklich, daß ich glaubte, ich würde krank davon werden!" „Aber woher kam denn das? Ich dachte doch, Palästina hätte Tropenklima!" „Nein, mein Freundchen, das hat es nicht, das Land gehört noch zur subtropischen Zone und nur an den tieferliegenden Orten ist es tropisch heiß. Die Stadt Jerusalem aber liegt doch 780 Meter hoch, mitten in den Bergen, da wird es am Abend ganz empfindlich kühl. Sogar Schnee hat es schon manchmal in Jerusalem gegeben! Trotz der Kälte wäre ich aber noch ein paar Tage in dieser herrlichen Stadt geblieben — am Tage war es natürlich wunderschön warm — aber in dieser Nacht, nein, das war schrecklich! Als es dunkel wurde, kroch ich in eines der alten Gemäuer, deren es dort so viele gibt und war auch bald eingeschlafen. Da erwachte ich von einem lauten „Miau" ganz in meiner Nähe, dem bald noch eines und noch eines folgte. Es war eine ganz furchtbare Katzenmusik! So viele Katzen hatte ich noch nie gehört und ich getraute mich überhaupt nicht mehr einzuschlafen. Am nächsten Morgen sagten mir die anderen Vögel, daran feien sie schon gewöhnt, daß es so viele Hatzen in Jerusalem gibt und so schlimm sei das doch nicht, aber ich wollte doch lieber wo anders hinfliegen. Natürlich sah ich mir noch den Tempelplatz an und mußte gleich an die Geschichte von König Salomo und dem Felde der beiden Brüder denken. Die kennst du doch sicher?" „Du meinst die Sage, wie Salomo von dem Vogel auf den Platz geführt wurde, wo sich die Leiden Brüder mit ihren Geheimbündeln trafen? Ja, die kenne ich natürlich." „Na, siehst du, Liesen.geheiligten Platz, auf dem der erste und auch der zweite Tempel standen, mußte ich mir noch ansehen. Die Juden betreten diesen Ort nicht, weil sie ja nicht wissen können, wo das Allerheiligste lag, das zu betreten ihnen verboten war — aber ich konnte mir in Ruhe dort alles betrachten. Der Tempelplatz erstreckt sich fast über den ganzen Berg Moriah und eine Reihe von Moscheen erheben sich dort. Die mächtigste unter ihnen ist die Omarmoschee, in deren Mitte sich der riesige heilige Felsen befindet. Dieser Fels ist es, auf dem Jakob auf seiner Reise in der Nacht geruht haben soll und auf diesem Felsen wurde dann der Tempel errichtet. Aus diesem Stein soll die Bundeslade geruht haben, das ist doch wohl der heiligste Felsen der Erde! „O," machte das Rotschwänzchen, „was hast du alles Wunderbares gesehen! Ich könnte dich fast beneiden darum. Du bliebst also noch den ganzen Tag über in Jerusalem?" „Ja, ich flog noch über die ganze Stadt, sah mir die alte Mauer noch genau an, die so breit ist, daß auf ihr auch die Menschen gehen können, und vor allem auch die vielen Tore der Stadt, von denen mir das Damaskustor am besten gefiel. Dann betrachtete ich mir noch den Oelberg und Absaloms Grab und dann verlieh ich wehmütigen Herzens Jerusalem, um nach Norden, zu dem Kinerethsee weiter zu fliegen. Davon erzähle ich aber dann morgen, wenn. es dir recht ist. Denn jetzt muß ich unbedingt zu meinem Manne nach Hause!" (Schluß folgt.) Die Reise des R. Obadja di Bertinora. Ihr hört eben so viel von Palästina und lest Reiseberichte von Leuten, die jetzt in Erez Israel gewesen sind, da will ich Euch auch einmal zur Abwechslung etwas aus dem Brief eines Mannes zu lesen geben, der im Jahre 1487 nach Palästina fuhr, R. Obadja aus Bertinoro. Kommt Euch der Name Bertinoro nicht bekannt vor? Gelt, das klingt so ähnlich wie Bartenure, wie der Kommentar zur Mischna heißt! Und? Das ist ja auch das gleiche Wort, das sind ja die Erklärungen des Rabbenu Obadja. Sie heißen so nach seinem Heimatsort, einem kleinen italienischen Städtchen, in dem R. Obadja Rabbiner war. Aber eines Tages ergriff ihn die Sehnsucht nach Erez Israel mit großer Macht und er faßte den Entschluß, nach Palästina auszuwandern. Er fährt zuerst nach Rom und Neapel und dann nach Palermo, wo er sich einige Zeit aufhält. Am ri’wx-a naw ’xxia chifft er sich in Palermo ein und kommt nach einer langen Reise über Cypern und Rhodos/ wo er auch einige Wochen verweilt, gegen Ende des Monats Terves in Alexandrien an. Er erzählt in seinem Brief an seinen Vater sehr viel Interessantes von dem, was er dort sah und erlebte. Endlich, am 20. Adar bricht er von dort auf, kommt nach Kairo und von dort zieht er mit einer kleinen Kamelkarawane durch die Wüste nach Erez Israel. „ . . . Wir kamen von Oase zu Oase in der Wüste ohne Unfall nach Gaza. Dies war die erste Stadt, die wir fanden, als wir die Wüste verließen, eine große und chöne Stadt. Ich sah in Gaza die Ruinen des Hauses, das Simson auf die Philister gestürzt hat, wie mir die dortigen Einwohner erzählten. . . . Am Sonntag, den 12. Nissan, ritten wir von Gaza auf Eseln nach Hebron zu, übernachten in der Nähe von Hebron und kamen am Montag nach Hebron. Dies ist eine kleine Stadt am Abhang des Berges, die Araber nennen es Chalil ... Ich war an der Höhle Machpela, aber in die Höhle selbst, in der die Gräber der Väter sind, gehen weder die Juden noch die Jsmaeliten. . . . Jeden Tag verteilt man an der Höhle Machpela Brot, Linsen oder ein anderes Gericht aus Hülsenfrüchten an Arme, an Juden wie an Araber, wie an Heiden, zu Ehren unsres Vaters Abraham. Und ein kleines Fenster ist außen an der Mauer, welche an den Seiten der Höhle ist und man sagt, daß dieses Fenster hinabsieht auf das Grab unsres Vaters Abraham und die Juden haben - Erlaubnis, an diesem Fenster zu beten und auch ich betete bei diesem kleinen Fenster. Aus der Spitze eines Berges, der südlich der Höhle Machpela liegt, ist eine große und schöne Höhle und man erzählt, daß dies das Grab Jsais, des Vaters Davids, sei. Auf dem Wege zwischen dem Grab Jsais und den Gräbern unsrer Väter sahen wir einen Brunnen, den die Araber den „Brunnen Jizchaks" nennen und nahe bei Hebron zwischen Felsblöcken ist ein Quell 'rischen Wassers, der als Bad Saras bezeichnet wird. Wir brachen am Dienstag von Hebron auf und kamen zum Grabmal Rachels . . . und wir stiegen herab von unfern Eseln und warfen uns hin und jeder betete nach seiner Kraft. . . . Und wir kamen an die Tore Jerusalems und am 13. Nissan 5248 am Mittag, da standen unsre Füße in den Toren Jerusalems. Und es kam mir ein Aschkenasi entgegen, der in Italien aufgewachsen war, 'ührte mich in fein Haus und ich feierte mit ihm ganz Pesach. ... Die Westmauer, die zum Teil noch erhalten ist, besteht aus großen, mächtigen Steinen und ich sah nicht solches an Größe an irgend einem alten Bau in Rom oder anderen Ländern. Auf dem Oelberg ist. die Höhle des Propheten Hagai und vielleicht noch 10 Höhlen und von jeder Seite, unter Häusern uno Feldern inden sich hier Höhlen ohne Zahl. Die Wasser des Schiloach sind unten am Berge im Tale Josaphat, es ist kein Fluß, nur eine Quelle Wassers; von morgens bis mittags nimmt sie zu und von da an und weiter wird sie kleiner und fließt unter den Berg . . . und das Tal Josaphat ist ein kleines Tal zwischen dem n’an in und dem wwn ->n und nahe dabei ist die „Jad Abschalom" und die Höhle des Propheten Secharjah r-ry und dort betet man an den Festtagen und sagt dort Kinoth an jedem Tischo b'av. Der Oelberg ist ein hoher Berg, aber Oelbäume sind wenig dort. Wer auf den Gipfel des Oelbergs steigt und feine Augen sehen weit, der wird von dort Sodom und Amorah sehen. Ich fragte nach der Frau von Lot, aber niemand konnte mir etwas von ihr erzählen, denn sie sagten, es wären dort so viele Salzhügel und Salzsäulen, daß man nicht wissen könne, ob die Frau des Lot unter ihnen sei. Auch den Berg Eborim, auf dem das Grab Mosches rr? ist, kann man von Jerusalem aus sehen und das Land jenseits des Jordan, das Land des Rüben, des Gad und des Ascher und der Söhne Ammons — aber alles ist verödet; es sind keine Städte dort. Ich mietete mir ein Haus, dort in Jerusalem, nahe zur Synagoge und ich danke G'tt, daß er mich so segnete und mich nicht krank werden lieh, wie all die andern Leute, die mit mir zusammen hierherkamen: denn viele Leute, die von fernen Ländern hierherkommen, werden krank durch den Luftwechsel. Denn die Luft wechselt hier von kalt zu heiß und von heiß zu kalt und alle Winde der Welt blasen in Jerusalem. Und man sagt, daß jeder Wind, bevor er an den Ort geht, der ihm bestimmt ist, zuerst nach Jerusalem kommt,, um sich dort vor G'tt zu verneigen. . . . In Jerusalem, der heiligen Stadt, die aufgebaut und errichtet werden möge bald in unfern Tagen, am 8. Elul 248 p~s'T Dein Sohn Obadja." Reise nach Erez Israel. Am achten Pessachtage hatten wir Frankfurter Kinder eine große Freude, nämlich Herr Redakteur Schachnowitz hielt einen Kindervortrag über Palästina. Damit die anderen Leser der Kinderecke auch etwas davon haben, will ich hier kurz berichten. Herr Schachnowitz ließ uns unsere Koffer packen und Montag, den 7. März am Hauptbahnhof in den Zug steigen. Wir fuhren bis Triest, dort stiegen wir in das große Schiff „Carnaro" und fuhren über Cypern, Brindisi*) und weiß ich, wie sonst die Inseln noch heißen. Montag früh, den 14. März, waren wir in Palästina, pardon Erez Israel. Das muß ein schönes Gefühl gewesen sein; endlich hier, endlich bei Mutter Zion, der heiligen Stätte . . . Das heißt, ich age, man war in Erez Jisroel?, nein, man mußte erst in kleine Bootchen umgebootet werden, um an Land zu kommen. Dann erzählte Herr Schachnowitz von dem Purim in Tel-Awiw. Es waren große Umzüge am Purim, mit großen buntgeschmückten Wagen. Der erste Wagen stellte Abraham dar, wie er mit Sarah, Lot und seinen Dienern sein Vaterhaus verließ. Der zweite Wagen, wie Israel durch die Wüste zog. Der dritte, wie David mit Goliath kämpfte usw. Dann wurde ein Festspiel auf offener Straße aufgeführt, natürlich die Purimgeschichte. Es mußte so ähnlich sein wie Fastnacht in Deutschland. Auch von der ■oisa der Klagemauer, bekamen wir erzählt. Juden aller Rassen, aus allen Ländern und Stämmen, alte Juden, moderne Juden, Chaluzim, Jemeniten und noch viele andere, alle, alle bringen ihre Gebete und Klagen der Mutter Zion und alle, alle hört sie an. An Rahels Grab war es, wie Herr Schachnowitz erzählte, ähnlich. Die Juden bringen hier alle ihre Nöten vor, z. B. wenn einer schwer krank ist, oder eine Familie kein Brot im Hause hat, diese Sorgen bringen sie Mutter Rahel. Danach führte uns der Redner zu dem Salzmeere hinaus. Weite Strecken sah man weder Baum noch Strauch. Es war an der Stelle, wo Sodom und Amorah gestanden hatten. Einige von den Leuten, die mit am Salzmeere waren, badeten im Meer, denn es hieß, man könne durch das Salz nicht untergehen. Aber Herr Schachnowitz dachte, wie er uns sagte: „Ich weiß, daß ich nicht untergehen kann, aber ob das Meer es weih?" Und er begnügte sich damit, zuzusehen. Die anderen Erlebnisse sind nicht so wichtig. Und ich hoffe, daß bald Moschiach kommen wird und wir in Erez Jisroel all diese Dinge mit eigenen Augen sehen werden. Olga Lea Sch. (10 Jahre). Anmerkung der Redaktion: Olga Sch. hat Euch einen sehr feinen Bericht über unfern Palästinavortrag gegeben und Ihr könnt Euch danach schon gut vorstellen, wie interessant er gewesen ist. Aber ich meine, unsre Verichterstatterin hat hauptsächlich nur von der ersten Hälfte des Vortrags erzählt und vermutlich gefürchtet, daß der Bericht sonst zu lange würde. Aber „die andern Erlebnisse" fand ich doch auch recht wichtig! Wer von den Frankfurter Kindern will noch erzählen, was Herr Red. Schachnowitz Euch über Hebron, über Tiberias. über die Kolonien, über die hebräische Sprache im Lande und vor allem bei den Kindern usw. usw. alles berichtet hat? *) Brindisi ist aber keine Insel, sondern eine Stadt in Italien!

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